Der Notverbeller

Aus der Jagdpraxis Es war im Frühwinter, kurz nach der glorreichen Forstreform 1973 in Bayern. Das gute alte „Universitäts Forstamt“ ( aus der Zeit, als die Bayer. Forstl. Hochschule noch in Aschaffenburg war ) Hain im Spessart, war aufgelöst worden und ging in seinem Hauptteil im Forstamt Heigenbrücken auf. Vom aufgelösten Forstamt Waldaschaff war das Revier „Seehaus“ dazu gekommen.

#jaeben19 (Quelle: DJV)
#jaeben19 (Quelle: DJV)

Zur Winterszeit bei Schneelage war es selbstverständlich, dass in allen Revieren gekreist wurde. Auch der Revierleiter der Försterei Seehaus hatte gekreist und es waren „Sauen fest“ ! - ob sich der eine oder andere heute noch an solche Zeit erinnert ? Denn heute gibt es das kaum noch, heute ist die sogenannte „Bewegunsjagd“ modern ! Wer und was wird da bewegt ? Das Wild, die Hunde, die Treiber, die Jäger ? Und eine Strecke unter 25 erlegten Sauen scheint eher bescheiden. Wir waren damals doch noch bescheidener : Wenn wir mit einem schwachen Dutzend bekannt zuverlässiger Schützen und zwei Hunden fünf Sauen erlegt hatten, waren wir hoch zufrieden.

So eine Jagd lief auch damals.  Zuverlässige Hundeführer und Schützen waren geladen., die sich kannten und die auch wussten, worum es ging und die vor allem auch ansprechen wollten und konnten.  Der Jagdbeginn war zeitlich festgelegt, kaum vor 14 Uhr, denn das Handy war damals noch nicht erfunden. Natürlich wurde angeblasen, denn so ein gekreistes Treiben ist ja doch überschau- und überhörbar. Ich selbst musste mit anstellen und ging mit meinem Hund mit durch.

Es fielen etliche Schüsse an verschiedenen Stellen, die Sauen waren also gesprengt worden. Nach meinem ersten Eindruck und Überblick müssten so um die fünf Sauen liegen.

Als ich meine Schützen abholte, stellte sich bei dem einen ein noch ungeklärter Anschuss heraus. Aber die beiden grundzuverlässigen, braven und hocherfahrenen Mitjäger, die schon dort standen, hatten beide ihre ebenso gut geführten Totverbeller,  - erst den einen, dann den anderen – am Aschuss angesetzt und beide Hunde waren,

jeder für sich, nach längerer Zeit unverrichteter Dinge zurückgekommen. Also, dann war wohl alles klar ?! Ich nahm die Schützen ins Schlepptau und wir stapften Richtung Sammelplatz. Mein Hund, mit dem ich durchgegangen war und der mich unangeleint begleitete, fehlte zwar noch, aber der wusste ja, was los war und würde mir schon folgen. Inzwischen waren wir doch schon ein gutes Stück vorangekommen,

aber der Hund fehlte immer noch. Da verhielt ich und bat auch die anderen, mal innezuhalten, denn im knirschenden Schnee waren Geräusche von außen nicht so gut zu hören, ich vermeinte, Hundelaut gehört zu haben ??!! Jetzt hörten wir es alle :

aus einiger Entfernung, irgendwie etwas gedämpft, war anhaltendes Lautgeben zu hören. Das war mein “Hexel“ ? Unzweifelhaft !

Ich eilte zurück. Am Anschuss, den ich vorhin vernachlässigt hatte, weil die beiden Spezln, schon wussten, dass nichts war, vorbei und auf den Laut zu.

Verschneite Kieferndickung! Die Äste schlugen mir ins Gesicht ! Vor, nur rasch vor, zum meldenden Hund ! Gleich war ich dort. Das „Hexel“ freute sich unbändig ! „Endlich kommt er, wo ich ihm doch was zeigen muß!“ „Da liegt doch Eure Sau !“

Große Freude ! „Hexe“ ( KlM „Adrett vom Erlenquell, DGStB Nr. 20 779 ) hatte von den Herren Rüden, die auch schon dort waren, jedenfalls war das eindeutig nach dem Spurenbild im Schnee festzustellen, nicht beeinflussen lassen ! Sie hatte was gefunden und ihr Führer wusste das nicht ! „Na, dann muss ich ihn halt rufen !“ Sie rief anhaltend und laut ! Bei der VGP hatte sie reine Riemenarbeit geleistet und wir hatten nie Totverbellen gearbeitet!

Aber ein jagdverständiger Hund, weiß eben, sich zu helfen !

Die beiden Rüden hatten, mit Sonderpunkten für das Totverbellen ihre VGP absolviert. Aber eben die VGP. Mit kaltem Reh, nach Riemenarbeit und Aufforderung.

Mit der warmen Sau ist es dann wohl doch etwas anderes ?!

Wir haben an diesem Abend noch lange „gehundelt“ und viele Gedanken dazu verwendet, warum wohl die nicht und die andere doch ??

Von Christian Frucht