Um Wildschweinbestände zu reduzieren fordern Tierrechtler den Einsatz der Antibabypille anstelle einer konsequenten Bejagung. Der Deutsche Jagdverband (DJV) lehnt diesen praxisfernen Vorschlag ab.

Dresden (dpa) - Der Bestand an Wildschweinen in deutschen Wäldern lässt sich aus Sicht von Experten nicht durch eine Antibabypille für reduzieren. «Sie ist eine Utopie, nicht mehr als ein Hirngespinst, ein frommer Wunsch und wird auch auf absehbare Zeit nicht realisierbar sein», sagte der Sprecher des Deutschen Jagdverbandes, Torsten Reinwald, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies auf das Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, das Versuche mit der Pille wieder eingestellt habe. Reinwald reagierte auf Forderungen des Vereins Wildtierschutz Deutschland, die Pille zur Bestandsregulierung zu verwenden.

Reinwald zufolge ist auch ein bei Hausschweinen zur Verhütung verwendetes Hormonpräparat ausgeschlossen. Das Medikament müsse je nach Körpergewicht dosiert und zudem gespritzt werden: «Das ist in der Praxis bei Wildschweinen gar nicht umsetzbar. Die kann man zur Impfung nicht einfach so zusammentreiben», erklärte der Experte. Der Wald sei weder ein Streichelzoo noch ein Bauernhof: «Wildschweine sind Wildtiere, dabei sollte man es belassen.» Er sei verwundert, dass ein Verein im Namen der Tierrechte so etwas vorschlage und den Wildschweinen das elementare Recht auf Fortpflanzung streitig mache.

Der Biologe sieht nur eine Möglichkeit zur Verkleinerung der
Populationen: «Dazu müssen wir mehr Schweine im Alter von unter zwei Jahren schießen. Sie tragen zu 70 Prozent zum Wachstum des Bestandes bei. Darin liegt der Schlüssel.» Der Jagdverband sehe kein Problem darin, Schonzeiten aufzuheben. Allerdings gelte es, den Schutz der Muttertiere zu gewährleisten. Ein Jäger dürfe Frischlingen nicht die Mutter wegschießen.

Nach Angaben Reinwalds haben sich die Bedingungen für Wildschweine in Deutschland stark verbessert: «Aufgrund des guten Nahrungsangebots werden sie heute schon mit drei, vier Monaten geschlechtsreif. Früher dauerte das ein Jahr.» Die Landwirtschaft trage zu dem Geburtenboom bei. Auf der Hälfte der Ackerfläche in Deutschland würden nur noch drei Feldfrüchte angebaut: Raps, Weizen und Mais. «Das ist Wildschweinfutter satt. Zudem hat sich in den vergangenen 30 Jahren der Ertrag pro Fläche verdreifacht. Pro Hektar gibt es heute drei Mal mehr potenzielle Kalorien für Wildschweine.»

Nicht zuletzt fördere der Klimawandel die Bestandsentwicklung. Nach einer Studie aus Österreich sei er inzwischen die treibende Kraft.
«Da es immer wärmer wird, kommen auch schwache Wildschweine durch den Winter und verpaaren sich dann. Mittlerweile sind sie sogar in Höhen von mehr als 1000 Metern anzutreffen und breiten sich in Europa immer weiter nach Norden aus», sagte Reinwald. Ferner habe der Klimawandel einen Nebeneffekt - Buchen und Eichen befänden sich im Dauerstress und reagierten darauf mit vermehrter Samenproduktion: «Früher gab es im Wald alle sieben Jahre ein Mastjahr, heute schon alle zwei.»

Aufgrund des medialen Interesses hat der Deutsche Jagdverband die häufigsten Fragen zum Thema Afrikanische Schweinepest (ASP) in einem Faktenpapier beantwortet.

Was sind die Symptome der ASP?

Bei europäischem Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres etwa innerhalb einer Woche. Beim Aufbrechen der Stücke (Entnehmen der Organe durch einen Jäger) sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt. Das Fehlen solcher Auffälligkeiten schließt nicht aus, dass es sich dennoch um ASP handelt. In Schweinebeständen in Afrika überleben Tiere häufig eine Infektion.

 

Wie viele Wildschweine gibt es in Deutschland?

Derzeit gibt es noch keine wissenschaftliche Methode, um Wildschweine zu zählen. Lediglich grobe Schätzungen sind möglich. Ausgehend von der durchschnittlichen jährlichen Reproduktionsrate von 230 Prozent (Tierärztliche Hochschule Hannover) und der DJV-Streckenstatistik (2016/17: knapp 600.000 Wildschweine) liegt der Frühjahrsbestand bei etwa 300.000 Tiere. Diese Schätzung basiert auf der Annahme, dass Jäger nahezu den gesamten Nachwuchs abschöpfen. Bezogen auf den Herbstbestand erlegen Deutschlands Jäger also bereits jährlich zwei Drittel der Schweine.
 

Wie ist die ASP übertragbar?

Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Unter ungünstigen Bedingungen kann ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot ausreichen, um die Seuche einzuschleppen und auch in Deutschland Ausbrüche zu provozieren. Besonders effizient ist die Übertragung über Körperflüssigkeiten, besonders Schweiß (Blut). Kleinste Tropfen reichen für eine Infektion.
 

Ist ASP ansteckend für den Menschen?

Die Afrikanische Schweinepest zählt nicht zu den Zoonosen und kann dementsprechend nicht auf den Menschen übertragen werden. Haus- und Wildschweine sind gleichermaßen empfänglich für das Virus.

Kann infiziertes Schweinefleisch gegessen werden?

Infiziertes Schweinefleisch ist völlig ungefährlich für den Menschen und könnte gegessen werden. Um eine Verschleppungsgefahr allerdings komplett auszuschließen, sollten infizierte Schweine nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Nachweislich wurde die Seuche beispielsweise von der Ukraine ins Baltikum über kontaminierte Rohwurst eingeschleppt.
 

Wie schnell breitet sich die ASP aus?

Die natürliche Ausbreitung der ASP über Wildschweine geht langsam voran und beträgt nach Angaben der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA mit höchstens 25 Kilometern pro Jahr. Besorgniserregend ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit über den Menschen: Auf Transitstrecken kann sich das Virus mit 90 Kilometern pro Stunde fortbewegen - beispielsweise im Schlamm in den Radkästen eines Lkw oder über kontaminierte Lebensmittel aus (Wild-)schweinfleisch (z.B. Salami, Räucherschinken). Das Virus kann selbst am Schuh mehrere Monate überleben. Biosicherheit an Parkplätzen, Bahnhöfen oder Grenzübergängen ist besonders wichtig, also beispielsweise verschlossene Abfallbehälter: Ein unachtsam entsorgtes Wurstbrötchen reicht, um die Seuche nach Deutschland zu bringen.
 

Welche Rolle spielen Wolf und andere Fleisch- und Aasfresser wie Fuchs bei der Ausbreitung der ASP?

Nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts kann sich das Virus der Afrikanischen Schweinepest nur in Schweinen vermehren und wird daher nicht von Beutegreifern oder Aasfressern ausgeschieden, die es mit einem gerissenen Stück Schwarzwild oder an einem Kadaver aufgenommen haben. Alle Prädatoren, Greifvögel und Aasfresser könnten prinzipiell eine mechanische Vektorfunktion haben, wobei es keine Hinweise gibt, dass eine spezielle Art einen größeren Einfluss hat. Der Wolf nimmt keine Nahrungsvorräte über lange Distanzen mit, wie es der Mensch tut. Eine direkte Verschleppung ist somit unwahrscheinlich. Es gibt keine Hinweise, dass sich das Virus längerfristig über kontaminierte Zähne oder Haare übertragen lässt. Insbesondere Aasfressern kommt unter Umständen sogar eine positive Rolle bei der Beseitigung von Kadavern zu.
 

Die Schweinepest steht vor der Tür. Was muss jetzt getan werden?

Der Fokus muss auf Maßnahmen der Prävention liegen. Dazu gehört es, Wildschweine mit allen legalen Mitteln zu bejagen, vornehmlich junge Bachen. Ziel ist es, die Bestandsdichte und den Zuwachs weiter zu reduzieren. Ein weiterer Fokus muss auf der Biosicherheit liegen: Entlang von Transitstrecken sind verschlossene Abfallbehältnisse wichtig, damit Wildtiere infizierte Fleisch- und Wurstreste nicht verschleppen können. Ein dritter Fokus muss auf Früherkennung liegen: Verdächtige Wildschwein-Kadaver müssen vor Ort liegen bleiben und der zuständige Amtstierarzt muss umgehend informiert werden. Ein Abtransport des Kadavers ist wegen der Verschleppungsgefahr nur in einem dichten Behälter zulässig.
 

Wie stehen Jäger zum Wegfall von Beschränkungen bei der Wildschweinjagd?

Eine Aufhebung von Schonzeiten sehen wir unkritisch. In der jetzigen Phase der Prävention ist allerdings der Elterntierschutz nicht verhandelbar: Eine Bache mit abhängigen Frischlingen darf nicht erlegt werden. Es macht Sinn, verstärkt junge weibliche Wildschweine zu bejagen. Die bis 2-jährigen Tiere tragen maßgeblich zur Fortpflanzung bei: 7 von 10 Frischlingen werden von jungen Bachen geboren.
 

Was fordern die Jäger, um besser jagen zu können?

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die eine Bejagung von Wildschweinen erleichtern und dringend umgesetzt werden sollten:

  • Anlegen von Bejagungsschneisen im Frühjahr - in allen Feldkulturen, z.B. Raps, Mais, Weizen
  • Aufheben von Jagdverboten in Naturschutzgebieten, insbesondere in Schilfgebieten und Bruchwäldern. Dort halten sich Wildschweine bevorzugt auf.
  • Aufheben von Jagdruhezeiten
  • Aufwandsenschädigung für Monitoring und Beprobung (Trichinen, Blut- und Tupferproben) sowie ausreichend Probeabgabestellen
  • Unterstützung bei der Verkehrssicherung für Bewegungsjagden (weniger Bürokratie, Kostenübernhame und Personal)

 

Was ist von der angeblichen Forderung des Bauernverbandes zu halten, 70 Prozent der Wildschweine abzuschießen?

Die Forderung, den Bestand um 70 Prozent zu reduzieren, ist haltlos, weil keine Bezugsgröße genannt wird – weder räumlich noch zeitlich. Die Zahl beruht ausschließlich auf mathematischen Modellen der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA für den Fall eines Ausbruchs der Schweinepest und hat nichts mit der praktischen Umsetzbarkeit zu tun. Bezugsgröße ist hier lediglich das klar umgrenzte Seuchengebiet. Maßnahmen wie Aushungern, Vergiften oder Schießen sind nur einige, die in Frage kommen, um dieses Ziel im Ernstfall möglichst zu erreichen (EFSA AHAW Panel, Scientific opinion on African swine fever. EFSA Journal 2015:13(7):4136, 92pp).

 

Welche Maßnahmen müssen bei einem ASP-Ausbruch eingeleitet werden?

Es gibt kein Allheilmittel gegen die Afrikanische Schweinepest. Ganz besonders wichtig ist die Früherkennung: Wenn ein Ausbruch umgehend gemeldet wird, können Maßnahmen eingeleitet werden, um die Verbreitung sofort zu unterbinden. Gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut hat der DJV einen Maßnahmenkatalog nach dem Werkzeugkasten-Prinzip entwickelt: Je nach Jahreszeit, Topographie oder Vegetation müssen unterschiedlichste Maßnahmen kombiniert werden. Der Maßnahmenkatalog hat Empfehlungscharakter, die Krisenstäbe vor Ort müssen im Seuchenfall dann die besten Maßnahmen kombinieren. Am besten ist es, wenn die Verantwortlichen bereits jetzt mögliche Szenarien durchdenken.

Der ASP-Maßnahmenkatalog von FLI und DJV.

 

Wie stehen Sie zum Einsatz von Nachtzielgeräten oder Sauenfängen?

Der Einsatz von Nachtzielgeräten ist waffenrechtlich verboten. Ob mit deren Einsatz ein langfristiger Jagderfolg zu erreichen ist, bleibt fraglich. Der Einsatz von Sauenfängen ist unter Tierschutzaspekten und Effektivität kritisch zu hinterfragen. Abgesehen von wenigen Ausnahmeregelungen ist der Einsatz von Saufängen in Deutschland verboten.
 

Was sollten Jäger in Hinblick auf Jagdreisen beachten?

Jäger sollten Regionen, die von der ASP betroffen sind, unbedingt meiden. In Osteuropa, insbesondere in Polen, Tschechien, im Baltikum, der Ukraine, Weißrussland sowie Russland gibt es regionale Seuchenherde. Jäger müssen auf Biosicherheit achten: Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge und Jagdausrüstung müssen gründlich gereinigt oder desinfiziert werden.

Kann die "Pille für das Wildschwein" als Alternative zur Jagd, einem ASP-Ausbruch vorbeugen?

Bei der von Tierrechtlern aufgebrachten Idee eine ASP-Verbreitung durch die "Pille für das Wildschwein" vorzubeugen wird auf das Medikament Improvac verwiesen. Dieses Ist allerdings nur wirksam wenn es zweimal zu definiertern Zeitpunkten gespritz wird. Zudem lässt die gewünschte Wirkung schon acht Wochen nach der zweiten Impfung nach. Aufgrund der Tatsache, dass es in der Praxis nicht möglich ist, jedes männliche Wildschwein zwei mal zu bestimmten Zeitpunken einzufangen und zu impfen, ist der Vorschlag der "Pille für das Wildschwein" weder zielführend noch umsetzbar.

Sollten als Alternative zu der Impfung von Improvac, Gestagene als Köder in der Natur ausgebracht werden, würde das einen unverantwortbaren Eingriff in das Ökosystem darstellen. Die auch beim Menschen zur Schwangerschaftsverhütung angewendeten Hormone müssten regelmäßig von den weiblichen Wildschweinen aufgenommen werden um den gewollten Effekt zu erreichen. Bei unregelmäßiger Aufnahme würde eine Fruchtbarkeit sogar provoziert werden. Darüber hinaus stellen ausgelegte Köder eine erhebliche Gefahr für andere Tierarten dar.

Somit sind Impfungen von Improvac, oder die Auslegung von Gestagenen in der Natur, weder zielführend für eine Bestandsregulierung, noch im Sinne des Tierschutzes vertretbar.

Welche Rolle spielt das Tierfund-Kataster des DJV für die Früherkennung der ASP?

Das Tierfundkataster des DJV ermöglicht es, die Fundorte von verendetem Schwarzwild durch Markierung und Georeferenzierung der Fundstelle und mit aufgenommen Bildern, in kürzester Zeit den zuständigen Veterinärbehörden mitzuteilen. Gleichzeitig wird schnell ein Kontakt zwischen dem Finder und der zuständigen Stelle hergestellt, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Das trägt maßgeblich zur schnellen Früherkennung der ASP bei.

Den Link zum Tierfundkataster finden Sie unter: https://www.tierfund-kataster.de/tfk/tfk_beschreibung.php

Was ist bei verendetem Schwarzwildfund zu beachten?

Da es sich bei der ASP um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt, sollte man den Fund eines Schwarzwildkadavers unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt melden, um abzuklären, ob das Tier mit ASP infiziert ist. Welches Amt für den jeweiligen Fundort zuständig ist, finden Sie hier: https://amtstierarzt.de/adressen/untere-veterinaerbehoerden

Proben vom Kadaver sollten nur sachverständige Fachleute nehmen und die Entsorgung überwachen. Ein Transport toter Wildschweine ist nur in dichten Spezialbehältnissen sicher. Das Virus kann selbst im Schlamm am Kotflügel eines Autos lange Zeit überleben und verschleppt werden. Daher sollten verdächtige, tote Wildschweine nur von Fachleuten bewegt werden. Wichtig ist, den Fundort zu sichern, etwa mit einer Plane.

 

Im zurückliegenden Jagdjahr haben Deutschlands Jäger viereinhalb mal so viele Wildschweine wie vor 40 Jahren erlegt. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest apelliert der DJV an Jäger, insbesondere junge Wildschweine zu erlegen. Sie tragen maßgeblich zur Fortpflanzung bei. Verdächtige Kadaver sollten umgehend den Behörden gemeldet werden.

 

589.417 Wildschweine haben die Jäger in Deutschland im Jagdjahr 2016/17 (1. April bis 31. März) erlegt oder verendet aufgefunden (4 Prozent). Das ist der vierthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren. Im Vergleich zur Jagdsaison 1976/77 beträgt die Steigerung knapp 350 Prozent  für Gesamtdeutschland. Diese Zahlen hat der Deutsche Jagdverband (DJV) heute veröffentlicht und betont die Notwendigkeit der Wildschwein-Jagd. Mit den kontinuierlich steigenden Abschusszahlen hat die Jägerschaft in den vergangenen Jahrzehnten anwachsende Wildschweinbestände zwar reduziert. In Hinblick auf die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) appelliert der DJV an Jäger, die Wildschweinjagd noch zu intensivieren. Besonders weibliche Tiere, jünger als zwei Jahre, müssen verstärkt erlegt werden - sie tragen mit über 80 Prozent zur Fortpflanzung bei. "Noch ist das Virus nicht in Deutschland, doch je weniger Wildschweine pro Fläche leben, desto geringer ist im Ernstfall zumindest über Wildtiere die Ausbreitungsgefahr", sagte Dr. Wolfgang Bethe, Veterinär und DJV-Präsidiumsmitglied. Allerdings sei erwiesen, dass der Mensch und nicht Wildtiere das Virus über große Distanzen verbreite, etwa über den Transitverkehr.  Ein achtlos weggeworfenes Brot mit verseuchter Wurst reiche, um die Afrikanische Schweinepest einzuschleppen, so Dr. Bethe weiter. Deshalb sollte die Aufklärungsarbeit von Behörden in der Öffentlichkeit intensiviert werden.

Laut DJV muss der Fokus in Deutschland derzeit auf Maßnahmen der Früherkennung liegen. Nur so gibt es eine Chance, die Seuche im Ernstfall schnell und effektiv einzudämmen. Symptome der für den Menschen ungefährlichen ASP sind bei Wildschweinen beispielsweise Nasen- und Hautblutungen, geringe Fluchtbereitschaft und Bewegungsstörungen. Bei toten Tieren lassen sich oftmals punktförmige Blutungen in den Organen nachweisen, Lunge und Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt. Der DJV bittet insbesondere Jäger und Landwirte darum, verdächtige Kadaver an Ort und Stelle zu belassen und umgehend den zuständigen Amtstierarzt zu informieren. Ein Transport ist nur in dichten Spezialbehältnissen sicher. Das Virus kann selbst im Schlamm am Kotflügel lange Zeit überleben und verschleppt werden.

Nach Angaben von Wissenschaftlern könnten Wildschweine ohne das Eingreifen von Jägern ihren Bestand aufgrund der guten Nahrungsbedingungen und der milden Winter jährlich mehr als verdreifachen. Hauptursache des europaweiten Siegeszuges des Wildschweines sehen Wissenschaftler im Klimawandel. Wildschweine erreichen die Geschlechtsreife inzwischen ab einem Gewicht von etwa 30 Kilogramm. Frischlinge, also Tiere, die jünger sind als ein Jahr, bringen knapp die Hälfte des gesamten Nachwuchses zur Welt. Bachen im Alter zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr tragen mit etwa einem Drittel zum Zuwachs bei.

Gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hat der DJV Empfehlungen zum Umgang mit der ASP erarbeitet, die sich in drei Kernthemen gliedern: Früherkennung,  Übersicht der möglichen Maßnahmen im Seuchenfall sowie deren örtliche und zeitliche Anwendung anhand von konkreten Fallbeispielen.

Weitere Infos zur Afrikanischen Schweinepest

Bei europäischem Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres etwa innerhalb einer Woche.

Ein Impfstoff gegen die ASP ist auf absehbare Zeit nicht verfügbar. Daher können ausschließlich hygienische Maßnahmen und die Reduktion der Wildschweinbestände zur Vorbeugung und Bekämpfung der unheilbaren Tierseuche eingesetzt werden. ASP befällt Haus- und Wildschweine gleichermaßen.

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und Deutscher Jagdverband (DJV) veröffentlichen Empfehlungen zum Umgang mit der Tierseuche. Für Früherkennung und möglichen Seuchenfall sollten Behörden, Jäger und Landwirte eng zusammenarbeiten. 

Der Deutsche Jagdverband (DJV) und das Friedrich-LoefflerInstitut (FLI) haben gemeinsam Empfehlungen zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erarbeitet, die sich in drei Kernthemen gliedern: Früherkennung,  Übersicht der möglichen Maßnahmen im Seuchenfall sowie deren örtliche und zeitliche Anwendung anhand von konkreten Fallbeispielen. Der Fokus des Empfehlungspapiers liegt auf jagdlichen Mitteln für Wildschweine. Die Viruserkrankung wurde zuletzt in Tschechien, etwa 350 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze, nachgewiesen. Ein Impfstoff gegen die ASP ist auf absehbare Zeit nicht verfügbar. Daher können ausschließlich hygienische Maßnahmen und die Reduktion der Wildschweinbestände zur Vorbeugung und Bekämpfung der unheilbaren  Tierseuche eingesetzt werden. ASP befällt Haus- und Wildschweine gleichermaßen. 

Die gemeinsame Empfehlung von DJV und FLI stellt Vor- und Nachteile möglicher Gegenmaßnahmen für den Seuchenfall vor. Falls das ASP-Virus nach Deutschland in Wildschweinbestände eingeschleppt wird, müssen unverzüglich räumliche Ausdehnung, Anzahl der betroffenen Tiere, Größe der Population im betroffenen Gebiet und weitere Faktoren eingeschätzt werden. Zudem gilt es, die Tierseuche in der betroffenen Wildschweinpopulation schnellstens zu bekämpfen, damit sie sich nicht ausbreitet und sogar auf Hausschweine übergreift. Die geeigneten Maßnahmen hängen jeweils von Landschaftslage, Jahreszeit, Vegetationsperiode, Temperatur, örtlichen Gegebenheiten oder logistischen Bedingungen ab und sind nach dem Baukasten-Prinzip frei kombinierbar.  

Konkrete Ausbruchszenarien mit verendeten Wildschweinen für verschiedenen Regionen Deutschlands zu verschiedenen Vegetationszeiten zeigen: Jeder Fall ist differenziert zu betrachten und zu bewerten. Die eingesetzten Krisenstäbe müssen die konkreten Begebenheiten vor Ort berücksichtigen und Maßnahmen jeweils anpassen. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut und der Deutsche Jagdverband appellieren an Behörden, Jäger und Landwirte bereits jetzt konstruktiv zusammenzuarbeiten. Es gehe vordringlich um bundesweit abgestimmte Maßnahmen, die praktikabel seien. Dies gelte sowohl für die Früherkennung als auch den möglichen Seuchenfall. 

Die Behörden in Tschechien haben mit dem Bau eines kilometerlangen Elektrozauns begonnen, um die weitere Ausbreitung der hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen zu verhindern. Außerdem wird das Infektionsgebiet für Menschen zur Sperrzone.

In dem 50 Quadratkilometer großen Infektionsgebiet um die östliche Stadt Zlin in Tschechien dürfen Wald und Felder nicht mehr von Menschen betreten werden. Ausnahmen gelten nur für bestimmte Gruppen wie Förster und Landwirte. Rund 350 Schilder sollen auf das neue Verbot aufmerksam machen. Das teilte der Präsident der Verwaltungsregion Zlin, Jiri Cunek, kürzlich mit. Die Polizei werde die Einhaltung der Anordnung überwachen.

Zusätzlich installierten die Behörden einen Zaun: Der rund 70 Zentimeter hohe, elektrische Weidezaun verwendet eine Spannung von 10.000 Volt, die aber nur für den Bruchteil einer Sekunde abgegeben wird. Mit dem Zaun soll verhindert werden, dass infizierte Tiere das 40 Quadratkilometer große Ansteckungsgebiet verlassen und die Krankheit weitergeben.

Eingesetzt werden auch sogenannte Vergrämungsmittel - übelriechende
chemische Duftstoffe. Regionspräsident Jiri Cunek machte sich in
einem Hubschrauber ein Bild von der Lage.

Die Landwirte wurden angewiesen, auf einer Fläche von 115 Hektar die
Ernte nicht einzufahren. Die Wildschweine sollen genug Nahrung
vorfinden, damit sie nicht weiterwandern. In den umliegenden Regionen
wird vermehrt auf die Wald- und Feldbewohner Jagd gemacht. Seit Mitte
Juli wurden nach Angaben der staatlichen Veterinärbehörde mehr als
1.290 Tiere abgeschossen. Im betroffenen Gebiet selbst wird nicht
gejagt, damit die Wildschweine nicht daraus verscheucht werden.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat seine Risikoeinschätzung kürzlich für die Einschleppung der Seuche nach Deutschland angepasst. Die Experten stufen das Risiko durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen nicht mehr als gering ein, sondern als mäßig. Als größte Gefahr für die Einschleppung gilt weiterhin der Mensch, der über nicht gegarte, kontaminierte Schweineprodukte den Erreger nach Westen tragen könne. Das Einschleppungsrisiko durch den Menschen wird weiter als hoch eingestuft.

Die Afrikanische Schweinepest verläuft für die infizierten Tiere in
der Regel tödlich. Seit Beginn des Ausbruchs in Tschechien Ende Juni
wurde das Virus bei 77 Tierkadavern festgestellt. Für den Menschen
ist die Tierseuche ungefährlich. Bei einem Übergriff auf Hausschweine
drohen allerdings erhebliche wirtschaftliche Schäden, da es keine
Impfung gibt.
 

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich von Ost- nach Mitteleuropa aus. Zuletzt verendeten Wildschweine in Tschechien. Das Friedrich-Loeffler-Institut verschärft nun die Risikoeinschätzung für Deutschland. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen die Seuche.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher an Deutschland heran. Nach dem Auftreten der Seuche bei Wildschweinen in Tschechien hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) seine Risikoeinschätzung für die Einschleppung der Seuche nach Deutschland angepasst. Die Experten stufen das Risiko durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen nicht mehr als gering ein, sondern als mäßig. Als größte Gefahr für die Einschleppung gilt weiterhin der Mensch, der über nicht gegarte, kontaminierte Schweineprodukte den Erreger nach Westen tragen könne. Das Einschleppungsrisiko durch den Menschen wird weiter als hoch eingestuft.

Das hochinfektiöse Afrikanische Schweinepest-Virus zirkuliert in Wild- und Hausschweinbeständen in den baltischen Staaten sowie in der Ukraine, Polen und Russland. Seit Ende Juni wurden 25 Wildschweine in Ost-Tschechien gefunden, die an der Krankheit verendet waren. In keinem der Länder sei eine erfolgreiche Bekämpfung der Tierseuche bei Wildschweinen bisher gelungen, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter am Donnerstag. Gegen die Afrikanische Schweinepest existiert bislang kein Impfstoff. Auch sei eine Bekämpfung der Seuche durch eine intensive Bejagung bislang erfolglos geblieben.

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland mit den laut EU-Verordnung drohenden Handelsrestriktionen könnte jedoch große Schäden verursachen. Deutschland gehört zu den weltweit größten Schweinefleischproduzenten. 2016 wurden in Deutschland 5,53 Millionen Tonnen Schweinefleisch erzeugt. 

Karte Ausbreitung ASP, Stand 11.07.17 «Das Virus ist ein cleverer Erreger», sagte Mettenleiter. «Es vermehrt sich in den Zellen, die eine Immunantwort vermitteln wollen.» Der Erreger habe dabei verschiedene Mechanismen entwickelt, um einer immunologischen Reaktion zu entkommen. Weltweit wird nach Angaben Mettenleiters an einem Impfstoff geforscht. Es gebe aber bislang noch kein Mittel, das in die Nähe einer Einsatzfähigkeit komme. Infizieren sich Schweine mit ASP, ist die Sterblichkeit hoch. Bei experimentellen Infektionen habe die Sterblichkeitsrate bei bis zu 100 Prozent gelegen. 

Der Erreger wurde 2007 aus Afrika nach Georgien eingeschleppt und hat sich von dort über Russland, das Baltikum bis nach Polen und Tschechien ausgebreitet. Seit 2014 wurden in Europa 5700 infizierte Wildschweine und etwa 660 Ausbrüche bei Hausschweinen registriert. In Ländern wie Weißrussland ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Alarmiert sind die Forscher auch deshalb, weil die Wildschweindichte in Mitteleuropa und Teilen Westeuropas - darunter auch Tschechien - deutlich höher ist als in den baltischen Staaten. Als Eintragungsquelle nach Tschechien wird allerdings der Mensch vermutet, der den Erreger über Lebensmittel eingeschleppt haben könnte. Das Virus kann Untersuchungen zufolge in kontaminiertem Kühlfleisch bis zu 104 Tage, in verschiedenen Schinken bis zu 400 Tage, in Salami bis 30 Tage überleben. Das Gebiet in Tschechien liegt etwa 400 bis 500 Kilometer von den Infektionsgebieten in der Ukraine und Polen entfernt.

Das FLI forderte zu einer erhöhten Wachsamkeit auf. Tote Wildschweine sollten den zuständigen Behörden gemeldet werden. Schweinehalter sollten sicherstellen, dass ihre Bestände keinen Kontakt zu Wildschweinen haben. Das Verfüttern von Speiseabfällen sei in Deutschland verboten. Größte Gefahr für eine Einschleppung sei aber der Mensch, der über kontaminierte Kleidung, Fahrzeuge oder draußen gelagertes Futter den Erreger in Haltungen eintragen könnte.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von den ersten beiden Fällen der Afrikanischen Schweinepest in der Tschechischen Republik. Entdeckt wurden zwei infizierte Wildschweine. Der nächstgelegene Fundort ist 400 Kilometer entfernt in der Ukraine. DJV bittet Jäger in Deutschland um erhöhte Aufmerksamkeit.

Nach Angaben der internationalen Nachrichtenagentur Reuters wurden kürzlich zwei Wildschweine etwa 300 Kilometer südöstlich von Prag entdeckt, die an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gestorben waren. Damit ist die Afrikanische Schweinepest nur noch rund 300 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Wie das Virus dorthin gelangt ist, bleibt unklar. Der räumlich nächstgelegene Nachweis liegt 400 Kilometer entfernt in der Ukraine. In der Slowakei, dem östlichen Nachbarn auf dem Weg in die Ukraine, wurde bisher kein ASP-Ausbruch gemeldet.

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA geht davon aus, dass sich das Virus in der Natur etwa einen Kilometer pro Monat ausbreitet. Ein besonders großes Risiko stellt die Verschleppung des Virus durch den Menschen dar. Nach Auskunft des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) reicht im ungünstigen Fall bereits ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot aus, um das Virus auf Wild- und Hausschweine zu übertragen."Reisende aus dem Baltikum, Russland, Weißrussland, Ukraine, Polen und Tschechien sollten Lebensmittel, die Teile von Haus- oder Wildschwein enthalten, nicht einführen. Auch Jagdtrophäen vom Wildschwein aus den betroffenen Regionen können ein Einschleppungsrisiko darstellen.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) appelliert an alle Jägerinnen und Jäger in Deutschland, in Alarmbereitschaft zu sein. „Bei Auffälligkeiten im eigenen Revier sollte unverzüglich das Veterinäramt informiert werden“, sagt DJV-Vizepräsident und Veterinär Dr. Wolfgang Bethe. „Das Virus ist hoch ansteckend und für Schweine tödlich. Daher sollten alle Restriktionen, die eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung in Deutschland unterbinden, wie etwa die Jagdruhe in Schutzgebieten, aus dem Weg geräumt werden.“ Bei dem hohen Bestand an Hausschweinen in Deutschland dürfe man die Seuche nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Laut FLI führt die ASP-Infektion bei europäischem Schwarzwild zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen etwa innerhalb einer Woche zum Tod des Tieres. Beim Aufbrechen vermeintlich gesunder Tiere sollte grundsätzlich auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

Die für Haus- und Wildschweine tödliche Afrikanische Schweinepest (ASP) wandert in Polen westwärts. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fordert Jäger zur Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern auf.

Ab sofort gilt die neue „Schweinepest-Monitoring-Verordnung" des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Diese regelt Abläufe und Zusammenarbeit zwischen Jägern, Landwirten, Veterinären und Behörden im Monitoring der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sowie der klassischen Schweinepest (KSP). Sie verpflichtet Jäger (§2 Duldungs- und Mitwirkungspflichten) zur Kooperation mit den örtlichen Veterinärämtern. "Jäger haben eine große Verantwortung, wenn es um die Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen bei Wildtieren geht und verfügen aufgrund ihrer Ausbildung über die notwendigen Kenntnisse", sagt Dr. Wolfgang Bethe, Veterinär und Vizepräsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV). "Wir arbeiten bundesweit flächendeckend eng mit den Veterinärbehörden zusammen."

Demnach sind Jagdausübungsberechtige "nach näherer Anweisung der zuständigen Behörde" aufgerufen, Proben zu entnehmen - und zwar bei verendet aufgefundenen und erlegten Wildschweinen mit erkennbaren krankhaften Auffälligkeiten. Diese sollen mit Angabe zu Erlegungs- oder Fundort und den festgestellten Auffälligkeiten der zuständigen Behörden zugeleitet werden. Im Rahmen des jeweiligen Monitorings können das Tupfer-, Blut- oder Organproben sein.

Die aktuelle "Verordnung zur Durchführung eines Monitorings auf das Virus der Klassischen und der Afrikanischen Schweinepest bei Wild- und Hausschweinen (Schweinepest-Monitoring-Verordnung – SchwPestMonV) vom 9. November 2016" wurde am 16. November im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 53 auf der Seite 2518 veröffentlicht.

 

Weitere Informationen:

Eine aktuelle Übersicht über gemeldete Fälle von ASP in Osteuropa finden Sie hier.

Was ist Schweinepest?

PDF Schweinepest-Monitoring-Verordnung

 

Das für Schweine tödliche ASP-Virus wandert in Polen westwärts. Der DJV bittet Reisende aus dem Ausland deshalb um besondere Vorsicht: Ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot kann ausreichen, die Tierseuche zu verbreiten. Kommunen sollen Wildschweinjagd in Deutschland erleichtern - etwa durch Verzicht auf Gebühr für Trichinenuntersuchung.

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) breitet sich weiter Richtung Deutschland aus: Vor wenigen Tagen veröffentlichte das nationale Referenzlabor für Tierseuchen, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), aktuelles Kartenmaterial, das für die erste Augusthälfte allein sechs neue Fälle bei Hausschweinen in Polen zeigt. Ein Fall liegt bereits 50 Kilometer weiter westlich als alle bisherigen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) sieht darin weiterhin ein hohes Einschleppungsrisiko der unheilbaren Krankheit, die Haus- und Wildschweine befällt. Leider steht gegen die verheerende Tierseuche kein Impfstoff zur Verfügung. Daher können ausschließlich hygienische Maßnahmen und die Reduktion der Wildschweinbestände zu Vorbeugung und Bekämpfung eingesetzt werden. 

Notwendige Hygienemaßnahmen beachten

Karte zur Afrikanischen Schweinepest

Das ASP-Virus ist außerordentlich widerstandsfähig, ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot kann ausreichen, um die Seuche einzuschleppenFrisches, sogar gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch sowie Wurstwaren können über lange Zeit infektiös sein. Deshalb sollten Urlauber, Fernfahrer und andere Reisende aus dem Baltikum, Russland, Weißrussland oder der Ukraine Essensreste mit Haus- oder Wildschweinfleisch nur in fest verschlossenen Müllbehältern entsorgen. Auch Jagdtrophäen vom Wildschwein aus den betroffenen Regionen können ein Einschleppungsrisiko darstellen. Besondere Hygiene ist notwendig bei Gegenständen, die Kontakt zu Wildschweinblut hatten. Hierzu gehören unter anderem Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke. Schweinehalter sollten die allgemeinen Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen sowie die Bestimmungen der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung beachten. Hierzu gehören laut Bundeslandwirtschaftsministerium der Zukauf von Schweinen aus Beständen mit einem gesicherten Tiergesundheitsstatus, die Abschottung des Bestandes und der Futterlager (Fahrsilos auf dem Feld) gegenüber Wildschweinen sowie die konsequente Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen unmittelbar nach jedem Transport.

Erleichterungen für die Wildschweinjagd gefordert

Wegen des milden Winters 2015/16 und der bevorstehenden üppigen Eichen- und Buchenmast rechnet der DJV mit überdurchschnittlich hohen Zuwachsraten bei Wildschweinen. Der DJV appelliert an Landwirte, Termine für die anstehende Maisernte mit den Jägern vor Ort rechtzeitig abzustimmen, damit die Erntejagd erfolgreich verläuft und Wildschweinbestände  ebenso wie das Infektionsrisiko effektiv reduziert werden können. Vor der Ernte eingebrachte Schneisen bieten zudem eine kurzfristige Bejagungsmöglichkeit. Mit dem Mais eingesäte Schneisen aus Wintergetreide oder Wildkräutern sind effektiver und über mehrere Monate nutzbar. Für die anstehende Hauptjagdsaison ab Oktober fordert der DJV die Kommunen bundesweit auf, dem Beispiel des Landkreises Potsdam-Mittelmark zu folgen und auf Gebühren für Trichinenproben von Frischlingen zu verzichten, um Anreize für deren Bejagung zu schaffen. Frischlingsbachen tragen mit knapp 50 Prozent zum Nachwuchs in der Rotte bei. Derzeit können Wildschweine aufgrund der günstigen Nahrungs- und Klimabedingungen ihren Bestand jährlich vervierfachen. Zudem fordert der DJV die Aussetzung einer generellen Jagdruhe in Schutzgebieten um bundesweit eine großflächige Wildschweinbejagung zu ermöglichen. Darüber hinaus könnten Kommunen Jagdpächter bei der Warnbeschilderung entlang von Straßen für die anstehenden Bewegungsjagden unterstützen. 

Jäger sollen Auffälligkeiten umgehend melden

Jäger sollten in der anstehen Hauptjagdsaison verstärkt auf verhaltensauffällige Wildschweine oder vermehrte Totfunde achten und umgehend dem zuständigen Veterinäramt melden. Laut FLI führt die ASP-Infektion bei europäischem Schwarzwild zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen etwa innerhalb einer Woche zum Tod des Tieres. Beim Aufbrechen sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

Die neue Verbreitungskarte der ASP gibt es hier: 

FLI-Kartenmaterial

 

Weiterführende Infos:

Hinweise des Bundeslandwirtschaftsministeriums

Hinweise des Friedrich-Loeffler-Instituts

Dahme-Spreewald übernimmt Kosten für Trichinenuntersuchung

Mit der generellen Befreiung geht der Landkreis weit über die Forderung des LJVB hinaus, der eine Gebührenbefreiung lediglich für Frischlinge angemahnt hatte. Bedingung für den Kostenerlass ist die gleichzeitige Abgabe einer Blutprobe für die Untersuchung auf Schweinepest. Leider ist diese Aktion aber bis zum 31. Oktober befristet.

ska Do., 2016-07-28 11:00
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