Kein Tier polarisiert mehr als der Wolf – er wird geliebt oder gehasst! Da er in Deutschland wieder heimisch geworden ist, gilt es, künftig mit dem Wolf zu leben und das Miteinander so konfliktfrei wie möglich zu gestalten. Managementpläne sollen dabei helfen.

Erscheinungsbild des Wolfes

  • Der Wolf kann mit Hundeartigen, die in Größe und Erscheinungsbild ähnlich sind (z.B. Schäferhund) oder dem Goldschakal verwechselt werden.
  • Er ist aber hochbeiniger und hat einen kräftigeren Körperbau, die Ohren sind klein, der Schwanz wird zumeist herabhängend getragen.
  • Der Schädel ist breiter als der eines Hundes, die Augen sind leicht schräg gestellt.
  • Das Haarkleid variiert von grau bis graugelb oder sandfarben.
    Gewicht: Rüde bis zu 50 kg, Fähe bis zu 45 kg.

Lebensraum des Wolfes

  • Ursprünglich war der Wolf in ganz Europa verbreitet. Direkte Konkurrenzsituationen zwischen Mensch und Wolf führten zur Ausrottung in vielen europäischen Ländern. Vorkommen gibt es heute wieder in Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, dem Balkan, Polen, Baltikum, Russland, Skandinavien.
  • Seit den 1990er Jahren sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert. Mittlerweile ist der Wolf in vielen Bundesländern wieder heimisch geworden. Die Hauptvorkommen liegen in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen.
  • Wölfe sind sehr anpassungsfähig und leben in Rudeln. Sie sind nicht zwangsläufig an Waldhabitate gebunden. Oftmals werden Truppenübungsplätze als Primärlebensräume besiedelt.
  • Die Reviergrößen sind von der verfügbaren Nahrung abhängig: Polen: 150-350 km², Oberlausitz ca. 150 km².

Bestand und Stellung im zoologischen System

  • Mit Stand November 2018 sind in Deutschland 73 Rudel, 30 Paare und 3 sesshafte Einzeltiere bestätigt. Die Populationsentwicklung verläuft sehr dynamisch. Beigefügte Karte zeigt die Wolfsvorkommen in Deutschland im Monitoringjahr 2017/2018 (Quelle: BfN, Stand: 16. November 2018)
  • Klasse: Säugetiere (Mammalia); Ordnung: Raubtiere (Carnivora); Familie: Hundeartige (Canidae); Gattung: Echte Hunde (Canis); Art: Grauwolf (Canis lupus)

Rechtsstatus des Wolfes

Der Wolf hat in Deutschland folgenden gesetzlichen Schutzstatus:

Internationales Recht: Washingtoner Artenschutzabkommen (Anh. II); Berner Konvention (Anh. II)

Europäisches Recht: FFH-Richtlinie (Anh. II und IV); EG-Verordnung 338/97 (Anh. II)

Bundesrecht: Bundesnaturschutzgesetz (streng geschützte Art nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 i.V. mit § 44 Abs. 1; Zugriffs- und Besitzverbote); Tierschutzgesetz

Lebende oder tote Wölfe oder deren Teile in Besitz zu nehmen und deren Verarbeitung, z.B. das Präparieren, ist strafbar mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe (§ 71a Abs. 1 Nr. 2a BNatSchG). Wer lebende oder tote Wölfe oder deren Teile zum Kauf anbietet, verkauft oder kauft, begeht ebenfalls eine Straftat (§ 71 Abs. 2 BNatSchG) und kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft werden.

Landesrecht: In Sachsen unterliegt der Wolf dem Jagdrecht mit ganzjähriger Schonzeit!

Siehe hierzu Sächsisches Jagdgesetz und Sächsische Jagdverordnung; Sächsisches Naturschutzgesetz; Sächsische Wolfsmanagementverordnung

Nahrung des Wolfes

  • Erwachsene Wölfe benötigten etwa 2-3 kg Fleisch/Tag.
  • Wölfe besitzen ein breites Nahrungsspektrum, von Aas über Kleinsäuger bis zu großen Huftieren. Diese sind in Mitteleuropa vor allem Reh-, Rot- und Schwarzwild.
  • Abhängig von der regional vorherrschenden Nutztierhaltung werden zunehmend Schafe und Ziegen gerissen, vermehrt in jüngster Zeit Rinder und auch Pferde.

Fortpflanzung und Lebensweise des Wolfes

  • Wölfe leben im Familienverband (Rudel), bestehend aus dem Elternpaar, Jährlingen und Welpen,
  • Paarungszeit (Ranz) ist Januar bis März, nach etwa 63 Tagen werden 4 bis 7 Junge in einem Bau geboren,
  • Die Jungen sind in den ersten 14 Tagen blind und werden 6 bis 8 Wochen gesäugt.
  • Bereits im 3. Lebensmonat begleiten sie die Eltern bei den Beutezügen. Im Sommer des Folgejahres verlassen sie die Eltern und wandern auf der Suche nach einem eigenen Revier ab.
  • Geschlechtsreife: im 2. Lebensjahr.
  • Wölfe haben ein hoch entwickeltes Sozialverhalten mit ausgeprägtem Kommunikationsverhalten.

Krankheiten/Gefahren für den Wolf

  • Tollwut, Hundestaupe, Parvovirose, Räude, Borreliose u.a. (vgl. Hunde)
  • Lebenserwartung: ca. 10-13 Jahre. Die Sterblichkeit bis zum 2. Jahr beträgt unter mitteleuropäischen Verhältnissen etwa 20-30 Prozent.
  • Verkehrsunfälle sind die häufigste unnatürliche Todesursache


Weiterführende Informationen

 

Aktuelle Wolfsichtungen in der Nähe von Siedlungsgebieten führen in der Bevölkerung zu Verunsicherung. Der DJV nimmt hierzu Stellung. 

In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind Wölfe in jüngster Zeit nah an menschliche Siedlungen gekommen. Von der vielbeschworenen Scheu war nichts zu merken, was zu großer Verunsicherung der Bevölkerung geführt hat. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat gegenüber der Zeitung „Welt am Sonntag“ aktuell Stellung genommen. DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Gert Dittrich betonte gegenüber der Zeitung: "Es reicht nicht aus, zu sagen 'Willkommen Wolf'. Und es reicht auch nicht, bei fehlender Scheu gleich von abnormem Verhalten zu reden. Die Bestände wachsen schnell und halbstarke Wölfe wandern ab. Diese agieren dabei unerfahren und neugierig, ähnlich wie junge Hunde.“

Der Wolf sei ein großes Raubtier. Und die Menschen hätten verlernt, mit diesem umzugehen. Viele Menschen nutzten die Natur heutzutage nur noch als schöne Kulisse für ihre Freizeitaktivitäten, so Dr. Dittrich. Der DJV-Wolfsexperte machte darauf aufmerksam, dass erst aus dem Verständnis für die Natur ein Respekt vor möglichen Gefahren resultiere. Wenn sich der Wolf in der dicht besiedelten Kulturlandschaft  Deutschlands weiter ausbreitet, wird es laut DJV häufiger zu Begegnungen zwischen Mensch und Wolf kommen. Dr. Dittrich: „Mit der Rückkehr des Wolfes ist ganz besonders für Haus- und Nutztiere ein Risiko verbunden. Aber niemand kann ausschließen, dass es zu Übergriffen auf Menschen kommen kann. Da fordere ich die zuständigen Politiker auf, dass auch so ehrlich zu sagen.“

Ein professionelles, Länder übergreifendes Wolfsmanagement ist laut DJV die Grundlage für ein Frühwarnsystem bei auffälligen Wölfen. Vor diesem Hintergrund ruft der DJV Jäger auf, sich noch intensiver als bisher am Wolfsmonitoring zu beteiligen. „Zahlreiche Jäger sind bereits als Wolfsbeauftragte geschult. Sie helfen bei Fragen weiter und liefern zudem Hinweise auf Wolfsvorkommen", so Dittrich. „Der Wolf ist gekommen, um in Deutschland zu bleiben. Er muss die Scheu vor dem Menschen wieder lernen und wir müssen uns auf ihn einstellen“. Laut DJV müsse deshalb intensiver über mögliche Vergrämungsmaßnahmen nachgedacht werden. 

Der Artikel von „Welt am Sonntag“ aktuell finden Sie hier: Jäger erwarten Wolfsangriffe gegen Menschen

„Eine geringe Scheu vor Menschen kann nicht akzeptiert werden“

Dr. Norman Stier ist Mitarbeiter der AG Wildtierforschung an der Professur für Forstzoologie der TU Dresden und Koordinator des Wolfsmonitorings in Mecklenburg-Vorpommern. Der Deutsche Jagdverband (DJV) interviewte ihn zum Wolf in Deutschland. 

mad Mo., 2015-03-02 10:18

Am Mittwoch, 11. Februar 2015, stellt die rheinland-pfälzische Landesregierung den neuen Entwurf eines Wolfsmanagementplans vor. Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) hat intensiv mitgearbeitet und sieht Chancen, aber auch Risiken.

„Wandern Wölfe auf natürliche Weise ein, greift die Schutzvereinbarung, die von allen deutschen Jagdverbänden in einem Positionspapier festgeschrieben wurde und bundesweit gültig ist“, betont LJV-Vizepräsident Gundolf Bartmann. Dank einer guten Zusammenarbeit der rheinland-pfälzischen Verbände und Behörden sei ein Wolfsmanagementplan entstanden, der viele Fragen sachlich beantworte sowie wichtige Hinweise zum Verhalten und zur Schadensregulation enthalte. 

„Die Jägerschaft ist in der Fläche präsent und bereit“, so Bartmann, „die weitere Entwicklung durch ihren Beitrag zum Wolfsmonitoring zu begleiten.“ Viele Jägerinnen und Jäger seien bereits als sogenannte Großkarnivorenbeauftragte für Luchs und Wolf geschult und aktiv. Daher begrüßt der LJV, dass die Landesregierung eine angemessene Aufwandsentschädigung von 100,- Euro pro Rissmeldung – wie vom LJV gefordert –  für die Monitoringleistungen der Jägerschaft bereitstellt.

„Die mythische Angst vorm bösen Wolf ist genauso unangebracht wie eine falsche Verharmlosung und ein damit verbundener fahrlässiger Umgang mit dem Großraubtier“, bemerkt Bartmann. Die Jägerinnen und Jäger in Rheinland-Pfalz verurteilen illegale Abschüsse scharf und sehen in Raubtieren längst nicht mehr nur den Konkurrenten, sondern eine Bereicherung der Natur- und Artenvielfalt. „Wir sind sehr zufrieden, dass im Gegenzug unsere Forderung nach strafrechtlichen Konsequenzen für Versuche, Großraubwild illegal auszusetzen, im Wolfsmanagementplan aufgenommen wurde“, ist Bartmann erfreut. „Akzeptanz bei Bürgern und Jägerschaft erreichen wir nur, wenn u.a. dadurch klar wird, dass es sich beim Managementplan nicht um ein aktives Wiederansiedlungsprojekt für den Wolf in Rheinland-Pfalz handelt. 

Der LJV bezweifelt, ob das dichtbesiedelte, touristisch und durch zahlreiche Verkehrswege erschlossene Rheinland-Pfalz, in dem auch die extensive bäuerliche Viehhaltung noch eine große Rolle spielt, wirklich zur friedlichen, konfliktfreien Heimat von Wolfsrudeln werden kann. Angesichts der unbestrittenen Tatsache, dass der Straßenverkehr die größte Gefahr für den Wolf darstellt, fordert der LJV neue Initiativen für Wildbrücken und die Erhaltung von Wildtierkorridoren sowie ein mutigeres Eintreten gegen den ungebremsten Flächenverbrauch. „So könnten – neben dem Wolf – auch zahlreiche andere Arten erheblich profitieren“, erklärt Bartmann. 

Dramatische negative Auswirkungen auf die Jagdnutzung selbst befürchtet der LJV durch die ersten einwandernden Wölfe nicht. Ökologischen Träumereien erteilt Bartmann aber ebenso eine Absage: „Der Wolf ist in einer von Menschenhand beeinflussten Kulturlandschaft gewiss kein Wildtierregulator, der den Jäger in dieser wichtigen Aufgabe ersetzen kann.“ Sorgen bereiten dem LJV die Erhaltung der etablierten und durch Rechtsverordnung geschützten Wildschafbestände in Rheinland-Pfalz. Die Mufflons, ca. 3000 im Land, würden bevorzugt dem Wolf zum Opfer fallen. 

Jagdhundeführerinnen und -führer, die einen Jagdhund während des Einsatzes durch eine Wolfsattacke verlieren, werden mit 4.000 Euro für ihren Verlust entschädigt. „Das ist bundesweit die höchste Entschädigungssumme, die für durch Wölfe getötete Jagdhunde im Einsatz gezahlt wird“, betont LJV-Vizepräsident Bartmann. „Die Landesregierung hat unsere Forderung nach Anerkennung der wertvollen Arbeit, die von Jagdhundeführern und ihren Jagdhunden geleistet wird, in vollem Umfang umgesetzt.“

Eine wichtige Frage des LJV wird die Jagdpolitik noch beschäftigen müssen: Bringt der Wille zur ungehinderten Ausbreitung der Wölfe auch das freie Entfaltungsrecht und damit die Gleichbehandlung für Rot-, Dam- und Muffelwild, die derzeit nur in per Verordnung bestimmten Bereichen leben und außerhalb von diesen totgeschossen werden müssen?

„Es muss weiterhin einen offenen und ideologiefreien Dialog zum Konfliktmanagement in Sachen Wolf geben“, betont LJV-Vizepräsident Bartmann. 

Südlich von Lüneburg, in der Region Bienenbüttel, gelang am  7.Januar der Nachweis eines Wolfes mittels einer Fotofalle. Der örtliche Hegering meldete den Nachweis im Rahmen des Wolfsmonitoring an die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V.
In der Region wurden bereits im Oktober 2013 Nachweise von einem Wolf erbracht. Damals konnte mittels Speichelproben an Nutztierrissen ein Wolfsrüde aus einem Rudel aus Brandenburg genetisch nachgewiesen werden. Seitdem gab es keine weiteren Nachweise.
Mit dem nun entstandenen Foto kann erneut ein Wolf in der Region dokumentiert werden. Ob es sich um einen Durchzügler oder ein ortstreues Tier handelt, ist bislang offen. Um im Rahmen des Monitorings ein Tier als ortstreu zu bestätigen, sind mehrere Nachweise über einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr notwendig. Als Nachweise werden eindeutige Fotos oder  genetisches Material gewertet.
 
Aufgrund der angrenzenden Wolfsterritorien Munster und Rheinmetall gehört die Region Bienenbüttel sowie der gesamte Landkreis Uelzen zu der neuen „Förderkulisse Herdenschutz“. Diese Förderkulisse wurde am 26.11.2014 in Zusammenhang mit der Richtlinie Wolf vom niedersächsischen Umweltministerium veröffentlicht. Innerhalb dieser Förderkulisse haben berufsgenossenschaftspflichtige Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild die Möglichkeit, beim Land Zuschüsse für die Aufrüstung von Zäunen zu beantragen, um einen wolfsabweisenden Grundschutz  zu realisieren. 
Zuständig für die Anträge ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover. Hilfestellung bei der Antragstellung gibt auch die Landwirtschaftskammer.
 
Informationen zur Richtlinie Wolf finden Sie auf 
 
Aktuelle Informationen aus dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen finden Sie auf www.wildtiermanagement.com
 

Eckhard Fuhr – begeistert für Jagd und Natur gleichermaßen – versteht es in seinem neuen Buch „Rückkehr der Wölfe“ Fakten und Emotionen zwischen Akzeptanz und Vorbehalten für jeden Leser – mit und ohne Vorbildung –  anschaulich darzulegen.

Eckhard Fuhr – begeistert für Jagd und Natur gleichermaßen – versteht es in seinem neuen Buch „Rückkehr der Wölfe“ Fakten und Emotionen zwischen Akzeptanz und Vorbehalten für jeden Leser – mit und ohne Vorbildung –  anschaulich darzulegen. Ein spannendes, lesenswertes Buch.

Trotz unserer modernen, medienüberfüllten und scheinbar aufgeklärten Zeit ist das Thema „Wolf“ immer noch sehr gefühlsbeladen. Kaum ein anderes Tier in unseren Breiten wird so kontrovers diskutiert und ist mit ursprünglichen Ängsten und Vorurteilen behaftet.

Der Autor beginnt mit einem historischen Abriss zur Verfolgung des Wolfs in Mitteleuropa und beschreibt den zugrundeliegenden Zeitgeist vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Fuhr legt die Grundlagen zur Biologie des Wolfes verständlich dar, wenngleich die Aussage  „kann unter den Säugetieren nur der Wolf dem Menschen das Wasser reichen – oder umgekehrt“ in dieser Ausschließlichkeit nicht zutreffend ist. Der Rotfuchs, ein weiterer Vertreter der Familie der Hundeartigen, ist in seiner Biologie noch wesentlich flexibler, das zeigt beispielsweise die dauerhafte Besiedlung von Großstädten wie Berlin.

Das Kapitel „Rückkehr eines Superjägers“ widmet sich der Besiedlung Deutschlands durch den Wolf und liest sich trotz der eingehaltenen Chronologie bis zum Schluss spannend. Spätestens danach sollte jeder Leser verstanden haben, dass der Wolf nicht auf unberührte Naturlandschaften angewiesen ist, sondern durch den Reichtum an Schalenwild auch in unserer heutigen Kulturlandschaft gut leben kann.

Im weiteren Verlauf  widmet sich Fuhr einer Kernfrage der Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung. Er stellt neben einer älteren Studie von Petra Kaczensky (2006) wesentliche Ergebnisse der aktuellen WWF-Umfrage und die Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz vor. Bedauerlicherweise sind die letztgenannten sehr aufschlussreichen Studien nicht im Literaturverzeichnis enthalten.

In „Wölfe und Schafe“ wird das Konfliktpotenzial aus Sicht der Tierhalter anschaulich und differenziert dargestellt, nicht zuletzt auch durch den Blick über den Tellerrand nach Italien, Frankreich und die Schweiz.

Trotz der faktenbasierten Auseinandersetzung mit dem Wolf wird Fuhrs Buch nicht zu einem langweiligen oder nüchternen Lesestoff. Die spannenden Beschreibungen hautnaher Wolfsbegegnungen im Kapitel „Wolfsküsse: Wölfe und Frauen“ lassen den Leser die Faszination nachempfinden, die von diesem Tier ausgeht.

Eckhard Fuhr scheut sich nicht an verschiedenen Stellen seines Buches ein heißes Eisen anzupacken: Jagd und Wölfe.

Das Schlusskapitel regt jeden aufmerksamen Leser dazu an, sich über das Zusammenleben von Wildtieren und Menschen in der Kulturlandschaft Gedanken zu machen und unsere persönlichen, „natürlichen“ Wurzeln wieder zu entdecken.

Eckhard Fuhrs Buch „Rückkehr der Wölfe“ ist für jeden interessierten Leser und nicht zuletzt für Jäger zu empfehlen. Da alle Facetten dieses konfliktträchtigen Themas beleuchtet werden, ist diese Lektüre besonders gut geeignet, die Positionen „Wolfsgegner“ und „Wolfsbefürworter“ kritisch zu hinterfragen. Sie hilft dabei einen eigenen, mit fachlichen Argumenten unterlegten Standpunkt zu finden.

Land fördert besseren Schutz vor Wölfen - Schäfer unzufrieden

Mit einer neuen Förder- und Entschädigungspraxis will das Land bei den niedersächsischen Landwirten die Ablehnung und Angst vor Wölfen senken. Pro Jahr stünden zunächst insgesamt 100 000 Euro zur Verfügung, mit denen in erster Linie Schaf- und Ziegenhalter beim Kauf von Elektrozäunen und Schutzhunden finanziell unterstützt werden sollen. «Das ist ein wichtiger Schritt zur Akzeptanzförderung des vom Menschen in Deutschland ausgerotteten und nun zurückgekehrten Wolfes», sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Mittwoch in Hannover.

ama Mi., 2014-11-26 16:56

Einem Jäger ist es im Raum Fuhrberg gelungen, einen Rüden mit seiner Fähe zu filmen. Damit halten sich derzeit fünf Rudel und zwei Paare ortstreu in Niedersachsen auf.

Im Raum Fuhrberg im Landkreis Celle konnte durch Videoaufnahmen und genetische Proben ein weiteres Wolfspaar nachgewiesen werden. Bereits im März dieses Jahres waren anhand von Losungsproben ein Wolfsrüde aus dem Lehniner Rudel  (Brandenburg) und ein Wolf aus dem Rudel bei Munster (Niedersachsen) nachgewiesen worden. Nun gelangen einem Jäger vor Ort Filmaufnahmen von zwei Wölfen, einem Rüden und einer Fähe. Damit ist der Nachweis erbracht, dass sich in der Region ein Wolfspaar längerfristig aufhält. Einen Hinweis auf Reproduktion für dieses Jahr gibt es bei diesem Paar bislang nicht. Damit gibt es in Niedersachsen aktuell fünf Rudel und zwei Paare.

Regelmäßig werden seit März dieses Jahres auch Wolfsnachweise aus dem westlichen Niedersachsen aus der Nähe von Meppen und Nordhorn gemeldet. Nun erbrachten genetische Analysen den Befund, dass es sich hierbei um eine junge Wölfin handelt, welche aus dem Gartower Rudel im Wendland (Niedersachsen) stammt. Die Fähe konnte sowohl auf dem Schießplatz Meppen  als auch auf dem Gelände Nordhorn Range nachgewiesen werden. Damit scheint sich in dieser Region ein Einzeltier ortstreu aufzuhalten.

Bei der Wolfsfähe aus dem Territorium des Escheder Rudels (Niedersachsen) handelt es sich wahrscheinlich um ein Individuum aus dem Munsteraner Rudel. Für eine eindeutige Zuordnung war das genetische Signal der eingeschickten Probe allerdings nicht eindeutig genug. Weitere Losungsfunde könnten hier helfen, die Herkunft genau zu klären.  

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Niedersächsische Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.  beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als zuständiger Fachbehörde und den rund 100 ehrenamtlichen Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht oder gar fotografiert, sollte seinen Fund bei der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Dr. Britta Habbe oder dem örtlichen Wolfsberater melden.  

Weitere Informationen zu Wölfen in Niedersachsen sowie Kontaktadressen der zuständigen Stellen und Wolfsberater finden Sie unter: www.wildtiermanagement.com/wildtiere/haarwild/wolf/ Bei Interesse an dem Videomaterial aus dem Raum Fuhrberg im Landkreis Celle steht Herr Siemers (Kontakt: 05139 - 87580) gern zur Verfügung.

Landesjagdverband Brandenburg e.V. erstattet Strafanzeige gegen unbekannt

Am 4. Oktober wurde nahe der Ortschaft Cammer im Landkreis Potsdam- Mittelmark ein vermutlich durch Erntemaschinen verletzter Wolf aufgefunden. Die benachrichtigte Veterinärin diagnostizierte vor Ort schwerste Verletzungen am Bewegungsapparat und entschied, das Tier einzuschläfern. Der Kadaver wurde anschließend zur eingehenden Untersuchung ins Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin verbracht. Die Sektion des Wolfes, bei der Robert Frank, Wolfsbeauftragter und Präsidiumsmitglied des Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) anwesend war, ergab neben den äußeren Verletzungen eine ca. zwei Wochen alte Schusswunde an den Hinterläufen. Diese verhinderte aller Wahrscheinlichkeit nach eine erfolgreiche Flucht des Wolfes vor den herannahenden Erntemaschinen. 

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) verurteilt den aktuellen Beschuss eines Wolfes und erstattet Strafanzeige gegen unbekannt. Als Interessenvertretung der Brandenburger Jäger und anerkannte Naturschutzorganisation fordert der LJVB eine konsequente Strafverfolgung. „Ich bin tief enttäuscht, dass in unserem Bundesland schon wieder illegal auf einen Wolf geschossen wurde“,  erklärt Robert Franck, Präsidiumsmitglied des LJVB.  Bei dem aufgefundenen Wolf handelt sich um ein weibliches, vermutlich fünf Monate altes Tier, dessen genaue Herkunft noch nicht geklärt werden konnte.

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. unterstützt seit 2012 mit der Ausbildung von Wolfskundigen das  Monitoring der in Brandenburg lebenden Wölfe. Derzeit sind über 80 ehrenamtliche Wolfkundige im Einsatz, die entsprechenden Hinweisen nachgehen, um Erkenntnisse über den derzeitigen Wolfsbestand im Land Brandenburg zu gewinnen.

Seit 15 Jahren ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch. Seine Ausbreitung kann zwischenzeitlich als dynamisch bezeichnet werden. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Zoos, Wolfsgehegen oder Wildparks, in denen Wölfe gehalten werden. Hier kommt es regelmäßig auch zu Nachwuchs. Doch was geschieht eigentlich mit überzähligen Tieren, die aus Kapazitätsgründen nicht in der Einrichtung verbleiben können? Der DJV hat den Diplom-Biologen Eckhard Wiesenthal, Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbandes e.V., befragt.

Seit 15 Jahren ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch. Seine Ausbreitung kann zwischenzeitlich als dynamisch bezeichnet werden. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Zoos, Wolfsgehegen oder Wildparks, in denen Wölfe gehalten werden. Hier kommt es regelmäßig auch zu Nachwuchs. Doch was geschieht eigentlich mit überzähligen Tieren, die aus Kapazitätsgründen nicht in der Einrichtung verbleiben können? Der DJV hat den Diplom-Biologen Eckhard Wiesenthal, Vorsitzender des Deutschen Wildgehege-Verbandes e.V., befragt. 

DJV: Wie viele Zoos, Wolfsgehege oder Wildparks, in denen Wölfe gehalten werden, gibt es in Deutschland?  

Wiesenthal: Es gibt keine öffentlich bekannte und registrierte Zahl von Wolfshaltungen. In den Mitgliedsparks des DWV e.V. werden nach aktuellem Kenntnisstand in 35 Einrichtungen etwa 240 Wölfe gehalten. Eine Masterarbeit an der Universität Göttingen hat sich im Jahr 2013 mit dieser Frage befasst. In Mitgliedsparks des Verbandes Deutscher Zoodirektoren sind 17 und in denen der Deutschen Tierparkgesellschaft 9 Wolfshaltungen bekannt. In nicht organisierten Parks (etwa 300-400 Institutionen) ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, 10 Wolfshaltungen sind bekannt. Somit sind uns 71 Haltungen bekannt, in der o.g. Masterarbeit fanden 64 Beachtung.   

Sind diese zentral erfasst, wenn ja, wo?  

Nein, es gibt keine zentrale Erfassungsstelle. Lediglich auf kommunaler Ebene werden die Haltungen erfasst und ständig kontrolliert (Veterinäramt, Naturschutzbehörde, in der Regel die Untere Naturschutzbehörde (UNB)). 

Dipl. Biologe Eckhard WiesenthalWie viele Wölfe (adulte Tiere) werden bundesweit gehalten (getrennt nach Zoos, Wolfsgehege oder Wildparks)?  

Die Individuenzahlen sind nicht institutionell eindeutig erfasst. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Rudelstärken in Wildparks stets größer sind als in Zoos oder privaten Wolfshaltungen. Ich würde davon ausgehen, dass in den Wildparks im Mittel nahezu 7 Wölfe gehalten werden, in den weiteren Einrichtungen vielleicht etwas weniger. 

Wie ist die derzeitige gesetzliche Regelung über die Haltung von Wölfen in derartigen Einrichtungen? 

Rechtlich regelt das BNatSchG im §42 oder §43 die Haltung von öffentlich zugänglichen Zoos und Tierfreigehegen. Private Wildtierhaltungen sind wie auch die Tierfreigehege (n. §43 BNatSchG) und Zoos (nach §42) zusätzlich i.d.R. über das TierSchG rechtlich geregelt.   

Ist die genetische Herkunft der Tiere bestimmt und dokumentiert?  

Leider noch nicht. Der DWV beabsichtigt allerdings nach der o.g. Masterarbeit diese Thematik für Wölfe, Bären und Luchse als Verbandsprojekt zu entwickeln.

Wie ist die derzeitige gesetzliche Regelung über die Kennzeichnung der Tiere?  

Es gibt unterschiedliche Regelungen. Allerdings ist die Kennzeichnungspflicht nach §12 BArtSchVO vorgeschrieben, wenn es sich bei der Tierhaltung um besonders geschützte Arten handelt. Sie wird auch seitens der zuständigen Veterinärämter gefordert. Bei Wölfen ist nur noch der Mikrochip (Transponder) das Mittel der Wahl. 

Gilt dies auch für den Nachwuchs?  

Natürlich, wobei der Implantationszeitpunkt aus Tierschutzgründen abhängig ist von Rudelgröße und individuellem Verhalten der Alt- und Jungwölfe sowie der Gehegebeschaffenheit.

Wie wird darüber Buch geführt?  

Im Fall der Wölfe ist, wie bei allen besonders geschützten Arten ein sog. Artenschutzbuch zu führen. In diesem muss jedes Tier mit lfd. Nummer aktuell eingetragen sein. Die Überprüfung durch die zuständigen Behörden kann spontan erfolgen. Das Artenschutzbuch muss ferner zu regelmäßigen Terminen (i.d.R. 31. März und 30. September, kann auch monatlich oder vierteljährlich gefordert sein) der zuständigen Behörde vorgelegt werden. Ein unzureichend geführtes Buch wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. 

Sicherlich kann nicht immer der gesamte Nachwuchs im Tiergehege verbleiben. Welche Möglichkeiten bestehen, überzählige Tiere abzugeben?  

Aktuell werden unterschiedliche Praktiken verwendet. Wenn die Möglichkeit besteht, dass neue Rudel gegründet werden sollen, werden Individuen aus bestehenden Rudeln herausgenommen und in neue Gruppen integriert (dies ist nur möglich, wenn es sich bei gleichgeschlechtlichen Tieren um Geschwister oder bei den abzugebenden Tieren um Handaufzuchten handelt). Praktiziert werden die Geschlechtertrennung, die hormonelle oder Antikörper- Kontrazeption, die Kastration, die Sterilisation oder eine Selbstüberlassung bei besonders großen Rudeln ab ca. 15 Tieren, wobei in der Regel extrem wenige Welpen aufgezogen werden oder schwache Alttiere von Artgenossen getötet werden. Diese selbst kontrollierenden Maßnahmen werden übrigens im Freiland (Sachsen) als Normalverhalten (vermutlich die Haupttodesursache freilebender Tiere) unter Wölfen beschrieben. 

Wie wird dies dokumentiert? Ist dies für Jedermann nachvollziehbar?

Neben einem Tierbestandsbuch (s.o.) werden heute in speziellen EDV-Programmen Eintragungen zum Tierbestand vorgenommen. Dazu werden von den betreuenden Personen Tages- oder Wochenberichte gefordert, die alle besonderen Vorkommnisse im Tierbestand dokumentieren. Derzeit wird von der EG eine „Guidance“ erarbeitet, die diese Verpflichtung noch verstärken will. 

Werden Wölfe in Deutschland auch auf Tierbörsen angeboten?  

Das kommt vor. Allerdings mit kaum messbarem Erfolg. 

Gibt es ggf. eine rechtliche Grauzone?  

In welcher Hinsicht? Die persönlichen Kontrollen durch die zuständigen Behörden haben sich im Laufe der letzten circa 10 Jahre deutlich verschärft. Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit insbesondere bei den Wölfen ist enorm hoch. Nachwuchs ist – spätestens wenn er aus dem Bau kommt – nicht mehr zu vertuschen. 

Könnte es zu Aussetzungen von Wölfen kommen, die unbemerkt blieben?  

Theoretisch könnte man auf den Gedanken kommen. Praktisch ist dies ganz klar mit NEIN zu beantworten. Wer sich schon einmal bemühte, Wölfe per Narkose aus einem Rudel zu entnehmen, wird feststellen, wie mühselig und zeitaufwendig es ist. Zudem ist es stets mit der Gefahr verbunden, dass andere Rudelmitglieder auch Einfriedungen mit mehr als 350 cm Höhe unter Stress überwinden können. Persönlich kenne ich keine Einrichtung mehr, die ihre Wölfe in geschlossenen Käfigen hält, so dass immer von dieser Gefahr auszugehen ist. Ein letzter solcher bekannter Fall war die Wölfin „Bärbel“ im Jahre 2002, die aus einem Tierpark in Sachsen ausgebrochen ist. Da sie gechipt war, konnte sie auch nach Abschuss noch identifiziert werden. 

Ein Wolf, der sein angestammtes Gehege eigenständig verlassen könnte, wird immer – zumindest in den ersten Wochen - im Umfeld des Parks und des Rudels bleiben. Ein derartiges Problem wird ein Tiergarten nicht unbemerkt lösen können, dies aber kurzfristig lösen müssen. 

Die Aussetzung von Wölfen würde – vorausgesetzt die Wölfe überleben die Aussetzung - in kürzester Zeit bekannt werden. Eine Recherche auch mit genetischer Prüfung würde auf die überschaubare Zahl der Wolfshalter zukommen, so dass zumindest die verbandsorganisierten Einrichtungen von solchen Praktiken auszuschließen sind. Nicht organisierten Einrichtungen werden in der Regel noch stärker durch die zuständigen Behörden kontrolliert. Innerhalb Deutschlands werden im DWV e.V. mit Abstand die meisten Wölfe gehalten. Zudem sind die meisten Wildparkbetreiber selbst Jäger und Mitglieder in Landesjägerschaften (allein im Vorstand sind fünf von sechs Mitgliedern Jagdscheininhaber). Ein Aussetzen von Tieren, die nicht explizit jagdrechtlich genehmigt werden, verbietet sich von selbst.

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