Bilanz nach 12 Jahren Wildtierzählung

In Deutschland leben im Durchschnitt 11 Feldhasen pro Quadratkilometer Offenlandfläche. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler und Jäger, die für den Deutschen Jagdverband (DJV) und seine Landesjagdverbände zwei Mal jährlich die Feldhasenbestände in knapp 400 repräsentativen Referenzgebieten ermitteln. Die Zahl bezieht sich auf den Frühjahrsbestand der Feldhasen im Jahr 2013. Erfasst werden die Daten für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD).

Die Feldhasendichten schwanken seit Beginn der Zählungen im Jahr 2002, sind aber über den Gesamtzeitraum hinweg betrachtet stabil geblieben. Maßgeblich beeinflusst werden diese durch den Zuwachs in den einzelnen Jahren. Die Wissenschaftler ermitteln dafür eine sogenannte Nettozuwachsrate: Die Zählergebnisse von Frühjahr und Herbst desselben Jahres werden verglichen. In den vergangenen Jahren liegen die Zuwachsraten in Deutschland auf relativ niedrigem Niveau und sind in manchen Regionen sogar negativ. Es gab also im Extremfall über den Sommer mehr Verluste als Nachwuchs.

Die Gründe für stagnierende Bestandszahlen sind vielfältig und noch nicht abschließend erforscht. Sicher ist jedoch, dass nicht eine Überbejagung des Feldhasens dafür verantwortlich gemacht werden kann, vielmehr wird die Jagdintensität an die Bestände angepasst. Eine Kombination verschiedener Faktoren wie Lebensraumqualität, Fressfeinde, Klima, Witterung und Krankheiten wirkt sich auf die Bestandsdynamik der Feldhasen aus. Insbesondere die Intensivierung der Landwirtschaft setzt den Bewohnern der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft zu. „Die fetten Jahre für den Feldhasen sind anscheinend vorbei. Heute müssen sie wie Rebhuhn oder Feldlerche mit größeren Feldern, schnelleren Maschinen und erhöhtem Düngemitteleinsatz zurechtkommen“, sagt Johanna Maria Arnold, Referentin für Wildökologie und Wildtiermanagement im DJV. Es mangele es an nährstoffreicher Äsung und an Deckung, die Schutz bietet vor Fuchs, Marder oder Greifvögeln. Besonders die neugeborenen Hasen sind gefährdet, mehr als die Hälfte vollenden laut DJV das erste Lebensjahr nicht. Unterschätzt wurden bisher verschiedene Krankheitsgeschehen als Rückgangsursache vieler Niederwildarten. Dort bestehe Forschungsbedarf, so Arnold.

„Es ist an der Zeit umzudenken!“, sagt Dr. Daniel Hoffmann, zuständig im DJV-Präsidium für WILD. „Die anstehende Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik bietet Chancen, den Lebensraum für den Feldhasen und anderen Arten zu verbessern.“ Wie dies gemeinsam mit Grundeigentümern, Landwirten und Energiewirtschaft gelingen kann, zeigt unter anderem das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ des Netzwerks Lebensraum Feldflur mit zwei Dutzend Partnern.

„Eine wildtierfreundlichere Landwirtschaft kann gelingen, wenn Energiewende und Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik von der Bundesregierung vernünftig verzahnt werden“, sagt Dr. Hoffmann. Beispielsweise habe der Anbau von Wildpflanzen für die Biogasproduktion den positiven Nebeneffekt, dass neuer Lebensraum für Feldhase, Feldlerche und viele Insektenarten entstehe.

Hintergrundinformationen:
Generell wird der Feldhase in Deutschland sehr zurückhaltend bejagt, was sich in der Jagdstatistik wiederspiegelt. So wurde z.B. in Baden-Württemberg im Jagdjahr 2011/12 in 74 Prozent aller Jagdreviere überhaupt kein Feldhase erlegt. Die offizielle Jagdstatistik enthält neben erlegten Hasen auch Unfallwild, das wie in Brandenburg bis zu 60 Prozent am Gesamtwert ausmacht. Weitere Forschung ist unbedingt vonnöten, um die richtigen Schritte für den langfristigen Erhalt des Feldhasen und anderer Bewohner der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft zu setzen. Geschulte Jäger unterstützen Jahr für Jahr ehrenamtlich die Zählungen in WILD. Damit setzen sie sich für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Wildtieren in unserer Kulturlandschaft ein.

Im Fokus: die Auswertung von Jagdstatistiken für verschiedene Paarhufer. Ein weiterer Schwerpunkt sind invasive Arten wie Waschbär und Nilgans. Der Bericht enthält zudem Gastbeiträge zu Elch, Kormoran und Feldhase.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat heute den Jahresbericht 2018 des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD) veröffentlicht. Er enthält Jagdstatistiken von 9 ausgewählten Wildarten. Auf 56 Seiten im A4-Format werden aktuelle Jagdergebnisse und der 10-Jahres-Trend mit Karten und Diagrammen erläutert. Den aktuellen WILD-Bericht sowie weitere Informationen gibt es ab sofort hier.

WILD ist ein Projekt des Deutschen Jagdverbandes und seiner Landesjagdverbände. Es ist das bundesweit größte Monitoringprojekt für überwiegend jagdbare Arten. Seit 2001 erheben Jäger Daten zu Vorkommen, Populationsdichte und -entwicklung von ausgewählten Tierarten. Wissenschaftler werten die Daten aus. Für den kommenden Bericht haben etwa 25.000 Jäger wieder Daten auf einer Fläche von 13 Millionen Hektar erhoben. Das entspricht 36 Prozent der Fläche Deutschlands.

Bis zum 31. März 2020 können bis zu drei Exemplare gratis bei der DJV-Service GmbH angefordert werden. Ab vier Exemplaren werden die anfallenden Versandkosten berechnet. Ab April ist der WILD-Bericht dann kostenfrei zzgl. Versandkosten im DJV-Shop bestellbar.

Bestelladresse:

DJV-Service GmbH
Friesdorfer-Str. 194a
53175 Bonn
Tel. 0228/387290-0
E-Mail: info@djv-service.de

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier. Ausführliche Ergebnisse des WILD-Monitorings gibt es hier digital und interaktiv.

WILD-Monitoring - wichtige Ergebnisse im Überblick

Wildschwein:

  • Das Jagdergebnis (Strecke) lag 2017/18 bei 836.875 Tieren - das höchste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren.
  • 60 Prozent der Landkreise verzeichneten eine Zunahme der Strecke. 


Reh:

  • Die am meisten bejagte Wildart in Deutschland mit fast 1,2 Millionen erlegten Tieren.
  • Die mittlere Streckendichte liegt bei über 2 Rehen pro 100 Hektar.


Waschbär:

  • In 88 Prozent der Landkreise wurde er bejagt (Zeitraum 2014/15 bis 2017/18). Nach dem Fuchs ist der Waschbär der Raubsäuger mit dem zweithöchstem Jagdergebnis (Strecke).
  • Höchste Strecken entlang des Korridors von Mecklenburg-Vorpommern bis Hessen mit teilweise mehr als 2 Individuen pro 100 Hektar.
  • Besonders im urbanen Raum finden sich Strecken von bis zu 6,2 Waschbären pro 100 Hektar (Kassel).
  • Die Strecke stieg in über 80 Prozent der Landkreise im Vergleich zu den letzten Jahren an.


Marderhund:

  • In 64 Prozent der Landkreise lag eine Jagdstrecke vor.
  • Bundesweit steigen die Marderhundstrecken an und bilden 2017/18 einen Rekord von 31.233 erlegten Tieren. Regional gibt es starke Schwankungen, vermutlich aufgrund von Krankheiten in einzelnen Populationen.


Nutria:

  • Im Jagdjahr 2017/18 haben Jäger bundesweit 52.589 Tiere erlegt, 78 Prozent davon in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
  • Im Bundesschnitt lag die Strecke (2014/15 bis 2017/18) bei 0,12 Individuen pro 100 Hektar.
  • Es gab deutliche Streckenzuwächse in nahezu allen Gebieten.


Nilgans:

  • Im Bundesdurchschnitt wurden 0,13 Individuen pro 100 Hektar erlegt.
  • Schwerpunkte liegen im Westen Nordrhein-Westfalens, an der Grenze zu den Niederlanden.
  • In Jagdjahr 2017/18 erreicht die Nilgansstrecke einen Rekordwert von 22.645 Individuen.

 

Erstmals können Nutzer Ergebnisse des WILD-Monitorings individuell filtern und darstellen. Daten zu insgesamt 17 Tierarten sind digital hinterlegt. Grundlage ist der WILD-Bericht 2017.

Ab sofort bietet der Deutsche Jagdverband (DJV) Ergebnisse des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD) digital an: Auf der Internet-Seite www.wild-monitoring.de können Nutzer interaktive Tabellen, Karten und Diagramme anhand von Filtern erstellen. Die Plattform startet mit den Ergebnissen aus dem WILD-Bericht 2017. Alle Auswertungen des Monitorings werden künftigen auf dem WILD-Portal ergänzt. Neben Informationen zur Verbreitung verschiedener Tierarten werden Entwicklungstrends anschaulich dargestellt. Zahlen zu insgesamt 17 Tierarten lassen sich recherchieren und filtern - darunter Feldhase, Rebhuhn, Waschbär oder Nilgans.

Jäger, Behörden und weitere Interessierte können mit wenigen Klicks Auswertungen nach Region, Besatzdichte und Wildtierart filtern und ansehen. Damit wird der Wissensschatz der Jäger allgemein zugänglich gemacht. Nutzer können die Ergebnisse herunterladen - etwa für Präsentationen und weiterführende wissenschaftliche Fragestellungen.

Das WILD-Projekt steht für einen transparenten Umgang mit wissenschaftlich abgesicherten Daten. Es ist ein bundesweit einheitliches Monitoring-Programm, mit dem seit 2001 Daten zum Vorkommen, zur Besatzdichte und -entwicklung von Wildtieren erhoben werden. Damit stellt WILD einen dauerhaften Baustein der ökologischen Umweltbeobachtung dar.

Wo findet man besonders viele Feldhasen? Wie viele Waschbären werden in meiner Region erlegt? Wo sind Brutgebiete der Graugans?

Das neue interaktive WILD-Portal ermöglicht einen Einblick in verschiedene Fragestellungen rund um das Thema Jagdstrecken und Wildtiervorkommen auf der Grundlage des Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Über benutzerdefinierte Auswahlmöglichkeiten können Karten, Diagramme und Tabellen nach Interesse angezeigt und für beispielsweise Vorträge exportiert werden.

Testen Sie das neue WILD-Portal (Quelle: DJV)

In einem umfangreichen Papier gibt der DJV Antworten auf dringende Fragen des Waldumbaus aus Jägersicht.

Was fordern die Jäger hinsichtlich des Waldumbaus?

Der Aufbau klimastabiler Wälder und damit ein vielfältigeres Baumartenspektrum fördert Artenreichtum und ist somit auch für den Erhalt von Wildlebensräumen sinnvoll. Die inneren Waldstrukturelemente (z.B. Schneisen, Wegränder), aber auch das den Wald umgebende Offenland müssen so gestaltet werden, dass sich ein geeigneter Lebensraum für Wildtiere entwickelt und so die Wahrscheinlichkeit von Wildschäden minimiert wird. Wald, Feld und Wiesen werden von Wildtieren im Jahresverlauf unterschiedlich genutzt - eine isolierte Betrachtung des Waldes wird der Realität nicht gerecht. Wildtiere ziehen sich im Winter aufgrund des derzeitigen Deckungs- und Äsungsmangel im Offenland notgedrungen in Waldbereiche zurück. Dort kann dann der Fraßdruck auf junge Bäume entsprechend zunehmen. Durch den Wegfall der Stillegungsverpflichtung in der Landwirtschaft hat sich beispielsweise die Fläche der Brachen seit 2007 von knapp 8.500 auf 3.000 Quadratkilometer reduziert. Hinzu kommen Intensivierung der Landwirtschaft und Flächenversiegelung. Insbesondere im Winter und im zeitigen Frühjahr fehlen somit wichtige Äsungsflächen für Pflanzenfresser wie Reh, Rothirsch oder Feldhase.

Lebensraumelemente für Wildtiere:

  • Äsungsangebote durch Wiesen und naturbelassene Freiflächen im Waldinneren schaffen: Stufig aufgebaute, naturnahe Waldränder, krautig bewachsene Wegränder oder auch Schneisen mit ausreichendem Lichteinfall bieten Kräutern und Gräsern gute Bedingungen.
  • Bei der Holzernte von knospenreichen Laubbäumen (z.B. Eiche) anfallende Baumkronen in den frühen Wintermonaten im Wald belassen: Sie bieten nahrhafte Äsung.
  • Wildruhezonen einrichten.
  • Aufwertung der Feldflur als Lebensraum für Reh- und Rotwild: Ganzjährige Deckung und Äsung im Feld würde Schäden im Wald zuverlässig minimieren und entspräche dem Lebensraumanspruch beider Wildarten: Rehwild ist ein klassischer Waldrandbewohner, Rotwild eine Art des Offenlandes.
     

Präventionsmaßnahmen gegen Wildschaden:

  • Jagdschneisen und Wildäsungsflächen in großen Aufforstungsflächen bereits bei der Pflanzung berücksichtigen.
  • Waldbesitzer, Förster und Jäger sollten Standorte für jagdliche Einrichtungen gemeinsam festlegen.  
     

Finanzielle Unterstützung 

Die aktuellen Schadereignisse sorgen für große Kahlflächen, die schnell aufgeforstet werden müssen. Um diese Schwerpunkte effizient über mehrere Jahre hinweg bejagen zu können, benötigen Jäger zum Beispiel Hochsitze. Deren Anschaffung, Bau und Instandhaltung sollten finanziell unterstützt werden. Auch der Einsatz geprüfter Jagdhunde für Bewegungsjagden, die Ausstattung und Versicherung der Hunde und Hundeführer sollten subventioniert werden. Ebenso fordern die Jäger Unterstützung bei der Wildbretverarbeitung und -vermarktung.
 

Kann Waldumbau mit Naturverjüngung allein gelingen?

Nach Angaben von Experten gibt es in Deutschland immer noch 2,8 Millionen Hektar Nadelholzreinbestände. Das sind 27 Prozent der Waldfläche Deutschlands. Auf Kahlflächen innerhalb großer Fichtengebiete entstehen ohne menschliches Zutun durch Naturverjüngung wieder artenarme Fichtenwälder. Wenn tatsächlich klimastabile Wälder entstehen sollen, müssen 5 Milliarden Bäume gepflanzt werden (3). Damit ist es nicht getan: Die Jungpflanzen brauchen viel Pflege, in vielen Fällen zweimal jährlich. Adlerfarn, Brombeere, Gräser oder andere Pflanzen nehmen diesen sonst den Lebensraum.Und sie müssen geschützt werden, etwa mit Wuchs-Hüllen oder biologischen Mitteln: In einem artenarmen Fichtenwald wirken gepflanzte Laubbäume oder die Weißtanne wie ein Magnet auf Pflanzenfresser von der Maus bis zum Reh.
 

Welche Rolle spielt die Jagd beim Waldumbau?

Die Jagd ist ein wichtiges Instrument im Waldumbau und die Jäger helfen aktiv, ein Gleichgewicht in der Kulturlandschaft zu schaffen. Einen Erfolg im Waldumbau allein mit dem Gewehr - also mit dem Abschuss möglichst vieler Rehe und Hirsche - zu erzielen, ist aber viel zu kurz gedacht. Wissenschaftler haben jüngst eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass die Formel „Mehr schießen, weniger Wild, weniger Wildschaden“ nicht funktioniert (2).

Eine aktive Umwandlung von Reinbeständen in naturnahe Wälder geht nur mit intensiven Pflege- und Schutzmaßnahmen. Ähnlich wie die Rose im heimischen Garten muss der junge Baum im Wald vor schnell wachsenden, konkurrenzstarken Pflanzen wie Brombeere oder Adlerfarn geschützt werden. Schnellwüchsige Baumarten wie Fichte verdrängen zudem ohne entsprechende Pflegeeingriffe förderungswürdige Baumarten wie Eiche oder Weißtanne.

Die Jäger sehen sich als Partner von Förstern und Waldbesitzern: Besonders dort, wo nach Schadereignissen jetzt junge Bäume gepflanzt werden, muss schwerpunktmäßig und intensiv gejagt werden. Der Schutz vieler Jungbäume, vor allem von neuen und selteneren Arten im Bestand, ist allerdings trotz Jagd notwendig.
 

Wie groß ist die Schadfläche durch Trockenheit, Feuer und Schädlinge? Und was muss dort jetzt passieren?

Nach Experten-Angaben haben Dürre, Schädlinge und Feuer in den vergangenen zwei Jahren eine Waldfläche von schätzungsweise 250.000 Hektar vernichtet. Das entspricht der Fläche des Saarlandes. Betroffen sind vielerorts Fichtenreinbestände, etwa im Harz. Ohne menschliche Eingriffe entstehen dort durch Naturverjüngung auch wieder Fichtenwälder. Notwendig sind Initial- und Ergänzungspflanzungen, um den Umbau hin zu klimastabilen Mischwäldern einzuleiten. Auch müssen noch gesunde Nadelholzreinbestände mit Laubbäumen unterbaut werden. Nach Schätzungen von Forstexperten müssen aufgrund der aktuten Waldschäden mindestens eine Milliarde Bäume ausgebracht werden. Damit ist es nicht getan: in vielen Fällen müssen die Jungpflanzen mindestens zweimal jährlich über mehrere Jahre hinweg gepflegt werden.
 

Welche Rolle spielen Pflanzenfresser für die Artenvielfalt?

Zahlreiche Studien belegen, dass große Pflanzenfresser wie Rot-, Dam- oder Rehwild durch ihre Fraßtätigkeit einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt haben. Auf entstehenden Freiflächen finden seltene Schmetterlinge, Käfer, Wirbeltiere und seltener Pflanzenarten Lebensraum. In einem Schweizer Nationalpark erhöhte sich beispielsweise die Pflanzenvielfalt in 30 Jahren um 250 Prozent. Paarhufer wie Reh, Hirsch und Waldschwein transportieren zudem Pflanzensamen im Fell oder scheiden sie durch Kot aus. Bis zu 44 Prozent der lokal vorhandenen Pflanzenarten werden so durch Wildtiere verbreitet (4).
 

Wie sieht ein klimastabiler Wald aus Sicht der Jäger aus?

Jäger fordern Mut zur Lücke: Wald besteht aus vielen Entwicklungsstadien: Dazu gehören temporär offene Flächen, entstanden durch Windwurf, Feuer oder Holzernte.  Auf diesen Freiflächen wachsen zunächst Kräuter, Gräser und später Büsche. Das ist Nahrung für viele Wildtiere. Der Fraßdruck auf benachbarte Bäume sinkt. Neben den Aufforstungsflächen muss es deshalb ein integriertes Konzept von temporären und dauerhaft angelegten Nahrungsflächen für Wildtiere geben.

Inwieweit sich unsere Wälder steigenden Temperaturen und Trockenperioden tatsächlich anpassen können, ist unmöglich vorherzusagen. Entscheidend wird sein, dass es in Waldbeständen künftig vielfältigere, den jeweiligen Standorten angepasste Baumarten gibt. Der erwartete maximale Holzertrag darf nicht das alleinige Kriterium sein. Laubholzreiche Mischwälder werden die Waldbaukonzepte prägen. Eine breite Altersstruktur im Waldbestand fördert zudem die Stabilität gegen Stürme und verhindert plötzliche flächige Waldverluste, etwa durch Borkenkäfer. Zur Strukturvielfalt gehört auch eine verstärkte Entwicklung von Kraut- und Strauchschicht.
 

Ist eine verstärkte Jagd auf Rehe und Hirsche als Pauschalforderung zielführend?

Von 1970 bis 2014 hat sich in Mitteleuropa die Zahl der erlegten Paarhufer (Reh, Wildschwein und Hirsch) verdoppelt, haben Wissenschaftler ermittelt (1). Auf der Grundlage staatlich festgelegter und mit den Grundeigentümern abgestimmter Abschusspläne wurden im vergangenen Jagdjahr allein in Deutschland 1,2 Millionen Rehe und 77.000 Rothirsche erlegt. Bezogen auf den Waldumbau zeigt sich, dass die Jagd sehr wichtig ist, aber durch Streckensteigerung alleine keine Lösung herbeigeführt werden kann. 

Voraussetzung für eine nachhaltige Problemlösung im Forst-Jagd-Konflikt ist eine gemeinsame lokale Situationanalyse von Waldbesitzzern, Förstern und Jäger, die alle Faktoren einbezieht und sich nicht nur auf eine Steigerung der Abschusshöhe konzentriert. Im Konzept der Schalenwildsteuerung mit dem Ziel der Schadensverhütung müssen jagdliche und waldbauliche Maßnahmen aufeinander und miteinander abgestimmt durchgeführt werden. 
        

Welche weiteren Maßnahmen sind zielführend, um Wildschäden zu vermeiden?

Wälder werden zunehmend als Kulisse für Freizeitaktivitäten genutzt. Störungen behindern die Wildtiere bei ihrer natürlichen Nahrungsaufnahme und -verdauung. Störungen können Flucht und damit Energieverluste im Körper verursachen, die wiederum eine vermehrte Nahrungsgaufnahme erfordern. Erhöhte Wildschäden durch ungelenkten Freizeitsport und rücksichtsloses Verhalten der Waldbesucher können die Folge sein. Hier gilt es, die Waldbesucher in ihrem Verhalten entsprechend zu lenken und damit Störungen der Wildtiere zu minimieren. Wildruhezonen sind eine Möglichkeit: Das freie Betretungsrecht des Waldes bei Tag und Nacht muss besonders in sensiblen Bereichen eingeschränkt werden. Ein Wegegebot beeinträchtigt nicht die Erholungsfunktion des Waldes für den Menschen. Eine Leinenpflicht für Hunde muss im Wald selbstverständlich sein. Ziel sind störungsarme Rückzugsräume für Wildtiere.
 

Ist jede verbissene Knospe gleich ein Wildschaden?

Nicht jeder durch Wildtiere verbissene oder vom Rehbock gefegte Jungbaum ist zwangsläufig ein Schaden für die Waldentwicklung. Bei schnellwüchsigen Gehölzen (z.B. Eberesche, Aspe, Holunder) oder bestimmten Begleitbaumarten (z.B. Esche, Buche in Mischkulturen) kann sich mäßiger Verbiss sogar positiv auf die Jungwuchsstruktur auswirken. Die Wirtschaftsbaumarten haben dann weniger Standraumkonkurrenz und werden zudem wenig verbissen wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Entscheidend für einen erfolgreichen Waldumbau ist nicht die Anzahl der geschädigten Bäume, sondern ob genug junge Bäume der Zielbaumart übrig bleiben, um das waldbauliche Ziel zu erreichen. In Naturverjüngungen kommen mehr Pflanzen vor, als zum Erreichen des waldbaulichen Ziels nötig wäre. Nur ein geringer Prozentsatz der Keimlinge erreicht das spätere Nutzungsalter. Ein Großteil der Jungbäume unterliegt der natürlichen Sterblichkeit (Lichtmangel, Konkurrenz, Insekten- und Pilzbefall und letztlich auch Wildeiunfluss). Nicht jeder Verbiss oder Pflanzenschaden entsteht durch Schalenwild: Studien belegen, dass neben Reh und Hirsch auch Arten wie Wildschwein, Eichhörnchen, Feldhase oder Rötelmaus (neuerdings auch Biber) einen hohen Anteil am Verlust von Forstpflanzen haben können (5).
 

Quellen:

Im Frühjahr kracht's besonders häufig zwischen Wildtier und Wagen. Der Deutsche Jagdverband appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, in Waldgebieten und an Feldern die Fahrweise anzupassen.

Mit dem Frühjahr steigt die Aktivität vieler heimischer Wildtiere rapide an. Vor allem Pflanzenfresser wie das Reh sind jetzt besonders viel unterwegs und haben Heißhunger auf zartes Grün. Hinzu kommen Revierkämpfe: Die männlichen Tiere stecken jetzt ihre Territorien neu ab. Kommt dem Platzbock ein Jüngling ins Gehege, wird er vehement verjagt. Dabei geht es auch blindlings über Straßen. Keine andere Säugetierart ist derart häufig in Wildunfälle verwickelt: Laut einer aktuellen Statistik des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ereigneten sich allein in der Zeit vom 1. April 2016 bis 31. März 2017 knapp 195.400 Unfälle mit Rehen. Das sind knapp 85 Prozent aller Wildunfälle.

Gas weg und Augen auf

Aufprallgewicht beim WildunfallUm Zusammenstöße zu vermeiden, rät der (DJV), Wildwechsel-Warnschilder zu beachten und besonders entlang von Wald-Feld-Rändern sowie im Wald aufmerksam und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Gerade in der Morgen- und Abenddämmerung steigt die Wildunfallgefahr. Was viele Autofahrer nicht wissen: Selbst ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 60 ein Aufschlaggewicht von 800 Kilogramm.



 


 

Was tun im Fall der Fälle?

Wenn es doch gekracht hat, Ruhe bewahren und als Erstes die Unfallstelle absichern: Warnblinkanlage anschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen. Bei Personenschäden Erste Hilfe leisten und gegebenenfalls den Notruf wählen (112). Jäger oder Polizei (110) verständigen und Standort melden. Der DJV appelliert an Autofahrer, jeden Unfall aus Tierschutzgründen zu melden – auch wenn kein sichtbarer Schaden entstanden ist. Tote Tiere möglichst – ohne dabei sich oder andere zu gefährden – an den Straßenrand ziehen (Handschuhe tragen). Zu lebenden Tieren Abstand halten. Für die Versicherung eine Wildunfallbescheinigung vom Jäger ausstellen lassen.

Tierfund-App der Jäger nutzen

Wildunfall: Bremsweg und AufprallgeschwindigkeitNur etwa 1 Prozent der Unfälle mit großen Säugetieren erfasst das Statistische Bundesamt. Beim Großteil der Kollisionen werden weder Ort, Zeit oder Tierart erfasst. So fehlt die Grundlage, Wildunfallschwerpunkte zu erkennen und anschließend zu entschärfen. Das Tierfund-Kataster der Jäger (www.tierfund-kataster.de) ist die erste bundesweite Initiative, die Abhilfe schafft: Jeder Verkehrsteilnehmer kann verunfallte Tiere sogar per App melden, Wissenschaftler der Universität Kiel werten die Daten aus. Mehr als 45.000 Datensätze liegen bereits vor und Verkehrsbehörden nutzen diese. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein hat das Kataster entwickelt.
 

Checkliste: Wildunfälle verhindern und richtig handeln im Ernstfall

Wie lässt sich ein Wildunfall verhindern?

  • Reduzierte Geschwindigkeit entlang unübersichtlicher Wald- und Feldränder.
  • Besonders gefährlich sind neue Straßen durch Waldgebiete, da das Wild seine gewohnten Wege beibehält.
  • Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und bei Nebel.
  • Tier am Straßenrand: Abblenden, Hupen, Bremsen.
  • Ein Tier kommt selten allein – Autofahrer sollten stets mit Nachzüglern rechnen.

Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

  • Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage anschalten, Warndreieck aufstellen und Polizei anrufen.
  • Aufgrund der Infektionsgefahr niemals tote Tiere ohne Handschuhe anfassen. Abstand halten zu lebenden Tieren.
  • Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.
  • Einem geflüchteten Tier nicht folgen. In der Unfallmeldung die Fluchtrichtung mitteilen. So kann der Jäger das verletze Tier leichter finden.
  • Für die Versicherung Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen.

 

Im Fokus des WILD-Berichtes 2016 steht die Auswertung der Jagdstatistik verschiedener Raubwildarten. Vor allem bei den invasiven Arten Waschbär und Marderhund sind starke Streckenzunahmen zu verzeichnen. Der Bericht enthält zudem Gastbeiträge zur Verbreitung des Goldschakals und nachhaltigen Nutzung von Bälgen.

(Berlin, 9. Februar 2018) Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat heute den Jahresbericht 2016 für das Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands (WILD) veröffentlicht. Im Fokus stehen die Jagdstatistiken verschiedener Raubsäuger. Dargestellt werden aktuelle Werte und die Entwicklung im 10-Jahres-Vergleich. Besonders eindrucksvoll sind die Ergebnisse für den Waschbären: In fast der Hälfte aller Landkreise (46 Prozent) zeigt sich eine teils starke Zunahme der Jagdstrecken. Dabei hat sich die Zahl der zur Strecke gekommenen Waschbären pro 100 Hektar Jagdfläche innerhalb von zehn Jahren um teilweise mehr als das 10-fache erhöht. Insgesamt umfasste die Strecke im Jagdjahr 2015/16 knapp 130.000 Waschbären. Diese Werte lassen den Schluss zu, dass die Population des aus Nordamerika stammenden Kleinbären kontinuierlich zunimmt. Dies gilt auch für den aus Asien stammenden Marderhund:  Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2015/16 mit 28.000 Tieren rund 16 Prozent mehr Marderhunde erlegt. Nach einem Populationseinbruch Mitte der 2000er-Jahre aufgrund von Räude- und Staupeerkrankungen hat die Marderhundstrecke mittlerweile wieder das Niveau von vor zehn Jahren erreicht.
 
Der WILD-Bericht 2016 enthält weiterhin Daten zur Entwicklung der Jagdstatistik von Fuchs, Dachs, Mink, Iltis sowie Stein- und Baummarder. Auch aktuelle Daten zum Feldhasen sind im neuen Jahresbericht enthalten: Bereits seit über fünfzehn Jahren werden im Rahmen von WILD auf Initiative der Landesjagdverbände die Feldhasenbesätze in ausgewählten Zählgebieten Deutschlands systematisch erfasst. Dabei führen geschulte Jäger die Zählungen jeweils im Frühjahr und Herbst ehrenamtlich in ihren Revieren durch. Neben aktuellen Populationsdichten beleuchtet der Bericht die Entwicklung der Hasenbesätze vom Frühjahr zum Herbst 2016, die sogenannte Nettozuwachsrate.
 
Ergänzt wird der Bericht durch Gastbeiträge von Wissenschaftlern, die Einblicke in aktuelle Projekte und Forschungsthemen geben. Neben der Verbreitung des Goldschakals in Deutschland und Europa, wird das Projekt Fellwechsel vorgestellt, welches eine nachhaltige Nutzung von Bälgen ermöglicht. Auch eine erste Auswertung des seit 2016 bundesweit laufenden Projektes Tierfund-Kataster ist enthalten.
 
Der 44-seitige WILD-Bericht 2016 ist mit zahlreichen Karten und Grafiken illustriert. Die Online-Version gibt es ab sofort hier: www.jagdverband.de/content/ergebnisse-und-publikationen. Bis zu drei Printexemplare können ebenfalls ab sofort kostenfrei über die DJV-Service GmbH angefordert werden, bei mehr Ausgaben sind die Versandkosten zu zahlen: Friesdorfer Str. 194a, 53175 Bonn, Tel. 0228/3 87 29-00, E-Mail: info@djv-service.de

 

Der Bundestag hat heute Nacht Änderungen von Bundesnatur- und Bundesjagdgesetz beschlossen, um invasive Arten gemäß EU-Vorgaben einzudämmen. Revierinhaber sind erste Ansprechpartner für die Umsetzung dieser öffentlichen Aufgabe. In Kürze ergänzt die EU ihre verbindliche Liste gebietsfremder Arten um Bisam, Marderhund und Nilgans.

Der Bundestag hat heute Nacht Änderungen von Bundesnaturschutz- und Bundesjagdgesetz beschlossen, mit denen Vorgaben aus der EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten umgesetzt werden sollen. Ziel ist es, deren weitere Ausbreitung einzudämmen. Es wird gesetzlich klargestellt, dass Maßnahmen mit jagdlichen Mitteln im Einvernehmen mit dem Jagdausübungsberechtigten durchgeführt werden müssen. Der DJV begrüßt diese praxisgerechte Umsetzung: So wird sichergestellt, dass sich die Naturschutzbehörde mit dem Jagdausübungsberechtigten abstimmen muss, er bleibt erster Ansprechpartner im Revier, wenn es um die Eindämmung von Waschbär, Marderhund und Co. geht. "Die jetzt beschlossenen Regelungen schaffen einen angemessenen Ausgleich zwischen der öffentlichen Aufgabe des Managements, den Fach- und Revierkenntnissen der Jäger vor Ort sowie ihren berechtigten Anliegen", sagte Professor Jürgen Ellenberger, Präsidiumsmitglied des Deutschen Jagdverbands (DJV). Weitergehende Eingriffe, die das Bundesumweltministerium vorgeschlagen hatte, konnten abgewendet werden.

Die Regelungen betreffen in erste Linie Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz, mit denen Behördenbefugnisse und Verfahren geregelt werden. Darüber hinaus gibt es beispielsweise für Zoos und private Tierhaltung künftig Besitz- und Vermarktungsbeschränkungen. Außerdem wird im Bundesjagdgesetz ein neuer § 28a eingeführt, der regelt, wie die Verordnung bei jagdbaren Arten umgesetzt werden soll, nämlich durch die Jagdbehörden nach Abstimmung mit dem Revierinhaber. Der DJV hatte sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass in erster Linie die Revierinhaber für die Umsetzung der Maßnahmen gegen invasive Arten zuständig sind und nur subsidiär die Behörden.

EU erweitert Katalog der invasiven Arten

In Kürze wird die EU die im August 2016 in Kraft getretene "Unionsliste" invasiver Arten, bei denen besonderer Handlungsbedarf besteht, um neun Pflanzen- und drei Tierarten erweitern. Marderhund, Bisam und Nilgans sollen künftig auch unter die Regelungen der EU-Verordnung fallen. Damit sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die weitere Ausbreitung dieser Arten möglichst zu stoppen.

Der DJV begrüßt die Ergänzung der EU-Liste, hatte er sich doch auf nationaler Ebene in den entsprechenden Fachgremien des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) stets für die Aufnahme der Arten ausgesprochen. Dabei stützt sich der DJV auf die Ergebnisse langjähriger Erhebungen im Rahmen seines Monitoringprogramms WILD (Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands). Den genannten invasiven Arten kommt bei den bundesweiten Erfassungen eine besondere Bedeutung zu, da sie sich immer weiter ausbreiten und aus Gründen des Natur- und Artenschutzes entsprechend bejagt werden müssen.

Tierschutz nicht verhandelbar

Der DJV betont, dass auch bei Managementmaßnahmen gemäß EU-Verordnung der Tierschutz nicht auf der Strecke bleiben darf - ganz so wie es auch die Verordnung selbst vorsieht. Das schließt laut DJV eine Bekämpfung mit allen Mitteln aus . Andererseits müssten Beschränkungen bei der Jagd in Schutzgebieten und bei den Jagdzeiten aufgehoben werden . "Ich halte die Schonzeit für den Waschbär, wie sie zum Beispiel in Hessen 2015 beschlossen wurde, nicht nur für europarechtswidrig, sondern auch für ökologisch fahrlässig", sagte Professor Ellenberger.

Felle nachhaltig nutzen

Der DJV setzt sich mit dem Projekt "Fellwechsel" für eine bessere Verwertung von tierschutzgerecht gewonnenen Fellen aus nachhaltiger Jagd und Artenschutzprojekten ein. Gerade in Schutzgebieten wurde bislang häufig die Raubwildbejagung vernachlässigt - mit unbeabsichtigten aber vorhersehbaren Folgen gerade für schutzbedürftige bodenbrütende Vogelarten. Fellwechsel ist ein Angebot an den Natur- und Artenschutz, das Thema konsumtive Nutzung ernst zu nehmen und Produkte mit hervorragender Ökobilanz zu erzeugen. „Fell statt Faserpelz“ ist ökologisch betrachtet die eindeutig bessere Wahl.


 

Die Delegierten des Bundesjägertags 2017 haben einstimmig eine Grundsatzposition Jagd verabschiedet. Auch zur Zukunft des Monitoring-Programms WILD und zur Fellwechsel GmbH wurden Beschlüsse gefasst. Auf der abschließenden Podiumsdiskussion haben Politiker im Hinblick auf die Bundestagswahl ihre Positionen dargelegt.

Die rund 250 Delegierten haben auf dem Bundesjägertag in Rostock-Warnemünde eine umfassende Grundsatzposition Jagd einstimmig beschlossen. Diese befasst sich mit grundlegenden Fragen, unter anderem mit dem Verhältnis von Jagd zu Tierschutz, mit Eigentum, Ausbildung, traditionellen Grundlagen der Jagd und mit Einzelfragen wie dem Umgang mit invasiven Arten, Jagdhunden und Wildschäden. Das Papier wurde in einem langen Diskussionsprozess innerhalb des Verbandes entwickelt, in den auch die Organisationen auf Kreisebene einbezogen waren.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt des Bundesjägertages 2017 war die Weiterentwicklung des WILD-Monitorings. Ein entsprechender Beschluss sieht vor, dass der DJV das Programm auf Bundesebene weiter ausbaut, da nur langfristige Datenreihen belastbar sind in der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion. Maßnahmen sollen entwickelt werden, um Jäger weiterhin für die anspruchsvolle Datenerhebung zu begeistern. Die Landesjagdverbände sind aufgerufen, den Aufbau staatlicher Monitoringsysteme kritisch zu begleiten und inhaltlich mitzugestalten. "Wir dürfen uns das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen. Es geht um nicht weniger als die Deutungshoheit für die künftige Ausrichtung der Jagd. Dafür benötigen wir fundierte Zahlen", betonte DJV-Vizepräsident Dr. Volker Böhning. Die Delegierten haben den entsprechenden Beschluss einstimmig gefasst, der einen Tag zuvor in einem Workshop von rund 100 Teilnehmern erarbeitet wurde.

Die Delegierten haben ebenfalls einstimmig einen Beschluss zur nachhaltigen Nutzung von Fellen aus heimischer Jagd gefasst. Darin bekennen sich die Jäger zur regionalen, nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen für die Fertigung ökologisch hochwertiger Pelzprodukte. Die Abbalgstation für das Projekt Fellwechsel soll bereits in der kommenden Wintersaison ihren Betrieb aufnehmen. Felle von Raubsäugern aus heimischer Jagd sollen dort verarbeitet werden, Ziel ist deren lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Im Hinblick auf die Umsetzung der EU-Verordnung zu invasiven Arten wie Waschbär und Marderhund fordern die Delegierten eine finanzielle Unterstützung von der Politik, etwa für Kühltruhen oder Fanggeräte, da mit dem Projekt Fellwechsel umweltpolitische Ziele maßgeblich unterstützt werden.

Weitere Forderungen an die Adresse der Volksvertreter: eine Aufhebung sämtlicher Einschränkungen für die Bau- und Fangjagd sowie ein klares Bekenntnis zur Fellnutzung aus nachhaltiger Jagd. "Jeder Jäger ist angesprochen, mitzumachen. Raubsäuger bejagen und hochwertige Felle liefern, dass ist Artenschutz mit Mehrwert. Durch die lückenlose Nachverfolgbarkeit der Felle haben wir als Jäger ein Alleinstellungsmerkmal, das wir nutzen müssen", sagte DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Jörg Friedmann. "Fellwechsel ist ein Angebot an den Natur- und Artenschutz, das Thema konsumtive Nutzung ernst zu nehmen und Produkte mit hervorragender Ökobilanz zu erzeugen."

Die Politik müsse sich zu diesem nachhaltigen Ansatz bekennen und dürfe nicht Tierrechtlern auf den Leim gehen, die dem Verbraucher weis machen wollen, dass Pelz per se schlecht sei. "Wir Jäger lehnen tierschutzwidrige Zustände ab, wie sie teilweise in der asiatischen Pelzproduktion herrschen", so Dr. Friedmann. Diese hätten aber nichts gemein mit Fellen aus der heimischen Jagd. Zudem sei "Fell statt Faserpelz", ökologisch betrachtet, die eindeutig bessere Wahl.

Die Beschlüsse der Workshops zum Herunterladen:

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