Der Wolf breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus. Inzwischen gebe es ein fünftes Rudel, das im Raum Eschede (Kreis Celle) beheimatet sei, teilte die Landesjägerschaft am Dienstag mit.

Der Wolf breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus. Inzwischen gebe es ein fünftes Rudel, das im Raum Eschede (Kreis Celle) beheimatet sei, teilte die Landesjägerschaft am Dienstag mit. Ein Wolfspaar habe dort in diesem Frühjahr nachweislich zumindest ein Junges bekommen, sagte die Wolfsbeauftragte der Jägerschaft, Britta Habbe. Das Jungtier sei in eine Fotofalle getappt. Vermutlich habe das Tier noch Geschwister.

Sicher nachgewiesen seien damit in diesem Jahr landesweit 20 neugeborene Wölfe, sagte Habbe. Die bei Munster (Heidekreis) und bei Gartow im Wendland lebenden Rudel haben sechs beziehungsweise sieben Junge, die Rudel bei Bergen und Unterlüß (beide Landkreis Celle) jeweils drei. Im vergangenen Jahr waren nach Habbes Angaben in Niedersachsen 13 Wolfswelpen zur Welt gekommen.

Insgesamt leben nach einer Zählung der Landesjägerschaft in Niedersachsen derzeit mindestens 32 Wölfe. Zu den fünf Rudeln, zu denen zumindest jeweils die Elterntiere und die in diesem Jahr geborenen Jungen gehören, komme noch ein Wolfspaar im Kreis Cuxhaven hinzu, sagte Habbe. Wie viele der Jungtiere aus dem vergangenen Jahr sich noch bei ihren Rudeln aufhalten, sei unklar

Neue Wolfsplattform: Im Interview spricht der DJV mit dem Wissenschaftler Ulrich Wotschikowsky über seine neue Internetseite und seine Erkenntnisse zum Wolf in Deutschland

Braucht der Wolf in Deutschland ein Forum im Internet? Ulrich Wotschikowsky meint: Ja!  Der Forstwirt, Wissenschaftler und Journalist bündelt auf seiner kürzlich online gegangenen Internetseite „Wolfsite – Forum Isegrim“ aktuelle Meldungen, Fachwissen und räumt gleichzeitig mit Mythen auf. Hinter www.woelfeindeutschland.de verbirgt sich ein Blog – also ein online geführtes Tagebuch – auf dem der Betreiber (der sog. „Blogger“) Meldungen protokolliert und eigene Gedanken festhält. Im Interview mit dem DJV spricht Wotschikowsky über seinen Antrieb für diese Seite und wie er die Lage des Wolfes in Deutschland einschätzt.

DJV: Soeben wurde die Seite woelfeindeutschland.de freigeschaltet. Was hat Sie dazu bewogen, diese zu entwerfen? Und was ist das Besondere an diesem Internet-Auftritt?

Ulrich Wotschikowsky: Was wir über Wölfe zu lesen bekommen, ist entweder mit Vorurteilen beladen oder naiv wolfsfreundlich. Die kritische, sachkundige Mitte kommt kaum vor. Außerdem fehlt es auf beiden Seiten an Verständnis und Toleranz für die Sichtweise des jeweils anderen. Wölfe haben es nicht verdient, dass sie verhätschelt oder verteufelt werden. „Wolfsite“ (www.woelfeindeutschland.de) sucht die Mitte und steht für Sachkunde, Aktualität und Offenheit.

Wann ist Ihrer Meinung nach der für den Wolf in der FFH-Richtlinie geforderte günstige Erhaltungszustand in Deutschland erreicht? Oder müssen wir Populationen vielleicht grenzübergreifend betrachten?

Wir denken in Populationen, in unserem Fall also an die deutsch-westpolnische Flachlandpopulation, die beiderseits der Grenze zu Hause ist. Nach den Vorstellungen der EU ist der günstige Erhaltungszustand einer Population mit 1.000 erwachsenen Tieren erreicht. Nach meiner eigenen Schätzung haben wir zwei Drittel dieser erwachsenen in Rudeln (Elterntiere) und ein Drittel in territorialen Paaren oder als Einzelwölfe. Das ergibt für 1.000 erwachsene etwa 333 Rudel, macht 666 Tiere, plus 333 weitere, die als Einzelwölfe und in territorialen Paaren leben. Diese Aufteilung zeigt sich ungefähr in den Monitoringergebnissen: ebenso viele einzelne Wölfe wie Rudel. Wenn sich ein Rudel aus zwei erwachsenen, vier Welpen und zwei Jährlingen zusammensetzt, kommen wir auf etwa 3.000 Wölfe insgesamt. Wenn sich die Wölfe fifty-fifty auf beide Länder verteilen, wären das also etwa 166 Rudel oder 1.500 Tiere in Deutschland. 

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland ein?

Die Wölfe treffen bei ihrer Ausbreitung nach Westen und Süden auf ein zunehmend dichteres Straßennetz und eine dichtere Besiedelung. Damit werden Verkehrsverluste überproportional zunehmen. Die ungestörte Welpenaufzucht könnte ebenfalls schwieriger werden. Und auch die Jägerdichte ist im Westen und Süden höher. Das bedeutet für die Wölfe eine höhere Begegnungswahrscheinlichkeit mit Jägern, die Wölfe nicht dulden. All das zusammen genommen wird die Zunahme und Ausbreitung der Wölfe verzögern. Trotzdem – es werden mehr.

Wir leben in einer vom Menschen stark geprägten Kulturlandschaft. Was charakterisiert Ihrer Meinung nach eine „verträgliche Wolfsdichte“?

Wir werden niemals eine Wolfsdichte haben, die für alle Interessensgruppen „verträglich“ ist. Für manche ist ein einziger Wolf schon zu viel, andere können gar nicht genug Wölfe haben. „Verträglich“ wäre also der größtmögliche Konsens zwischen allen Gruppen. Für diesen Konsens müssen alle – wirklich alle – Zugeständnisse machen. Mit Zahlen lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Über das konfliktfreie Zusammenleben mit dem Wolf gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Diese reichen von ungehinderter Ausbreitung über Zonierung in Wolfsgebiete und wolfsfreie Areale sowie Welpenfang bis hin zur Regulierung durch Abschuss. Wie stehen Sie dazu?

Abgesehen davon, dass die Rechtslage derzeit alle Eingriffe zur Populationssteuerung der Wölfe ausschließt: Ich sehe keinen Grund, warum wir die Ausbreitung der Wölfe hindern sollten. Für eine Ausweisung von „wolfsfreien“ Gebieten kann ich mich ebenfalls nicht erwärmen. Welche Gebiete soll man denn wolfsfrei halten, und welchen soll man andererseits die „Bürde“ von Wölfen auferlegen? Das wäre genauso fragwürdig wie die Rotwildgebietsregelung in einigen Bundesländern. Eher kann ich mir vorstellen, dass man in einem bestimmten Gebiet die Dichte senken möchte. Auch das muss man aber erstmal begründen. Dichteabsenkung hilft den Weidetierhaltern nicht, allenfalls den Jägern. Aber bei den gegenwärtigen Schalenwilddichten begibt man sich da auf dünnes Eis.

Bejagung kann leicht die Zerstörung von Rudelstrukturen zur Folge haben, nämlich wenn man die Elterntiere schießt. Damit schafft man Raum für zuwandernde Wölfe. Man würde also den Druck auf die Schalenwildbestände gar nicht mindern, vielleicht sogar erhöhen, weil Einzelwölfe ihre Beute nicht so effizient nutzen wie Rudel. Zudem verlangt die EU ausdrücklich, dass Eingriffe in FFH-Arten „selektiv“ erfolgen müssen. Das ist bei Wölfen nur im Sommer möglich: man könnte Welpen eliminieren, z. B. an der Wurfhöhle – wenn man die kennt. Es wäre eine tierschutzgerechte und effiziente Methode. Denn damit bliebe das Elternpaar erhalten, und das hält sein Territorium von zuwandernden Wölfen frei. Im Yukon ist das nachgewiesen worden. Auf diese Weise könnte in einem Gebiet von der Größe eines Rudelterritoriums (rund 250 km²) die Wolfsdichte beträchtlich gesenkt werden. Die Jägerschaft wird vom Welpen fangen allerdings nicht begeistert sein. Eine selektive Bejagung im Winterhalbjahr, wie sich viele das vorstellen, ist nicht möglich; denn schon ab Oktober lässt sich ein Welpe unter jagdlichen Bedingungen nicht von einem Altwolf unterscheiden. Porträt Ulrich Wotschikowsky

Zur Person: Ulrich Wotschikowsky, Jahrgang 1940, hat Forstwissenschaft studiert. Er war vier Jahre lang im Nationalpark Bayerischer Wald für das Schalenwildmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 17 Jahre war er Projektleiter bei der Wildbiologischen Gesellschaft München, hat zehn Jahre Freilandforschung an Rehen betrieben, zwei Monate in einem Wolfsforschungsprojekt im Yukon (USA) mitgearbeitet, ein Leitbild für das Rotwildmanagement in Deutschland entwickelt, das Buch „Wolves in the Yukon“ von Bob Hayes in Deutschland produziert und ins Deutsche übersetzt, eine Recherche zum Eingriff der Wölfe in den Wildbestand von Sachsen durchgeführt, bei den Wolfmanagementplänen von Sachsen, Brandenburg und Bayern mitgearbeitet und ist Mitglied in der Large Carnivore Initiative for Europe. Seit mehr als 50 Jahren ist er Jäger und Hundeführer (Wachtel).

Landesjagdverband verurteilt die Tat

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. (LJVB) bedauert die aktuelle illegale Wolfstötung bei Lieberose und verurteilt diese Straftat. Als Interessenvertretung der Brandenburger Jäger und anerkannte Naturschutzorganisation fordert der LJVB eine konsequente Strafverfolgung.

„Die Tatsache, dass der Wolf enthauptet so abgelegt wurde, dass man ihn gut finden konnte, zeugt davon, dass da jemand am Werk war, der die Öffentlichkeit provozieren möchte. Wir hoffen, dass am Ende dieser Provokation eine rechtskräftige Verurteilung des Straftäters steht.“, erklärt Robert Franck, Präsidiumsmitglied des LJVB.

Der LJVB unterstützt seit 2012 mit der Ausbildung von Wolfskundigen das Monitoring der in Brandenburg lebenden Wölfe. Derzeit sind über 80 ehrenamtliche Wolfskundige im Einsatz, die entsprechenden Hinweisen nachgehen, um Erkenntnisse über den derzeitigen Wolfsbestand im Land Brandenburg zu gewinnen.

Am 7. August wurde an der B 168 südlich von Lieberose auf der Fläche der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg ein erschossener Wolf ohne Kopf aufgefunden. Der Wolfskadaver wurde am 7. August von einem Radfahrer entdeckt, der die Oberförsterei Lieberose informierte. Mitarbeiter des Landesumweltamtes und der Oberförsterei bargen das tote Tier und überstellten es zur Untersuchung an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Die anschließende Untersuchung ergab eine Schussverletzung als Todesursache. Das Abtrennen des Hauptes war den Untersuchungsergebnissen zufolge nach dem Tod des Tieres erfolgt. Es handelt sich um ein männliches, vermutlich 2-3 Jahre altes Tier, dessen genaue Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Die Fläche, auf der der Kadaver gefunden wurde, liegt im Naturschutzgebiet und gehört der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Seit 2009 sind in dem Gebiet wieder Wölfe heimisch.

Wildkamera liefert Beweis

Erstmals wurden in Mecklenburg-Vorpommern Junge geboren. Auf einem Waldweg in der Lübtheener Heide südlich von Hagenow sind fünf Wolfswelpen entdeckt worden. Eine automatische Wildkamera, die die Umweltschutzorganisation WWF installiert hatte, habe die Jungtiere abgelichtet, teilte das Agrar- und Umweltministerium am Montag in Schwerin mit. Fachleute gingen zudem davon aus, dass auch das in der Ueckermünder Heide im Osten des Landes sesshaft gewordene Wolfspaar Junge hat. Darauf deute ein deutlich vergrößertes Gesäuge der Fähe.

Die Entdeckung kam für Marcus Rudolf alles andere als überraschend. Der Wolfs-Beauftragte des Naturschutzbundes Mecklenburg-Vorpommern (NABU) hatte bei seinen Streifzügen durch die Lübtheener Heide zuletzt nur noch die großen Pfotenabdrücke des Wolfsrüden gefunden. „Das konnte nur bedeuten, dass sich die Fähe im Bau um den Nachwuchs kümmert“, sagte Rudolf am Montag in Schwerin. Kurz zuvor war seine Vermutung zur Gewissheit geworden: Auf einem Waldweg in dem Heidegebiet südlich Hagenows waren insgesamt fünf Welpen in die automatische Foto-Falle gegangen. Diese brachte den Nachweis, dass nach rund 200 Jahren erstmals wieder Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurden.

Und es ist offenbar nicht der einzige Wolfsnachwuchs im Nordosten. Wie das Agrar- und Umweltministerium in Schwerin weiter mitteilte, gehen Fachleute davon aus, dass auch das in der Ueckermünder Heide im Osten des Landes sesshaft gewordene Wolfspaar Junge hat. Darauf deute ein deutlich vergrößertes Gesäuge der dortigen Fähe, die ebenfalls beobachtet worden war. In den beiden weitgehend menschenleeren Heidegebieten an der Elbe und südlich des Stettiner Haffs hatten schon vor etwa acht Jahren Wolfsrüden neue Reviere gefunden. Nachdem sich im Vorjahr und im Winter Partnerinnen zu ihnen gesellten, war Nachwuchs absehbar.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) wertete die Wiederansiedlung des Wolfs als Erfolg im Bemühen um eine möglichst große Artenvielfalt. „Wir sind hier auf dem richtigen Weg und müssen nun dafür sorgen, dass unsere neuen, ‘alten’ Bewohner hier dauerhaft heimisch werden können“, erklärte Backhaus. Das ist nicht immer konfliktfrei.

Tierhalter hatten sich immer wieder kritisch zu Wort gemeldet, nachdem Wölfe Schafe gerissen hatten. Erst im Mai waren auf der kleinen Ostsee-Insel Koos nördlich von Greifswald elf tote Schafe gefunden worden. Eine Gen-Analyse bestätigte inzwischen, dass ein Wolf die Tiere riss. Die Landesregierung hatte auf solche Vorfälle mit einem Entschädigungsprogramm und finanziellen Hilfen zum besseren Schutz vor Wolfsangriffen reagiert. Seit 2010 regelt ein Managementplan den Umgang mit dem Raubtier.

Für Rudolf muss der Wolfs-Zuwachs nun nicht zwangsläufig zu mehr Konflikten mit Tierhaltern führen. „Nach den ersten Fällen mit gerissenen Tieren haben sich die Schäfer in der Region Lübtheen auf die neue Situation eingestellt. Sie haben sich mit Hilfe des Landes sichere Zäune zugelegt und Hunde angeschafft, die Wölfe auf Abstand halten. Das scheint zu wirken“, meint der Umweltschützer. Denn neue Angriffe auf Schafe habe es seit Jahren dort nicht mehr gegeben.

Der Landesjägerverband fordert hingegen verbindliche Festlegungen für Wolfsbestände. „Wölfe werden uns bald viel massiver heimsuchen, als es bisher der Fall ist“, warnte Verbandspräsident Volker Böhning schon. Seit 1990 steht der Wolf EU-weit unter Schutz.

Die Wölfe waren in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten von Osten her aus Polen wieder nach Deutschland eingewandert und hatten zuerst in Brandenburg und Sachsen neue Reviere erobert. Im Vorjahr waren aber auch in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen neue Rudel beobachtet worden und nun in Mecklenburg-Vorpommern.

Wolfsexperte Rudolf geht davon aus, dass in diesen fünf Bundesländern inzwischen rund 30 Rudel leben. Bei einer bundesweiten Bestandsaufnahme im April seien 25 Wolfsfamilien registriert worden, dazu noch zahlreiche Einzeltiere auch in anderen Regionen. In etwa zwei Jahren dürften sich dann auch die Jungtiere aus der Lübtheener Heide auf die Suche nach neuen, eigenen Revieren machen, so Rudolf.

Möglichst genaue Erkenntnisse über die deutschen Wolfsvorkommen und deren Populationsentwicklungen sind nach Angaben des WWF Voraussetzung für „ein optimiertes Management“ und eine erfolgreiche Konfliktvermeidung. Deshalb gehe es darum, die Zahl der Welpen und deren Aufenthaltsbereiche genau zu ermitteln. Dazu würden weitere Fotofallen aufgestellt und regelmäßig Spuren gesucht. Und dabei trifft NABU-Wolfsexperte Rudolf bestimmt auch bald wieder auf die Fährte der Wölfin in der Lübtheener Heide mit ihren fünf Jungen.

Gewinner der niedersächsischen Bildungsinitiative gekürt

Wölfe als Nachbarn!?, so lautet der Titel des Ideenwettbewerbes, dessen Gewinnerprojekte heute durch Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heilgenstadt, Schirmherrin des Wettbewerbes ausgezeichnet wurden. Im Rahmen einer gleichnamigen Fachtagung an der Leuphana Universität, endet damit die offizielle Projektlaufzeit der landesweiten Bildungsinitiative „Wölfen auf der Spur“ der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) in Kooperation mit dem SCHUBZ Umweltbildungszentrum und finanzieller Förderung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Neben den Gewinnerklassen und –gruppen erhielt auch die Initiative selbst zum zweiten Mal eine UN-Dekade Auszeichnung.

„Als erstes Fazit unserer Bildungsinitiative können wir festhalten, dass die Beteiligung unsere Erwartungen noch übertroffen hat: Über 3.500 Kinder und Jugendliche haben bis dato an dem Projekt teilgenommen. Diese Resonanz zeigt auch, wie hoch der Bedarf an sachlich ausgewogenen Informations- und Bildungsangeboten zu diesem Thema ist", so Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. Dass die Initiative „Wölfen auf der Spur“ diesen Anforderungen gerecht werde, belegten nicht zuletzt die beiden UN-Dekade Auszeichnungen für die Initiative.

„Als Schirmherrin des Ideenwettbewerbes freut es mich besonders, dass ein großer Teil der an der Bildungsinitiative beteiligten Klassen, die entwickelten Projekte in der Schule weiter fortgeführt und kreative Wettbewerbsbeiträge eingereicht haben. Die vielen ausgebildeten kleinen Wolfsexperten und Junior-Wolfsberater haben zukunftsweisende Ideen zur Einbindung der Öffentlichkeit entwickelt und werden diese am heutigen Tag der Öffentlichkeit präsentieren. Das entspricht genau dem Ansatz einer Bildung für Nachhaltigen Entwicklung (BNE), Gelerntes nicht nur für sich zu behalten, sondern eigene Erkenntnisse zu aktuellen Themen an andere weiter zu geben.“ so Frauke Heiligenstadt, Niedersächsische Kultusministerin, anlässlich der Abschlussveranstaltung.

Jeweils die drei überzeugendsten Projekte des Ideenwettbewerbes erhielten in den drei Kategorien KiTa/Förderschule, Grundschule und Sekundarstufe I, aus den Händen der Kultusministerin ihre Urkunden und Preise. „Wir sind von der Qualität und der Vielfalt begeistert“, schwärmt auch SCHUBZ-Leiter Frank Corleis über die eingereichten Projektideen. „Von der Wolfs-App bis zum Schattentheater, vom Brettspiel bis zum Spielfilm, ist alles dabei.“
Bedingungen für die Teilnahme am Ideenwettbewerb: Die Ideen mussten von den SchülerInnen bzw. Kitakindern selbst entwickelt werden und teilnehmen konnte nur, wer sich zuvor im Rahmen der Initiative Wissen zum Wolf angeeignet hatte. Die Jugendlichen und Kinder mussten zudem auf größte Objektivität beim Thema achten und eine möglichst breite Einbeziehung vom Umfeld der Schule oder der KiTa Wert legen.

Von dem Erfolg der Bildungsangebote, die im Rahmen der Initiative „Wölfen auf der Spur“ entwickelt wurden, sind LJN und SCHUBZ überzeugt, dies belege auch die Begleitforschung zum Projekt durch die Leuphana Universität: „Es konnte empirisch nachgewiesen werden, dass das Projekt seinem Ziel, der sachlichen Begegnung mit dem Thema Rückkehr der Wölfe im Unterricht, absolut gerecht geworden ist – die TeilnehmerInnen waren aufgrund des erworbenen, aktuellen Faktenwissens in der Lage, eigene Positionen entwickeln zu können“, so Corleis. Die entwickelten Bildungsmaterialien und -angebote würden auch weiterhin über die kooperierenden regionalen Umweltbildungszentren für Schulen und KiTas in Niedersachsen zur Verfügung stehen.

Auch die Initiative selbst wurde prämiert. Nachdem „Wölfen auf der Spur“ im August 2013 bereits als UN-Dekade Projekt Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet wurde, nahm heute, stellvertretend für die UN-Dekade-Geschäftsstelle, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, die
Auszeichnung der Initiative als „UN-Dekade Projekt für Biologische Vielfalt“ vor und bedankte sich in diesem Zusammenhang bei Landesjägerschaft und SCHUBZ: „Mit dem vorbildlichen Projekt setzt die Bildungsinitiative ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland.“

Viele der eingereichten Wettbewerbsideen wurden heute während der Abschlussveranstaltung auf einem `Markt der Möglichkeiten` den Besuchern präsentiert. Am Nachmittag diskutierten ausgewiesene Bildungsexperten im Rahmen von Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion darüber, wie das Thema Wolf-Mensch in der Bildungsarbeit aufgegriffen und umgesetzt werden kann. Aus den insgesamt 21 eingereichten Projektideen entschied sich eine Fachjury bestehend aus Vertretern des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Niedersächsischen Umweltministeriums, des Studienseminars Lüneburg sowie der Jägerschaft Lüneburg e.V. für
folgende Gewinnerprojekte:

Gewinner der niedersächsischen Bildungsinitiative "Wölfen auf de Spur"

Welpen in der niedersächsischen Göhrde

Auf dem Gelände der Rheinmetall AG in der Lüneburger Heide wurden drei Wolfswelpen fotografiert: „Damit ist in Niedersachsen nun das vierte Wolfsrudel bestätigt“, so Dr. Britta Habbe Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Im Rahmen des Monitorings wurden seit gut einem Jahr einzelne Nachweise von einem Wolf in der Region erbracht. Zudem gab es dort Sichtungen von zwei Tieren, welche aber im Monitoring nicht als sichere Nachweise gewertet werden können. Unklar war auch bislang, ob sich das Territorium des Munsteraner
Rudels bis hierhin erstreckte. Nun zeigt der Reproduktionsnachweis aber, dass sich im Landkreis Uelzen ein Territorium etabliert hat. Ob es sich bei einem bei einem Elterntiere um einen Nachfahren aus dem Munsteraner Rudel handelt ist noch offen.

„Neben diesem neuen Rudel, gibt es von den drei in Niedersachsen bekannten Rudeln bei Munster, Bergen und Gartow bislang nur beim Bergener Rudel einen gesicherten Nachweis auf Reproduktion in diesem Jahr – bei den anderen Rudeln steht der Nachweis für Nachwuchs noch aus“ so Habbe weiter. In dem Territorium des in diesem Frühjahr bestätigten Wolfspaares bei Eschede gibt es noch keinen Hinweis auf Reproduktion.

Einen neuen Einzelnachweis gibt es auch aus der Göhrde: Wie in der vergangenen Woche im Landkreis Cuxhaven sind nun auch hier Filmaufnahmen von einem zweiten Wolf entstanden. Konnte im Mai eine markierende Fähe mittels Wildkamera fotografiert werden, gelangen nun einem Jäger Filmaufnahmen von einem jungen Wolfsrüden.

Sowohl im Landkreis Cuxhaven als auch in der Göhrde besteht daher die Vermutung, dass sich hier jeweils ein Wolfspaar etablieren könnte. Nachweise von beiden Tieren gemeinsam stehen aber in beiden Regionen noch aus. Im Rahmen des Monitorings wird dies weiter untersucht werden.

Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenund Naturschutz) und den rund 50 Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem örtlichen Wolfsberater oder der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Dr. Britta Habbe melden.

Jäger verurteilen illegalen Wolfsabschuss

Laut Pressemitteilung des Wolfsbüro Lupus wurde am Sonntag, den 13.Juli 2014, an der Straße zwischen Halbendorf/Spree und Lömischau im Landkreis Bautzen ein junger weiblicher Wolf tot aufgefunden. Der Verdacht, dass dieser Wolf mit einer Schusswaffe getötet wurde, konnte durch Untersuchungen des Leibnitz Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) bestätigt werden.

ama Di., 2014-07-15 12:56

Großraubsäuger wie Bär, Wolf oder Luchs, die im 18. und 19. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa bis auf wenige Restvorkommen ausgerottet wurden, kehren wieder in ihre einstigen Lebensräume zurück.

Übereinstimmend mit internationalen Konventionen (Berner Konvention, Konvention zur Biologischen Vielfalt), FFH-Richtlinie sowie der nationalen Gesetzgebung, begleitet die Jägerschaft die natürliche Zuwanderung intensiv. Als ehemals heimische Arten tragen sie zur Bereicherung der Artenvielfalt in Deutschland bei. Ihre Wiederausbreitung ist nicht zuletzt ein Resultat der Schutzbemühungen auf nationaler und internationaler Ebene. Der DJV unterstützt zusammen mit anderen Naturschutzverbänden die notwendige Begleitforschung, zu der neben Bestandsmonitoring oder genetischen Untersuchungen auch die Sicherung von potentiellen Lebensräumen und Wanderkorridoren gehört.

Die Interessen der Landnutzer, Jäger und der ländlichen Bevölkerung in den betroffenen Gebieten müssen jedoch angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist Voraussetzung, dass die Bevölkerung bereit ist, Nutzungsausfälle und Eigentumseinschränkungen unentgeltlich hinzunehmen sowie eine Beeinträchtigung oder den Verlust etablierter, freilebender Arten zu akzeptieren.

Rückkehrer Wolf

Vor über 100 Jahren ausgerottet, ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch geworden. Seit Ende der 1990er Jahre besiedelt er ausgehend von der Lausitz nach und nach wieder geeignete Lebensräume. Die Populationsentwicklung verläuft dabei sehr dynamisch, über 26 Rudel sind aktuell deutschlandweit bekannt, hinzukommen weitere Paare und eine unbestimmte Anzahl von Einzeltieren. Die Anzahl der Welpen gehen nicht in die Statistik ein, insgesamt geht man jedoch von etwa 300 Wölfen in Deutschland aus. Im grenznahen Raum besteht ein intensiver wechselseitiger Austausch mit den polnischen Wölfen.

 

 

Kein Tier polarisiert derart wie der Wolf! Dies ist historisch bedingt. Letztlich muss uns aber ein Zusammenleben mit dem Wolf gelingen. Er genießt in weiten Teilen Europas den höchsten Schutzstatus, so auch in Deutschland. Dennoch wird die weitere Ausbreitung des Wolfes auch hier nicht ohne Konflikte verlaufen.

„Willkommen ohne Wenn und Aber?“

Um die Diskussion über die Ausbreitung des Wolfes weiter zu versachlichen, aber auch um Antworten auf Fragen der Jägerschaft zu erhalten, hatte der DJV am 21. März 2014 in Berlin unter dem Titel „Rückkehrer Wolf – Willkommen ohne Wenn und Aber?“ eine Fachtagung organisiert. Ziel war der Erfahrungsaustausch der verschiedenen Interessengruppierungen. Bereits bestehende oder sich abzeichnende Konflikte im Zusammenleben mit Wölfen sollten klar benannt und auch Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Eingeladen waren sowohl Vertreter des Naturschutzes, der Jagd und weiterer Nutzergruppen als auch Wissenschaftler, Behördenvertreter und Politiker. Gut 280 Teilnehmer waren der Einladung des DJV gefolgt, 14 Referenten sorgten für ein interessantes und abwechslungsreiches Tagungs-programm. Den Abschluss bildete eine Podiumsveranstaltung, die im Wesentlichen von den Fragen der Tagungsteilnehmer lebte.

Der DJV rief dazu auf, ein einheitliches Wolfsmanagement für Deutschland unter stärkerer Koordination auf Bundesebene zu bestimmen. Dieser nationale Wolf-Managementplan müsse sich an internationalen Vorgaben orientieren und dabei die berechtigten Interessen der Menschen im ländlichen Raum berücksichtigen (sozio-ökonomische Tragfähigkeit des Lebensraumes). Indem er auch die Bestände der Beutetiere des Wolfes mit einbezieht, müsse er konkrete Handlungsempfehlungen für bekannte Konfliktszenarien enthalten und somit den Rahmen für die Managementpläne der Länder darstellen. Voraussetzung sei ein abgestimmtes, solides, internationales Wolfsmonitoring.

Einer der zentralen Punkte der Tagung war die Frage, wann der „günstige Erhaltungszustand“ des Wolfes in Deutschland erreicht sei. Der DJV forderte die Verantwortlichen von Bund und Länder auf, sich schon jetzt damit auseinander zu setzen, wie die zunehmende Wolfspopulation auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau gehalten werden kann. Auch Anhangsänderungen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) müssten dabei künftig in Betracht gezogen werden.

Der DJV ließ keinen Zweifel daran, dass die Jägerschaft ihren gesellschaftlichen Beitrag zum Erhalt der Wolfspopulation in Deutschland leisten wird. Sie wird dies durch die Unterstützung des Monitorings wie auch der notwendigen Grundlagenforschung zur Ökologie des Wolfes incl. genetischer Studien begleiten.

 

Informationspaket zur Wolfstagung

Über den Inhalt der Tagung steht ein umfangreiches Informationspaket zum Download zur Verfügung. Dies beinhaltet die Zusammenfassung und Schlussfolgerungen der Tagung, die einzelnen Vorträge sowie einen Film zur Tagung und Videointerviews mit den Experten aus Wissenschaft und Politik. Die Filme sind auch auf dem DJV-Youtube-Kanal zu finden.

EU-Plattform für Großraubtiere

Raubtiere wie Braunbären, Wölfe und Luchse kehren durch verstärkte Schutzmaßnahmen und eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit nach Europa zurück. Sie siedeln sich auch in Gebieten an, in denen sie seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten nicht mehr vorkamen. Während dies von manchen als großer Erfolg gefeiert wird, stößt es bei anderen auf Widerstand und schafft soziale und wirtschaftliche Probleme.

Die EU-Kommission rief daher am 10. Juni 2014 in Brüssel eine internetbasierte Plattform ins Leben, auf der sich Landwirte und Naturschützer, Jäger, Landbesitzer und Wissenschaftler darüber austauschen können, wie Menschen und Großraubtiere wieder miteinander auskommen können. Geplant ist künftig jeweils ein Treffen pro Jahr ergänzt durch themenspezifische Workshops. Derzeit werden die Inhalte des künftigen Arbeitsprogramms abgestimmt.

Hier können Sie die Vereinbarung der acht unterzeichnenden Verbände sowie die entsprechende Pressemitteilung der Kommission herunterladen.

Rückkehrer Luchs

Ursprünglich war der Eurasische Luchs in allen größeren Waldgebieten und Mittelgebirgsregionen Europas beheimatet. Durch staatliche Vorgaben und Abschussprämien der Landesherren wurde er besonders im 18. und 19. Jahrhundert systematisch verfolgt. In Westeuropa galt er bis in die 1970-er Jahre flächendeckend nahezu als ausgerottet. Mit dem wachsenden Naturschutzinteresse der Gesellschaft wurden durch internationale Abkommen und die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) verbindliche Ziele für den Biotop- und Artenschutz und auch für den Luchs festgelegt. Der Luchs ist nach Anhang IV FFH-RL eine streng geschützte Art.

Der Luchs unterliegt dem Jagdrecht (ganzjährige Schonzeit) und genießt damit über das Naturschutz-recht hinaus einen doppelten Schutz. Die Jagdverbände unterstützen eine natürliche Rückwanderung und Reetablierung des Luchses in für ihn geeignete Lebensräume. Derzeit gehen jedoch alle bedeutenden Luchsvorkommen Deutschlands, sei es in der Nationalparkregion Bayerischer Wald/ Böhmerwald/Sumava oder im Harz auf Wiederansiedlungsprojekte zurück. Einzeltiere werden gelegentlich in Nordrhein-Westfalen (Eifel), Rheinland-Pfalz (Pfälzer Wald), Baden-Württemberg (Schwarzwald, Schwäbische Alb), Hessen, Thüringen sowie im südlichen Sachsen beobachtet.

DJV-Luchsposition herunterladen

 

Mark Nitze (Institut für Forstsoziologie - TU Dresden):
Mark Nitze (Institut für Forstsoziologie - TU Dresden): "Die Jagdstreckenstatistik kann den Einfluss des Wolfes auf das Schalenwild nicht darstellen." (Quelle: Grimm/DJV)
Dr. Felix Knauer (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie - Universität Wien):
Dr. Felix Knauer (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie - Universität Wien): "Wir regulieren manche Tierarten in der Kulturlandschaft, andere nicht, z.B. das Rotkehlchen. Das hängt u.a. davon ab, wie weit wir sie als Konkurrenten wahrnehmen. Es ist eine gesellschaftliche Entscheidung." (Quelle: Grimm/DJV)
Dr. Carsten Nowak (Forschungsinstitut Senckenberg):
Dr. Carsten Nowak (Forschungsinstitut Senckenberg): "Bei all dem Gerede und den Artikel in der Presse, möchte man meinen, alle spinnen ein wenig und warum fragen die nicht einfach einen Wissenschaftler? Wir sollten den Ball flach halten. Es gibt in Deutschland bei weitem größere Probleme als den Wolf." (Quelle: Fabian Grimm)
Dr. Janosch Arnold (WWF Deutschland):
Dr. Janosch Arnold (WWF Deutschland): "Der Wolf braucht keine unberührte Wildnis, er ist eine extrem anpassungsfähige Art. Ich denke, was wir in den vergangenen Jahren gelernt haben, ist dass uns der Wolf immer wieder überrascht, wo er leben kann. Was er braucht, sind solide Nahrungsgrundlagen und Rückzugsgebiete." (Quelle: Fabian Grimm)
Auditorium - Wolfstagung (Quelle: Fabian Grimm)
Auditorium - Wolfstagung (Quelle: Fabian Grimm)
MinR Gerhard Adams (BMUB) stellt den Populationsstatus des Wolfes in Deutschland vor:
MinR Gerhard Adams (BMUB) stellt den Populationsstatus des Wolfes in Deutschland vor: "Deutschland hat Anteil an der Zentraleuropäischen Tieflandpopulation (ZEP; ehemals deutsch-polnische Population). Die ZEP ist eine selbständige Population und diese Population ist weit davon entfernt in einer "günstigen Erhaltungssituation" zu sein." (Foto: DJV/Grimm) (Quelle: Fabian Grimm)

DJV fordert nationalen Managementplan mit Beteiligung aller
Interessensgruppen

Rückkehrer Wolf: Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat heute auf der gleichnamigen Tagung in Berlin ein Eckpunkte-Papier zum Wolf in Deutschland vorgestellt. Darin fordert der Dachverband der Jäger unter anderem einen bundesweiten Managementplan, der sich an internationalen Vorgaben orientiert. Insbesondere müsse die sozio-ökonomische Tragfähigkeit der Kulturlandschaft für den Wolf berücksichtigt werden, so der DJV. „Die Menschen im ländlichen Raum brauchen konkrete Antworten auf ihre Fragen zum Umgang mit dem Wolf – etwa für den Fall, dass einzelne Wölfe ihre angeborene Scheu vor dem Menschen verlieren und in Siedlungen auftauchen, so wie kürzlich in Reichwalde oder in Cottbus“, sagt Knut Falkenberg, zuständig für den Wolf im DJV.

Derzeit verabschiedet jedes Bundesland seinen eigenen Managementplan für den Wolf. „Bei einem prognostizierten Zuwachs der Population von 30 Prozent pro Jahr brauchen wir jedoch dringend eine nationale Koordination, Wölfe machen eben nicht vor Ländergrenzen halt“, so Falkenberg. Ein günstiger Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland könnte demnach bereits in einigen Jahren erreicht werden. Der DJV fordert Bund und Länder in seinem Eckpunktepapier auf, sich so schnell wie möglich ideologiefrei und undogmatisch damit auseinanderzusetzen, welche Folgen dies haben könnte. „Mittelfristig darf eine Neueinstufung des Wolfs in den Anhängen der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie kein Tabu sein“, sagt Falkenberg. Bereits heute genießt der Wolf nicht in allen europäischen Ländern den höchsten Schutzstatus.

Der DJV fordert in seinem Papier, die Jägerschaft beim Monitoring des Wolfsvorkommens und bei der Bewertung der Ergebnisse stärker einzubinden. So sei eine Akzeptanzförderung im ländlichen Raum möglich. Immer mehr Jäger lassen sich zu Wildtier- und Wolfsbeauftragten schulen und können Hinweise auf das Vorkommen des Großsäugers liefern. Der DJV ruft die Jäger bundesweit auf, ihr Potenzial, flächendeckend Daten zum Wolf zu liefern, künftig noch stärker zu nutzen. Über das etablierte DJV-Monitoring-Programm WILD (Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands) haben Jäger bereits Erfahrung in der Erhebung von Daten zu Wildtierbeständen.

Die Fachtagung „Rückkehrer Wolf – Willkommen ohne Wenn und Aber?“ wird vom DJV organisiert. Es ist die erste Veranstaltung auf Bundesebene, die Vertreter des klassischen Naturschutzes, der Jagd und anderer Nutzergruppen ebenso zu Wort kommen lässt wie Wissenschaftler, Behördenvertreter und Politiker. Der DJV wirbt für Akzeptanz, Ehrlichkeit und Offenheit aller Beteiligten im Umgang mit dem Wolf.

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