583 Schützinnen und Schützen bei der 69. Bundesmeisterschaft in Buke am Start. Niedersachsen stößt Rheinland-Pfalz vom Mannschafts-Thron. Matthias Avenriep aus Soltau ist Bundesmeister aller Klassen. Doppeltes Gold für Wilhelm-Heinrich Dahm aus Nordrhein-Westfalen.

Mit 344 Punkten ist Matthias Avenriep neuer Bundesmeister aller Klassen im jagdlichen Schießen. Der Sieger kommt aus Niedersachsen – ebenso der Zweit- und der Drittplatzierte. Michael Reis gewinnt mit 343 Punkten Silber, Jürgen Sieve mit 340 Punkten Bronze. Insgesamt 583 Schützinnen und Schützen waren vom 3. bis zum 6. September 2025 im nordrhein-westfälischen Buke bei der 69. Bundesmeisterschaft am Start. Der Deutsche Jagdverband (DJV) richtet den Wettbewerb jährlich aus.

Bundesmeister im Büchsenschießen wurde Jan Henrik Holst aus Schleswig-Holstein mit 195 von 200 möglichen Punkten. Ganz eng wurde es beim Flintenschießen. Alle drei Erstplatzierten trafen alle 30 Wurfscheiben: Thomas Maaßen aus Nordrhein-Westfalen, Stefan Rüttgeroth aus Niedersachsen und Martin Birenbaum aus Baden-Württemberg. Thomas Maaßen konnte letztlich den Wettbewerb für sich entscheiden – er traf alle Scheiben mit dem ersten Schuss. Für Wilhelm-Heinrich Dahm aus Nordrhein-Westfalen gab es gleich zweimal Gold: im Kurzwaffenschießen mit 193 Punkten und in der Großen Kombination mit 519 Punkten. In der Seniorenklasse gewann Volker Reek aus Nordrhein-Westfalen die Kombination mit 331 Punkten.

In der Juniorenklasse triumphierte das Team aus Niedersachsen mit insgesamt 1.285 Punkten – der vierte Sieg in Folge. Auf Platz 2 kam die Mannschaft aus Schleswig-Holstein mit 1.269 Punkten, Nordrhein-Westfalen gewann Bronze mit 1.238 Punkten. Auch in der Schützenklasse ging der Sieg an die Mannschaft aus Niedersachen: Mit insgesamt 1.345 Punkten kürte sich das Team zudem zum Bundesmeister. Das gelang zuletzt 2012. Nach langer Durststrecke hat sich das Bundesland nun zurück an die Spitze gekämpft. Damit endet auch die Siegesserie von Rheinland-Pfalz, die seit 2017 ungeschlagener Bundesmeister waren. Silber in der Schützenklasse gewann Nordrhein-Westfalen mit 1.313 Punkten, Platz 3 belegte Baden-Württemberg mit 1.310 Punkten.

Den Spitzenplatz unter den Damen sicherte sich Katja Gems aus Sachsen. Die Schützin erzielte in der Kombination aus Flinte und Büchse 326 Punkte. Silber ging an Silke Mehlhose-Koch aus Nordrhein-Westfalen mit 320 Punkten, Bronze mit 313 Punkten an Johanna Eckardt aus Schleswig-Holstein. In der Mannschaftswertung der Damen gab es Gold für Schleswig-Holstein mit 1.214 Punkten, Silber für Nordrhein-Westfalen mit 1.189 Punkten und Bronze für Baden-Württemberg mit 1.173 Punkten.

Auf der Themenseite des DJV gibt es alle aktuellen Ergebnisse sowie Impressionen der Bundesmeisterschaften.

 

Zahl infizierter Tiere in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein steigt rasant an. DJV bittet, kranke Tiere zu entnehmen, verstärkt auf Fallwild zu achten und Funde über die Tierfund-Kataster-App zu melden.

Myxomatose bei Feldhasen tritt vermehrt seit Mitte August 2024 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf, seit Juli diesen Jahres ist auch Schleswig-Holstein betroffen. Verursacher der Krankheit ist das Myxomavirus aus der Familie der Pockenviren. Übertragen wird es durch Stechinsekten sowie Körperflüssigkeiten. Bislang galt die Erkrankung als kaninchenspezifisch und wurde nur vereinzelt bei Feldhasen nachgewiesen. Die Inkubationszeit beträgt nur wenige Tage und resultiert in einer sehr hohen Sterblichkeitsrate von etwa 80 Prozent. Typische Symptome sind stark eingeschränktes Fluchtverhalten, Apathie, blutunterlaufene, eitrig entzündete Augen sowie Schwellungen im Genitalbereich.

Um die Ausbreitung der Myxomatose möglichst einzudämmen, bittet der Deutsche Jagdverband (DJV), kranke Hasen zu entnehmen. Jägerinnen und Jäger sollten besonders auf Fallwild, auf kranke oder verhaltensauffällige Feldhasen achten, insbesondere auch in bisher nicht betroffenen Gebieten. Sichtbar schwer kranke Tiere dürfen auch außerhalb der regulären Jagdzeit im Rahmen von Hegeabschüssen entnommen werden, um unnötiges Leid zu verhindern. Verendete Tiere sollten zur Untersuchung dem zuständigen Veterinäramt zugeführt oder ordnungsgemäß beseitigt werden. Die Kadaver dürfen keinesfalls offen im Revier verbleiben oder auf Luderplätze verbracht werden. Die gründliche Reinigung und Desinfektion von Kleidung, Schuhwerk und Jagdausrüstung nach einem Aufenthalt in betroffenen Gebieten ist besonders wichtig, um einer Verschleppung des Virus vorzubeugen.

Der DJV empfiehlt, auf Hasenjagden in Revieren zu verzichten, in denen vermehrt Fallwild vorkommt. In Revieren mit Fasanenbesätzen sollten Treibjagden bis vier Wochen nach dem letzten Auftreten von Myxomatose ruhen, um Beunruhigungen während der Seuchenphase zu minimieren. Hundearbeit am Hasen und die Weitergabe von Schleppenwild aus den betroffenen Gebieten sind zu unterlassen. Revierinhaber mit stabilen Hasenbesätzen und geringen Fallwildzahlen können die Bejagung fortführen.

Für das Erkennen von Einbrüchen bei Hasenbesätzen ist das Erfassen von Indikatortieren sehr wichtig. Der DJV bittet deshalb alle Jägerinnen und Jäger, besonders auf verendete Feldhasen zu achten und kranke und erlegte Tiere im Tierfund-Kataster einzutragen – mit Foto und dem Verdacht auf Myxomatose im Anmerkungsfeld. Nutzen Sie dazu die Tierfund-Kataster-App. Jede einzelne Meldung hilft, das Ausmaß und den Verlauf des Seuchenzugs wissenschaftlich fundiert nachvollziehen zu können. Eine möglichst lückenlose Erfassung ist essentiell, um die Ausbreitung der Myxomatose regional und überregional besser beurteilen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können.

Vertreter der fünf mitgliederstärksten europäischen Jagdverbände treffen sich in Niedersachsen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Neuaufstellung des Haushaltes und die Agenda der kommenden Monate. DJV-Präsident lädt zum Abschluss zur gemeinsamen Lockjagd auf Gänse.

Am 19. und 20. August 2025 trafen sich auf Einladung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) Vertreter der fünf mitgliederstärksten europäischen Jagdverbände des Dachverbandes FACE, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Deutschland, im ostfriesischen Esens. Auf dem dritten Treffen dieser Art wurde unter anderem die Agenda für die nächsten Monate abgestimmt. Eine besondere Herausforderung war die Neuplanung des Haushaltes für das laufende Jahr. Die EU hatte kurzfristig Mittel gekürzt, sodass eine Nachjustierung notwendig wurde. Außerdem berieten die Teilnehmer über das taktische Vorgehen bei der Umsetzung der REACH-Verordnung, insbesondere zu den Übergangsfristen beim Umstieg auf bleifreie Munition.

DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke lud zum Abschluss des Treffens die Teilnehmer zur gemeinsamen Lockjagd auf Gänse ein. Die Gäste konnten eine sehr effektive Art der Bejagung auf Federwild hautnah miterleben. Auch dank der professionellen Vorbereitung und Durchführung durch den Leiter des Jägerlehrhofs Springe und örtlichen Helfern konnte innerhalb von dreieinhalb Stunden eine außerordentlich hohe Strecke im deutlich dreistelligen Bereich gemacht werden. Das zeigt, dass mit geeigneten Jagdmethoden auch hohe Gänsebestände gut reguliert werden können. Für die Teilnehmer war es sicher ein echtes Highlight und unvergessliches Erlebnis.

Neues Video-Tutorial zeigt, wie einfach die Dateneingabe ist. Für die Flächendeckende Erfassung 2025 können jetzt noch Werte eingetragen werden. Ab Herbst 2025 soll die digitale Verwaltung der Feldhasenzählung möglich sein.

Seit Kurzem können Jägerinnen und Jäger online am Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) teilnehmen – dem bundesweit größten Monitoringprogramm der Jägerschaft. Wie Daten jetzt ganz einfach über Laptop, Tablet oder Smartphone eingegeben werden können, zeigt ein neues Erklärvideo. An der laufenden Flächendeckenden Erfassung von insgesamt 18 Tierarten können Revierinhaber jetzt noch mitwirken.  

Nach einmaliger Registrierung unter wild.jagdverband.de kann das eigene Revier anlegt werden. Sobald der zuständige WILD-Länderbetreuer dieses bestätigt hat, können Jägerinnen und Jäger mit der digitalen Flächendeckenden Erfassung starten. Ab Herbst 2025 soll die Feldhasenzählung in ausgewählten Referenzgebieten direkt über die Datenbank möglich sein. Weitere Infos dazu gibt es beim zuständigen WILD-Länderbetreuer.

Jägerinnen und Jäger liefern bereits seit über 20 Jahren wertvolle Daten zu insgesamt 40 Tierarten für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Im Jahr 2023 haben über 24.000 Reviere teilgenommen – das entspricht 38 Prozent der land- und forstwirtschaftlichen Fläche Deutschlands.

Ein Löwe in Simbabwe zeigt Bedeutung von geregeltem Wildtiermanagement – Ähnlichkeiten zur Wolf-Diskussion in Europa.

Derzeit versuchen westliche Tierrechtsorganisationen die legale Jagd auf den Löwen „Blondie“ in Simbabwe zu instrumentalisieren. Der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Internationale Jagdrat (CIC) in Deutschland kritisieren das Vorgehen scharf. Vielmehr müssen die komplexen Zusammenhänge von Artenschutz, nachhaltiger Jagd und Mensch-Wildtier-Konflikten sachlich und wissensbasiert erörtert werden. Dabei muss die autonome Position der betroffenen Länder im Vordergrund stehen. Simbabwes Nationalparkbehörde nimmt in einem Interview Stellung.

Jagd finanziert Naturschutz und schützt Menschenleben

Simbabwe erwirtschaftet durch regulierte Jagd jährlich etwa 20 Millionen US-Dollar für ansonsten unterfinanzierte Naturschutzprojekte. Diese Einnahmen sind unverzichtbar für den Erhalt der Lebensräume von etwa 2.000 wild lebenden Löwen im Land. Gleichzeitig mindert die gezielte Entnahme von Problemtieren die Konflikte zwischen Mensch und Wildtier erheblich. In Afrika sterben jährlich Menschen durch wilde Tiere, Nutztiere fallen Raubtieren zum Opfer.

Aufregung nicht nachvollziehbar

Auf Anfrage von DJV und CIC teilt die Nationalparkbehörde Simbabwes im Interview zur Jagd auf „Blondie“ mit: Die fragliche Jagd auf den Löwen war vollkommen legal. Sie fand unter behördlicher Aufsicht auf privatem Land und außerhalb des Hwange-Nationalparks statt. Die Aufregung sei nicht nachvollziehbar.

Wissenschaftlich belegte Erfolge und Forschungsnutzen

Länder mit geregelter Jagd wie Simbabwe weisen trotz Bevölkerungswachstum stabile oder wachsende Wildtierbestände auf. Die jährliche Entnahme von durchschnittlich 50 Löwen erfolgt nach wissenschaftlichen Maßstäben und gefährdet den Bestand nicht. Im Gegenteil: Die Jagdeinnahmen ermöglichen Maßnahmen gegen Wilderei und für Lebensraumschutz. Forschungshalsbänder wie bei "Blondie" dienen nicht dem Schutz der Tiere vor Bejagung, sondern dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Sie ermöglichen es, Bewegungsabläufe zu verfolgen, Sterblichkeitsursachen zu belegen und Menschen vor sich nähernden Löwen zu warnen.

Herausforderung Wolf in Europa

Die positive Bestandsentwicklung beim Wolf in Europa stellt Menschen vor Herausforderungen, die in abgeschwächter Form Parallelen zu Afrika aufweisen. Aufgrund der wachsenden Bestände und zunehmender Nutztierrisse hat die EU den Schutzstatus des Wolfes kürzlich herabgesetzt. Deutschland bereitet entsprechende Steuerungsmaßnahmen vor. Der mutmaßliche Übergriff eines Wolfes auf einen sechsjährigen Jungen im niederländischen Utrecht verdeutlicht die Gefahren im Zusammenleben mit Wildtieren. In Afrika sind diese beim Umgang mit Löwe, Elefant oder Hyäne Alltag und enden oft für Menschen tödlich.

Sowohl in Afrika als auch in Europa zeigt sich: Artenschutz gelingt nur mit den Menschen vor Ort, nicht gegen sie, betonen DJV und CIC. Nachhaltige Jagd schafft Zustimmung für den Wildtierschutz und finanziert gleichzeitig Schutzmaßnahmen.

Die legale Jagd auf einen Löwen in Simbabwe wollen westliche Tierrechtsorganisationen nutzen, um Stimmung zu machen. Dafür hat er sogar einen Namen bekommen: Blondie. Im Interview erläutert Tinashe Farawo, Sprecher der Nationalparkbehörde, die Hintergründe der Jagd. Ein Aspekt: Sicherheit der Bevölkerung. Innerhalb von 5 Jahren haben hunderte Menschen ihr Leben verloren durch Angriffe von Wildtieren.

CIC: Wie viele Menschen starben in den letzten zehn Jahren in Simbabwe durch Angriffe von Löwen und Elefanten?

Tinashe Farawo: In den vergangenen fünf Jahren verloren wir landesweit fast 300 Menschenleben durch Elefanten, Löwen, Krokodile und Hyänen. Seit 2018 steigen diese Zahlen dramatisch an. Täglich erreichen uns Notrufe aus dem ganzen Land.

Welche Jagdvorschriften gelten in Simbabwe, und wurden diese bei der fraglichen Löwenjagd befolgt?

Unsere Jagdgesetze sind sehr strikt: Wir jagen ausschließlich männliche Löwen im Alter von mindestens fünf bis sechs Jahren. Jäger, die ältere Tiere (sieben bis acht Jahre) erlegen, erhalten sogar Bonusquoten als Belohnung. Die fragliche Jagd auf einen Löwen war vollkommen legal. Sie fand unter behördlicher Aufsicht auf privatem Land und außerhalb des Hwange-Nationalparks statt. Wir können die Aufregung um diese Jagd nicht nachvollziehen.

Wie ist das Zusammenleben mit Löwen außerhalb der Nationalparks? Sehen Simbabwer den Tod eines Löwen so dramatisch wie Menschen in Europa?

Das Zusammenleben mit Wildtieren ist eine große Herausforderung. Die Menschen in den Dörfern erzählen Ihnen andere Geschichten als Naturschützer. Löwen werden in Schlingen gefangen oder vergiftet. Die Landbewohner verlieren ihr Vieh oder sogar ihr Leben und damit ihre Existenzgrundlage: Für sie ist ein toter Löwe nicht dramatisch.

Wir versuchen den Menschen klarzumachen: Ein lebender Löwe bedeutet wirtschaftliche Chancen und Arbeitsplätze. Jagdtourismus bringt Geld ins Land – davon profitieren wir seit Jahren.

Deutsche Wölfe greifen Nutztiere an, in Holland wurde vergangene Woche ein Kind mutmaßlich durch einen Wolf verletzt. Was raten Sie europäischen Behörden?

Unser Rat war schon immer: Wildtiere nachhaltig bewirtschaften! Man muss wissenschaftlich ermitteln, wie viele Tiere ein Ökosystem verkraften kann. Nur so lassen sich Ressourcen langfristig schützen und Konflikte vermeiden.

Wie groß sind die Raubtierpopulationen in Simbabwe?

Nach unseren Studien leben in Simbabwe 1.500 bis 2.000 erwachsene Löwen, etwa 1.500 Leoparden und sehr viele Hyänen. Landesweit sprechen wir von einer Überpopulation an Hyänen.

Jährlich vergeben wir 100 Jagdlizenzen für Löwen, tatsächlich werden aber nur 45 bis 50 erlegt. Zusätzlich sterben Löwen durch Unfälle: Sie werden von Zügen überfahren oder aus Rache für getötetes Vieh vergiftet und gefangen.

Führt die Dürre zu mehr Raubtierangriffen?

Bei Hyänen sehen wir einen enormen Anstieg – die Dürre schwächt ihre Beutetiere. Löwen- und Leopardenpopulationen bleiben dagegen stabil mit leichtem Wachstum.

Warum trug der Löwe ein Senderhalsband?

Das Halsband diente der Forschung über Jagdauswirkungen auf Löwenpopulationen. Ein Halsband bietet keinen Schutzstatus – besenderte Tiere dürfen legal gejagt werden. Im Hwange-Park tragen nur 12 bis 18 von über 500 Löwen Halsbänder.

Fordern die Menschen eine Reduzierung gefährlicher Wildtiere? Gibt es Entschädigungen für Opfer?

Der Druck aus den Gemeinden ist enorm. Menschen werden getötet oder verletzt. Überall im Land finden Sie Gräber von Menschen, die von Wildtieren getötet wurden.

Ein Entschädigungssystem existiert noch nicht, aber wir arbeiten an einer Gesetzesänderung: Ein Hilfsfonds soll entstehen, so wie in Botswana.


Anfragen an Tinashe Farawo, Nationalparkbehörde Simbabwe:
Mail: tfarawo@zimparks.org.zw
Telefon: +263 77 243 3901

Über ein Drittel der Jagdreviere melden bundesweit ein Vorkommen. Spitzenreiter sind Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. In Städten wie Bremen und Hamburg ist die Situation noch dramatischer.

Die südamerikanische Nutria breitet sich weiter in Deutschland aus: Die invasive Art kam 2023 in über einem Drittel (35 Prozent) der teilnehmenden Jagdreviere vor, eine Verdopplung gegenüber 2015. Das hat negative Folgen für den Hochwasser- und Artenschutz: Das Nagetier untergräbt Flussufer ebenso wie Deiche und vernichtet Schilfgürtel – wichtige Kinderstuben für Vögel, Fische oder Amphibien. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat diese und weitere Ergebnisse heute veröffentlicht und fordert die Aufnahme der Nutria ins Bundesjagdgesetz sowie ein Bekenntnis der Politik zur Fangjagd. Die Art steht auf der Liste der gebietsfremden invasiven Arten Europas.

Daten aus über 23.000 Jagdrevieren ausgewertet

Grundlage der Auswertung sind Daten von bundesweit über 23.000 Jagdrevieren aus dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Das entspricht mehr als einem Drittel der forst- und landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Daten aus Bayern liegen nicht vor, die schleswig-holsteinischen Werte stammen aus dem Jahr 2020. WILD ist das bundesweit größte Monitoringprogramm der Jägerschaft, unter anderem für zahlreiche Säugetiere.

Die meisten Vorkommen im Norddeutschen Tiefland gemeldet

In der Tieflandregion Norddeutschlands gibt es anteilig die meisten gemeldeten Nutria-Vorkommen im Jahr 2023: Nordrhein-Westfalen liegt mit 60 Prozent vorn, gefolgt von Niedersachsen (55 Prozent) und Sachsen-Anhalt (50 Prozent). Von 2015 bis 2023 ist die Zahl der gemeldeten Vorkommen vor allem in zwei Bundesländern stark gestiegen: In Niedersachsen um das 2,5-fache und in Nordrhein-Westfalen um das 2-fache. Die großen Fließgewässer Rhein, Ems, Weser und Elbe sowie deren Nebenarme bieten den Tieren ideale Lebensgrundlagen.

Explosionsartige Zuwächse im urbanen Raum

Im Stadtstaat Bremen meldeten zuletzt 93 Prozent der Reviere die Anwesenheit der Nutria, eine Steigerung um das 6-fache gegenüber 2015. Bremen steht symbolisch für eine starke urbane Besiedlung durch die Nutria, die auch in Hamburg zu beobachten ist – mit einem Wert von 74 Prozent im Jahr 2023. Durch unerlaubte Fütterung, klimatische Vorteile und jagdliche Einschränkungen sind Nutrias mittlerweile besonders häufig in städtischen Bereichen vorzufinden, wo sie auch tagaktiv werden und ein großes Vermehrungspotenzial haben.

Lebendfallen sind unerlässlich für die Bestandskontrolle

In den meisten Bundesländern hat die Nutria mittlerweile eine Jagdzeit oder es gibt besondere Genehmigungen für eine Entnahme. Für die Saison 2023/24 weist die Jagdstatistik fast 117.500 Tiere aus – ein neuer Rekord. Fast drei Viertel der Nutrias kamen zusammen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zur Strecke. Nahezu jedes zweite Tier (44 Prozent) aus der Jagdstatistik wird mit der Falle gefangen. In Bremen liegt der Wert sogar bei knapp zwei Dritteln und in Niedersachsen bei über der Hälfte.

Weitere Informationen zur Nutria gibt es auf jagdverband.de. Am Niederrhein hat die Nutria innerhalb von wenigen Jahren über 90 Prozent des Schilfs vernichtet. Das Projekt "Lebendige Röhrichte" zeigt, wie eine Wiederbesiedlung gelingen kann.

Zum Radiobeitrag "Süß, aber nicht harmlos! Nutria auf dem Vormarsch".

 

DJV stellt Anzeige gegen dubiose Anbieter im Internet und in sozialen Medien. Den Jagdschein gibt es nur bei der Jagdbehörde. Voraussetzung ist die bestandene staatliche Jägerprüfung – und die hat es in sich.

Derzeit bieten Betrüger in den sozialen Medien und im Internet angeblich den Jagdschein zum Kauf an. Der Deutsche Jagdverband (DJV) warnt vor diesen Angeboten und stellt klar: Ein Jagdschein kann nur bei den zuständigen Behörden erworben werden, Voraussetzung sind die bestandene staatliche Jägerprüfung und die rechtliche Zuverlässigkeit – darunter ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis. Der Dachverband der Jäger hat bereits gegen Anbieter Anzeige erstattet und bittet darum, auffällige Betrugsversuche umgehend der Polizei zu melden. Dies geht beispielsweise über die Online-Wachen der Bundesländer und ist kostenlos.

Staatliche Jägerprüfung zwingend erforderlich

Die staatliche Jägerprüfung wird auch als Grünes Abitur bezeichnet, 23 Prozent der Teilnehmer sind 2024 durchgefallen. Die Prüfung umfasst einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. Die Schwerpunkte sind vielfältig und reichen von Wildbiologie über Waffenkunde und Fleischhygiene bis Jagd-, Tierschutz- und Naturschutzrecht. Die Ausbildung umfasst etwa 120 Stunden Theorie und rund 40 Stunden Praxis. 

Süß und invasiv: Waschbären gefährden heimische Ökosysteme – trotz Niedlichkeitsbonus. Was tun mit dem Einwanderer aus Nordamerika? Der Deutsche Jagdverband klärt in einem Frage-Antwort-Papier auf.

Sind Waschbären für heimische Arten eigentlich schädlich? Ist es nicht besser, sie zu kastrieren statt zu jagen? Und steigert deren Bejagung nicht die Vermehrung? Diesen und weiteren Fragen widmet sich das neue Frage-Antwort-Papier des Deutschen Jagdverbands (DJV). Der DJV räumt mit Mythen rund um den maskierten Kleinbären auf und stellt klar: Waschbären bedrohen seltene heimische Arten! Dies untermauert ein aktueller Faktencheck der Goethe-Universität Frankfurt.

Invasiver Kleinbär weit verbreitet

Für das Jahr 2023 haben 69 Prozent aller Jagdreviere Waschbärvorkommen gemeldet. Dabei ist der Kleinbär besonders im Nordosten Deutschlands und in Hessen verbreitet: Dort kommt er in über 90 Prozent aller Reviere vor. Das Problem: Er bedroht die biologische Vielfalt immens. Auf dem Speiseplan steht vieles: Obst, Kleinsäuger, Insekten, Amphibien oder Vögel. Gerade für Arten, die bereits gefährdet sind, kann der zusätzliche Beutegreifer zum bestandsbedrohenden Faktor werden. Das bestätigt auch der Faktencheck des ZOWIAC-Projekts der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Besonders Amphibien und Reptilien gefährdet

In Deutschland hat der Waschbär seit einiger Zeit Amphibien-Laichgewässer als Nahrungsquelle entdeckt und gefährdet lokale Bestände von Fröschen und Kröten. Dabei sind schon ohne Räuberdruck viele Amphibienarten durch zunehmende Trockenheit und Verlust von Gewässern vom Aussterben bedroht. Auch die seltene Europäische Sumpfschildkröte bedroht der Waschbär: Er gräbt deren Eier aus und frisst Jungtiere. Ähnlich ergeht es verschiedensten Vogelarten wie Mauersegler, Regenpfeifer oder Uhu. 

Jagd ist unerlässlich für Eindämmung

Freilebende Waschbären kastrieren? Ist keine Lösung! Dies scheitert allein schon daran, dass invasive Arten, einmal gefangen, in der EU nicht wieder ausgesetzt werden dürfen. Besonders wichtig für die Eindämmung ist stattdessen die Fangjagd – belegen Daten aus dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Es ist das umfangreichste Monitoringprogramm der Jägerschaft für viele Säugetiere. 40 Prozent der Waschbären aus der Jagdstatistik werden demnach mit Fallen gefangen.

Verbote der Fangjagd wie in Berlin sind daher kontraproduktiv für den Artenschutz. Der DJV fordert stattdessen die staatliche Förderung der Fangjagd durch Jäger, beispielsweise für Lebendfallen zum Management von gebietsfremden invasiven Arten wie den Waschbären.

Aktueller FFH-Bericht basiert auf veralteten Monitoringdaten aus dem Jahr 2022/23 und weist den Erhaltungszustand für den Wolf in Deutschland teilweise als "unbekannt" aus. DJV kritisiert Aufteilung der Population in biogeografische Regionen als Hinhaltetaktik.

Das Bundesumweltministerium hat heute den Erhaltungszustand der Wolfspopulation in Deutschland an die EU-Kommission gemeldet. Demnach wird dieser für die atlantischen biogeographischen Region als "günstig" eingestuft, für die kontinentale allerdings als "unbekannt". Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert, dass die jetzt vorliegende Bewertung auf der Grundlage veralteter Daten erfolgt ist. Die überfällige Feststellung des günstigen Erhaltungszustandes wird zudem durch die Aufteilung der Population auf einzelne biogeographische Regionen bewusst verhindert. "Seit Jahren werden in der Wolfspolitik die Nöte der Menschen im ländlichen Raum ignoriert und die Bestände systematisch heruntergerechnet", sagte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke. 

Der Bericht beruht auf Daten aus dem Monitoringjahr 2022/2023 – seither sind drei Generationen von Wolfswelpen hinzugekommen. Mindestens die im Jahr 2023 zur Welt gekommene Generation hätte noch berücksichtigt werden müssen, kritisiert der DJV. Der Bericht ist also schon zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung veraltet und gibt nicht die aktuelle Bestandssituation des Wolfs in Deutschland wieder. Der Vergleich der Daten aus dem Monitoringjahr 2022/2023 und aktuellen Zahlen für Niedersachsen verdeutlicht die Diskrepanz: Aktuell gibt es dort 54 Rudel – rund 40 Prozent mehr als im Jahr 2023.

Der DJV kritisiert außerdem, dass durch die Bewertung auf der Ebene der biogeographischen Region erfolgt und nicht auf der Ebene der Population – wie es die Definition des günstigen Erhaltungszustandes eigentlich verlangen würde. Dadurch wird der Erhaltungszustand weiter verschleiert. Zwar verlangt die EU, dass im FFH-Bericht nach den einzelnen biogeographischen Regionen unterschieden wird, aber nach Ansicht des DJV bezieht sich dies nur auf die Angabe im Bericht, aber nicht auf die Bewertung selbst.

Diese getrennte Bewertung führt auch zu vollkommen widersprüchlichen Aussagen: Die Wölfe in der atlantischen und der kontinentalen Region gehören zu ein und derselben Wolfspopulation, die sich über das Baltikum hinaus bis nach Russland erstreckt. Auf dieser Grundlage sind sich die weitaus meisten Wissenschaftler einig, dass der Erhaltungszustand als günstig bewertet werden müsste. Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem aktuellen Urteil vom 12. Juni 2025 festgestellt, dass es auch auf den Bestand ankommt – unabhängig von Verwaltungsgrenzen. Die biogeographischen Regionen spielen für den EuGH überhaupt keine Rolle.

Die Bewertung des Erhaltungszustands in der kontinentalen biogeographischen Region als "unbekannt" ist auch aus Sicht des DJV überhaupt nicht nachvollziehbar. Ungefähr drei Viertel der Landesfläche Deutschlands gehören zu dieser Region. Auch wenn dort noch nicht flächendeckend Wölfe leben, sind die Kriterien für die Feststellung des günstigen Erhaltungszustandes erfüllt. Der DJV kritisiert, dass das Bundesumweltministerium seit Jahren wahrheitswidrig behauptet, für den günstigen Erhaltungszustand müssten alle geeigneten Lebensräume besiedelt sein. Das verlangt weder die Definition des günstigen Erhaltungszustandes noch die EU-Kommission.

Der DJV weist auch darauf hin, dass manche Regionen eine extrem hohe Wolfsdichte aufweisen. So gehört auch Brandenburg zur kontinentalen biogeographischen Region. Dort gibt es eine der weltweit höchsten Wolfsdichten. Das Bundesland ist mit 58 Rudeln, acht territorialen Paaren und zwei territorialen Einzeltieren (im Monitoringjahr 2023/24) flächendeckend besiedelt.

Der Wolf ist im Anhang V der FFH-Richtlinie aufgeführt. Für diese geschützten Arten gilt, dass der günstige Erhaltungszustand Voraussetzung für eine Bejagung ist. Der EuGH hat in einem weiteren Urteil vom 29. Juni 2024 herausgestellt, dass hierfür aber nicht die Bewertung des Erhaltungszustandes im FFH-Bericht entscheidend ist, sondern es maßgeblich auf die neuesten wissenschaftlichen Daten ankommt.

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