Blattjagd im Niedermoor

Kira Lachmann tauschte ihre blaue Jeans gegen eine dunkelgrüne Jagdhose und eine farbig passende Fleecejacke. Ein Hochsitz am Ende des Rübenschlages sollte eingenommen werden. Dazu kam es nicht mehr.

#jaeben19 (Quelle: Lachmann/privat)
#jaeben19 (Quelle: Lachmann/privat)

Mein erster Jagdausflug mit meinem Freund Heinrich begann Ende Juli auf seinem Bauernhof. Die richtige Kleidung ist hierbei nicht außer Acht zu lassen. Meine blaue Jeans habe ich an diesem Abend gegen eine viel zu weite, dunkelgrüne Jagdhose und eine farbig passende Fleecejacke eingetauscht. Der Jägershut und ein Fernglas machten mein Outfit komplett und wir waren bereit für die Jagd. Auf dem nahgelegenen Rübenfeld begann für mich das Abenteuer. Unser Plan war eigentlich, den Hochsitz am anderen Ende des Schlags zu beziehen, aber so weit kam es nicht.

Mit Fernglas und Wärmebildkamera hielten wir auf dem Weg zum Hochsitz schon Ausschau nach einem geeigneten Bock. Plötzlich gab Heinrich mir ein Zeichen, ich solle mich doch ab jetzt nicht mehr bewegen, welches ich im ersten Moment nicht verstand, doch dann entdeckte auch ich eine Ricke seelenruhig im hohen Gras. Es war super spannend zu beobachten, denn so nah bin ich einem Reh wohl zuvor noch nie gekommen. Schon jetzt war ich also völlig gepackt von der Situation. Als mir mein Freund dann auch mit der Wärmebildkamera noch weitere Rehe im Gras zeigte, stieg die Aufregung. Sie waren mit dem Fernglas nicht auszumachen.

Nach einigem Verharren an Ort und Stelle zeigten sie sich und es war ein Bock unter ihnen. Fokussiert auf den Bock baute Heinrich seinen Pirschstock auf und beobachtete die Situation ganz genau. Meine Aufregung stieg immer mehr und als er mir seine Hand kurz hinhielt, wusste ich, wir waren damit zu zweit.

Der Bock war leider noch zu weit weg, aber zum Glück interessierte er sich für eine Ricke, die etwas näher an uns dran war. Heinrich gab mir ein Zeichen, dass ich die Ohrenschützer aufsetzten solle. Jetzt wurde mir bewusst, dass es gleich soweit seien wird. Mein Freund wird in jedem Moment den Abzug seiner Waffe betätigen und einen Bock vor meinen Augen schießen. - Um ehrlich zu sein habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich in diesem Moment wohl reagieren werde. – Ich war so konzentriert auf den Moment, dass meine Gedanken nur bei Heinrich und dem Bock waren.

Dann fiel der Schuss – ich stand komplett stocksteif da. Freude und ein Gefühl von Stolz stiegen in mir auf. Kein Anzeichen von Mitleid oder Traurigkeit mit dem Bock. Ich war einfach nur unheimlich stolz auf meinen Jägersfreund. Mit einem Kuss und den Worten „Waidmannsheil“ gratulierte ich ihm und wir machten uns auf den Weg zum Bock. Ich dachte, die Jagd ist nun beendet, doch jetzt ging es ans Aufbrechen. Heinrich barg den Bock. Wir fuhren zu seinem Nachbarn, bei dem die Kühlzelle ist. Hier wurde der Bock aufgebrochen und da das nun mal zu der Jagd dazu gehört, meisterte ich auch das. Meine erste Jagderfahrung war somit ein voller Erfolg und ich bin heute noch immer fasziniert davon. Mir bereitet also nicht nur das Essen von dem guten Fleisch Genuss, sondern auch an der Jagd habe ich Interesse gefunden. Vielen Dank Heinrich, dass du diesen Moment mit mir geteilt hast.

Von Kira Lachmann