Was wir erforschen

Laufende Projekte

Im Herbst 2012 haben sich Akteure aus Jagd, Naturschutz, Bienenhaltung und Energiewirtschaft zum Netzwerk Lebensraum Feldflur zusammengeschlossen.

Gemeinsam wollen sie mit dem Projekt "Energie aus Wildpflanzen" Wege aufzeigen, wie die Energieerzeugung aus Biomasse enger mit dem Arten- und Naturschutz verknüpft werden kann. Ziel des Netzwerkes ist es, ertragreiche Mischungen aus blütenreichen ein- und mehrjährigen heimischen Wildarten und Kulturarten als eine ökologisch notwendige und ökonomisch tragfähige Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen in der Landwirtschaft zu etablieren. Dieses Ziel kann jedoch nur im aktiven Erfahrungsaustausch mit den Landwirten erreicht werden.

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur wird koordiniert vom Deutschen Jagdverband e.V., der Deutschen Wildtier Stiftung (DeWiSt) und dem Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC).

Noch nie haben eine Debatte und ihr politischer Prozess so viel Erkenntniszuwachs für Jagd und Jäger gebracht. Am Ende des Weges angekommen, wissen wir: Blei wird mit der Nutzung bleihaltiger Munition in das Wildbret eingetragen, die Mengen sind für das Gros der Verbraucher unbedenklich – und der Eintrag ist vermeidbar.

Immer noch wird kontrovers über Blei im Wildbret diskutiert – übrigens nicht nur in Deutschland. Von 2012 bis 2014 wurde im Lebensmittelsicherheitsprojekt des Bundes (LEMISI) der Eintrag von Material durch Munition ins Wildbret untersucht. Auch ausländische Studien haben zum aktuellen Stand der Forschung beigetragen. Das wichtigste für den Jäger ist jedoch, dass seine Munition funktioniert. Ob das tatsächlich der Fall ist, kann er im Moment nur auf der Basis der Erfahrung andere Jäger und einer einzigen Studie ableiten. Zu wenig, findet der Deutsche Jagdverband. Er fordert den Gesetzgeber auf Klarheit zu schaffen, sodass Jägern der Umstieg auf alternative Munition leicht gemacht wird. Dazu gehört sowohl die Wahl des richtigen Geschosses, als auch das Reinigen und Pflegen der Waffe.

Seit 1975 hat sich die Verkehrsstärke auf deutschen Autobahnen fast verdoppelt und auf Bundesstraßen sogar vervierfacht: Mehr als 9.400 Fahrzeuge pro 24 Stunden (DTV-Wert) auf Bundesstraßen und 47.600 auf Autobahnen. Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Wildunfälle vervierfacht. Ein deutliches Zeichen, dass Wildtiere immer mehr Barrieren überwinden müssen, um Nahrung oder Partner zu finden.

Grünbrücke Aichelberg an der A8
Grünbrücke Aichelberg an der A8 (Quelle: FVA/DJV)

Für seltene Arten wie Wolf, Luchs oder Fischotter birgt die Straße aus Sicht der Art ein hohes Risiko, aber auch Rehe, Hirsche und Wildschweine sind betroffen. Das Bundesprogramm Wiedervernetzung offenbarte Anfang 2012 den Handlungsbedarf: knapp 100 Konfliktstellen im deutschen Straßennetz müssten umgehend beseitigt werden – dort kollidieren wichtige Wanderachsen von Wildtieren mit bedeutenden Verkehrswegen. Zudem haben die Wissenschaftler rund 30.000 weitere Straßenabschnitte mit Risikopotenzial für Mensch und Tier identifiziert.

Querungshilfen wie Grünbrücken oder Ottertunnel können Abhilfe schaffen. Doch wie lässt sich gewährleisten, dass die Bauwerke wirklich funktionieren? Als Partner des Leuchtturmprojektes Holsteiner Lebensraumkorridore hat der DJV 2009 bis 2013 in der Praxis ermittelt, wie eine Querungshilfe optimal in das Umland eingebettet wird, damit viele Tier- und Pflanzenarten langfristig davon profitieren. Bereits 2008 stellte der Jägerverband die Ergebnisse des Projektes Barrieren überwinden vor: Es enthält zahlreiche Planungshilfen für eine wildtierfreundliche Gestaltung von Verkehrswegen. Eine entsprechende Broschüre gibt einen Überblick und nennt die Kernziele des Projekts. Das Projekt Lebensraumkorridore für Mensch und Natur hat der DJV gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz und Wissenschaftlern 2004 vorgestellt: die Initiativskizze Lebensraumkorridore für Mensch und Natur war ein erstes Grobkonzept. Auf einer Deutschlandkarte wurde das Netz der Korridore für Arten der Wälder und Halboffenlandschaften wurden die wichtigsten Achsen abgebildet, die bedeutende Waldgebiete über waldreiche Halboffenlandschaften verbinden. Einfluss fand das Grobkonzept schließlich in das Bundesprogramm Wiedervernetzung.

Abgeschlossene Projekte

Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft mittels Bejagungsschneisen

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(Quelle: DJV)

Ursache: Durch den stärkeren Fokus der Landwirtschaft auf den Energiepflanzenanbau wurden die Lebensbedingungen für Schwarzwild im Laufe der letzten Jahre immer besser. Im Bereich des Nahrungsangebotes, sowie der Deckung entstehen große Vorteile für die Wildschweine. Die steigende Schwarzwildpopulation erhöht allerdings gleichzeitig auch die Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Ziel: Um Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Flächen mit Energiepflanzenanbau zu verringern und gleichzeitig die Schwarzwildbestände zu regulieren, wurde nach Wegen gesucht beides miteinander zu verknüpfen. Allerdings ist es schwierig das Schwarzwild aus großen Fläche mit Raps oder Mais herauszukehren.

Umsetzung: In den Versuchsjahren 2008 bis 2010 wurden in ausgewählten Versuchsbetrieben in Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern unterschiedliche Typen von Jagdschneisen angelegt. Mit unterschiedlicher Bewirtschaftung wurden sie auf ihre wirtschaftlichen und jagdlichen Auswirkungen untersucht. Ergänzt wurden diese Schneisen teilweise von Elektrozäunung und revierübergreifenden Bejagungskonzepten

Arten von Bejagungsschneisen:

1. Der Krähenfuß: Befinden sich zwischen dem Wald und der angrenzenden Maisfläche keinerlei Wirtschaftswege ist es hilfreich eine Bejagungsschneise in Form eines Krähenfußabdruckes anzulegen. Von einem zentralen Punkt aus verlaufen drei Schneisen über den Acker. Alle Schneisen können gleichzeitig überblickt werden, das erleichtert die Jagd auf das Schwarzwild.

2. Das Schneisenkreuz: Bei gleicher Feldlage kann ebenso das Schneisenkreuz genutzt werden. Vorteilhaft ist, dass der Acker weniger stark zerschnitten wird und man die Tiere sehr gut hören kann. Das Schneisenkreuz hat seinen zentralen Punkt in der Mitte des Feldes von dem Vertikal und horizontal die Jagdschneisen abgehen. Nachteilig ist, dass sich der Wind Direkt durch das Kreuz ziehen kann und man nicht ohne Drehung alles überblicken kann.

3. Der Schneisenkranz: Flächen die von Wirtschaftswegen gesäumt werden, ermöglichen einen Kranz um das Maisfeld anzulegen, der so zwischen Wald und Feld liegt. Bei dieser Methode können zwei Ansitze angelegt werden, bei der die Jäger nicht Gefahr laufen einander im Wind zu sitzen oder sich durch den Abschuss zu gefährden. Allerdings erfolgt der Wildwechsel zwischen Wald und Feld sehr schnell und sollten die Tiere einmal im Mais eingetroffen sein, halten sie sich nicht mehr auf den Schneisen auf, sodass auch der Wildschaden auf der Fläche nicht mehr vermieden werden kann.

4. Der Tageseinstand: Der Tageseinstand bietet sich besonders beim Anbau von Raps an, wenn die Fläche zwischen zwei Wäldern und der offenen Feldflur liegt. Es bietet sich an einen anrainenden Weizenschlag anzulegen und den Rapsschlag durch eine Mulchschneise zu trennen. Sobald in der Weizenfläche ein Schaden sichtbar wird, kann ein mobiler Ansitz am Rand der Fläche mit Einblick in die Schneise aufgebaut werden.

5. Das Wegekreuz: Diese Schadensabwehrmaßnahme biete sich an, wenn es sich um reine Feldreviere handelt. Hier nutzt man bereits vorhandene Wirtschaftswege um seinen Ansitz zu positionieren. Wie beim „Schneisenkreuz“ ist der Überblick nicht ohne Drehung möglich, allerdings bleibt der Aufwand sehr gering. Zu beachten ist, dass ein Ansitzen in den Morgen hinein zu einem höheren Erfolg führt. (Quelle: http://www.jagderleben.de/index.php?redid=310132)

Ergebnisse:

1. Jagd:

1.1 Von Beginn an angelegte Schneisen sind effektiver als nachträglich eingehäckselte Schneisen. Schwarzwild erkennt Jagdschneisen von Beginn an als natürlichen Landschaftsbestandteil an. Nachträglich eingehäckselte Schneisen veranlassen Schwarzwild zu einem vorsichtigeren Verhalten.

1.2 In den Schlag integrierte Schneiden erzeugen beim Schwarzwild ein Sicherheitsgefühl. Besonders vertraut bewegt sich Schwarzwild in Bejagungsschneisen, die komplett vom Mais umschlossen sind.

1.3 Ein gemeinsames Bejagungskonzept von Land- und Forstwirtschaft trägt erheblich zur Wildschadensminderung bei. Nach dem Motte „Im Feld Feuer – im Wald Ruhe“ ruht die Jagd während der Vegetationsperiode in den Kernbereichen der Waldgebiete und wird im Feld und im Traufbereich intensiviert.

2. Landwirtschaft:

2.1 Die Nutzung der Bejagungsschneisen muss betriebs- und standortspezifische erfolgen.

2.2 Wenn möglich, sollten wirtschaftlich kritische Stellen wie beispielsweise natürliche Wasserstellen in die Bejagungsschneisen integriert werden.

2.3 Aus wirtschaftlichen Gründen sind Bejagungsschneisen an die Technik im landwirtschaftlichen Betrieb anzupassen beispielsweise die Breite der Schneisen auf die Breite der Maschinen abzustimmen.

3. Naturschutz:

3.1 Schläge mit Schneisen haben eine tendenziell höhere Anzahl von Flächenbrütern als Schläge ohne Schneisen.

3.2 Bejagungsschneisen stellen für Vögel der Agrarlandschaft als Nahrungsfläche eine Bereicherung dar.

3.3 Bejagungsschneisen bieten positive Ansätze für die Niederwildhege.

Im April 2012 wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft du Verbraucherschutz (BMELV), dem Deutschen Bauernverband (DBV) und dem DJV die Broschüre „Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft – Probleme und Maßnahmen“ veröffentlicht. Durch konkrete Erfahrungsberichte und Praxisempfehlungen aller Beteiligten stellt die Broschüre für Landwirte und Jäger einen hilfreichen Leitfaden dar. Die Infobroschüre ist online auf www.jagdverband.de verfügbar.

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Infobroschüre Schwarzwildprojekt 2012

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Merkblatt Bejagungsschneisen und Direktzahlungen

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Des Weiteren ist der DJV in einer informellen Arbeitsgruppe zum AIHTS auf internationaler Ebene vertreten. Diese Arbeitsgruppe hat zum Ziel, die Kommunikation zwischen den Vertragsstaaten der Abkommen und die Implementierung des AIHTS in den Ländern zu fördern. Dabei dient diese Arbeitsgruppe insbesondere als Wissens- und Beratungspool für diejenigen Länder, in welchen das AIHTS noch nicht vollständig umgesetzt wurde und welche noch am Anfang der Fallentests und -zertifizierung stehen. Ins Leben gerufen wurde die Arbeitsgruppe von FACE und von der International Fur Trade Federation (IFTF). Weitere Mitglieder sind Vertreter der Kanadischen Regierung, des Fur Institute of Canada (Kanadisches Pelzinstitut), des US Fish and Wildlife Service, Wissenschaftler und Fallenpraktiker aus Kanada, USA, Russland und der EU (Spanien, Ungarn, Dänemark und Deutschland). Diese stehen z.T. auch in engem Austausch mit dem Gemeinsamen Verwaltungsausschuss (JMC).

Tests und Zertifizierung von Fallen durch den DJV:

Totfangfallen:

Der DJV hat zwei Typen von Abzugseisen, das Eiabzugseisen (38 cm Bügelweite) und den Kleinen Schwanenhals (46 cm Bügelweite) an das mit dem AIHTS erfahrenste Institut weltweit, dem Fur Institute of Canada, gesandt. Dort wurden die beiden Totfanggeräte nach den Standards des AIHTS für den Baummarder (Martes martes) getestet. Die Wahl fiel auf diese im AIHTS gelistete Art, da dafür ausreichend Daten für Biosimulationsmodelle vorliegen. Das heißt, dass für den Test der beiden deutschen Eisen keine Tiere getötet werden mussten. Nach Vermessung eines Sets von fünf Stücken je Abzugseisentyp wurden deren Klemm- und Schlagkräfte gemessen. Diese Messungen sowie die Abmessungen der Totfanggeräte wurden in das Baummarder-Computersimulationsmodell eingegeben. Die von dem Fur Institute of Canada entwickelten Modelle sind hoch verlässlich und stellen eine Alternative zu Tests an lebenden Tieren dar. Voraussetzung für Tests mit Computersimulationsmodellen sind jedoch vorangegangene Tests an lebenden Tieren: So muss für jede Tierart ein eigenes Modell erstellt werden. Die Ergebnisse der Computersimulationsmodelle sowie zahlreiche Tests und andere Aspekte hinsichtlich des Tierschutzes und der Fallenanwendung sind in wissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht worden.

Das Eiabzugseisen sowie der Kleine Schwanenhals haben die Anforderungen hinsichtlich des AIHTS erfüllt. Beide positiv getesteten Fallen wurden vom Fur Institute of Canada im Dezember 2013 zertifiziert. Die Tests und die Zertifizierung wurden mit Mitteln des DJV finanziert.

Interspezifische Anerkennung der Marderarten:

Eine Studie von Skumatov und Minkov vom russischen Forschungsinstitut für Wildtiermanagement und Pelztierhaltung in Kirov konnte zeigen, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Anatomie der Marderarten Baummarder (Martes martes), Zobel (Martes zibellina) und Fichtenmarder (Martes americana) gibt. Auch aufgrund der intensiven Erfahrungen im Fang der Arten schlagen die Forscher vor, dass alle Fallen, die für eine der Marderarten zertifiziert wurden, auch für die anderen beiden Arten als zertifiziert gelten und nach AIHTS eingesetzt werden dürfen. Die kanadische Zertifizierungsstelle hat diesen Vorschlag aufgenommen und akzeptiert, dass die Zertifizierung einer Falle für eine Marderart auf eine andere Art übertragbar ist.

Nationale und internationale Kooperation des DJV mit anderen Organisationen zur Umsetzung des Abkommens:

In Ergänzung zur Zertifizierung des Eiabzugseisen und des Kleinen Schwanenhales hat der Deutsche Jagdverband das Von-Thünen-Institut beauftragt eine Übertragung der Fallenzertifizierung  bei Steinmarder (Martes foina) und Baummarder (Martes martes) zu prüfen. Das vorliegende Gutachten belegt, dass die Zertifizierung von Fanggeräten und Fangmethoden gemäß AIHTS-Abkommen in Fallentests und Wirkungsuntersuchungen an einer der beiden Marderarten ausreichend und eine Übertragung der Zertifizierung auf die jeweils andere Art zulässig ist.

Lebendfangfallen:

Im Rahmen des Prädatorenprojektes des MELUR Schleswig-Holstein und des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein auf Eiderstedt (Nord-Friesland) wurden in zwei Fangjagdperioden (November 2013 bis März 2014, September 2014 bis Dezember 2014) Tests gemäß AIHTS-Kriterien an Lebendfangfallen durchgeführt. In der Studie, finanziert durch den DJV, wurden die Strack´sche Holzkastenfalle für den Steinmarder (Martes foina) und die Betonrohrwippfalle für den Rotfuchs (Vulpes vulpes), nach den wissenschaftlichen Kriterien der ISO 10990-5 getestet.

Die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung erfolgte durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung unter Leitung von Prof. Dr. Ursula Siebert. Weitere Projektpartner waren Jun. Prof. Dr. Marion Piechotta vom Endokrinologischen Labor, Dr. Charlotte Lempp und Prof. Dr. Wolfgang Baumgärtner vom Institut für Pathologie, sowie Dr. Jörg Driver, Tierarztpraxis Reinsbüttel.

Die gefangenen Tiere wurden narkotisiert, klinisch begutachtet, Blutproben entnommen und anschließend euthanasiert. Danach erfolgten röntgenologische und histologische Untersuchungen. Um eine mögliche Stressbelastung der gefangenen Tiere in der Falle zu dokumentieren, waren zwei Fangeinrichtungen mit Infrarotkameras ausgerüstet, die Aufzeichnungen vom Falleninnenraum ermöglichen.

Der vorliegende Forschungsbericht bestätigt, dass beide Lebendfangeinrichtungen die erforderlichen Kriterien erfüllen und somit im Sinne des AIHTS-Abkommens zertifiziert werden können.

Fangjagd - unterschiedliche Fallentypen im Überblick

Neun Partner betreiben Langzeitstudie zum Unfallgeschehen

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(Quelle: Börner/DJV)

Neun Partner betreiben Langzeitstudie zum Unfallgeschehen

3.000 Verletzte und 20 getötete Autofahrer – das ist die erschreckende Bilanz der Wildunfälle in Deutschland im Jahr 2012. Mehr als 230.000 Rehe, Hirsche und Wildschweine kamen im Jahr 2013 unter die Räder. Die Versicherungen müssen zur Regulierung von Wildunfällen jährlich über 500 Millionen Euro aufwenden. Um die Zahl von Wildunfällen spürbar zu senken, starteten ADAC, Deutscher Jagdverband (DJV) und Landesjagdverband Schleswig-Holstein (LJV)  gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium, Straßenbau- und Forstbehörden sowie weiteren Partnern im Jahr 2011 eine Langzeitstudie mit bundesweiter Signalwirkung. Ziel der auf fünf Jahre angelegten Studie ist es, die Ursachen von Wildunfällen genauer zu erforschen und die Wirksamkeit der gängigen Präventionsmaßnahmen wie blaue Reflektoren und Duftzäune zu überprüfen. Mit der Durchführung der Untersuchung wurde das Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden beauftragt.

Weniger Wildunfälle durch Duftzäune und Reflektoren

Eine Zwischenbilanz von Ende 2013 zeigt: Durch den Einsatz von Duftzäunen und blauen Reflektoren kann die Zahl der Wildunfälle auf den 25 Versuchsstrecken um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Ein Muster ist indes noch nicht erkennbar, denn in einigen Fällen lag die Reduzierungsrate lediglich unter 10 Prozent. Erprobt werden die Präventionsmaßnahmen an Straßenabschnitten in Schleswig-Holstein, an denen besonders oft Wildunfälle passieren. Ziel ist es, die langfristige Wirksamkeit der Maßnahmen wissenschaftlich zu untersuchen und ihren Einsatz zu optimieren.

Laut ADAC und DJV nimmt im Spätherbst das Wildunfallrisiko deutlich zu. Der Grund: Die Felder sind abgeerntet und die Tiere müssen sich vermehrt auf Nahrungssuche begeben. Zudem sind viele Wildtiere dämmerungsaktiv. Damit treffen sie bei ihren Wanderungen auf den morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr, was wiederum das Unfallrisiko steigen lässt. Auf Straßen, die durch  Waldgebiete oder Felder führen, ist eine gedrosselte Geschwindigkeit daher oberstes Gebot. Häufig unterschätzen Autofahrer die Gefahr, die von einer Kollision mit einem Tier ausgeht. Schon ein Reh mit 20 Kilogramm Gewicht hat bei  Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von etwa einer Tonne.  

ADAC und DJV arbeiten seit Langem gemeinsam an Lösungen, um Wildunfälle zu verhindern. Ein erfolgreiches Mittel sind Wildschutzzäune, die an besonders gefährdeten Autobahnabschnitten aufgestellt sind. Sie führen jedoch zu einer immer stärkeren Zerschneidung der Lebensräume der Tiere. Das 2012 verabschiedete Bundesprogramm zur Wiedervernetzung von Lebensräumen soll dem entgegentreten – die ersten 17 Grünbrücken konnten bereits über das Konjunkturpaket II finanziert werden. An Landstraßen sind elektronische Wildwarnanlagen eine preiswertere Lösung, die ebenfalls viele Wildunfälle verhindern können.

Das Projekt wurde im November 2016 mit beigefügtem Bericht abgeschlossen.

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Abschlussbericht: Wildunfälle verhindern – was hilft wirklich? Präventionsmaßnahmen auf dem Prüfstand

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Factsheet - Wildunfallprojekt

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Partner - Wildunfallprojekt

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Mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ergeben sich für die Jäger eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Die Jagdausübung wird teilweise erschwert und der Anteil der Wolfsbeute muss bei einigen Wildarten unbedingt im Jagdbetrieb und Wildtiermanagement angerechnet werden.

Besenderte Damkälber
Besenderte Damkälber (Quelle: Stier)

In einem 5-jährigen Gemeinschaftsprojekt von Jagd und Naturschutz (Laufzeit: 2015 – 2019) werden die Wechselwirkungen von Wolf und Damwild untersucht, um langfristig die Entwicklung der Damwildbestände und deren Bejagung bewerten zu können, wenn Wölfe mitjagen.

Das Vorhaben wird in enger Abstimmung zwischen dem Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben , dem Forstamt Jasnitz, der Landesforstanstalt und dem Land Mecklenburg-Vorpommern durch die TU Dresden - Professur für Forstzoologie – AG Wildtierforschung durchgeführt.

Finanziell unterstützt wird das Projekt aus Mitteln der Jagdabgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie durch den Deutschen Jagdverband e.V. und den Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.

Neben Untersuchungen von Wolfskot und gerissenen Beutetieren aus dem gesamten Bundesland steht die parallele Telemetrie von Wölfen und Damwild in zwei Untersuchungsgebieten (Ueckermünder Heide und Forstamt Jasnitz) im Fokus. Hierfür werden Wölfe und ausgewachsenes Damwild mit GPS-GSM-Halsbandsendern ausgestattet. Weiterhin werden frisch gesetzte Damkälber mittels Miniaturohrmarkensendern markiert. Die Telemetrie stellt Informationen zur Raumnutzung und zum Verhalten von Damwild in Wolfsvorkommen bereit. Das Projekt zielt auf eine nachhaltige Bewirtschaftung von Schalenwildbeständen ab.

Ansprechpartner:

Dr. Norman Stier, E-Mail: stier@forst.tu-dresden.de, Tel.: 0171 - 48 59 789
TU Dresden • Professur für Forstzoologie • Pienner Str. 7 • D-01737 Tharandt

Weitere Projektinformationen:  http://www.wolf-mv.de/pages/forschung.html


 

Besenderter Damschaufler (Quelle: Stier)
Besenderter Damschaufler (Quelle: Stier)
Besenderte Damkälber (Quelle: Stier)
Besenderte Damkälber (Quelle: Stier)
Wölfe werden betäubt und mit einem GPS-Halsband versehen. (Quelle: Stier/Meißner-Hylanová)
Wölfe werden betäubt und mit einem GPS-Halsband versehen. (Quelle: Stier/Meißner-Hylanová)
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Zwischenbericht der Untersuchung 2017

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