AIHTS | Deutscher Jagdverband

AIHTS

Der DJV hat die Initiative ergriffen und eine Arbeitsgruppe zum Thema AIHTS eingesetzt, um mögliche Konsequenzen des Abkommens auf die Fangjagd in Deutschland abzuwägen und erste Schritte für das notwendige Test- und Zertifizierungsprozedere einzuleiten. Der Arbeitsgruppe gehören sowohl Vertreter der nationalen wie internationalen Jägerschaft (DJV und FACE), der Berufsjäger (BDB), des Tierschutzes (Tierärztliche Vereinigung Tierschutz), der Wissenschaft und der Praxis an.

Des Weiteren ist der DJV in einer informellen Arbeitsgruppe zum AIHTS auf internationaler Ebene vertreten. Diese Arbeitsgruppe hat zum Ziel, die Kommunikation zwischen den Vertragsstaaten der Abkommen und die Implementierung des AIHTS in den Ländern zu fördern. Dabei dient diese Arbeitsgruppe insbesondere als Wissens- und Beratungspool für diejenigen Länder, in welchen das AIHTS noch nicht vollständig umgesetzt wurde und welche noch am Anfang der Fallentests und -zertifizierung stehen. Ins Leben gerufen wurde die Arbeitsgruppe von FACE und von der International Fur Trade Federation (IFTF). Weitere Mitglieder sind Vertreter der Kanadischen Regierung, des Fur Institute of Canada (Kanadisches Pelzinstitut), des US Fish and Wildlife Service, Wissenschaftler und Fallenpraktiker aus Kanada, USA, Russland und der EU (Spanien, Ungarn, Dänemark und Deutschland). Diese stehen z.T. auch in engem Austausch mit dem Gemeinsamen Verwaltungsausschuss (JMC).

Tests und Zertifizierung von Fallen durch den DJV:

Totfangfallen:

Der DJV hat zwei Typen von Abzugseisen, das Eiabzugseisen (38 cm Bügelweite) und den Kleinen Schwanenhals (46 cm Bügelweite) an das mit dem AIHTS erfahrenste Institut weltweit, dem Fur Institute of Canada, gesandt. Dort wurden die beiden Totfanggeräte nach den Standards des AIHTS für den Baummarder (Martes martes) getestet. Die Wahl fiel auf diese im AIHTS gelistete Art, da dafür ausreichend Daten für Biosimulationsmodelle vorliegen. Das heißt, dass für den Test der beiden deutschen Eisen keine Tiere getötet werden mussten. Nach Vermessung eines Sets von fünf Stücken je Abzugseisentyp wurden deren Klemm- und Schlagkräfte gemessen. Diese Messungen sowie die Abmessungen der Totfanggeräte wurden in das Baummarder-Computersimulationsmodell eingegeben. Die von dem Fur Institute of Canada entwickelten Modelle sind hoch verlässlich und stellen eine Alternative zu Tests an lebenden Tieren dar. Voraussetzung für Tests mit Computersimulationsmodellen sind jedoch vorangegangene Tests an lebenden Tieren: So muss für jede Tierart ein eigenes Modell erstellt werden. Die Ergebnisse der Computersimulationsmodelle sowie zahlreiche Tests und andere Aspekte hinsichtlich des Tierschutzes und der Fallenanwendung sind in wissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht worden.

Das Eiabzugseisen sowie der Kleine Schwanenhals haben die Anforderungen hinsichtlich des AIHTS erfüllt. Beide positiv getesteten Fallen wurden vom Fur Institute of Canada im Dezember 2013 zertifiziert. Die Tests und die Zertifizierung wurden mit Mitteln des DJV finanziert.

Interspezifische Anerkennung der Marderarten:

Eine Studie von Skumatov und Minkov vom russischen Forschungsinstitut für Wildtiermanagement und Pelztierhaltung in Kirov konnte zeigen, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Anatomie der Marderarten Baummarder (Martes martes), Zobel (Martes zibellina) und Fichtenmarder (Martes americana) gibt. Auch aufgrund der intensiven Erfahrungen im Fang der Arten schlagen die Forscher vor, dass alle Fallen, die für eine der Marderarten zertifiziert wurden, auch für die anderen beiden Arten als zertifiziert gelten und nach AIHTS eingesetzt werden dürfen. Die kanadische Zertifizierungsstelle hat diesen Vorschlag aufgenommen und akzeptiert, dass die Zertifizierung einer Falle für eine Marderart auf eine andere Art übertragbar ist.

Nationale und internationale Kooperation des DJV mit anderen Organisationen zur Umsetzung des Abkommens:

In Ergänzung zur Zertifizierung des Eiabzugseisen und des Kleinen Schwanenhales hat der Deutsche Jagdverband das Von-Thünen-Institut beauftragt eine Übertragung der Fallenzertifizierung  bei Steinmarder (Martes foina) und Baummarder (Martes martes) zu prüfen. Das vorliegende Gutachten belegt, dass die Zertifizierung von Fanggeräten und Fangmethoden gemäß AIHTS-Abkommen in Fallentests und Wirkungsuntersuchungen an einer der beiden Marderarten ausreichend und eine Übertragung der Zertifizierung auf die jeweils andere Art zulässig ist.

Lebendfangfallen:

Im Rahmen des Prädatorenprojektes des MELUR Schleswig-Holstein und des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein auf Eiderstedt (Nord-Friesland) wurden in zwei Fangjagdperioden (November 2013 bis März 2014, September 2014 bis Dezember 2014) Tests gemäß AIHTS-Kriterien an Lebendfangfallen durchgeführt. In der Studie, finanziert durch den DJV, wurden die Strack´sche Holzkastenfalle für den Steinmarder (Martes foina) und die Betonrohrwippfalle für den Rotfuchs (Vulpes vulpes), nach den wissenschaftlichen Kriterien der ISO 10990-5 getestet.

Die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung erfolgte durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung unter Leitung von Prof. Dr. Ursula Siebert. Weitere Projektpartner waren Jun. Prof. Dr. Marion Piechotta vom Endokrinologischen Labor, Dr. Charlotte Lempp und Prof. Dr. Wolfgang Baumgärtner vom Institut für Pathologie, sowie Dr. Jörg Driver, Tierarztpraxis Reinsbüttel.

Die gefangenen Tiere wurden narkotisiert, klinisch begutachtet, Blutproben entnommen und anschließend euthanasiert. Danach erfolgten röntgenologische und histologische Untersuchungen. Um eine mögliche Stressbelastung der gefangenen Tiere in der Falle zu dokumentieren, waren zwei Fangeinrichtungen mit Infrarotkameras ausgerüstet, die Aufzeichnungen vom Falleninnenraum ermöglichen.

Der vorliegende Forschungsbericht bestätigt, dass beide Lebendfangeinrichtungen die erforderlichen Kriterien erfüllen und somit im Sinne des AIHTS-Abkommens zertifiziert werden können.

Fangjagd - unterschiedliche Fallentypen im Überblick