Erster ASP-Ausbruch in Bulgarien

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals in Bulgarien nachgewiesen worden. Das bestätigte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) am 31. August 2018. Bulgarischen Medien zufolge ist die Krankheit im Dorf Tutrakanzi im Raum Varna ausgebrochen, unweit des Schwarzen Meeres. Sie wurde in sieben Schweinen nachgewiesen, von denen vier bereits tot waren. Drei weitere wurden getötet und entsorgt.

jkl Mo., 2018-09-03 17:02

Lediglich in Tschechien scheint die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest wirksam zu greifen. Schon jetzt gibt es in Europa mehr Fälle als im gesamten Vorjahr. Damit wächst der Druck auf Deutschland.

Europa scheint die Afrikanische Schweinepest nicht in den Griff zu bekommen. Bis Ende August sind mit europaweit mehr als 4800 Seuchenfällen bei Wildschweinen und in Hauschweinbeständen bereits rund 700 mehr als im gesamten Vorjahr gemeldet worden. Als besonders kritisch wird die Lage in Rumänien eingeschätzt, wo die Afrikanische Schweinepest vor allem im Donaudelta in einer Vielzahl von Kleinhaltungen aufgetreten ist und sich dort nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auch stark ausbreitet.

Mit der Zunahme der Nachweise in Osteuropa wächst der Druck auf Deutschland. «In Europa hat sich die Zahl der betroffenen Länder und in diesen Ländern auch die Zahl der betroffenen Regionen erhöht», sagte der Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Professor Franz Conraths, auf der Insel Riems. «Wir erleben das Gegenteil einer Entspannung.» Die Gefahr, dass der Erreger nach Deutschland eingeschleppt wird, sei weiter gestiegen. Der Mensch gilt als größter Risikofaktor, wenn er kontaminierte Lebensmittel einführt und beispielsweise auf Parkplätzen Speisereste entsorgt.

«Satellitenausbrüche wie in Tschechien, um Warschau oder in der Region Kaliningrad und den südlich an sie grenzenden Gebieten in Polen lassen vermuten, dass der Erreger nicht über Wildschweine, sondern durch menschliches Handeln verschleppt wurde», erklärte Conraths. Für den Menschen ist die Virusinfektion ungefährlich.

Betroffen von der ASP sind inzwischen acht osteuropäische Staaten sowie Russland. Die Seuchenfälle aus Russland gehen nicht in die europäische Statistik ein. Im August wurden zudem erste Ausbrüche in Schweinehaltungen in China gemeldet. Aufgrund von Virusvergleichen gehen die Forscher davon aus, dass der Erreger von Russland aus nach China eingeschleppt wurde, wahrscheinlich über Tiertransporte.

Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gebe, müssten die klassischen Bekämpfungsmethoden wie die Einrichtung von Sperrgebieten, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine greifen, sagte Conraths. Gerade in Rumänien mit seiner Kultur der Gastfreundschaft in den Dörfern und dem dort üblichen Verschenken von Wurst und Fleisch nach Hausschlachtungen an Familienmitglieder oder Freunde sei die Bekämpfung schwierig. Entgegen der EU-Regularien würden dort zudem offenbar Speisereste, die kontaminiert sein könnten, an Schweine verfüttert.

In Tschechien wurden seit April 2018 dank einer rigiden Bekämpfung keine neuen Fälle mehr gemeldet. «Tschechien ist bisher die positive Ausnahme in Europa», sagte Conraths. Das Vorgehen dort gelte als «Blaupause für Deutschland», sollte die ASP hier auftreten. Obwohl es seit vier Monaten keine neuen Nachweise gebe, sei es für eine Entwarnung in Tschechien allerdings noch zu früh, erklärte der Tiermediziner. «Der Erreger kann sich sehr lange, das heißt über mehrere Wochen und Monate, in der Umwelt halten.» In der Region um Zlin - rund 300 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt - wurde die Seuche im Juni 2017 erstmals bei Wildschweinen nachgewiesen.

Um nach einem möglichen Eintrag eine Ausbreitung in Deutschland zu verhindern, sind die Jäger aufgefordert, Wildschweine verstärkt zu bejagen. Der Deutsche Jagdverband geht davon aus, dass in der letzten Jagdsaison 2017/2018 deutlich mehr Wildschweine zur Strecke gebracht wurden als in der Vorsaison mit etwa 590 000 Abschüssen. «Der Forderung der Politik sind wir nachgekommen», sagte Vizesprecherin Anna Martinsohn.

Abschließende Zahlen lägen erst im November vor, aber die Daten aus einzelnen Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern ließen darauf schließen.

Dort wurden in der vergangenen Jagdsaison 86 000 Schwarzkittel zur Strecke gebracht - so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1972. Mecklenburg-Vorpommern, das an Polen grenzt, zahlt für jedes geschossene Schwein eine «Pürzelprämie» von 25 Euro.

Nach Einschätzung des DJV könnten die Abschussraten noch gesteigert werden, wenn Landwirte in Maisfeldern mehr Bejagungsschneisen anlegen würden. Landwirte beklagen dafür aber einen hohen bürokratischen Aufwand.

Die Experten des FLI sehen Deutschland inzwischen gut vorbereitet auf einen möglichen Ausbruch. Die Öffentlichkeit sei sensibilisiert, Notfallpläne seien in Zusammenarbeit von Bund und Ländern erstellt, sagte Conraths. Von einem Wildschwein-Zaun an den Grenzen zu Polen und Tschechien - wie ihn Dänemark zum Schutz vor der Einschleppung an der Grenze zu Deutschland plant - hält der Fachmann nichts. «Der Mensch ist das zentrale Problem.»

Bei der Entwicklung eines wirksamen Köder-Impfstoffes gegen die Seuche ist bislang kein Durchbruch erkennbar. Das Virus sei sehr komplex und nicht vergleichbar mit dem Erreger der klassischen Schweinepest, die mit Köder-Impfungen von Wildschweinen bekämpft wird. «Der derzeitige Stand der Forschung gibt keinen Anlass zur Annahme, dass wir in den nächsten Jahren einen wirksamen Impfstoff haben werden», so Conraths.

Das Friedrich-Loeffler-Institut hat heute den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Ungarn bestätigt. Der Deutsche Jagdverband ruft Jagdreisende nach Ungarn zu größtmöglicher Vorsicht und Mitwirkung bei der Seuchenprävention auf.

Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Ungarn aufgetreten. Das bestätigte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) am 23. April 2018. Das verendete Wildschwein wurde bereits am 20. April im Kreis Heves in Nord-Ungarn gefunden, etwa 350 Kilometer östlich von der österreichischen Grenze entfernt. Der Deutsche Jagdverband (DJV) ruft zum Beginn der Jagd auf den Rehbock im Mai Ungarnreisende zu besonderer Vorsicht auf. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) informiert Auslandsjäger, wie sie bei der Seuchenprävention mitwirken können.

Jäger sollten nach dem Jagdaufenthalt ihre Ausrüstung wie Messer, Bekleidung und Stiefel noch im Gastland sorgfältig reinigen und desinfizieren. Das BMEL empfiehlt Jägern, die mit dem eigenen Auto anreisen, dieses möglichst nicht für Revierfahrten zu nutzen und noch vor Antritt der Rückreise zu desinifizieren. Schwarzwild-Trophäen müssen ebenfalls desinifiziert sein. Der Import von Wurst, Fleischwaren oder Hundefutter aus Restriktionszonen sollte unbedingt vermieden werden. Sollte der Jäger gleichzeitig Schweinehalter sein, bittet das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Jagdreisen in betroffene Gebiete zu verzichten.

Bundesrat beschließt Maßnahmen zur ASP-Prävention

Der Bundesrat hat heute die Änderung der Schweinepest-Verordnung und der Verordnung über die Jagdzeiten beschlossen. Nach Inkrafttreten haben Veterinärbehörden weitreichende Befugnisse, um Maßnahmen anzuordnen, die eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) möglichst verhindern und eine Früherkennung im Ernstfall ermöglichen sollen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt die Bemühungen der Bundesregierung, die ASP-Ausbreitung möglichst zu verhindern.

ama Fr., 2018-03-02 14:35

Der Tierschutzbund wendet sich gegen die Aufhebung der Schonzeit für Wildschweine. Einer neuen Verordnung der Bundesregierung zufolge soll Schwarzwild ganzjährig gejagt werden dürfen. Muttertiere mit Jungen sind davon ausgeschlossen, sagt der Deutsche Jagdverband.

Die Bundesregierung will zur Verhinderung der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland die Schonzeit für Schwarzwild aufheben. Der Bundesrat soll am Freitag über einen entsprechenden Verordnungsentwurf abstimmen. Der Tierschutzbund appelliert an die Länder, dem nicht zuzustimmen. Die Vorsitzende des Tierschutzbundes Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Lenz, nannte die verstärkte Jagd auf Schwarzwild Panikmache.

«Wildschweine sind nicht das Problem bei der Ausbreitung der Schweinepest, sondern der Mensch», sagte sie. Der Mensch verbreite die Seuche mit Lebensmitteln. Erkrankte Wildschweine würden rasch sterben, sie könnten die Viren nicht in die Ställe tragen. Der Abschuss von Muttertieren und Frischlingen widerspreche dem Tierschutzgesetz. Auch viele Jäger lehnten dies ab.

Die Aufhebung der Schonzeit hebt nach den Worten des Vize-Geschäftsführers des Deutschen Jagdverbandes, Torsten Reinwald, den Elternschutz nicht auf. Es dürften keine Muttertiere geschossen werden, die noch gestreifte Frischlinge säugen, stellte er klar. Die Jungtiere seien in den ersten vier Monaten von der Mutter abhängig. Frischlinge dürften jedoch erlegt werden. Sie seien oft schon mit vier Monaten geschlechtsreif und trügen zur Fortpflanzung bei. Zwei Drittel der Frischlinge stammten von Müttern, die jünger als zwei Jahre sind, sagte Reinwald.

Lenz zufolge ist der Massenabschuss von Wildschweinen der falsche Weg. Auch bei der Jagd auf Kormorane und Füchse habe sich gezeigt, dass sich die Tiere nur umso stärker vermehren. Schon jetzt werden nach Angaben des Tierschutzbundes bundesweit pro Jahr mehr als eine halbe Million Wildschweine getötet - ohne dass dies Auswirkungen auf das Populationswachstum habe. Reinwald entgegnete, Wildschweine hätten eine Reproduktionsrate von 230 Prozent. «Da kann niemand sagen, dass die Jagd keine Auswirkungen hat. Sie ist alternativlos.» Die Wildschweine vermehrten sich aufgrund des Klimawandels und des landwirtschaftlichen Anbaus immer stärker. «Das können wir nicht mit der Büchse reparieren», sagte Reinwald.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert, den entsprechenden Artikel der neuen Verordnung ersatzlos zu streichen. Die Bundesregierung solle sich auf die anderen vorgeschlagenen Maßnahmen konzentrieren, etwa die Hygiene in Agrarbetrieben, die Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen, den Transport von Schweinen und Fleisch sowie die Verwendung von Heu, Stroh und Gras aus gefährdeten Gebieten.

Anlässlich der heutigen Nationalen ASP-Präventionskonferenz im Bundeslandwirtschaftsministerium stellt der DJV seine Forderungen für eine Vereinfachung der Wildschweinjagd vor.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat für heute Vertreter aus Forschung, Ministerien und Jagd nach Berlin geladen zur "Nationalen ASP-Präventionskonferenz". Der Deutsche Jagdverband (DJV) weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass eine Einschleppung des Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) durch verstärkte Jagd allein nicht verhindert werden kann. Vielmehr müssen insbesondere Fernfahrer aus europäischen Risikogebieten stärker kontrolliert werden, ebenso wie Raststätten entlang von Transitstrecken: Laut Experten haben achtlos weggeworfene Reste von verseuchter Rohwurst maßgeblich zur bisherigen Verbreitung der ASP beigetragen, Sprünge von mehreren 100 Kilometern in kürzester Zeit sind dokumentiert. Im Sinne der Prävention hält der DJV eine weitere Reduzierung der Wildschweinbestände für notwendig: Sollte das ASP-Virus den Sprung nach Deutschland schaffen, wäre dann zumindest die natürliche Ausbreitung reduziert. Diese beträgt etwa 20 Kilometer pro Jahr.

Eine noch intensivere Bejagung der Wildschweine kann nur erfolgreich sein, wenn Politik, Behörden, Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammenarbeiten. Der DJV hat dazu heute einen 6-Punkte-Katalog mit Forderungen veröffentlicht, der die Jagd erfolgreicher machen soll.
 

  1. Anlegen von Bejagungsschneisen in allen Feldkulturen, besonders Raps, Mais, Weizen

    Ohne Schneisen können 6,8 Millionen Hektar Feldfläche (ein Viertel Deutschlands) von Mai bis Oktober kaum bejagt werden, weil die Vegetation zu hoch ist. Dort wandern Wildschweine im Sommerhalbjahr ein.

  2. Aufheben von Jagdverboten in Naturschutzgebieten
    Feuchte Lebensräume mit Deckung wie Schilfgürtel oder Bruchwälder sind beliebte Rückzugsgebiete für Wildschweine.

  3. ganzjährige Bejagung von Wildschweinen in Staats- und Bundesforsten sowie großen Privatforsten

  4. mehr Revier übergreifende Wald-Bewegungsjagden im Winterhalbjahr
    Wildschweine haben vergleichsweise große Reviere, eine großflächige Bejagung ist deshalb sinnvoll. Behörden müssen die notwendige Verkehrssicherungspflicht unbürokratisch und kostenfrei unterstützen, am besten mit Personal. Ferner sollten Revierinhaber zur Duldung unbeabsichtigten Überjagens von Hunden verpflichtet sein.

  5. Vergünstigungen für Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden für die Wildschweinjagd

    Für die effektive Wildschweinjagd in Dickungen und Wald sind gut ausgebildete Stöberhunde unerlässlich. Tierschutzgerechte Ausbildung und Schutzausrüstung der Jagdhunde sind teuer, der Jagdeinsatz aufwendig. Eine finanzielle Unterstützung durch die Behörden ist erforderlich. Denkbar wäre auch eine Befreiung von der Hundesteuer.

  6. Zulassung von der "kleinen Kugel" für gestreifte Frischlinge
    Für gestreifte Frischlinge müssen bundesweit Patronen zugelassen werden, die eine Mindestenergie von 1.000 Joule auf 100 Meter Entfernung haben – auch in Kalibern unter 6,5 Millimeter Durchmesser. Bisher sind 2.000 Joule und ein Mindestkaliber von 6,5 Millimeter vorgeschrieben. Geschosse mit dieser Energie können allerdings bei kleinen Frischlingen für so starke Verletzungen sorgen, dass das Wildbret nicht mehr verwertbar ist.
     

Die bundesweite Aufhebung von Schonzeiten für Wildschweine begrüßt der DJV. Der Dachverband der Jäger weist darauf hin, dass dies nicht die Aufhebung des Elterntierschutzes bedeutet: Bachen, die gestreifte Frischlinge säugen, dürfen auch weiterhin nicht erlegt werden. Im vergangenen Jagdjahr haben Deutschlands Jäger knapp 600.000 Wildschweine erlegt - das vierthöchste Jagdergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren. Nach Auffassung des DJV ist die Jagd alternativlos, um Wildschweinbestände zu reduzieren. Die "Pille für das Wildschwein" lehnt der DJV als Unsinn ab.

Tierrechtler schlagen eine vermeintliche Alternative zur Wildschweinjagd vor: Eine Kastration per Impfung. Der DJV erklärt, warum diese Idee nicht funktionieren wird.

Bei Hausschweinen wird es bereits als Verhütungsmittel verwendet: Das Medikament Improvac soll nach Forderungen von Tierrechtlern nun auch bei Wildschweinen zum Einsatz kommen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hält diesen Vorschlag für realitätsfern und stellt klar: Impfen ist keine Alternative zur Jagd um den Bestand zu reduzieren.

Improvac ist ein Impfstoff. Das Problem: Er kann nur gespritzt werden. Er regt im Körper die Produktion von Antikörpern an. Diese Stoffe verhindern, dass Sexualhormone im Körper gebildet werden. Ohne diese Hormone schrumpfen die Hoden, die Tiere können sich nicht erfolgreich fortpflanzen. Damit Improvac wirkt, sind sogar zwei Spritzen nötig. Auf Wildschweine übertragen hieße dies, dass jedes männliche Tier zweimal zur Impfung eingefangen werden müsse. Ach ja, nach acht Wochen müsste die Impfung aufgefrischt werden, damit die Tiere unfruchtbar bleiben.

Da wäre dann noch die Verhütung durch Gestagene bei weiblichen Wildschweinen. Die Hormone lassen sich als Köder deutlich einfacher verabreichen, jedoch stellt dies für den DJV einen unverantwortlichen Eingriff ins Ökosystem dar. Ähnlich wie beim Menschen müssen die Hormone zur Verhütung regelmäßig eingenommen werden. Anders als im Stall sei dies in der Natur nahezu unmöglich, sagt Tierärztin Dr. Susanne Hartmann von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Werden Gestagene nicht regelmäßig verabreicht, steige die Fruchtbarkeit sogar. Nicht auszuschließen sei, dass Frischlinge den Köder fressen und verfrüht geschlechtsreif werden, so Hartmann. Andere Säugetiere wären von der Wirkung der Hormone ebenfalls betroffen.

Anlässlich der drohenden Gefahr der Afrikanischen Schweinepest fordern Politiker eine verstärkte Reduktion der Wildschweine. Solange die Seuche noch nicht in Deutschland angelangt ist, hält der DJV die Jagd für das einzig sinnvolle Mittel.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hat vergangene Woche ein Positionspapier zum Umgang mit Wildschweinen im Zuge der Diskussion um die Afrikanische Schweinepest (ASP) herausgegeben. Fazit: Das Virus darf keine Ausrede sein, die Gebote des Tierschutzes bei der Jagd zu missachten.

Der DJV hat mit der Tierärztin Dr. Susanne Hartmann über das Thema gesprochen. Sie ist Vorsitzende des Arbeitskreises Wildtiere und Jagd der TVT und war bis zur Pensionierung im September 2016 Leiterin des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe.

DJV: Das ASP-Virus hat in den vergangenen Monaten Sprünge von 1.000 Kilometern gemacht in Richtung Westen. Woran liegt das? Sind die Wildschweine schuld an der rasanten Ausbreitung des Virus?

Dr. Susanne Hartmann: Mit Sicherheit nicht. Der Mensch ist verantwortlich, er hat durch Fleischprodukte von infizierten Tieren für die Verbreitung des ASP-Virus gesorgt. Die meisten Wildschweine sterben innerhalb von zwei Tagen nach der Infektion, sie können das Virus gar nicht weit transportieren.


Welche Maßnahmen machen Sinn, um eine Infektion von deutschen Wildschweinen zu verhindern?

Wir müssen die Einfuhr von infizierten Lebensmitteln verhindern. Der beste Schutz: Alle Reisenden, das sind vor allem Lkw-Fahrer aus Gegenden, in denen die ASP vorkommt, dürfen keine Lebensmittel mehr aus Schweinefleisch mitbringen, die nicht erhitzt wurden, also zum Beispiel Mettwurst, Rohschinken oder Salami. Das ASP-Virus kann sich darin mehrere Wochen halten. Fressen Wildschweine Reste verseuchter Fleischprodukte, können sie erkranken. Darüber müssen wir Reisende aufklären, insbesondere Lkw- und Bus-Fahrer. Autobahnraststätten sollten wir wildschweinsicher einzäunen und Mülleimer sollten grundsätzlich fest verschließbare Deckel haben.


Wie lassen sich Hausschweine am besten schützen?

Am besten wäre ein Impfstoff. Die Forschung und Herstellung ist aber nicht banal. Zudem hat die Europäische Union sich einer Nicht-Impf-Politik verschrieben, da sich Fleisch geimpfter Tiere schlecht exportieren lässt. Das Interesse der Pharmaindustrie, einen ASP-Impfstoff herzustellen, geht gegen Null, weil kein Absatzmarkt da ist. Die Entwicklung eines Impfstoffes bis zur Marktreife würde sowieso mehrere Jahre dauern. Hausschweine lassen sich am besten durch die gängigen Maßnahmen der Biosicherheit schützen, die ohnehin zur guten landwirtschaftlichen Praxis gehören. Es dürfen keine fremden Leute in den Schweinestall, Kleidung und Schuhe müssen gewechselt und penibel desinfiziert werden.


Der Bauernverband fordert beständig eine Reduktion der Wildschweinbestände um 70 Prozent, ohne eine räumliche oder zeitliche Bezugsgröße zu liefern. Ließe sich dadurch die Einschleppung des Virus verhindern? Oder welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Wer weiß schon, wie viele Wildschweine in Deutschland leben? Und was sind 70 Prozent von "unbekannt"? Die Forderung ist populistisch. Auch wenige Wildschweine stecken sich an, wenn verunreinigte Lebensmittel achtlos weggeworfen werden. Das ist der Dreh- und Angelpunkt. Bei punktuellen Ausbrüchen der ASP, also im Seuchengebiet, wäre natürlich ein Totalabschuss sinnvoll. Solange wir aber kein Seuchengeschehen haben, ist eine solche Forderung sinnlos.

Ganz wichtig ist auch, bei jagdlichen Maßnahmen darauf zu achten, dass keine großräumige Zerstreuung der Rotten erfolgt, etwa durch ungünstig durchgeführte Bewegungsjagden und/oder Abschuss führender Bachen. Kleine Frischlinge verhungern ohne die Bache, was tierschutzwidrig ist, größere führungslose Frischlinge legen oft weite Strecken zurück und können, falls sie infiziert sind, die Seuche verbreiten.


Von Politikern werden jetzt Saufänge als probate Alternative zur klassischen Jagd mit dem Gewehr angeführt. Wie stehen Sie zu dieser Methode, die Wildschweinbestände zu reduzieren?

Wir haben von der TVT einen stationären Saufang vor zwei Jahren besichtigt. Er war überhaupt nicht effektiv. Das Forstamt hatte in einer Jagdsaison genau drei Wildschweine damit gefangen. Aus Sicht des Tierschutzes ist so ein stationärer Saufang mehr oder weniger erträglich. Aber eine Alternative zur herkömmlichen Jagd ist die Methode definitiv nicht. Erfahrungen mit mobilen Saufängen habe ich selbst nicht, von Mitgliedern meines Arbeitskreises wird berichtet, dass sie erheblich tierschutzrelevant seien.


Tierrechtler haben die "Pille für das Wildschwein" in die Diskussion eingebracht – als Alternative zur Jagd. Verwiesen wird auf das Medikament Improvac für Hausschweine. Wie praxisnah ist ein solcher Vorschlag?

Improvac bewirkt eine Immunokastration bei männlichen Tieren. Es wirkt also nicht auf Basis von Hormonen, sondern auf Basis einer Antigen-Antikörper-Reaktion und unterbindet die Produktion von Sexualhormonen. Durch die Impfung mit einem bestimmten Peptid wird die Produktion der körpereigenen Hormone FSH und LH/ICSH bei Hausschweinen verringert, die für die Ausbildung der Hoden zuständig sind. Das Ziel ist es, beim Fleisch den unappetitlichen Ebergeruch zu verhindern und die chirurgische Kastration überflüssig zu machen.

Der Haken: Das Medikament kann nur gespritzt werden. Außerdem muss es zweimal gespritzt werden, damit es wirkt. Als Pille verabreicht würde es nur den Eiweißgehalt des Futters erhöhen. Auf Wildschweine übertragen hieße das, wir müssten jedes männliche Tier zweimal zu definierten Zeitpunkten einfangen und mit Spritzen impfen. Die Wirkung lässt übrigens bereits acht Wochen nach der zweiten Impfung nach. Die Idee der Tierrechtler besteht den Praxistest für Wildschweine also nicht.

Dann wären da noch Gestagene, also weibliche Hormone, wie sie beim Menschen zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt werden. Diese unverdaulichen Steroidhormone könnten tatsächlich in Köderform ausgebracht werden. Allerdings ist das tierschutzwidrig und ein unverantwortbarer Eingriff ins Ökosystem. Die Hormone müssten nämlich regelmäßig verabreicht werden, was in der Natur anders als im Stall nahezu unmöglich ist. Passiert dies nicht, wird die Rausche, also die Fruchtbarkeit bei weiblichen Wildschweinen sogar provoziert. Es kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass Frischlinge die Köder fressen, sie könnten dadurch verfrüht geschlechtsreif, zur Unzeit trächtig werden und unter der Geburt sterben. Andere Säugetierarten, die von den Ködern fressen, würden ebenfalls darunter leiden.


Welche Maßnahmen können Sie als Vertreterin der TVT im Seuchenfall, also bei Ausbruch der Tierseuche, akzeptieren?

Es gibt keine pauschale Antwort, die Maßnahmen hängen sehr vom Einzelfall ab. Das großflächige Vergiften, was auch in der Diskussion ist, hätte natürlich verheerende Nebenwirkungen. Selbst geschützte Arten wie der Wolf oder Haustiere könnten sterben. Ideal wäre sicherlich, das Seuchengebiet mit einem Elektrozaun zu umschließen, der auch flüchtende Wildschweine aushält. Im umgrenzten Seuchengebiet sollte dann möglichst ein Totalabschuss der Wildschweine versucht werden.

 

Zur Person:

Tierärztin Dr. Susanne Hartmann ist Vorsitzende des Arbeitskreises Wildtiere und Jagd der TVT und war bis zur Pensionierung im September 2016 Leiterin des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe.

ASP: Keine Produkte aus Seuchengebieten im internationalen Handel

"ASP-Risiko: Lidl verkauft polnische Rohwurst", titelt die Fachzeitschrift top agrar auf ihrer Internetseite (Link) und bezieht sich auf das aktuelle Werbeprospekt der Discounters.

ama Do., 2018-02-15 15:18

DJV und FLI stellen klar: kein Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg

Der Radiosender "Radio Potsdam" hat auf seiner Internetseite eine Meldung veröffentlicht, die von einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Landkreis Oberspreewald-Lausitz berichtet. Nach Rücksprache mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) handelt es sich hierbei um eine Falschmeldung, die jedoch aufgrund ihrer Brisanz bereits weite Kreise bei Landwirten und Jägern gezogen hat.

Der Deutsche Jagdverband bittet Jägerinnen und Jäger darum, die Meldung nicht weiter zu verbreiten. Weshalb der Sender die offensichtliche Falschmeldung nicht von seiner Internetseite nimmt, ist unbekannt.

Update (11:18 Uhr): Klarstellung des Radiosenders

"Wir betonen: Die Meldung, die rumgeht ist alt und nicht (tages)aktuell. Sie stammt vom 28.07.2017. Damals haben wir uns auf Daten des zuständigen Veterinäramtes im Landkreis Oberspreewald-Lausitz berufen.

Die Behauptung, wir würden heute darüber berichten, ist falsch. Uns liegen keine Informationen vor, dass die Afrikanische Schweinepest in Brandenburg ausgebrochen sein könnte."

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