Das Europäische Parlament hat gestern in Straßburg der umstrittenen Reform der EU-Feuerwaffenrichtlinie zugestimmt. Der ursprüngliche Entwurf der EU-Kommission wurde deutlich entschärft. Der jetzt beschlossenen Kompromiss ist zwar anwenderfreundlicher, enthält aber immer noch eine Reihe von fragwürdigen Maßnahmen. Der ursprünglichen Idee, nämlich europaweiter Terrorismusbekämpfung, wird die geplante Reform nicht gerecht.

Das europäische Parlament hat gestern einer fragwürdigen Reform der EU-Feuerwaffenrichtlinie zugestimmt. Vorgesehen sind unter anderem Beschränkungen der Magazinkapazität halbautomatischer Waffen, umfassendere Regelungen zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Waffen und Waffenteilen, zum Austausch von Daten unter EU-Mitgliedsstaaten sowie dem Handel mit Waffen und eine verschärfte Überwachung der Eignung und Zuverlässigkeit von Waffenbesitzern. Nach Auffassung des Deutschen Jagdverbands (DJV) verfehlt die Reform ihr eigentliches Ziel - Terrorismusbekämpfung - nahezu gänzlich. Die EU-Kommission hat Ende 2015 unter dem Eindruck der Anschläge von Paris ein noch deutlich umfangreicheres Reformpaket vorgelegt. Experten haben bereits damals heftige Kritik geäußert und den Großteil der Maßnahmen als ungeeignet für Terrorismusbekämpfung abgelehnt. Zu einer kompletten Zurückweisung konnten sich die Parlamentsabgeordneten nicht durchringen, haben den Kommissionsentwurf aber deutlich entschärft.

In der Richtlinie werden detaillierte Vorgaben zur Deaktivierung von Waffen sowie zu Alarm- und Schreckschusswaffen gemacht. Es darf nicht mehr möglich sein, diese zu scharfen Waffen umzubauen. Strenge Vorgaben gibt es auch für den Handel mit Waffen im Fernabsatz. Diesen wollte die Kommission ursprünglich ganz verbieten, nun soll der Handel unter strikter Überwachung doch möglich sein. Verboten sind künftig halbautomatische Waffen mit einer Magazinkapazität von mehr als zehn Schuss bei Langwaffen und 20 Schuss bei Kurzwaffen, sowie entsprechende Magazine. Die Richtlinie gibt den Mitgliedsstaaten zudem einen engeren Rahmen für die Überwachung der Zuverlässigkeit und Eignung zum Waffenbesitz sowie für die Waffenaufbewahrung.

Welche Änderungen im Einzelfall auf Waffenbesitzer in Deutschland zukommen, hängt jetzt von der Umsetzung ins deutsche Recht ab. Das deutsche Waffengesetz gilt bereits als eines der strengsten der Welt. Deutsche EU-Abgeordnete haben während des Verfahrens immer wieder betont, dass die Änderungen für Jäger und Sportschützen in Deutschland marginal seien. Änderungen bei der Überprüfung der Zuverlässigkeit und Eignung sowie bei den Aufbewahrungsvorschriften sind nach Einschätzung des DJV sowie deutscher EU-Abgeordneter nicht erforderlich, um die Richtlinie umzusetzen.

Bürokratie verhindert Terror nicht 

"Bürokratische Restriktionen gegen legale Waffenbesitzer verhindern weder Terror noch Kriminalität", sagte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke. Im Gegenteil: Für die Kontrolle der Umsetzung werde Personal benötigt, das dann bei der eigentlichen Terrorbekämpfung und der Zerschlagung des illegalen Waffenmarktes fehle. „Kein Terrorist wird sich um das verschärfte Waffenrecht kümmern. Auch die EU-Feuerwaffenrichtlinie ist nur ein Beispiel für viele EU-Gesetzesvorhaben, die zwar hehre Ziele verfolgen, aber letztendlich nur den gesetzestreuen Bürger treffen“, so Dammann-Tamke weiter. Einen sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität könnten aber die strengeren Dektivierungsstandards leisten, betonte Dammann-Tamke.

Der ursprüngliche Entwurf der EU-Kommission war im Europäischen Parlament und in den Mitgliedsstaaten auf heftige Kritik gestoßen. Auch im Rat hatten viele EU-Mitgliedsstaaten Kritik vorgebracht. Parlament und Rat haben sich im Dezember 2016 auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt, den das Parlament nun beschlossen hat. Der Ministerrat muss der Richtlinie noch zustimmen. Anschließend haben die Mitgliedsstaaten 15 Monate, um das nationale Waffenrecht anzupassen.

Straftaten mit Schusswaffen rückläufig

Das Bundeslagebild Waffenkriminalität 2015 zeigt einen konstanten Rückgang der Straftaten mit Schusswaffen: 23 Prozent weniger seit 2011 (2011: 11710, 2015: 9000). Bei den sichergestellten Schusswaffen handelte es sich in drei Viertel der Fälle um erlaubnisfreie Gas-, Alarm- und Luftdruckwaffen. Der Anteil der erlaubnispflichtigen Schusswaffen betrug etwa ein Viertel davon waren 95 Prozent illegal. Nur etwa ein Prozent aller sichergestellten Schusswaffen war erlaubnispflichtig und legal. Mit geschätzten 20 Millionen Stück übersteigt der Anteil der illegalen Schusswaffen in Deutschland den Anteil der legalen Schusswaffen (etwa 5 Millionen) um ein Vielfaches.

Aktuelle DJV-Statistik: 2016 gab es so viele Jägerinnen und Jäger in Deutschland wie noch nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl um etwa 2 Prozent auf 381.821. Der Trend der letzten Jahre setzt sich damit fort.

Genau 381.821 Deutsche besaßen im Jagdjahr 2015/16 (1. April bis 31. März) einen Jagdschein. Das sind etwa 7.800 Personen mehr als noch 2014/15. Gegenüber dem vergangenen Jagdjahr stieg die Zahl der Waidmänner und -frauen damit um etwa 2 Prozent. Und im Vergleich zur Wiedervereinigung vor 26 Jahren gibt es über 70.000 Jagdscheine mehr – ein Anstieg von über 22 Prozent. Die Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum kaum. "Jagen heißt aktiv und nachhaltig leben, das wird für viele immer wichtiger. Wir sind erfreut, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt", so DJV-Präsidiumsmitglied Josef Schneider.

Den stärksten prozentualen Zuwachs gab es innerhalb des vergangenen Jagdjahres in der Hauptstadt Berlin und in Schleswig-Holstein: Um rund 6 Prozent stieg die Zahl der Jäger auf nun 3.025 beziehungsweise 22.330. Die meisten Jäger in der Bevölkerung gibt es anteilig in den schwächer besiedelten Bundesländern Schleswig-Holstein (127 Einwohner pro Jäger), Niedersachsen (130) und Mecklenburg-Vorpommern (132). Auf Platz 4 landete Nordrhein-Westfalen mit 190 Einwohnern pro Jäger. Im Vergleich der absoluten Jägerzahlen liegt das bevölkerungsreichste Bundesland ganz vorn mit 92.950 Waidfrauen und -männern. Deutschlandweit kommt ein Jäger auf 213 Einwohner.

Insgesamt haben im vergangenen Kalenderjahr 13.428 Jagdschüler die Prüfung erfolgreich abgelegt. Das sind 31 Prozent mehr Absolventen als noch 2010. Die Durchfallquote lag im Bundesschnitt bei 18 Prozent.

Laut aktueller DJV-Befragungen gibt es inzwischen 7 Prozent Jägerinnen, in den Jägerkursen liegt die Frauenquote bereits bei 20 Prozent. Im Ehrenamt tätig sind 41 Prozent der Jäger, dabei Frauen öfters als Männer. Im Vergleich die Gesamtbevölkerung: Hier sind nur 9 Prozent ehrenamtlich im Umwelt- und Naturschutz aktiv. Bezogen auf die berufliche Tätigkeit entspricht die Zusammensetzung der Jägerschaft weitgehend dem Querschnitt der Bevölkerung.

Weitere Infos:

https://www.jagdverband.de/node/6327

Seit mehreren Jahren liegt die Zahl der Anwärter zur Jägerprüfung bei über 300. 2016 traten 352 Männer und Frauen zur Jägerprüfung an. Die Erfolgsquote liegt bei 76 Prozent. 

Ohne Fleiß kein Preis – das gilt auch bei der Jagd. Bevor man in Deutschland auf die Pirsch gehen darf, muss man eine Jägerprüfung bestehen. In Brandenburg ist der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) für die Organisation und Durchführung der Prüfungen zuständig. 2009 wurde er vom zuständigen Ministerium mit dieser hoheitlichen Verwaltungsaufgabe betraut (beliehen). Dabei ist er an die in der Jägerprüfungsordnung des Landes Brandenburg festgeschriebenen Vorgaben gebunden.

Die haben es in sich. Nicht ohne Grund wird die Jägerprüfung auch als „Grünes Abitur“ bezeichnet. Bei der Anmeldung zur Prüfung müssen ein praktisches Jahr sowie 150 Theoriestunden nachgewiesen werden. In einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung stellen die Anwärter dann ihre Eignung unter Beweis. Solides Wissen um die heimische Tier- und Pflanzenwelt ist selbstverständlich. Aber auch Krankheiten, Naturschutz, Wildhygiene oder Recht gehören zu den Sachgebieten, in denen den Prüflingen auf den Zahn gefühlt wird.

Die hohen Anforderungen drücken sich in der Durchfallquote aus. „Dieses Jahr haben es 23,3 Prozent im ersten Anlauf nicht geschafft“, sagt Karl-Heinz Hohmann, der im Präsidium des LJVB für die Aus- und Fortbildung zuständig ist. „Abstriche an den Anforderungen können wir nicht machen“, sagt Hohmann, „schließlich geht es um Sicherheit und Tierschutz. Wer wirklich will, besteht die Prüfungen auch, notfalls halt im zweiten Anlauf.“ Derzeit bietet der LJVB vier Prüfungszyklen pro Jahr an, die sich großer Resonanz erfreuen.  Die meisten Prüflinge scheiterten in den Sachgebieten „Kenntnis der Tierarten, Wildbiologie“, „Waffentechnik, Führen von Jagd- und Faustfeuerwaffen“ sowie „Wildkrankheiten und Behandlung von erlegtem Wild“.

Wer wissen möchte, welche Jagdschule in der Nähe Kurse anbietet oder sonst Fragen rund um die Jägerprüfung hat, wendet sich bitte an den Landesjagdverband Brandenburg e.V., Saarmunder Str.35, 14552 Michendorf, Tel. 033205/ 2109-0, www.jaegerpruefung-brandenburg.de

Wie alt ist der Durchschnittsjäger? Wie viele Frauen gehen zur Jagd und was geben Waidmänner jährlich für den Artenschutz aus? Der DJV stellt erstmals repräsentative Daten zum Waidwerk in Deutschland vor.

 

LJN lehnt Vorstoß des Landesvorstands der niedersächsischen Grünen zur Verschärfung des Waffengesetzes ab / Legalwaffenbesitzer werden unter unzulässigen Generalverdacht gestellt

Der Vorstoß des Landesvorstands der niedersächsischen Grünen eine Verschärfung des Waffenrechts zu fordern, stößt bei der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) auf Unverständnis und Ablehnung.

„Wer sich ernsthaft Gedanken um die Innere Sicherheit macht, muss sich auf die illegalen Waffen konzentrieren“, so Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. „Verschärfungen des Waffengesetzes zu fordern ist hingegen reiner Populismus, denn das Problem sind die illegalen Waffen und diesem Problem wird man nicht Herr, indem man zuverlässige und gesetzestreue Legalwaffenbesitzer – insbesondere Jäger und Schützen – unter einen unzulässigen Generalverdacht stellt“, so Dammann-Tamke weiter.


Deutschland habe bereits jetzt eines der schärfsten und restriktivsten Waffengesetze in Europa – insbesondere auch was die Aufbewahrung von Waffen angeht.


„Jäger und Sportschützen in Deutschland sind sich gleichermaßen ihrer hohen Verantwortung und Sorgfalt als legale Waffenbesitzer gegenüber der Gesellschaft bewusst“, so Dammann-Tamke abschließend. Der Landesvorstand der Grünen Niedersachsen hatte bekannt gegeben, dass auf deren Landesdelegiertenkonferenz Anfang Dezember ein Leitantrag zur Verschärfung des Waffengesetzes behandelt werden soll. Unter anderem soll es hierin um ein generelles Verbot der Lagerung von Schusswaffen in  Privathaushalten gehen.

Mit der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben” soll Nichtjägern Jagd und Naturschutz nähergebracht werden. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein (LJV SH) hat nun in Kooperation mit Antonius von Papen, Betreiber der Plattform werjagtwas.de, eine Möglichkeit zur Vernetzung geschaffen.

Mitgehen, erleben, berichten: Seit Beginn des Jagdjahres 2016/17 läuft wieder die bundesweite Aktion Gemeinsam Jagd erleben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und der dlv-Jagdmedien (unsere Jagd, PIRSCH, Niedersächsischer Jäger, jagderleben.de). „Auch alle schleswig-holsteinischen Jägerinnen und Jäger sind dazu aufgerufen, nichtjagende Gäste mit ins Revier zu nehmen und am grünen Handwerk teilhaben zu lassen”, sagt Marcus Börner, Pressereferent des LJV SH. Dabei muss es nicht immer ein Ansitz sein – auch die Durchführung von Hegemaßnahmen, ein Waldspaziergang oder ein wildes Barbecue zeigen die Facetten der Jagd auf. Ziel der Kampagne ist es, möglichst vielen Nichtjägern das Weidwerk nahe zu bringen und mit Vorurteilen aufzuräumen. „Viele Jagdgäste fühlen die Ruhe und Entschleunigung eines Abendansitzes erst, wenn sie es selbst erlebt haben. Häufig wächst mit dem Gefühl auch die Neugier, Jagd ganzheitlich zu verstehen. Da setzt unsere Aktion an“, sagt Anna Martinsohn vom DJV.

werjagtwas.de

Mit werjagtwas.de hat Antonius von Papen eine Plattform entwickelt, die sowohl Jäger und Nichtjäger als auch Jäger und Jäger unkompliziert zusammenbringen soll – und das international. Anbieter können sich auf www.werjagtwas.de kostenlos registrieren oder für eine der Bezahlvarianten entscheiden (mit erweiterten Funktionen) und ein Profil anlegen. Interessenten können dann – ohne vorherige Registrierung – via Postleitzahlensuche und über die Filterfunktion „Gemeinsam Jagd erleben“ Gastgeber finden und direkt Kontakt aufnehmen. „Das ist auch der große Vorteil für den Nichtjäger, der vielleicht an der Ostsee mit seiner Familie Urlaub macht und ein Abendprogramm sucht”, sagt von Papen.

Starke Verbündete

„Wir freuen uns, dass wir in Antonius von Papen einen Partner gefunden haben, der uns dabei unterstützt Jäger und Nichtjäger zusammenzubringen. Er leistet mit seinem Angebot einen wertvollen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit”, so Börner weiter. Auch der Diplom-Forstwissenschaftler von Papen begrüßt die Zusammenarbeit mit dem LJV SH: „Ein Ziel von werjagtwas.de ist es, Nichtjäger und Jäger im Bereich Wildbret-Vermarktung zusammenzubringen. Daher hat es sich auch angeboten, die beispiellose Initiative ´Gemeinsam Jagd erleben´ auf der Plattform zu integrieren. Wir sind hocherfreut über die Kooperation mit dem LJV SH.”

Wissenswertes

In der Broschüre „Leitfaden für Jäger” finden Gastgeber darüber hinaus viele nützliche Informationen zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion. Diese kann auf http://jaeben.jagderleben.de/fuer-gastgeber heruntergeladen oder im 5er-Pack beim Deutschen Jagdverband (Tel. 030-2091394-23, Pressestelle@jagdverband.de) sowie bei den dlv-Jagdmedien (dlv Leser-Service, Tel. 089-12705-228, Fax: -586, frauke.weck@dlv.de) gegen vier Euro Portogebühr bestellt werden. 

Die Zahl der Jägerinnen nimmt zu: Im Saarland ist in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Jägerinnen von fünf auf zehn Prozent gestiegen. Zudem ist auch die Zahl der Jäger insgesamt gewachsen. Ein Grund ist der Wunsch, "vernünftiges Fleisch selbst gewinnen zu wollen".

Die Zunft der Jäger wird weiblicher: Immer mehr Frauen machen im Saarland einen Jagdschein. In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der Jägerinnen von fünf auf zehn Prozent gestiegen, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes, Johannes Schorr, der dpa in Saarwellingen (Kreis Saarlouis). Ende 2015 gab es im Saarland 4271 Jagdscheininhaber, darunter rund 400 Frauen. Die Zahl der Jäger steige auch insgesamt: Ende 2005 waren an der Saar laut Schorr noch 3677 Jahresjagdscheine "gelöst" worden. 

Gesicherte Aussagen darüber, warum immer mehr Frauen auf die Pirsch gehen, gebe es nicht. Viele Frauen kämen über ihren Jagdhund zur Jagd, sagte Schorr. Zudem spiele die Liebe zur Natur eine Rolle sowie der Wunsch, "vernünftiges Fleisch selbst gewinnen zu wollen". Altersmäßig seien die Jägerinnen "bunt gemischt mit Tendenz zu jung". Insgesamt liege der Altersdurchschnitt der saarländischen Jäger bei 55 Jahren, bei Neueinsteigern bei 35 Jahren. 

Die Menge des im Saarland erlegten Wildes sei in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, berichtete Schorr. Beim Rehwild wurden von Anfang April 2015 bis Ende März 2016 rund 9.700 Tiere geschossen. Beim Schwarzwild standen gut 5.800 Tiere in der Statistik. Kaninchen, Rebhühner und Fasane würden immer weniger erlegt, weil deren Population rückläufig sei, sagte Schorr. "Das Gesicht der Jagd hat sich stark verändert."

In Sachsens Wäldern wird immer mehr Wild erlegt. Die Jäger haben in der vergangenen Jagdsaison rund 121.000 Stück Wild zur Strecke gebracht und damit das Ergebnis des Vorjahres (107.475) erheblich gesteigert. Sachsens Forstminister Thomas Schmidt (CDU) sieht darin einen Beleg, dass die Jäger ihre Verpflichtung zur Hege und Bejagung des Wildes ernst nehmen.

Sachsens Jäger haben in der vergangenen Jagdsaison rund 121.000 Stück Wild zur Strecke gebracht und damit das Ergebnis des Vorjahres (107.475) erheblich gesteigert. Beim Schalenwild gab es mit mehr als 75.000 erlegten Tieren sogar einen Rekord. "Das Wild findet im Freistaat Sachsen beste Lebensbedingungen vor. Hohe Jagdstrecken sind ein wichtiges Indiz für ansteigende Wildbestände", sagte Forstminister Thomas Schmidt (CDU) am Freitag.

Laut Statistik weist die Jagdstrecke für das vergangene Jagdjahr unter anderem 4.137 Stück Rotwild (Vorjahr: 3.737), 36.528 Stück Rehwild (33.280) und 32.878 Wildschweine (27.962) auf. Gestiegen sind auch die Abschüsse bei Waschbären (9.889), Fuchs (16.478) und Marderhund. Bei Waschbären hat sich die Strecke in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht.

Nach Angaben des Ministeriums sind die aus Nordamerika stammenden Waschbären inzwischen flächendeckend in Sachsen verbreitet. Schwerpunkte liegen in den östlichen und nördlichen Regionen Sachsens. Experten rechnen mit einer weiteren Ausbreitung auch in Städte. Die Jagd werde das nicht verhindern, aber verlangsamen, hieß es. Die Bevölkerung wurde gebeten, Waschbären keine Futtermöglichkeiten zu bieten.

Jäger nehmen Verpflichtungen ernst

Schmidt interpretierte das Streckenergebnis als Beleg dafür, dass die sächsischen Jäger ihre Verpflichtung zur Hege und Bejagung des Wildes sehr ernst nehmen. "Jagd fördert gesunde Wildbestände, schafft naturnahe Strukturen in der Landschaft und trägt zur Artenvielfalt bei. Jagd ist damit auch angewandter Naturschutz", sagte der Minister. Er ging auch auf die kulinarische Seite ein. Denn Jagd liefere gesundes, heimisches Wildbret.

Sachsen hat eine Jagdfläche von rund 1,6 Millionen Hektar. 524.800 Hektar davon sind Wald. Bei den Behörden sind 11.350 Inhaber eines Jagdscheines registriert.

Wie alt ist der Durchschnittsjäger? Wie viele Frauen gehen zur Jagd und was geben Waidmänner jährlich für den Artenschutz aus? Der DJV stellt erstmals repräsentative Daten zum Waidwerk in Deutschland vor.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat erstmals in einer repräsentativen Befragung soziodemographische Daten zu Jagd und Jägern erhoben: Demnach ist der Durchschnittsjäger in Deutschland 57 Jahre alt und ist in drei von vier Fällen verheiratet. Die Durchschnittsjägerin ist 51 Jahre alt und in einem von zwei Fällen verheiratet. Derzeit gibt es bundesweit im Schnitt 7 Prozent Jägerinnen. Doch in den Vorbereitungskursen zur Jägerprüfung sitzen heute bereits 20 Prozent Frauen.

Querschnitt der Bevölkerung

Jägerinnen und Jäger kommen aus der Mitte der Gesellschaft: Etwa 6 Prozent der Jäger sind Schüler, Studenten oder Auszubildende (Gesamtbevölkerung in Deutschland: 6 Prozent), 37 Prozent sind nicht oder nicht mehr berufstätig (42 Prozent) und 57 Prozent sind berufstätig in Voll- oder Teilzeit (52 Prozent). Ähnlich verhält es sich bei der Berufsverteilung: 23 Prozent (Gesamtbevölkerung: 32 Prozent) sind Angestellte oder Beamte, 13 Prozent (12 Prozent) leitende Angestellte oder Beamte im höheren Dienst, 10 Prozent  (3 Prozent) sind selbständig, 6 Prozent (1 Prozent) in der Land- und Forstwirtschaft tätig und 5 Prozent (4 Prozent) sind Freiberufler.

Familiäre Werte und Eigenverantwortung

Soziodemografie der Jaeger in DeutschlandWer zur Jagd geht, lebt traditionelle Werte: 90 Prozent der Jägerinnen und Jäger geben an, in einem Mehrpersonenhaushalt zu wohnen. Im Bundesschnitt sind es nur 59 Prozent. Drei Viertel aller Jäger sind verheiratet (Gesamtbevölkerung: 55 Prozent) und nur etwa 16 Prozent Single (28 Prozent). Jäger tragen Verantwortung für die Gesellschaft: 41 Prozent aller Waidmänner engagieren sich ehrenamtlich, davon anteilig mehr Frauen, die etwa vermehrt Umweltbildungsprogramme oder Naturschutzprojekte umsetzen. Im Vergleich die Gesamtbevölkerung: Hier sind nur 9 Prozent ehrenamtlich im Umwelt- und Naturschutz engagiert.

Ansprechpartner mit Expertise vor Ort

Etwa eine Arbeitswoche pro Monat verbringen die Jäger in ihren Revieren in Wald und Feld. Sei es für Revierarbeiten, wie Biotoppflege und Hochsitzbau oder zur Beobachtung von Wildtieren und zur Jagd. Das macht den Jäger zu einem präsenten Ansprechpartner vor Ort, wenn es um Wild, Jagd und Natur geht.

Auf dem Stand der Technik

Jägerinnen und Jäger sind von gestern? Von wegen! 83 Prozent aller Jäger nutzen das Internet (Gesamtbevölkerung: 80 Prozent ), 82 Prozent haben ein E-Mail-Konto (62 Prozent in der Gesamtbevölkerung) und ein Drittel ist in den sozialen Medien aktiv (27 Prozent in der Gesamtbevölkerung).  

Wert der Jagd

Kosten und Ausgaben von JaegernJagd in Deutschland ist die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Sie dient der Prävention von Wildschäden oder Tierseuchen und hilft dem Artenschutz. Die DJV-Mitgliederbefragung zeigt zudem: Die Jagd ist ein Wirtschaftsfaktor. Rund 1.570 Euro kostet die Pacht einer Jagd im Schnitt pro Jahr. Etwa 910 Euro pro Jahr geben Jäger für ihren mobilen Untersatz aus, 520 Euro für Reviereinrichtungen, 390 Euro für Handwerkszeug, wie Messer und Waffen, 280 Euro für Jagdbekleidung sowie 270 Euro für Wildschaden. Sonstige Ausgaben, wie etwa Tierarztkosten für den Hund, liegen etwa bei 180 Euro pro Jahr.

Hinzu kommen jährlich rund 220 Euro aus eigener Tasche für Biotoppflege oder Artenschutzmaßnahmen im Revier. Hochgerechnet auf die rund 375.000 Jägerinnen und Jäger in Deutschland, entspricht dies einer Investition von etwa 82,5 Millionen Euro pro Jahr für Naturschutz. Im Schnitt kommt jeder Jäger insgesamt auf Ausgaben von 4.340 Euro pro Jahr. Mit Investitionen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro jährlich kurbeln die Jägerinnen und Jäger die deutsche Wirtschaft an.

Keine Jagd ohne Hund

Der Leitspruch "Jagd ohne Hund ist Schund" wird unter Jägern beherzt: In zwei Dritteln aller Jägerhaushalte ist mindestens ein Jagdhund vorhanden. Im Bundesschnitt besitzen nur etwa 11 Prozent aller Haushalte einen Hund. Dabei sind Vorstehhunde, wie etwa Deutsch Kurzhaar, Deutsch Drahthaar oder Weimaraner unter Jägern besonders beliebt. In jedem vierten Jägerhaushalt kommt ein vielseitig einsetzbarer Vorstehhund vor. Dicht gefolgt von Teckeln (12 Prozent), Apportierhunden (10 Prozent) und Terriern (8 Prozent). Es muss also nicht immer der Dackel sein.

Verantwortung für's Wild und Tierschutz

87 Prozent aller Jäger nutzt den Schießstand mindestens ein Mal pro Jahr, um zu trainieren. Nahezu die Hälfte aller Jäger geht jährlich sogar 3 Mal und mehr auf den Stand.

 

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Quellen

Vergleichszahlen aus unterschiedlichen Quellenangaben:

  • Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahre: DeStatis (Alter, Geschlecht, Haushalt), GMS-Politikbus (Berufstätigkeit)
  • Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Deutschland ab 14 Jahre: Deutsches Freiwilligensurvey (2014)
  • Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Deutschland ab 14 Jahre: ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 (Kommunikationverhalten)
  • Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Deutschland: Statista 2016: Haustierbesitzer in Deutschland nach Anzahl von Hunden im Haushalt von 2010 bis 2015

Jetzt gehen sie wieder los: die landesweit stattfindenden Jägerprüfungen. Einer, der sich vor sechs Monaten dazu entschlossen hat, „ein Jäger zu werden“, ist David. Der LJV Baden-Württemberg hat mit ihm über seine Beweggründe, den Jagdschein zu machen, gesprochen.

LJV: David, bei einem Jäger handelt es sich „um einen übergewichtigen, grün gekleideten, schwerbewaffneten Alkoholiker, der durch den Wald auf kürzestem Weg in das nächste Gasthaus geht.“ Erkennst Du Dich wieder?

David (lacht): Klar. Unbedingt. Siehst du doch. Aber mal im Ernst- gibt es diese Spezies? Naja. Also die Jäger, die ich in sechs Monaten Ausbildung kennengelernt habe, fallen nicht unter diese Beschreibung. 

LJV: Sechs Monate Ausbildung - warum kein „Crashkurs am Wochenende“, so auf die Schnelle?

David: Weil ich mich vorher umgehört habe. Eigentlich war ich schon versucht, komprimiert und in Form von „Druckbetankung“ den Kurs zu machen. Am Ende hat mich ein befreundeter Jäger davon abgehalten. Auch die anderen, die ich gefragt habe, haben mir zum konventionellen, längeren Kurs bei der Jägervereinigung vor Ort geraten. Viel Praxis und deutlich über die Pflichtanzahl an Stunden hinaus. Im Nachhinein denke ich: richtige Entscheidung. Auch wenn es für einen Selbstständigen manchmal nicht ganz einfach ist sich über den langen Zeitraum die ganzen Termine freizuschaufeln. Gerade an den Wochenenden. Familie habe ich ja auch noch.

LJV: Selbstständig, Familie und Jagdschein - erzähl´ uns von dir! Was sagt deine Frau zum neuen Engagement?

David: Ok. Ich bin 40 Jahre alt. Verheiratet. Als ich ihr gesagt habe, was ich vorhabe, hat sie nur gesagt: „Mach´ das. Finde ich gut.“ Eine Grundsatzdiskussion war nicht nötig. Außerdem bin ich Papa von zwei wundervollen Kindern. Bambini-Fußballtrainer. Staatlich geprüfter, selbständiger Heilpraktiker. Leidenschaftlich gesunder Esser. Von Berufswegen. Ich bin bereits Angler. Wir - auch die Kids - lieben Fisch. Vor allem, wenn man weiß, wo er her kommt. Und wenn ich ihn dann noch selbst gefangen habe, umso besser. So ungefähr stellen ich und meine Frau uns das auch mit der Jagd vor: Weniger Fleisch vom Discounter, dafür mehr Wild. Einfließen lassen in den Alltag: Grillen, Bolognese, Schnitzel. Nutzen was nachwächst.

LJV: „Grünes Abitur“. Übertreibung oder Zustimmung?

David: Zustimmung. Keine Frage. Das was du dir da an theoretischem und praktischem Wissen anzueignen hast, das ist kein Spaziergang. Auch wenn mir so Fachbereiche wie Wildtierkunde recht leicht fielen. Die ganzen rechtlichen Grundvoraussetzungen z.B. sind schon ein echt sportliches Paket.

LJV: Würdest du das noch mal auf dich nehmen?

David: Ja. Absolut ja. Sobald die Prüfung vorbei ist, möchte ich endlich raus. Jagd echt erleben. Ich stelle fest: Ich gehe jetzt bereits mit einem ganz anderen Blickwinkel in die Natur. Intensiver. Mit mehr Gespür für Zusammenhänge. Mir ist schon klar, dass ich nur theoretisch perfekt ausgebildet bin. Die Praxis kommt jetzt im Revier unter Anleitung von erfahrenen Leuten. Da freu´ ich mich drauf und weiß auch, dass das wichtig ist.

LJV: Du sagst „im Revier“ und „erfahrene Leute“. Also gehen wir davon aus, dass du für die Zeit nach der Prüfung bereits Anschluss gefunden hast? War das schwer?

David: Nein. Anschluss habe ich über eine Kollegin aus dem Kurs. Ihr Mann ist bereits Jäger, sie macht den Schein mit mir zusammen. Und dann kam die Einladung, mit dem Schein in der Tasche bei ihm jagen gehen zu können. Ganz einfach, sehr spontan und herzlich. Und ganz in der Nähe.

LJV: Irgendetwas im Kurs, was dir zu kurz kam?

David (überlegt): Ja. Der Schwerpunkt liegt irgendwie stark auf den jagdlichen Zusammenhängen in Bezug auf die Forstwirtschaft. Was die Landwirtschaft angeht, hörst du eigentlich nur „Schäden, Schäden und nochmals Schäden“. Hase, Fasan, Rebhuhn: nicht so wirklich Thema. Obwohl das doch auch zur Jagd gehört, oder? Niederwild?

LJV: Klar. Aber geschuldet der Situation, dass uns Reh und Wildschwein eben am meisten - vor allem finanziell - beschäftigen und die Reviere hier heute ihre Hauptaufgabe haben, auch kein Wunder. In was für einem Revier wirst du dann jagen?

David: Gemischt. Reh- und Schwarzwild, Hase, Fasan und Ente. Ist für meine Region wohl typisch. Alles prinzipiell da, aber nicht alles in nutzbaren Populationen. Kann man aber was für tun, habe ich gelernt.

LJV: Hast du jetzt schon so eine Art Lieblingswild?

David: Ja. Wildschweine. Wildschweine sind wie Zander. Nehme ich an. Man muss sie überlisten. Das macht sie besonders reizvoll. Ich habe gelernt, warum manche Arten genutzt werden müssen, andere genutzt werden können. Für beides habe ich Argumente, die ich schlüssig finde. Bei den einen muss und kann ich nutzen, um übermäßige Schäden zu vermeiden. Bei den anderen bin ich als Jäger mehr Bauer: ich säe, pflege, kümmere mich, dann darf ich auch nutzen. Richtig so?

LJV: Richtig. Prüfung schon fast bestanden (grinst). Wann geht’s los?

David: Heute.

LJV: Und?

David: Kein Problem.

LJV: Dann drücken wir dir alle Daumen!

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