Wirkungsmechanismus von Wildwarnreflektoren weiterhin unklar

12. Dezember 2017 (DJV/ADAC) Berlin/Hannover
Vorgestellte Studien zeigen, dass blaue Reflektoren die Zahl der Wildunfälle senken können, die Wirkweise ist allerdings umstritten. Rund 200 Experten nahmen an der Fachtagung von ADAC und DJV teil.

Auf der Veranstaltung "Kulturlandschaft und Wolf - Koexistenz braucht Bestandsregulierung" hat sich der DJV zum Wolf positioniert: Für eine von der Politik gewünschte Regulation brauche es einen klaren Rechtsrahmen. 

Auf der heutigen Veranstaltung "Kulturlandschaft und Wolf - Koexistenz braucht Bestandsregulierung" hat der Deutsche Jagdverband (DJV) Stellung bezogen zum Umgang mit dem Wolf in Deutschland: Mögliche Lösungsansätze der Politik müssen darauf fokussieren, dem Wolf beizubringen, sich von Mensch und Nutztieren fernzuhalten. Er hat keine angeborene Scheu. Dort, wo sich der Wolf etabliert hat, sinkt die Akzeptanz in der Landbevölkerung teils rapide. Ursachen sind Nutztierrisse und ungewollte Nahbegegnungen. Das Konfliktpotenzial wird laut DJV weiter steigen, da die Population mit über 30 Prozent pro Jahr wächst. Der Wolf ist bereits heute eine Herausforderung für Deichschutz, Grünlandwirtschaft und Landschaftspflege.

"Wenn Minister und Ministerpräsidenten angesichts der rasanten Ausbreitung des Wolfes seine Regulation fordern, müssen sie auch den Rechtsrahmen schaffen. Wir brauchen dann praktikable Managementpläne, die auch abseits des Wahlkampfgetößes funktionieren", sagte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke auf der Veranstaltung des Bauernverbandes. Wir prognostizieren, dass eine von der Politik gewollte Regulierung des Wolfes über das Jagdrecht denkbar und praktikabel sei, so Dammann-Tamke weiter. Das intelligente Säugetier würde sehr schnell sein Verhalten anpassen und die Rolle annehmen, die der allgemeinen Erwartungshaltung entspricht: die eines scheuen Wildtiers. Dann würde sich die sinkende Akzeptanz in der Landbevölkerung auch wieder umkehren. In Cuxhaven haben Wölfe kürzlich die ersten Deichschafe gerissen und sich in der Jagdtaktik auf ausgewachsene Rinder spezialisiert. Hierfür brauche es praktikable Antworten, so Dammann-Tamke. Fest steht nach Meinung der Jäger: Das Deichgesetz verbietet eine wolfssichere Zäunung. Eine Verdrahtung der Landschaft widerspricht außerdem dem Naturschutzgedanken von Biotopvernetzung.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa habe eine Beratung am vergangenen Donnerstag zwischen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), dem niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seinem Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ergeben, dass künftig komplette «Problemrudel» abgeschossen werden könnten. Auf der vergangenen Agrarministerkonferenz ging Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk laut dpa sogar noch weiter und erklärte, der Wolf sei nicht mehr akut gefährdet. «Auffällige Wölfe müssen getötet werden», forderte Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, in der dpaMeldung. Man brauche nun dringend eine Definition, was ein auffälliger Wolf sei.

Trotz Grünbrücken ist die Durchgängigkeit der Landschaft für Tiere noch nicht erreicht, die Tiermortalität an Straßen zu hoch. Die Wiedervernetzung von Lebensräumen wirkt dem entgegen und muss bundesweit Schule machen. Wie das funktionieren kann, erklären Experten während der Fachtagung „Lebensraumkorridore für Mensch und Natur“ in Berlin.

Verkehrswege müssen keine Barriere für die biologische Vielfalt sein, wenn große Querungshilfen wie Grünbrücken und Ottertunnel ökologisch hochwertig an das Hinterland angebunden werden. Gleichzeitig können Verkehrsunfälle mit Wildtieren vermieden werden. Das Leuchtturmprojekt „Holsteiner Lebensraumkorridore“ zeigt, wie wichtig die richtige Gestaltung auf der Grünbrücke und deren Einbindung in die umgebende Landschaft ist: So haben sich zum Beispiel seltene Arten wie Kreuzkröte oder der Warzenbeißer, die sich nur langsam fortbewegen können, bis zur Grünbrücke bei Kiebitzholm ausgebreitet. Die Haselmaus, das Blutströpfchen – eine Schmetterlingsart – und der Kammmolch nutzen inzwischen die Grünbrücke, der Fischotter ist im benachbarten Ottertunnel nachgewiesen worden. Im an die Grünbrücke angrenzenden Naturwaldband lebt eine hohe Artenvielfalt von Brutvögeln und Fledermäusen.

Was inzwischen kleinräumig funktioniert, muss aber auch im regionalen Maßstab wirken. Daher wird in einem weiteren Projekt der „Regionen- und naturraumübergreifenden Wiedervernetzung“ die großräumige Wiedervernetzung von Naturschutzflächen zwischen und über die Autobahnen A 7 und A 21 im Kreis Segeberg erprobt und entwickelt.

Dass die Verkehrsinfrastruktur durchaus mit einer grünen Infrastruktur vereinbar ist, ist ein Ergebnis, welches heute rund 130 Wiedervernetzungsexperten aus ganz Deutschland während der Tagung „Lebensraumkorridore für Mensch und Natur“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin vorgestellt wird. Eingeladen haben der Deutsche Jagdverband (DJV) und die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein (SNSH) Fachleute aus den Bereichen Straßenbau, Verwaltung, Forst, Jagd und Naturschutz. Gemeinsam mit den politischen Vertretern sollen neue Erkenntnisse zum Thema Wiedervernetzung von Lebensräumen für Wildtiere über trennende Verkehrswege hinweg diskutiert und Impulse für Handlungsempfehlungen gegeben werden.

„Mit Blick auf das Artensterben können wir es uns nicht leisten, noch mehr Landschaft unüberwindbar zu zerschneiden", sagt Rita Schwarzelühr-Sutter, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium (BMUB). "Im Gegenteil: Um dem Verlust von Artenvielfalt entgegenzuwirken, müssen wir die mit Straßen, Bahntrassen und Siedlungen geschlagenen Schneisen konsequent wieder miteinander vernetzen. Die künftige Verkehrs- und Bauplanung muss sich stärker an ökologischen Kriterien orientieren – nur dann ist sie wirklich zeitgemäß, richtungsweisend und zukunftsfähig.“

„Die Zerschneidung von Lebensräumen gehört zu den gravierendsten Gefährdungsursachen für die biologische Vielfalt“, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Im BfN befassen wir uns seit knapp 20 Jahren mit dieser Thematik. Mit unseren Vorhaben konnten wir beispielsweise nachweisen, dass Grünbrücken viel effizienter für die biologische Vielfalt wirksam sind, wenn sie in das landschaftliche Umfeld ein- und an das Hinterland angebunden sind.“

„Für große und kleine Wildtiere, von der Haselmaus – Tier des Jahres 2017 – bis zum Rothirsch, sind Straßen oft unüberwindbare Hindernisse“, sagt Hartwig Fischer, DJV-Präsident. „Sie zerschneiden deren Lebensräume und beschränken die natürlichen Wanderungen der Tiere. Um eine genetische Verarmung zu verhindern, müssen die uralten Wanderrouten von Tieren wie dem Rothirsch auch über Straßen hinweg erhalten bleiben.“

Während der eintägigen Veranstaltung werden neue Entwicklungen aus Erprobungsvorhaben und aus der Praxis gegeben, die die strategischen Ansätze aus Politik und Forschung aufgreifen, sowie wichtige Impulse für eine künftige Ausrichtung. Zu diesen Ergebnissen zählen konkrete Anforderungen an Wiedervernetzungsmaßnahmen, die Eingang in Leitfäden des Straßenbaus finden, aber auch vorbildliche und erfolgreiche Umsetzungen in den Ländern. Hinzu kommen Untersuchungen zu Möglichkeiten und Grenzen von Straßenbegleitgrün als Lebensraum und Vernetzungselement oder Ansätze zur Beurteilung von Wildunfällen und zur Wildunfallvermeidung.

Am 09. Mai 2017 veranstaltet das Netzwerk Lebensraum Feldflur eine Praktikertagung zum Thema „Biomasse aus Wildpflanzen“ in Paderborn. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf dem Austausch von Erfahrungen mit Blick auf Anbau, Pflege und Wirtschaftlichkeit ertragreicher Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion. Neben verschiedenen Vorträgen ist eine gemeinsame Exkursion zu Praxisflächen geplant.

Der Anbau von Wildpflanzenmischungen erhöht die Artenvielfalt in den Agrarlandschaften und unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Landwirtschaft. Mittlerweile sind mehrjährige Anbausysteme aus ertragreichen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion auch aus ökonomischer Sicht eine Alternative zum Mais:  Sie verursachen geringe Investitions- und Pflegekosten und sind in der Lage, hohe Stickstoffmengen aus dem Boden zu binden.  Gleichzeitig können Wildpflanzenmischungen heute einen wettbewerbsfähigen Ertrag in der Biomassegewinnung erzielen.

Das Tagungsprogramm und ein Anmeldeformular für die kostenlose Veranstaltung sind auf der Internetseite www.Lebensraum-Feldflur.de zu finden. 

Anmeldeschluss ist der 30. April 2017

Kontakt

Netzwerk Lebensraum Feldflur
c/o Deutsche Wildtier Stiftung
Uta Hennig
Christoph-Probst-Weg 4
20251 Hamburg
U.Hennig@dewist.de
040 9707869-26

Veranstaltungsort

Schützenhof Paderborn
Schützenplatz 1
33102 Paderborn

 

 

 

Hintergrund

Das Netzwerk Lebensraum Feldflur ist ein Zusammenschluss aus 27 Akteuren der Jagd, des Naturschutzes und der Energiewirtschaft. Es will mit dem Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ die Biogaserzeugung aus Biomasse enger mit den Zielen des Arten-, Natur- und Umweltschutzes verknüpfen und Mischungen aus heimischen Wildpflanzenarten als eine ökologisch notwendige und ökonomisch tragfähige Ergänzung zu konventionellen Energiepflanzen in der landwirtschaftlichen Praxis etablieren.

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