Auch im Herbst erkranken immer wieder Menschen an der gefährlichen Zeckenkrankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zur Verbreitung und zum Impfschutz hat der Bundesverband für Gesundheitsinformationen und Verbraucherschutz (BGV) eine neue Broschüre herausgegeben. Erhard Hackler, Vorstand des BGV, gibt Hinweise und Tipps im Umgang mit der Zecke.  

Der Gemeine Holzbock ist auch in der nasskalten Jahreszeit aktiv und kann Krankheiten übertragen. "Aktiv werden sie ab 10 Grad, die Zeckensaison dauert daher von Frühjahr bis in den Spätherbst hinein," sagt Erhard Hackler, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Gesundheitsinformationen und Verbraucherschutz (BGV). Der Deutsche Jagdverband empfiehlt deshalb, nach dem Waldspaziergang auch jetzt noch auf Zeckenstiche zu achten. Zecken übertragen bis zu 20 verschiedene Krankheiten. Die bekanntesten sind Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Viren übertragen wird. Erkranken können Menschen und Hunde gleichermaßen. Gegen FSME bietet eine Impfung wirksamen Schutz. Diese sollte bereits im Winter erfolgen, um das Immunsystem bis zum Frühjahr fit zu machen. 

Der Deutsche Jagdverband befragte Erhard Hackler worauf beim Umgang mit Zeckenstichen zu achten ist.

DJV: In Ihrer Informationsbroschüre greifen Sie das Thema "Impfschutz gegen die Zeckenkrankheit FSME" auf. Ist das Erkrankungsrisiko in Deutschland tatsächlich so hoch?

Hackler: Erhard Hackler, Vorstand des BGV in BonnDas Erkrankungsrisiko ist regional sehr unterschiedlich. Da die Erkrankung meldepflichtig ist, lässt sich feststellen, wo das Infektionsrisiko besonders hoch ist. Insgesamt werden aktuell 145 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen; ein Kreis wird als Risikogebiet definiert, wenn in einem Fünfjahreszeitraum in dem Kreis oder in der Kreisregion mehr als ein Fall pro 100.000 Einwohner aufgetreten ist. Vereinzelt tritt die Erkrankung aber auch in anderen Gebieten in ganz Deutschland auf. (Robert-Koch-Institut, Stand Mai 2015).

 

In Welchen Regionen sind Menschen besonders gefährdet? 

Das FSME-Virus ist in Deutschland weitgehend auf Gebiete im Süden des Landes begrenzt. Es kommt vor allem in Bayern, Baden-Württemberg sowie in einzelnen Landkreisen von Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen und Thüringen vor. Vereinzelt wurden auch Fälle in anderen Regionen gemeldet. Je nach Region sind 0,1 bis 5 Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert, in einzelnen Landkreisen vor allem im Südosten Deutschlands, werden auch höhere Raten gefunden. Eine interaktive Karte ermöglicht es, sich über das Risiko für jeden einzelnen Kreis in Deutschland zu informieren. 

Gerade Jäger halten sich mit ihren Jagdhunden viel in Wald und Feld auf. Wann ist die Gefahr am größten von einer Zecke gestochen zu werden?

Zecken mögen es feucht und warm. Sie fühlen sich an allen schattigen Plätzen im Grünen wohl, zum Beispiel an Waldrändern, in Lichtungen, Uferzonen von Bachläufen oder Seen, Wiesen und Sträuchern. Sie sitzen meist in Bodennähe, kommen aber auch auf Pflanzen und Büschen in einer Höhe von anderthalb Metern vor. Aktiv werden sie ab 10 Grad Celcius, die Zeckensaison dauert daher von Frühjahr bis in den Spätherbst hinein.

Welche Krankheiten überträgt die Zecke auf den Menschen, welche auf den Hund?

Zecken übertragen bis zu 20 verschiedene Krankheiten. Die bekanntesten sind die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die mit Antibiotika behandelt werden kann, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Viren übertragen wird. Beide Erkrankungen kommen auch beim Hund vor. Nähere Informationen zu Erkrankungen beim Hund gibt es zum Beispiel beim Tierarzt.

Bei der Entfernung von Zecken gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche ist die beste?

Das Risiko, durch einen Zeckenstich infiziert zu werden, ist umso geringer, je schneller sie entfernt wird. Am besten verwendet man dazu ein spezielles Entfernungsinstrument, wie etwa eine Zeckenkarte, -zange oder ein -lasso. Die Zecke sollte im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut gegriffen und je nach Instrument durch leichtes Drehen oder Hebeln vorsichtig und möglichst senkrecht herauszogen werden. Wichtig ist es, den Holzbock nicht zu quetschen, da so infizierter Speichel oder Darminhalt schneller übertragen wird. Auf keinen Fall sollte die Zecke mit Öl, Klebstoff oder Nagellack bedeckt werden, weil sie auch dann noch vermehrt Krankheitserreger freisetzen könnte. Nach dem Entfernen muss die Wunde desinfiziert werden. Wer Krankheitssymptome bemerkt, wie zum Beispiel Kopfweh, Fieber oder Muskelschmerzen, sollte einen Arzt aufsuchen.

Wie können wir uns schützen?

Wenn es sich nicht vermeiden lässt, durch hohes Gras oder Unterholz zu streifen, sind lange Kleidung und feste Schuhe ein wichtiger Schutz. Sinnvoll ist es, regelmäßig nachzusehen, ob auf der Kleidung eine Zecke krabbelt. Auf heller Kleidung sind Zecken leichter zu sehen als auf dunkler. Insektenabweisende Mittel schützen zusätzlich. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Besonders gern setzen sie sich dort fest, wo die Haut dünn und feucht ist, etwa in den Kniekehlen, an den Achseln, hinter den Ohren und im Leistenbereich. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt es sich nie ganz ausschließen, dass eine Zecke durch eine Lücke in der Kleidung auf den Körper gelangt. Die wichtigste Präventionsmaßnahme zum Schutz vor der FSME ist daher die Impfung. Sie wird für alle Personen empfohlen, die in einem FSME-Risikogebiet leben oder sich dort aufhalten. Die Grundimmunisierung wird am besten in den Wintermonaten durchgeführt. Wer sich auf die Schnelle noch für den Rest der Zeckensaison schützen möchte, kann auch eine Schnellimpfung in Anspruch nehmen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Von den Menschen, die von einem FSME-Virus infiziert worden sind, erkrankt ungefähr jeder Dritte, mancher davon schwer. Tendenziell verläuft die Erkrankung bei älteren Menschen schwerer als bei jungen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Erkrankung verläuft in zwei Stadien. Im ersten Stadium spürt der Betroffene unspezifische Symptome, ähnlich wie bei einer Grippe. Viele werten Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen als grippalen Infekt und merken gar nicht, dass eine FSME-Infektion die Ursache ist. Viele Patienten haben die Erkrankung nach ein bis zwei Wochen überstanden. Bei anderen steigt das Fieber nach einer beschwerdefreien Phase von etwa einer Woche plötzlich wieder an. Dann hat die Erkrankung das zweite Stadium erreicht; das Virus hat das zentrale Nervensystem befallen. Bei etwa der Hälfte der Patienten entzünden nur die Hirnhäute (Meningitis), bei etwa 40 Prozent befällt das Virus auch das Gehirn (Enzephalitis); in etwa 10 Prozent der Fälle ist außerdem das Rückenmark beteiligt  (Meningoenzephalomyelitis).

weiterführende Links:

Informationen für Tierhalter auf www.parasitenfrei.de

interaktive Deutschlandkarte mit FSME-Risikogebieten

Die Broschüre steht zum Download auf dieser Seite oder kann kostenlos per E-Mail bestellt werden: hackler@bgv-info-gesundheit.de


Infobox:

Wiederkäuer haben positiven Einfluss auf Borreliose-Zecken:

Manche Wirte der Zecke, wie Nagetiere oder Vögel, sind bekannt als Reservoir für die Erreger der Lyme-Borreliose. Saugt die Zecke als Larve oder Nymphe an einem infizierten Wirt, dann nimmt sie Borrelien auf und kann sie im nächsten Stadium auf den Menschen übertragen – auch nach einer weiteren Häutung zum Zeckenweibchen. Untersuchungen zeigten, dass Zecken ihre gefährliche Fracht nicht an Wiederkäuer weitergeben können. Das gilt sowohl für Nutztiere wie Ziegen, Schafe und Rinder, als auch für Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild. Und besser noch: Infizierte Zecken, die an Wiederkäuern saugen, verlieren die Lyme-Borrelien während der Blutmahlzeit. Sie saugen sich voll, fallen vom Wirt ab, entwickeln sich zum nächsten Stadium und sind nicht mehr infektiös. Wiederkäuer werden deshalb als zooprophylaktisch bezeichnet. Welche Substanz im Blut der Wiederkäuer während der Blutmahlzeit für diesen Effekt sorgt und die Lyme-Borrelien in der Zecke auslöscht, ist bisher unbekannt. Grundsätzlich gilt: In Gebieten, in denen viele Wiederkäuer leben, stecken sich die Zecken also weniger häufig an. Die Wahrscheinlichkeit, dort einer infizierten Zecke zu begegnen, ist geringer.


 

 

Zahlreiche Zuschauer verfolgten gestern die Auswilderung eines Seeadlers in der Nossentiner Heide.

Jäger des Aquila e.V. entließen gestern einen Seeadler in sein Revier in der Nossentiner Heide. Förster fanden den Greifvogel im Juli 2015 mit gebrochenem Flügel. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat die Aktion begleitet.

Die Voliere des Greifvogel-Schutzvereins ist die einzige in ganz Deutschland, die für Seeadler mit bis zu zweieinhalb Meter Spannweite geeignet ist. "Die Rettung war nur möglich, weil der Adler bei uns gemeldet und kompetent in der Uniklinik Berlin behandelt wurde", sagt Karsten Matschei, Vorstandsvorsitzender Aquila e.V. Je ein Drittel aller verletzt oder tot aufgefunden Seeadler in Deutschland kam durch Windkraftanlagen oder Verkehr zu Schaden. Ein weiteres Drittel wies eine Bleivergiftung auf. Verletzte oder tote Greifvögel sollten unbedingt gemeldet und deren Ringe eingeschickt werden. Diese enthalten Informationen über Herkunft und Alter der Tiere.

Im Großraum Berlin und Brandenburg gibt es derzeit etwa 120 Seeadler-Brutpaare. 2009 wurde der Seeadler von der Roten Liste der bedrohten Arten genommen, da sich der Bestand positiv entwickelt hat. Derzeit gibt es etwa 600 Brutpaare in ganz Deutschland.

Der DJV sprach mit Karsten Matschei über die Auswilderungaktion in der Nossentiner Heide.

DJV: Woher kommt das Engagement für die Greifvögel?

Matschei: Als gelerntKarsten Matscheier Zootierpfleger habe ich seit 1983 intensiv mit Tieren zu tun. Insbesondere Greifvögel haben mich schon immer interessiert. 2011 habe ich während meiner Tätigkeit als Ranger bei dem Forstgut Johannismühle den Jagdschein gemacht. Die Jagd hilft mir dabei, das komplexe Gefüge unserer heimischen Flora und Faune besser zu verstehen. Ebenfalls als Ranger bei der Sielmann-Stiftung tätig, setzte ich mich anschließend aktiv für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt ein. Seit April 2015 bin ich Vorstandsvorsitzender des Aquila e.V. und helfe verunfallten Greifvögeln, wie dem Seeadler.

Welche Vorgeschichte hat der Seeadler, der jetzt ausgewildert wird?

Gefunden wurde der Seeadler von einem Förster in der Nossentiner Heide mit einem gebrochenen Flügel. Ein absoluter Zufallsfund. Anschließend brachten wir den Greifvogel zu Kerstin Müller in die Freie Universitätsklinik Berlin, eine Expertin für Greifvögel. Nach einer Computertomographie und der anschließenden Diagnose, blieb der Adler weitere sechs Wochen zur Beobachtung in der Klinik. Die Auswilderung haben wir dann in der Greifvogelstation Himmelpfort vorbereitet.

Was ist bei der Haltung der Seeadler zu beachten?

Wichtig für eine Auswilderung ist ausreichend Platz und viel Ruhe. Deshalb benötigt die Anlage einen seitlichen Sichtschutz. Wenig Kontakt ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Vögel dürfen ihre natürliche Scheu vor dem Menschen nicht verlieren. In Deutschland gibt es keine vergleichbaren Anlagen, die genügend Raum für einen Greifvogel dieser Größe bieten.

Was ist bei der Auswilderung zu beachten?

Der Greifvogel muss unbedingt dort ausgewildert werden, wo er gefunden wurde. Weitere Vorbereitungen sind nicht notwendig. Das Anlegen von Kunsthorsten, macht nur bei nicht-horstbauenden Greifvögeln, wie Wanderfalken, Sinn. Ansonsten benötigt der Seeadler nur seine heimatlichen Gefilde. Hier kennt er Nist- und Futterplätze.

Wird die weitere Entwicklung des Seeadlers überwacht?

Die Greifvögel bekommen von uns einen Ablesering, um sie später wieder identifizieren zu können. Ehrenamtliche Horstbetreuer und Förster beobachten regelmäßig das Gebiet der Auswilderung und dokumentieren ihre Beobachtungen. Verschlechtert sich der Zustand der Vögel erneut, können wir zeitnah eingreifen. Im Frühjahr werden zudem die Jungvögel beringt. Dies geschieht bei den Arten Uhu, Seeadler, Fischadler, Wanderfalke, Milan und Baumfalke im Raum Brandenburg.

Was sind die häufigsten Unfall-Ursachen bei Greifvögeln?

Ein Drittel aller Unfälle werden durch Windkraftanlagen verursacht. Hierbei sind besonders Milane, Schrei- und Seeadler aber auch Fledermäuse betroffen. Ein Drittel aller gefunden Greifvögel hat eine Bleivergiftung. Ein weiteres Drittel aller verletzt oder tot aufgefunden Seeadler verunglücken an Bahnstrecken und Straßen. Die Seeadler erspähen verunfallte Beutetiere an den Verkehrstrassen und werden dann selbst von, beispielsweise, vorbeifahrenden Zügen verletzt. Wenn uns ein verletzter oder toter Greifvogel gebracht wird, versuchen wir am Fundort die Ursache für die Verletzung zu finden.

Was gilt es zu beachten, wenn man einen verletzten Greifvogel auffindet?

Nicht eigenmächtig handeln. Finder sollten den zuständigen Förster kontaktieren. Nur eine schnelle und professionelle Versorgung kann das Leben der Greifvögel retten. Wir sind unter folgender Nummer erreichbar: Festnetz: 033089/41204, Mobil: 0171/7533873 oder kontaktieren Sie die Untere Naturschutzbehörde des zuständigen Landkreises.

Wie viele gefundene Seeadler können wieder ausgewildert werden?

Von etwa 16 Seeadlern schaffen es nur fünf zurück in die Natur. Jedoch wird nur eine geringe Zahl verunfallter Vögel gefunden. Das sind echte Zufallstreffer. Oftmals sind Fuchs, Marder und Co. vor uns am Unfallort.

Wie finanziert sich die Greifvogelstation?

Die Station finanziert sich durch das Land Brandenburg und durch Spenden aus der Bevölkerung. Die Kosten für die Untersuchung und Computertomographie werden von der Universitätsklinik Berlin getragen. Die Fahrtkosten zu den Revieren, zur Auswilderung und Beobachtung übernehmen wir selbst. Das ist unser persönlicher Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt.

Der Föderverein Großtrappenschutz e.V. betreibt seit etwa 25 Jahren Großtrappenschutz in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der DJV sprach mit Diplom-Biologe und Geschäftsführer Henrik Watzke über die Herausforderungen seiner Arbeit, bei der er die seltenen Vögel von Hand aufzieht und mithilfe spezieller Volieren auswildert.

Der Föderverein Großtrappenschutz e.V. betreibt seit etwa 25 Jahren Großtrappenschutz in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In den drei Siedlungsgebieten Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch werden die seltenen Vögel von Hand aufgezogen und mithilfe spezieller Volieren ausgewildert. Im Jahr 1940 lebten noch 4100 Großtrappen in Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Heute gibt es die Großtrappe mit knapp 200 Exemplaren nur noch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Um den Bestand zu unterstützen, werden jährlich Jungtrappen aus der künstlichen Aufzucht ausgewildert. Henrik Watzke ist Diplom-Biologe und Geschäftsführer des Fördervereins. Der DJV sprach mit ihm über die Herausforderungen seiner Arbeit angesichts ausbleibender EU- und Länderförderungen.

DJV: Wie viele Jungtrappen wurden dieses Jahr in welchem Gebiet ausgewildert und ist diese finanziell und personell aufwändige Maßnahme dauerhaft nötig?

Henrik Watzke: In diesem Jahr werden in den Belziger Landschaftswiesen (Brandenburg) und im sachsen-anhaltinischen Teil des Fiener Bruchs jeweils 20 junge Großtrappen ausgewildert. Die Auswilderung befindet sich aktuell in der finalen Phase, der Integration der Jungtrappen in den Wildbestand. Der Erfolg der Auswilderung beginnt schon bei der Bergung gefährdeter Gelege (Bedrohung durch Landwirtschaft oder durch Rabenvögel, Anm. d. Red.). Die Eier müssen sorgfältig transportiert und schnell in die Brutapparate der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg gebracht werden. Nach dem Schlupf erfolgt die Betreuung der Küken bis mindestens zur achten Lebenswoche in der Vogelschutzwarte. Spätestens im Alter von zehn Wochen kommen die Jungtrappen in die Auswilderung. Während der Auswilderung werden die Jungtrappen noch einmal etwa drei Monate betreut. Dieser enorme finanzielle und vor allem personelle Aufwand wird noch solange nötig sein, bis sich die drei letzten Reproduktionsgruppen Deutschlands durch einen eigenen natürlichen Nachwuchs stabil entwickeln.

GroßtrappenschutzSeit 2012 ist ein Bestandsanstieg in allen drei Siedlungsgebieten zu beobachten. Wie erklärt sich diese positive Entwicklung?

Hauptursache für den Bestandsanstieg ist die Auswilderung von handaufgezogenen Jungtrappen. Bei der Bebrütung der Eier und bei der Aufzucht der Jungvögel haben wir in den letzten Jahren viel dazugelernt. Sie sind jetzt deutlich fitter und werden während der Auswilderung in speziellen Volieren besser vor nächtlichen Störungen und Fressfeinden geschützt. Die Überlebensraten der Auswilderungsvögel bis zum nächsten Frühjahr liegen seit 2011 bei 60 bis über 70 Prozent.

Durch den Bestandsanstieg werden auch immer mehr Brutversuche registriert. Leider werden die Küken meist nur innerhalb spezieller Schutzzäune flügge. In den letzten beiden Jahren waren es schon jeweils 20 wilde Jungvögel, in diesem Jahr sogar mindestens 42. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt und Großtrappenhennen vielleicht sogar außerhalb der Schutzzäune erfolgreich brüten, wird die Bedeutung der Bestandsstabilisierung durch von Hand aufgezogenen Jungtrappen immer mehr abnehmen.

Die Großtrappe ist im Katalog jagdbarer Arten mit ganzjähriger Schonzeit gelistet. Welche Vor-  oder Nachteile bietet diese Einordnung?

Ich sehe einen großen Vorteil: Das ist die Hegeverpflichtung, Jäger sind also verpflichtet den Lebensraum zu verbessern. Hier können wir die Jäger und die Jagdbehörden bei der Ehre packen. Bestimmte Projekte wie zum Beispiel das Prädationsmanagement (Schutzzäune, Bejagung der Fressfeinde,  Bergen von Gelegen, die von Rabenvögeln bedroht sind, Anm. d. Red.) wären ohne Jäger kaum möglich. Die Bergung von Gelegen oder toter Großtrappen (zur Untersuchung der Todesursache, Anm. d. Red.) darf natürlich nur mit Einverständnis des Jagdpächters erfolgen. Das ist manchmal ein Aufwand, auf den wir gerne verzichten würden.

In vielen Artenschutzprojekten ist neben der Lebensraumgestaltung die Bejagung von Fressfeinden ein weiteres wichtiges Element des Schutzkonzeptes. Welche Strategie verfolgt der Förderverein für den Großtrappenschutz?

Das Prädationsmanagement ist neben der Lebensraumgestaltung ein zentrales Thema im Großtrappenschutz. Das zeigt sich zum Beispiel im größeren Bruterfolg von Hennen, die in geschützten Arealen brüten, die der Fuchs nicht erreicht. Diese dürfen aber nicht das einzige Mittel sein, um einen stabilen Bestand von Bodenbrütern zu erreichen. Hier müssen wir kreativ sein und viel ausprobieren, um Wege zur Vermeidung von Prädation zu finden. Die intensive Bejagung von Raubsäugern im Rahmen eines Wildtiermanagements mit wissenschaftlicher Begleitung und in enger Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern gehört in jedem Fall dazu. Aber auch hier müssen wir weiterdenken, denn das erlegte Raubwild wird bisher nicht genutzt. Die Bejagung sollte aber, wie auch bei anderen jagdbaren Arten, einen wirtschaftlichen Zweck verfolgen, den wir unter anderem bei der Verwertung der Felle sehen.

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass der Trappenschutz im Fiener Bruch aufgrund ausbleibender staatlicher Finanzmittel gefährdet ist. Wie geht es weiter?

Der Großtrappenschutz in Sachsen-Anhalt basierte in den letzten Jahren leider ausschließlich auf ELER-Fördermittel (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums). Das letzte Projekt ist Ende September ausgelaufen, die letzten drei Monate des Jahres werden mit einer Zuwendung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt (Biodiversität 2015 und Natura 2000) gefördert. Vertröstet wird auf die nächste ELER-Förderung. Wann die Anträge gestellt werden können, ist aber ungewiss. Die Gefahr, dass die Kontinuität des Schutzprojektes abreißt, ist deshalb wieder sehr akut. Dabei wurde in den letzten Jahren viel erreicht. Der Großtrappenbestand, der 2004 nur noch einzelne Hennen aufwies, ist auf über 60 Individuen angewachsen. Es gibt wieder Nachwuchs: In diesem Jahr sind acht Wildküken im Fiener Bruch flügge geworden. Gerade auch in das Prädationsmanagement wurde mit der Bereitstellung vieler Fallen, Fallenmeldern, Betreuern und Aufwandsentschädigungen viel investiert. Die Zusammenarbeit mit Jägern und Landnutzern wird immer intensiver. Letztendlich steht wieder das Überleben der Großtrappe in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel. Diese Einsicht, da bin ich mir sicher, gibt es ebenso in den verantwortlichen Behörden Sachsen-Anhalts.

Weitere Informationen zur Großtrappe finden Sie unter: 
www.grosstrappe.de

 

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) geht von einem Verkehrsunfall aus.

Der am 10.10. von Pilzsuchern südlich von Siegadal tot aufgefundene Wolf wurde nicht erschossen. Dies gab nun das das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) bekannt. Laut IZW-Sprecher Steven Seet wies der Wolf Verletzungen auf, die auf einen Verkehrsunfall hindeuten. Ihm zufolge sind die Löcher im Fell, die zunächst für Schusswunden gehalten wurden, vermutlich Bissspuren, die dem Tier von einem Artgenossen beigebracht wurden als es bereits verendet war. „Eine Schussverletzung schließen wir definitiv aus", so Seet.

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) nimmt diese Wendung mit Erleichterung zur Kenntnis. „Wir sind froh, dass der Wolfswelpe nicht durch eine Schusswaffe starb. „Der Fall zeigt, dass es angeraten ist, Untersuchungsergebnisse abzuwarten, und sich nicht mit Vermutungen an die Öffentlichkeit zu wenden“, so Georg Baumann, Geschäftsführer des LJVB.

Kurz zuvor hatte Peta den moralischen Zeigefinger erhoben und verkündet: „Wir gehen davon aus, dass der Täter in lokalen Jägerkreisen zu finden ist.“

Österreichische Wissenschaftler werten Daten aus 12 Ländern und 150 Jahren aus

Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen eindeutig nachzuweisen, dass Wildschweine sogar über Klimazonen hinweg von immer milderen Wintern profitieren.  Diese seien europaweit Hauptursache für den Anstieg der Wildschweinbestände, so die Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien. In kälteren Regionen Europas sei der Einfluss des Klimawandels und der damit milderen Winter auf das Anwachsen der Wildschweinpopulation größer als in wärmeren Regionen, so die Forscher. Selbst überdurchschnittlich kalte Winter, die sporadisch auftauchen, hätten kaum mehr negative Effekte auf die Population. Dies liege nach Angaben der Experten des universitätseigenen Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie an ausreichend vorhandener natürlicher Nahrung durch Bucheckern. Sogenannte Mastjahre mit besonders ergiebiger Samenproduktion hätten seit den 1980er Jahren in ihrer Häufigkeit deutlich zugenommen. Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Jagdstatistiken aus 150 Jahren für 69 Regionen aus 12 europäischen Ländern ausgewertet. Ihre Schlussfolgerung: Der Klimawandel beeinflusse die Populationsentwicklung direkt, indem die Flaschenhalsfunktion von kalten Wintern auf Überleben und Reproduktion bei Wildschweinen nahezu gänzlich fehle. Indirekt sorge der Klimawandel darüber hinaus für immer mehr Futter: Buchen produzieren immer häufiger große Mengen energiereicher Samen. Bucheckern aber auch Eicheln sind dann vom Herbst bis zum folgenden Frühjahr verfügbar. Heranwachsende Wildschweine können so selbst harte Winter überleben und erwachsene Tiere können Energiereserven anlegen für die Fortpflanzung, folgern die Forscher.

Wildschweine sind laut Wissenschaftlern anpassungsfähige Generalisten und können deshalb besonders gut vom Klimawandel profitieren - anders als Rehe, die zu den Spezialisten zählen. Weibliche Wildschweine (Bachen) bekommen beispielsweise durchschnittlich 5 Junge pro Wurf, der Zeitpunkt der Geburt ist im Jahresverlauf flexibel mit Schwerpunkt im Frühjahr. Zudem können Wildschweine bei guter Nahrungsgrundlage bereits im Geburtsjahr geschlechtsreif werden und erreichen ein Alter von bis zu 12 Jahren. Zum Vergleich: Rehe gebären nur 1 bis 2 Kitze in einem engen, gleichbleibenden Zeitfenster im späten Frühjahr. Die Geschlechtsreife bei Rehen tritt erst im zweiten Lebensjahr ein.

Anbauflächen Mais und Raps in Deutschland seit 1960 Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat bereits mehrfach auf den Zusammenhang von Klimawandel und Anstieg der Wildschweinpopulation hingewiesen. Europaweit ist das Wildschwein auf dem Vormarsch und besiedelt inzwischen sogar kältere Bergregionen in Österreich und in der Schweiz. Mit Dänemark und Schweden hat der anpassungsfähige Allesfresser auch Nordeuropa erobert. Durch Jagd lässt sich das Anwachsen der Population zwar auf regionaler Ebene effektiv eindämmen, eine weitere Ausbreitung des Wildschweins kann jedoch nicht verhindert werden. Unter anderem deshalb, weil der Mensch die Kulturlandschaft in den vergangenen 30 Jahren massiv umgestaltet hat. So stieg die Anbaufläche von Raps und Mais in diesem Zeitraum um das 26-fache, der Ertrag pro Fläche - und damit die verfügbare Wildschweinnahrung - hat sich auf deutschen Feldern nahezu verdreifacht. Zudem sorgt der derzeit laufende Umbau zu naturnahen Wäldern mit hohem Buchenanteil in den nächsten Jahrzehnten großflächig für weitere Nahrung.

Anlässlich der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) von Russland bis in die Europäische Union fordert der DJV von der Politik weitere Anreize für die Bejagung von Wildschweinen in Deutschland, etwa den Erlass der Gebühren für Trichinenproben bei Frischlingen. Sie sind mit über 50 Prozent an der Reproduktion beteiligt.

 

Zur wissenschaftliche Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

 

Von Oktober bis Januar schallt es 'Halali' durch die Wälder, für Jäger hat die Hauptsaison begonnen. Dabei ist die Sicherheit für Jäger, Treiber und Jagdhunde genauso wichtig wie für Waldbesucher. Der Deutsche Jagdverband (DJV) ruft Naturliebhaber dazu auf, Warnschilder zu beachten.

Im Herbst und frühen Winter finden Bewegungsjagden statt – auch Treib- oder Drückjagden genannt. Rot umrandete Dreiecke mit Aufdrucken wie „Treibjagd“ oder „Vorsicht Jagd“ machen an Straßen sowie Wald- und Feldwegen auf Bewegungsjagden aufmerksam. Der DJV bittet Spaziergänger, Jogger, Reiter und andere Naturfreunde, die Warnschilder zu beachten. Auch Flatterband oder an einer Leine aufgespannte Lappen können auf eine Jagd hindeuten.

Auf Sicherheit im Jagdbetrieb wird in Ausbildung und Praxis allergrößter Wert gelegt. Um Jagdteilnehmer und Unbeteiligte vor Gefahren zu schützen, gelten strenge Regeln. Insbesondere bei Bewegungsjagden müssen sich alle an der Jagd unmittelbar Beteiligten durch signalfarbene Kleidung deutlich von der Umgebung abheben. Das Jagdgebiet ist für Erholungssuchende in der Regel deutlich gekennzeichnet, und das Schussfeld für jeden einzelnen Schützen ist genau festgelegt. Hochsitze und erhöhte Stände sorgen dafür, dass Schüsse in Richtung Boden abgegeben werden. Die Erde dient also als natürlicher Kugelfang.

Bei Bewegungsjagden ziehen zahlreiche Treiber und Hunde langsam durch den Wald. Durch die dabei entstehende Unruhe werden Rehe, Wildschweine und Co. auf die „Beine“ gebracht und ohne Hast in Richtung der Schützen „gedrückt“. So haben die Jägerinnen und Jäger die Möglichkeit, Alter, Geschlecht und Konstitution der Wildtiere besser zu erkennen und einen Schuss sicher zu platzieren.

Mit den Bewegungsjagden erfüllen Jägerinnen und Jäger einen Großteil der staatlichen Abschusspläne und produzieren dabei Wildfleisch, ein hochwertiges Nahrungsmittel aus nachhaltiger Nutzung. Ohne Bejagung würden sich beispielsweise Pflanzenfresser wie Reh- oder Rotwild in unserer Kulturlandschaft stark vermehren und Bäume im Wald schädigen. Besonders beim Wildschweinbestand wird in dieser Zeit effektiv eingegriffen. Aber auch anpassungsfähige Räuber wie Fuchs, Marderhund und Waschbär könnten ohne Jagd die sowieso stark bedrohten Kleinsäuger und bodenbrütende Vogelarten regional stark dezimieren.

Hintergrund Wildschweine

Die Kulturlandschaft in Deutschland hat in den letzten 25 Jahren tiefgreifende Veränderungen gesehen, von denen besonders Wildschweine profitieren. So hat unter anderem der Wandel in der Energiepolitik dazu geführt, dass auf mittlerweile 10 Prozent der Bundesfläche Mais und Raps angebaut werden – 26mal mehr Nahrungsquelle und Lebensraum als in den 1990er Jahren. Dies schlägt sich in steigenden Bestands- und Jagdstreckenzahlen nieder. Die Drückjagdsaison zwischen Oktober und Januar bietet Jägern die wohl effektivste Maßnahme, um Wildschweinbestände zu reduzieren.

Weitere Informationen zur Sicherheit bei der Jagd

Im Jahr 2014 gab es in Deutschland 56 Millionen Führerscheininhaber und ca. knapp 3400 Verkehrstote. Bei 370.000 Jagdscheininhaber gab es vier Tote durch jagdlich geführte Schusswaffen. Demnach ist es als Führerscheininhaber sechs Mal wahrscheinlicher, beim Autofahren zu sterben als es für Jäger ist, durch eine Jagdwaffe tödlich getroffen zu werden. Vergleicht man ähnliche Zahlen zum Bergwandern, so ist die Gefahr etwa 40 mal größer beim Wandern zu verunglücken als auf der Jagd. Im Jahr 2014 wurden bei Jagden zwei Unbeteiligte verletzt.

DJV-Interview mit Dr. Sandra Blome zur Afrikanischen Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine der bedeutendsten Viruserkrankungen beim Schwein; es können sowohl Haus- als auch Wildschweine an ihr erkranken. Das ASP-Virus gelangte 2007 nach Georgien und in den Kaukasus und hat sich von dort weiter verbreitet bis nach Ostpolen und ins Baltikum. Besonders junge und geschwächte Tiere sind anfällig für das ASP-Virus. Der DJV fordert in diesem Zusammenhang ein Aussetzen der Gebühren für die Trichinenbeschau bei Frischlingen in Deutschland. So wird für Jäger ein Anreiz geschaffen, den Frischlingsabschuss zu erhöhen.

Mit Blick auf die Drückjagdsaison ist die Afrikanische Schweinepest ein wichtiges Thema für Jägerinnen und Jäger. Der DJV befragte hierzu Dr. Sandra Blome vom nationalen Referenzlabor für Tierseuchen.

  1. Wie ist die aktuelle Situation der ASP in Europa und ist ein Ausbruch in Deutschland zu erwarten?

Dr. Sandra BlomeIn den EU-Mitgliedsstaaten Polen, Litauen, Lettland und Estland werden seit Beginn 2014 regelmäßig Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Haus- und Wildschweinen festgestellt.  Aufgrund der Nähe der ersten Ausbrüche in diesen Ländern zur weißrussischen Grenze ist davon auszugehen, dass  die Einschleppung der ASP in die baltischen Staaten und nach Polen von Weißrussland aus erfolgte. In den betroffenen Regionen gelten Restriktionsmaßnahmen zur Bekämpfung gemäß EU-Recht. Russland berichtet seit mehreren Jahren immer wieder von Fällen, die Lage in Weißrussland ist aufgrund fehlender Daten schwer einzuschätzen. In den letzten Monaten meldete zudem die Ukraine Fälle von ASP.

Eine Einschleppung der ASP nach Deutschland, besonders über kontaminierte Fleischprodukte, kann nicht ausgeschlossen werden.

2. Welche Übertragungswege für ASP sind bereits bekannt oder gelten als wahrscheinlich?

Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Unter ungünstigen Bedingungen kann ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot ausreichen, um die Seuche einzuschleppen und auch in Deutschland Ausbrüche zu provozieren. Besonders effizient ist die Übertragung über Schweiß (Blut). Kleinste Tropfen reichen für eine Infektion, daher ist Hygiene bei der Jagd besonders wichtig.

3. Welche Symptome sind typisch für ASP und gibt es auch äußerlich erkennbare Kennzeichen, die den Jäger auf die Erkrankung des beobachteten Wildschweins hinweisen?

Bei europäischem Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres etwa innerhalb einer Woche.

Beim Aufbrechen der Stücke sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.

Das Fehlen solcher Auffälligkeiten schließt nicht aus, dass es sich dennoch um ASP handelt. Die Erkrankung kann nicht anhand der Krankheitserscheinungen von der Klassischen Schweinepest (KSP) und anderen schweren Erkrankungen  unterschieden werden.

4. Wie sollte man sich verhalten, wenn ein totes Wildschwein gefunden wird?

Da es lokale Unterschiede gibt, können hier nur die generellen Bausteine aufgeführt werden. Diese sind: Information der zuständigen Veterinärbehörde, wenn Schweinepest als Todesursache nicht ausgeschlossen werden kann, Absprache der Probennahme und mögliche Hygienemaßnahmen.

Als Probenmaterial eignen sich besonders Schweiß- und Milzproben, notfalls Proben von anderen Organen  oder ein Knochen. Sogar in Verwesung befindliche Stücke können noch untersucht werden.

Besondere Vorsicht sollte man bei Gegenständen walten lassen, die Kontakt zu Schweiß von Schwarzwild hatten. Hierzu gehören unter anderem Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke.

Außerdem sollte nicht außeracht gelassen werden. , dass Trophäen und Schwarzwildprodukte aus betroffenen Regionen ein Risiko für die Einschleppung der ASP darstellen können, wenn sie nicht ordnungsgemäß dekontaminiert worden sind. Gleiches gilt für die verwendeten Kleidungsstücke und Gegenstände.

5. Haben Bund und Länder einen Notfallplan falls die ASP in Deutschland ausbricht und was muss    die Jägerschaft dann beachten?

Den rechtlichen Rahmen der Bekämpfung gibt in Deutschland  die Schweinepestverordnung vor. Basierend auf den dortigen Regelungen, wurde ein Notfallplan erstellt, der neben den Maßnahmen im Hausschwein auch die Bekämpfung der Wildschweinepest enthält.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Seuchenlage werden derzeit die Details erneut diskutiert.

Die Schweinepestverordnung enthält folgende Eckpunkte:

Jeder Verdacht auf Afrikanische Schweinepest wird durch die zuständige Behörde mittels labordiagnostischer und epidemiologischer Untersuchungen abgeklärt. Sollte ein Ausbruch amtlich bestätigt werden, wird um die Abschuss- oder Fundstelle ein sogenannter „gefährdeter Bezirk“ festgelegt (wie bei der KSP) und durch Schilder ausgewiesen („Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen – Gefährdeter Bezirk“). In diesem Bezirk werden auch die Hausschweine Untersuchungen unterzogen und unterliegen bereits weitreichenden Restriktionen. Für die Bekämpfung im Schwarzwildbereich können die Jagdausübungsberechtigten zur Mitwirkung bei den festgelegten Maßnahmen verpflichtet werden (z.B. verstärkte und konzertierte Bejagung).

Für den Jagdausübungsberechtigten sind insbesondere folgende Punkte wichtig:

  • Im gefährdeten Bezirk ist jedes erlegte Wildschwein durch den Jagdausübungsberechtigten zu kennzeichnen (Markierung und Begleitschein) und einer labordiagnostischen Untersuchung zuzuführen (Details zum Ablauf legen die zuständigen Behörden vor Ort fest)
  • Der Tierkörper, der Aufbruch und der Begleitschein sind einer behördlich festgelegten Wildsammel- oder Annahmestelle zuzuführen.
  • Bei Gesellschaftsjagden hat das Aufbrechen der Tiere und die Sammlung des Aufbruchs zentral zu erfolgen.
  • Jedes verendet aufgefundene Wildschwein ist der Behörde unter Angabe des Fundorts anzuzeigen und zu kennzeichnen. Aufbruch und verendet aufgefundene Tiere werden unschädlich beseitigt. Gleiches gilt für positiv getestete Wildkörper.
  • Auch in angrenzenden Gebieten können weitreichende Untersuchungen angeordnet werden.

Wissenschaftssendung Quarks & Co. berichtet über die Jagd

Vor Kurzem stellten die Macher der WDR-Fernsehsendung Quarks&Co die Frage "Brauchen wir noch Jäger?" und präsentierten acht Filme, die Moderator Ranga Yogeshwar kommentierte. Der Deutsche Jagdverband hat die Sendung analysiert, die acht gröbsten inhaltlichen Fehler gegenüber der Redaktion bemängelt und eine Richtigstellung eingefordert. Besonders kritisch sieht der Dachverband der Jäger die teilweise tendenziöse Moderation, die einer seriösen Wissenschaftssendung nicht gerecht wird.

Der DJV hat im Vorfeld die Redaktion von Quarks&Co bei der Recherche unterstützt und umfangreiches Infomaterial zur Verfügung gestellt. Unter anderem auch zum Wandel in der Agrarlandschaft, der anpassungsfähige Arten wie Wildschweine begünstigt. Dadurch steigen die Gefahr von Schäden in Feldern und das Seuchenrisiko - zwei elementare Gründe für die Jagd. Der Wandel in der Kulturlandschaft sei aber kein Thema, wenn es um die Frage gehe "Brauchen wir noch Jäger?", so die ablehnende Haltung der Redaktion.

Prädikat "mangelhaft", resümiert der DJV und ruft zur sachlichen Kritik per E-Mail auf: redaktion.quarks@wdr.de

Unsere Mängel fanden wir in den Themenkomplexen:

  • Krähenjagd
  • jagdbare Arten
  • verwilderte Hauskatzen
  • Auslöschung von Arten durch die Jagd
  • Jagdhistorie
  • Wald-Wild-Konflikt

Vom 24. bis 26. September veranstaltete der NABU in Wolfsburg eine  Konferenz zum Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf. DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann sprach zur DJV-Wolfsposition.

Vom 24. bis 26. September veranstaltete der NABU in Wolfsburg eine internationale Konferenz zum Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf. Neben Verbandsvertretern und Experten aus Deutschland präsentierten auch Forscher aus den USA, Schweden, Norwegen, Italien und Kroatien den circa 400 Teilnehmern Erkenntnisse zum Thema Wolf. Etwa ein Drittel der Teilnehmer waren Jäger.

Für den Deutschen Jagdverband (DJV) sprach Geschäftsführer Andreas Leppmann: „Wir müssen den Umgang mit dem Wolf lernen.“ Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des NABU haben ein Drittel der Deutschen Angst, in einem Wolfsgebiet spazieren zu gehen. Dieser Ruf aus der Bevölkerung müsse ernst genommen werden, so Leppmann. Er betonte zudem, dass die Jagdverbände in Deutschland die illegale Tötung von Wölfen entschieden ablehnen. Leppmann rief alle Teilnehmer zu einem sachlichen Umgang beim Thema Wolf auf. Es werde immer die erwähnten „Wolfshasser“ und „Wolfskuschler“ geben – und zwar in allen gesellschaftlichen Gruppen.

Leppmann forderte weiterhin den Auf- und Ausbau eines grenzübergreifenden Monitorings: „Es kann nicht sein, dass Polen ein nicht vergleichbares Monitoring betreibt. Zudem wäre es wichtig, aus jedem Rudel ein weibliches Tier zu besendern, um Ausbreitungstendenzen besser verfolgen zu können.“ Leppmann wies außerdem darauf hin, dass es noch keine umfassende Strategie zur Vergrämung verhaltensauffälliger Wölfe gebe: „Vergrämung ist ein Thema. Wir müssen jetzt über praktikable Lösungen reden.“

DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann: „Wir müssen den Umgang mit dem Wolf lernen“Leppmann sprach sich zudem für eine Änderung der Eingruppierung des Wolfes von Anhang IV in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union aus. Der Wolf dürfe nicht das gleiche Desaster erleben wie der Biber. "Hier gibt es immer mehr Unverständnis bei der Bevölkerung, weil die Schäden zunehmen, die Akzeptanz schwindet. Ein Handeln ist wegen den großen bürokratischen Hürden kaum möglich."

Zuletzt warnte Leppmann davor Arten gegeneinander auszuspielen: "Wenn der Wolf das letzte Wildschaf in der Göhrde gefressen hat, ist ein wertvoller Genpool für immer erloschen. Wir müssen alles dafür tun, um das zu verhindern. Schließlich werden auch Wisente wiedereingebürgert aus Gründen des Arterhaltes. Der Wolf darf wandern, wohin er will. Der Rothirsch – eine Leitart des Biotopschutzes – ist auf behördliche Bezirke festgelegt." Laut Leppmann müsse es ein artübergreifendes Wildtiermanagement geben.

Der DJV berichtete live via Facebook und Twitter (#menschwolf) von der Konferenz. Die besten Zitate und Ergebnisse hat der DJV auf www.jagdverband.de/content/nabu-wolfskonferenz für Sie zusammen-gefasst.

Am 24. und 25. September fand in Wolfsburg die Wolfskonferenz vom NABU statt. Der DJV war live vor Ort und hat für Sie die wichtigsten Aussagen der Referenten zusammengefasst.

Der Fokus der Konferenz lag auf dem Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf. Neben Verbandsvertretern und Experten aus Deutschland präsentierten auch Forscher aus den USA, Schweden, Norwegen, Italien und Kroatien den circa 400 Teilnehmern Erkenntnisse zum Thema Wolf. Etwa ein Drittel der Teilnehmer der Wolfskonferenz waren Jäger.

Überblick:

  1. Olaf Tschimpke, NABU-Präsident
  2. Stefan Wenzel, Umweltminister Niedersachsen
  3. Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Naturschutz, Maritime Angelegenheiten und Fischerei
  4. Elsa Nickel, Abteilungsleiterin Naturschutz im Bundesumweltministerium
  5. Ilka Reinhardt, Wolfsbüro LUPUS
  6. Prof. Dr. Heribert Hofer, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
  7. Michael J. Manfredo, Department of Human Dimensions of Natural Resources, Colorado State University.
  8. Dr. L. David Mech, United States Geological Survey, USA
  9. Dr. Ketil Skogen, Norwegisches Institut für Naturforschung (NINA)
  10. Diskussionsrunde (Tag 1)
  11. Markus Bathen, NABU-Projektbüro Wolf
  12. Andreas Leppmann, DJV-Geschäftsführer
  13. Dr. Adrian Travis, Nelson Institute für Environmental Studies, University of Wisconsin-Madison, USA

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident:

Olaf Tschimpke (NABU-Präsident)"Es geht bei der Tagung darum, ein realistisches Bild vom Wolf zu zeichnen. Wir als einer der größten europäischen Naturschutzverbände sind natürlich daran beteiligt. Der Wolf ist im Wesentlichen durch Jagd ausgerottet worden, jetzt ist er zurück. Es gibt natürlich auch Betroffene, hier müssen wir gemeinsam an Lösungen arbeiten."

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Stefan Wenzel, Umweltminister Niedersachsen:

Stefan Wenzel, Umweltminister Niedersachsen"Es ist wichtig, eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden. Die Rückkehr der Wölfe stellt uns vor Herausforderungen. Und die Rolle der großen Prädatoren für unser Ökosystem wird oft unterschätzt. Forschungsergebnisse aus dem Yellowstone-Nationalpark zeigen: Das Verhalten der Pflanzenfresser verändert sich, die Vegetation verändert sich und schließlich auch der Wasserhaushalt. Spannend ist die Frage, welche Rolle die großen Prädatoren in unseren Ökosystemen spielen. Wir nehmen gleichzeitig die Sorgen der Menschen ernst und die Sicherheit der Menschen steht an erster Stelle. Wir arbeiten mit allen Interessensgruppen zusammen und befinden uns in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess."

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Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Naturschutz, Maritime Angelegenheiten und Fischerei war mit einer Videobotschaft vertreten:

Karmenu Vella, EU-Kommissar für Umwelt, Naturschutz, Maritime Angelegenheiten und Fischerei"Das Natura2000-Netzwerk ist eines der größten Naturschutznetzwerke weltweit. Für große Carnivoren wie den Wolf muss der Schutz aber weiter gehen. Wir brauchen eine fundierte Grundlage für einen Dialog. Es gibt viele Nutzungsinteressen die im Wettbewerb stehen. Alle Stakeholder müssen zusammenarbeiten, dort wo der Wolf mit Interessen von Menschen im Konflikt steht. Wir müssen den Schutz des Wolfes auch finanziell unterstützen, die EU hat das bei zahlreichen Projekten bereits getan. Die vier wichtigen Punkte für den Wolfsschutz sind: rechtliche Richtlinien, wissenschaftliche Klarheit, Dialog und gegenseitiges Verständnis der betroffenen Interessensgruppen sowie finanzielle Mittel – sowohl staatliche als auch private. Wir haben noch nicht alle Antworten, wie das Zusammenleben mit dem Wolf funktionieren kann. Wir sind alle zusammen in einem Lernprozess."

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Elsa Nickel, Abteilungsleiterin Naturschutz im Bundesumweltministerium:

Elsa Nickel, Abteilungsleiterin Naturschutz im BundesumweltministeriumKeine Verklärung oder Verfolgung des Wolfs

"Es ist ein gutes Zeichen, dass ein ausgerottetes Tier sich wieder in Deutschland ausbreitet. Aber im Frühjahr machte ein verhaltensauffälliger Wolf Furore. Um mit solchen Tieren umzugehen, benötigen wir keine Aufnahme ins Jagdrecht. Eine Abschussgenehmigung wurde vorsorglich eingeräumt, sollte sich das Tier nicht vergrämen lassen. Das war ein einfacher Verwaltungsakt. Der Wolf nahm allerdings ein tragisches Ende auf der A7. Es gibt keine Hinweise, dass Wölfe generell die Scheu vor dem Menschen verlieren, neben den Individuen aus dem Munsteraner Rudel wurden keine weiteren verhaltensauffälligen Wölfe in Deutschland beobachtet. Eine Verklärung ist ebenso wenig angebracht wie eine Verfolgung. Die Medien überbieten sich schnell, wenn ein Wolf als Täter verdächtigt wird. Wenn sich dann aber im Nachhinein mit kriminalistischen Mitteln herausstellt, dass es gar kein Wolf war, der beispielsweise das Chihuahua-Hündchen bei Hannover gerissen hat, sondern zwei Hunde, besteht bei der Presse wenig Interesse, eine Richtigstellung zu schreiben."

Der Wolf ist auf absehbare Zeit eine gefährdete Tierart

"Ist die Ausbreitung der Wölfe Grund zur Sorge? Wölfe leben territorial – jedes Rudel verteidigt ein Territorium von 200 Quadratkilometer. Andere Wölfe werden vertrieben. Der Wolf hat immer noch den Status einer gefährdeten Tierart. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben – auch wenn die Bestandsentwicklung erfreulich ist. Die EU fordert von den Mitgliedstaaten, den günstigen Erhaltungszustand herbeizuführen. Deshalb gibt es überhaupt keinen Anlass, ihn in Kategorie V der FFH-Richtlinie zu überführen."

Herdenschutz funktioniert (nicht immer)

"Wölfe vergreifen sich gern an Nutztieren, da diese leichte Beute sind. Deshalb müssen Nutztiere besonders geschützt werden. Naturschutz ist ohne Wanderschäferei nicht denkbar. Der Wolf macht den Schäfern das Leben noch schwerer, wir müssen sie deshalb unterstützen. Herdenschutz kann mit einem gewissen Mehraufwand funktionieren. In anderen Situationen – etwa entlang von Deichen – müssen wir noch Lösungen finden."

"Wenn wir über Emotionen sprechen, dann muss ich feststellen, dass ein Teil der Jäger den Wolf nicht willkommen heißen. Einige Jäger treten sogar ganz unverfroren im Fernsehen für den illegalen Abschuss ein, so wie zuletzt bei der Sendung #Beckmann. Damit schüren sie Ängste. Das muss sich ändern!"

Bundesweites Dokumentations- und Beratungszentrum geplant

"Der Wolf hat Einfluss auf Paarhufer, aber einen Rückgang der Beutetiere lässt sich nicht feststellen, allerhöchstens eine Verhaltensänderung. Ich bin sehr dankbar, dass der Deutsche Jagdverband sehr sachlich mit dem Thema Wolf umgeht. Auch in Niedersachsen haben die Jäger eine Sehr vorbildliche Rolle. Das Wolfsmanagement ist grenzübergreifend. Diese Zusammenarbeit muss intensiviert werden. Fest steht: Die zentraleuropäische Flachlandpopulation und die polnisch-baltische Population des Wolfs weisen immer noch deutliche Unterschiede auf. Es wird darum gehen, die Entwicklung der Bestände zu begleiten – mit geeigneten Mitteln."

"Die Einführung eines bundesweiten Dokumentations- und Beratungszentrums für den Wolf wird künftig wichtige Hinweise und Informationen für das konfliktfreie Zusammenleben mit dem Beutegreifer liefern. Von Nutztierhaltern und Jägern wünsche ich mehr Toleranz in Bezug auf die zusätzlichen Aufwendungen. Wie wir mittelfristig mit dem Wolf umgehen, muss in den nächsten Jahren intensiv diskutiert werden. Das Bundesumweltministerium wird diesen Dialog begleiten."

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Ilka Reinhardt, Wolfsbüro LUPUS

Ilka Reinhardt, Wolfsbüro LUPUS"Der Wolf kommt zurück nach Europa. Das ist kein rein deutsches Phänomen. Frankreich und Skandinavien machen derzeit die gleichen Erfahrung wie wir. In den 1950er Jahren war Mitteleuropa noch nahezu wolfsfrei."

Ausfüllung des Schutzstatus ist Ländersache

"Es gibt ständig die Diskussion, ob der Wolf in Anhang IV oder V der FFH-Richtlinie gelistet werden soll. Gründungsländer der EU haben ihn in IV eingeordnet. Das war auch einfach, denn diese Länder waren nahezu wolfsfrei. Länder, die später zur EU kamen, haben eine Eingliederung in Anhang V ausgehandelt, eben weil dort bereits Wölfe vorhanden waren. In Anhang V sind Tiere geschützt, aber unter bestimmten Voraussetzungen kann eine legale Bejagung durchgeführt werden. Im Baltikum wird der Wolf als Anhang-V-Art beispielsweise bejagt, in Polen nicht. Wie der Schutzstatus ausgefüllt wird, ist Ländersache."

"Die Schwestern Sunny und Einauge hatten gemeinsam fast 80 Welpen und haben Anfang der 2000er Jahre die Populationen in Deutschland und Westpolen gegründet. Deshalb ist diese Population auch stark abgegrenzt von der baltischen Population."

Wölfen ist egal, wie die Landschaft aussieht

"Dass die dynamische Entwicklung der Wolfsausbreitung ins Unendliche weitergeht, ist unwahrscheinlich. Eben wegen der Territoriumsgröße der einzelnen Rudel. Warum ist die Bestandentwicklung aber derzeit so dynamisch? Wölfe sind sehr anpassungsfähig in Deutschland, ihnen ist egal wie die Landschaft aussieht. Wölfe können zudem lange Distanzen wandern. Und das Nahrungsangebot ist heute deutlich höher als in den vergangenen hundert Jahren, wahrlich ein Schlaraffenland. Da ist genug für 4- und 2-beinige Jäger da. Schließlich hat sich die Einstellung der Menschen zur Natur und zum Wolf geändert. Wölfe müssen übrigens nicht gemanagt werden, sondern die Konflikte mit dem Menschen."

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Prof. Dr. Heribert Hofer, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

Prof. Dr. Heribert Hofer, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)"Wir führen Post-mortem-Untersuchungen seit 1999 bei Wölfen durch. Unser Ziel ist es, die Todesursachen zu verstehen und die körperliche Verfassung sowie den Einfluss von Umweltgiften zu untersuchen. Wir wollen auch neue Diagnosemethoden entwickeln, um Hunde schneller von Wölfen zu unterscheiden. Illegale Tötung ist die dritthäufigste Todesursache bei Wölfen in Deutschland. Die meisten Wölfe sind gesund, einige tragen jedoch Krankheitserreger in sich. Die meisten Wölfe sterben durch den Kontakt mit Menschen (Autoverkehr und illegale Tötung). Es ist übrigens nur eine Frage der Zeit, bis nicht nur Wildschweine sondern auch Wölfe die Spree in Berlin queren."

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Michael J. Manfredo, Department of Human Dimensions of Natural Resources, Colorado State University.

Michael J. Manfredo, Department of Human Dimensions of Natural Resources, Colorado State University.Mensch-Wildkonflikt ist ein Wertekonflikt

"Ich bin hier, um über die soziale Dimension des Wolfsmanagements zu reden. Das ist in den USA eine ähnlich große Herausforderung wie in Deutschland. Es gibt 30 Millionen Jäger und Fischer in den USA, eine Herausforderung. Wildtiermanagement ist 10 Prozent Biologie und 90 Prozent Management von Menschen. Der Mensch-Wildtierkonflikt ist ein globales Thema. Es ist in Wirklichkeit ein Wertekonflikt: Welchen Wert haben Wildtiere? Es gibt zahlreiche individuelle Motive und Gedanken zu dieser Frage. Religion, Verwaltungsstrukturen, Kultur, soziale Gruppen beeinflussen, welchen Wert Wildtiere haben."

Utilitarismus gegen Mutualismus

"Menschen, die den Utilitarismus vertreten, sagen: Wildtiere existieren für unser Vergnügen und unseren Nutzen. Vertreter des Mutualismus hingegen sagen: Menschen und Wildtiere leben in Harmonie miteinander, Tiere sollten sogar dieselben Rechte haben wie Menschen. Ich will diese Ansätze nicht bewerten, sondern nur beschreiben. Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland und in den USA sind jeweils Vertreter der beiden Strömungen. In Dänemark hingegen gibt es deutlich mehr Vertreter des Mutualismus. Mutualismus korrespondiert sehr stark mit einem modernen Lebensstil. Diese grundsätzlich verschiedene Haltung gegenüber Wildtieren macht das Management von großen Beutegreifern sehr schwer, auch weil die Haltung viele Generationen überdauert. Selbst bei einer tödlichen Attacke auf Haustiere würden Mutualisten auf die Tötung eines Koyoten verzichten. Im Osten des Staates Washingtons beispielsweise gibt es eine starke Anti-Wolf-Haltung, der Utilarismus dominiert. Und gerade dorthin haben sich die Wölfe ausgebreitet. Wie also mit einem Wertekonflikt umgehen? Es geht nur über Konsensbildung!"

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Dr. L. David Mech, United States Geological Survey, USA

Dr. L. David Mech, United States Geological Survey, USA"Ich habe Wölfe 57 Jahre lang studiert. In den 1970er Jahren gab es Wölfe in Minnesota und Konflikte mit Nutztieren. Eine kleine Begebenheit aus einer Tagung dazu: Eine Mutualistin, also Tierrechtlerin, sagte, „können wir die Wölfe nicht einfangen und kastrieren?“ Da stand ein Trapper, der Utilarist, auf und sagte: 'Gute Frau, hier liegt ein Missverständnis vor. Die Wölfe wollen Schafe fressen und nicht Sex mit ihnen haben.'"

Nahrung satt: Rudel mit bis zu 37 Tieren

"Im Yellowstone Nationalpark war der Wolf bereits 1976 als bedrohte Art gelistet. Wissenschaftler betonten, dass es 300 Wölfe in einem Zeitraum von mindestens drei Jahren bedarf, damit der Wolf nicht mehr gefährdet ist. Wir haben daraufhin versucht, ganze Rudel einzufangen und auszuwildern. Die Tiere wurden geimpft und mit Transpondern ausgestattet. Die Auswilderung erfolgte über spezielle Freigehege. Wir hatten eine riesige Nahrungsressource vor Ort: Wapiti-Hirsche. Deshalb haben sich die Wölfe schnell vermehrt und ausgebreitet. Weil so viel Nahrung da war, sind die Jungen sogar bis zu drei Jahre im Rudel geblieben – wir hatten Rudel mit bis zu 37 Tieren. Nach zehn Jahren war die Wolfspopulation gesunken und bleibt seither einigermaßen stabil."

"Wölfe werden in Ihrer Ausbreitung nur durch die Menge der Nahrung oder durch den Menschen kontrolliert. Tierrechtler haben mehrmals vor Gericht durchgesetzt, dass der Totalschutz des Wolfes auch über die kritische Grenze hinweg bestehen bleiben soll. Die Wolfspopulation stieg weiter und Nutztierbesitzer waren mehr und mehr aufgebracht. Der Wolf ist immer noch auf der Liste der bedrohten Arten in vielen US-Staaten."

Umstritten: Hat der Wolf Einfluss auf Wapitis und seine Umgebung?

"Welchen Effekt hat der Wolf auf die Wapiti-Population? Schwierige Frage, weil es viele wichtige Faktoren gibt: Grizzly-Bären, Schwarzbären, Koyoten, und viel mehr. Es brauchte vier große Studien um zu beweisen, dass der Wolf tatsächlich einen Einfluss auf die Wapiti-Population hat. Dies hat eine Kaskade zur Folge: Weniger Wapiti bedeutet mehr Vegetation, mehr Singvögel und mehr Biber. Aber das ist umstritten: es gibt 16 Studien, die sagen, es gibt die sogenannte Trophische Kaskade (Trophic-Cascade), 11 sagen, es gibt sie nicht."

"Idaho und Montana versuchen die Zahl der Wölfe zu reduzieren. In Idaho sollten 255 getötet werden nur 120 wurden getötet. In Montana war das Ziel, 75 zu erlegen. Letztendlich waren es nur 72. Die Jagdzeiten wurden verlängert, aber trotzdem steigt die Population weiter an. Auch im Yellowstone hatte die Jagd keinen Einfluss auf die Wolfspopulation."

Extremisten auf beiden Seiten sorgen für Falschinformation

"Die Extremisten auf beiden Seiten – also Tierrechtler (Mutualisten) und Landnutzer (Utilaristen) gleichermaßen – sorgen für einen großes Maß an Falschformation. Vielleicht hilft uns Bildungsarbeit und wissenschaftliche Erkenntnisse, eine weniger ideologisch eingefärbte Sicht auf den Wolf zu entwickeln."

"Um einen Wapiti effektiv zu jagen, braucht es vier Wölfe, für eine effektive Bison-Jagd braucht es 9 bis 13 Wölfe."

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Dr. Ketil Skogen, Norwegisches Institut für Naturforschung (NINA)

Dr. Ketil Skogen, Norwegisches Institut für Naturforschung (NINA)"Wir haben erstmals seit 100 Jahren wieder Wölfe in einigen Regionen Norwegens. Das macht den Menschen Angst, zumal Wölfe bereits Nutztiere und Jagdhunde getötet haben. Wölfe halten sich eher in Waldregionen als in offenen, landwirtschaftlich geprägten Regionen auf."

Wolfskonflikte sind soziale Konflikte

"Unsere Erfahrung: Konflikte mit dem Wolf sind soziale Konflikte. Gegner des Wolfschutzes sind oftmals mehr wütend auf den Wolfsschützer als auf die Wölfe selbst. Hintergrund: Oftmals ein Rückgang der wirtschaftlichen Leistung im ländlichen Raum und eine Landflucht. Gleichzeitig entwickelt sich ein neuer Ethos im Naturschutz, der sich manifestiert in Einschränkungen in der Landnutzung, im traditionellen Lebensstil – unter anderem in der Jagd. Der gesellschaftliche Wertewandel hin zu mehr Naturschutz wird als Angriff auf das Fundament der ländlichen Wirtschaft gesehen, die Nutzung natürlicher Ressourcen. Damit geht eine Urbanisierung einher. Man könnte sagen: Der Wolf hat das Pech, in gesellschaftliche Konflikte verstrickt zu sein, die schon vor seiner Rückkehr begonnen haben. Aber eins steht fest: Die Wölfe kamen nur zurück nach Norwegen, weil ein wachsender Teil der Bevölkerung dies befürwortet. Es ist immens wichtig, praktische Probleme zu minimieren, die der Wolf verursacht. Konflikte zwischen Wolfsgegnern und -befürwortern lassen sich allerdings nicht auflösen."

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Diskussionsrunde

Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Dr. David L Mech, Elsa Nickel, Prof. Dr. Ilse Storch, Prof. Dr. Gerhard Prätorius, Dr. Eick von Ruschkowsky, Stefan Leiner

Dr. Eick von Ruschkowsky, Leiter Fachbereich Naturschutz beim NABU

Dialog auf Augenhöhe

"Wir wollen den Dialog schärfen zwischen allen Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Wolf zu tun haben: Wir brauchen einen Austausch auf Augenhöhe. Wir müssen die Öffentlichkeitsarbeit versachlichen und dürfen den Wolf nicht verniedlichen."

"Ich habe das Gefühl, dass der Wolf als Stellvertreter herhalten muss, als Sündenbock für regionale Unzufriedenheit. Soziodemographischer Wandel und wirtschaftlicher Niedergang sind nur zwei Gründe."

Wer soll Vergrämung durchführen?

"Wir haben ein Regelwerk für den Fall, dass der Wolf auftaucht. Trotzdem werden wir überrumpelt, wenn er plötzlich da ist. Die praktische Frage ist: Wer soll die Vergrämung machen und macht vielleicht den finalen Todesschuss? Diese praktischen Fragen müssen zeitnah gelöst werden! So gern wir den Föderalismus sehen, wir brauchen hier bundesweite Regelungen."


Ilka Reinhard, LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
"Wir sind alle keine Propheten und wissen nicht, wie sich das Wolfsvorkommen weiter entwickelt. Wir haben auch festgestellt, dass ganze Rudel verschwunden sind. In den Mittelgebirgslandschaften ist noch sehr viel Potenzial für Wölfe. Es ist schließlich eine gesellschaftliche Frage, wann und wo wir eingreifen."


Prof. Dr. Ilse Storch, Universität Freiburg
"Wildtierökologie kann zur emotionalen Auseinandersetzung direkt wenig beitragen. Unsere Ergebnisse können aber einfließen in das Wildtiermanagement, das von Entscheidungsträgern aus Politik, Verbänden und Interessensgruppen ausgearbeitet werden muss. Management bedeutet, steuernd einzugreifen, um bestimmte Ziele zu erreichen."

"Aus biologischer Sicht ist die aktive Ansiedlung des Wolfes einfach. Die Frage ist, wie groß ist die Akzeptanz. In Mitteleuropa ist die Akzeptanz von Tierarten, die alleine kommen höher als von Arten die politisch gewollt angesiedelt wurden. Von einem aktiven Aussetzen sollten wir absehen."


Dr. Elsa Nickel, Bundesumweltministerium
"Der große Lerneffekt beim Wolf: „Wir müssen nicht alles managen. Wir können auch mal zulassen.“ Die Natur macht das alles wunderbar selber. Respektvolle Koexistenz in Frieden ist das Ideal, dazu braucht es einen immerwährenden Prozess des Arrangierens. Was wir nicht akzeptieren ist das illegale Töten."

"Ich bin seit dreißig Jahren Naturschützerin und habe viel Zeit damit verbracht, die Schäferei zu fördern. Ohne Schafbeweidung würden wir den Naturschutz kippen. Und das Fleisch ist mit Wildfleisch das einzige, das man als Naturschützer mit gutem Gewissen essen kann."

"Das angeblich exponentielle Wachstum des Wolfes zeigt, dass wir noch ganz am Anfang sind bei der Ausbreitung des Wolfes. Irgendwann wird es eine Sättigung geben. Wo diese ist? Lassen sie uns einfach abwarten. Die Natur managt sich selbst. Wir haben noch Länder wie Belgien oder die Niederlande, die auf den Wolf warten."


Prof. Dr. Gerhard Prätorius, Volkswagen AG
"Es gibt Widersprüche in der Gesellschaft, genauso wie in der Wirtschaft. Man muss nur willig sein Kompromisse einzugehen. Von daher kann man den Wolf schon als Erfolgsmodell betrachten."


Dr. L. David Mech, United States Geological Survey
"Ich persönlich würde jederzeit wieder den Wolf einbürgern im Yellowstone Nationalpark. Die Frage ist, ob die Gesellschaft das wollte. Es war auf jeden Fall eine erfolgreiche Aktion. Im Grenzgebiet von Texas und Arizona wurden ebenfalls Wölfe angesiedelt, dort gibt es aber große Konflikte. Mein Fazit: Wölfe werden durch die Hand des Menschen sterben, entweder legal oder illegal. Wir können Wölfen helfen, wenn wir sie managen."

"Wölfe, die nicht von Menschen bejagt werden, können zahm werden. Im Yellowstone Nationalpark wurden sie teilweise zu zahm und sind Radfahrern hinterhergerannt. Zahme Wölfe verleiten Menschen dazu, sie zu füttern."


Stefan Leiner, Europäische Kommission
"Ich habe bisher keine schlüssige Erklärung bekommen wie die Herabstufung des Wolfes von Anhang IV in V Probleme der Koexistenz lösen soll. Wir haben immer noch die Pflicht, einen günstigen Erhaltungszustand herzustellen. Der Rahmen, Konfliktsituationen zu lösen, ist bereits gegeben. Der Wolf wird auch in Gegenden, wo der Wolf streng geschützt ist unter Anhang IV, bejagt. Es muss dafür lediglich einen vernünftigen Grund geben."

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Tag 2

Markus Bathen, NABU-Projektbüro Wolf

Markus Bathen, NABU-Projektbüro Wolf"Noch niemals haben Wölfe in einem Gebiet gelebt, wie es heute ist. Wie sollen wir wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen? Das ist eine Frage, die Jäger, Nutztierhalter und Naturschützer gleichermaßen beschäftigt."

Es wird immer Wolfshasser und Wolfskuschler geben

"Wir leben in einem gemeinsamen Haus, da wird es immer Disharmonien geben. Es wird auch immer Wolfsgegner und Wolfskuschler geben. Wir brauchen Fakten und Daten.

Jahre braucht es, Vertrauen aufzubauen. Oft reicht aber ein Halbsatz, dieses wieder zu zerstören. Wir müssen Verständnis für die einzelnen Positionen entwickeln. Wir können nicht erwarten, dass jeder Schäfer hellauf begeistert ist, dass er künftig mit dem Wolf zusammenleben soll. So haben auch die Jäger ihre Standpunkte, die im Kern stehen bleiben."

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Andreas Leppmann, DJV-Geschäftsführer

Andreas Leppmann, DJV-Geschäftsführer"Richtig weg war der Wolf nie in Deutschland, in der DDR hatte er sogar eine ganzjährige Jagdzeit. Dass er zurückgekommen ist, das ist eigentlich ein Verdienst von Helmut Kohl und Michael Goorbatschow, die den Eisernen Vorhang zu Fall gebracht haben."

 

Den Umgang mit dem Wolf lernen

"Es geht nicht darum, ob wir mit dem Wolf leben wollen, sondern wie wir mit dem Tier umgehen. Was ist der normale Umgang mit dem Wolf? In Wyoming – gleiche Größe wie Deutschland – gibt es deutlich weniger Wölfe als in Deutschland. Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit 158 mal höher auf einen Wolf zu treffen."

"Wir müssen den Umgang mit dem Wolf lernen. Er darf nicht das Schicksal von Bär Bruno teilen: Erst als eine große Boulevardzeitung aufrief, Fotos von ihm zu machen, war sein Todesurteil gesprochen. Er drohte, als Menschen immer näher kamen. Dann wurde er getötet."

Ausbau eines grenzübergreifenden Monitorings

"Jäger fordern den Auf- und Ausbau eines überregionalen Gen-Monitorings. Es kann nicht sein, dass Polen ein nicht vergleichbares Monitoring betreibt. Wichtig wäre, aus jedem Rudel ein weibliches Tier zu besendern, um Ausbreitungstendenzen besser zu verfolgen."

Arten nicht gegeneinander ausspielen

"Wenn der Wolf das letzte Wildschaf in der Göhrde gefressen hat, ist ein wertvoller Genpool für immer erloschen. Wir müssen alles dafür tun, um das zu verhindern. Schließlich werden auch Wisente wiedereingebürgert aus Gründen des Arterhaltes. Es darf nicht sein, dass wir Arten gegeneinander ausspielen. Der Wolf darf wandern, wohin er will. Der Rothirsch – eine Leitart des Biotopschutzes – ist auf behördliche Bezirke festgelegt. Was wir brauchen ist ein artübergreifendes Wildtiermanagement."

Vergrämung: keiner weiß, wie es funktioniert

"Vergrämung ist ein Thema. Aber keiner hat bisher gesagt, wie das funktionieren soll. Eine Idee ist, Paintball-Gewehre auszugeben: beim ersten Erscheinen im Dorf Farbe grün, dann gelb und schließlich rot. Der Wolf soll dann abgeschossen werden. Das kann nicht funktionieren. Wir müssen jetzt über praktikable Lösungen reden."

"Wir müssen den Wolf baldmöglichst von IV auf V überführen. Warum? Damit wir nicht dasselbe Desaster erleben wie beim Biber. Hier gibt es immer mehr Unverständnis bei der Bevölkerung, weil die Schäden zunehmen, die Akzeptanz schwindet. Ein Handeln ist wegen den großen bürokratischen Hürden kaum möglich."

"Dass die Weichsel zwei Populationen trennen soll ist für uns fragwürdig. In Dänemark beispielsweise sind 20 von 40 Wölfen nachweislich aus dem Baltikum. Die sind nicht mit der Fähre gekommen, sondern durch das Transitland Deutschland gewandert. Ein Austausch zwischen der westpolnisch-deutschen Population und der ostpolnisch-baltischen ist also mehr als wahrscheinlich."

Jagdverbände lehnen illegale Tötung von Wölfen ab

"Ich appelliere an alle Beteiligten: Lassen sie uns sachlich mit dem Wolf umgehen. Es wird immer die erwähnten Wolfshasser und Wolfskuscheler geben – und zwar in allen Gesellschaftsgruppen. Das ist nicht repräsentativ. Die Jägerschaften lehnen illegale Tötungen strikt ab und haben in der Vergangenheit mehrfach Strafanzeige gestellt."

Ein Drittel hat Angst im Wald, wenn der Wolf da ist

"Ein Drittel der Deutschen hat Angst, in einem Wolfsgebiet in den Wald zu gehen, zeigt die aktuelle NABU-Umfrage. Dieser Wert deckt sich in etwa mit den Ergebnissen einer Umfrage einer Versicherung: 28 Prozent haben Angst vor Hunden, wenn sie das Gefühl haben, dass der Besitzer das Tier nicht unter Kontrolle hat. Wir müssen diese Gefühle ernst nehmen. Und wir müssen die Frage erlauben, ob eine Gesellschaft, die mehr schlecht als recht mit der domestizierten Form des Wolfes, dem Hund, umgehen kann wirklich bereit ist für die Rückkehr des Wolfs. Es ist viel Aufklärungsarbeit  notwendig."

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Dr. Adrian Travis, Nelson Institute für Environmental Studies, University of Wisconsin-Madison, USA

Dr. Adrian Travis, Nelson Institute für Environmental Studies, University of Wisconsin-Madison, USA"Öffentlich-rechtliche Stiftungen haben an Bedeutung gewonnen. „Preservation“, also Bewahrung der Naturschätze, bedeutet nicht „Nutzen verboten“, das wird oft falsch übersetzt. Alle legalen Formen von Ressourcen-Nutzung sind erlaubt."

"US-Präsident Theodor Roosevelt sagte: Wildtiere gehören dem Volk. Das stimmt, und zwar auch ungeborenen Generationen. Diese Aussage hat immer noch Bedeutung. Alle legalen Formen der Ressourcennutzung sind erlaubt. Aber manche Nutzungsformen dezimieren einen Naturschatz, beispielsweise hat Massentourismus dieses Potenzial. Illegale Nutzungsformen sind der große Feind unseres Naturerbes. Hier müssen alle Seiten entschlossen vorgehen."

"Ob die Entnahme von Wölfen einen Effekt hat zum Schutz von Nutztieren. Diese Antwort können wir nicht geben, weil es bisher noch keine Kontrollexperimente gibt. Jagd ist ein Werkzeug für den Naturschutz im Allgemeinen. Wir müssen uns jedes Mal fragen, ob es das richtige ist. In Wisconsin sank die Toleranz gegenüber Probemwölfen zwischen 2011 und 2009, obwohl es Abschussgenehmigungen gab. 2012 wurde sogar eine Jagdzeit eingeführt, die Akzeptanz fiel aber weiter. Unsere Schlussfolgerung: Die schrittweise Erlaubnis der Jagd hat den Wert des Wolfes nach und nach reduziert. In Montana hat die Akzeptanz der Behörde mit der Jagderlaubnis zugenommen, aber nicht die Akzeptanz des Wolfes."

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