(Quelle: Kauer/DJV)

Erneut Rekordwert beim Feldhasen

29. März 2026 (DJV) Berlin

19 Feldhasen pro Quadratkilometer leben auf Feld und Wiese – das dritte Jahr in Folge. Das sind ein Viertel mehr Tiere als vor zwei Jahrzehnten. Neben Lebensraumverlust und Fressfeinden könnte neue Krankheit Einfluss haben.

Pro Quadratkilometer Feld und Wiese leben durchschnittlich 19 Feldhasen in Deutschland.
Pro Quadratkilometer Feld und Wiese leben durchschnittlich 19 Feldhasen in Deutschland. (Quelle: C. Robiller/DJV)

Zum dritten Mal in Folge Rekordwert: 19 Feldhasen leben pro Quadratkilometer Feld und Wiese in Deutschland. Das ist das Ergebnis von Zählungen im Frühjahr 2025 in über 400 Referenzgebieten. Im Vergleich zur Zählung vor zwei Jahrzehnten liegt der Wert um mehr als ein Viertel höher. Besonders viele Feldhasen gibt es im Nordwestdeutschen Tiefland: Dort sind es im Schnitt 30 Tiere pro Quadratkilometer. Diese Ergebnisse hat der Deutsche Jagdverband (DJV) heute veröffentlicht. Grundlage sind vorläufige Daten aus dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD), die Wissenschaftler ausgewertet haben. 

Leichter Zuwachs im Jahresverlauf

Ein Gradmesser für die Entwicklung der Hasenbestände ist die sogenannte Nettozuwachsrate. Wissenschaftler vergleichen hierfür die Werte von Frühjahrs- und Herbstzählungen eines Jahres. Im Jahr 2025 zeigt der bundesweite Wert eine leichte Zunahme von 7 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. Am höchsten fiel die Nettozuwachsrate im Westdeutschen Mittelgebirge aus – doppelt so hoch wie für Deutschland. Im Nordwest- und Nordostdeutschen Tiefland lag der Wert bei 12 Prozent.

Neuartige Krankheit befällt Feldhasen

Im Jahr 2023 ist in Deutschland erstmals die Myxomatose bei Feldhasen aufgetreten, und zwar in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr wurde das Virus auch in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nachgewiesen. Einfluss der Krankheit auf die Feldhasenbestände ist noch nicht abzuschätzen. Die vorläufigen Ergebnisse der Feldhasenzählung zeigen aktuell bundesweit keine negative Auswirkung auf den Besatz. Wissenschaftliche Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen ergeben, dass sich schwer betroffene Bestände noch nicht erholt haben. In weniger betroffenen Regionen ist der Hasenbesatz hingegen stabil. Myxomatose ist für erkrankte Kaninchen und Feldhasen zumeist tödlich.

Mehr Anreize für besseren Lebensraum gefordert

Positiv für den Feldhasen war laut Deutschem Wetterdienst der trockene und milde Winter 2024/25. Auf ihn folgte eines der trockensten Frühjahre seit Messbeginn – besonders im Nordosten. Davon hat das ursprüngliche Steppentier profitiert. Der Feldhase ist zudem angewiesen auf strukturreiches Offenland mit Brachen und Blühstreifen – ebenso wie Feldlerche oder zahlreiche Insektenarten. Im Vergleich zu den 1970er Jahren hat der Feldhase deutlich weniger optimalen Lebensraum zur Verfügung. Der DJV fordert Anreize aus der Politik, die unbürokratisch, naturschutzfachlich hochwertig und wirtschaftlich interessant für Landwirte sind. Der DJV empfiehlt eine Mindestbreite für Blühflächen von 20 Metern. Verteilt sollten sie möglichst gleichmäßig sein, Waldränder sind weniger gut geeignet.

Jagd auf Raubsäuger wie Fuchs ist wichtig

Schöner wohnen allein reicht nicht: Deshalb ist die Jagd eine wichtige Stellschraube für Leitarten wie Feldhase, Feldhamster und Rebhuhn. Das Leuchtturmprojekt Wilde Feldflur im Erfurter Becken zeigt: Lebensraum verbessernde Maßnahmen in Kombination mit der Bejagung räuberischer Arten wie Fuchs und Waschbär wirken positiv. Innerhalb von nur drei Jahren konnte die Zahl der Feldhasen im Projektgebiet bis zum Frühjahr 2025 verdoppelt werden, der Bestand an Rebhühnern ist gleichzeitig um die Hälfte angestiegen. Das länderübergreifende Projekt Wilde Feldflur findet in Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.

 

2025 lebten ein Viertel mehr Feldhasen in Deutschland als 2005. (Quelle: DJV)
2025 lebten ein Viertel mehr Feldhasen in Deutschland als 2005. (Quelle: DJV)
Der Frühjahrsbesatz und die Nettozuwachsrate zeigen: Der Feldhasenbestand in Deutschland ist stabil. (Quelle: DJV)
Der Frühjahrsbesatz und die Nettozuwachsrate zeigen: Der Feldhasenbestand in Deutschland ist stabil. (Quelle: DJV)

Qualität

  • Überjährigkeit: Blühfläche bleibt über den Winter stehen  Deckung und Brutplätze für Bodenbrüter sowie Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten 
  • geeignete Bewirtschaftung: Fläche im Spätsommer des Vorjahres anlegen, keine Bearbeitung während der Brut- und Setzzeit
  • Vegetation: heterogene Struktur durch artenreiche Zusammensetzung (Selbstbegrünung oder Aussaat)
  • Größe: Mindestbreite 20 Meter für reduziertes Prädationsrisiko. Ab 40 Meter Breite kein Qualitätszuwachs mehr für viele Feldvogelarten.

Lage

  • positiv: Blühflächen und Brachen umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen  zumindest an den Längsseiten
  • positiv: gleichmäßige Verteilung im Raum für funktionalen Biotopverbund
  • ungünstig: Randstrukturen wie Waldränder oder hohe Gehölze  schlechtes Mikroklima für Insekten und hoher Prädationsdruck durch Beutegreifer (Wertgebende Feldvogelarten wie Rebhuhn, Feldlerche und Kiebitz sind Kulissenflüchter)
  • ungünstig: störungsreiche Wege  hoher Druck durch Freizeitnutzung ergibt permanente Störung, Stress und schließlich Meidungsverhalten durch wertgebende Feldvogelarten oder Feldhasen.

Jägerinnen und Jäger zählen Feldhasen nachts auf genau festgelegten Strecken mit genormten Scheinwerfern. Die Augen der Hasen reflektieren das Licht arttypisch, eine Unterscheidung von anderen nachtaktiven Tieren wie dem Fuchs ist leicht möglich. Wissenschaftler werten die Daten anschließend aus. Gezählt wird nach Möglichkeit mindestens zweimal im Frühjahr und im Herbst. Die rund 400 Referenzgebiete sind nach Großlandschaften unterteilt, die sich jeweils in Faktoren wie Geologie, Boden, Klima und Vegetation unterscheiden.

Wildtiermonitoring in Sachsen-Anhalt