Dass gefräßige Waschbären eine Gefahr für viele kleine Tiere sind, wird von Umweltschützern schon lange beklagt. In diesen Tagen gehen sie sogar an Krötenzäunen auf Beutezug. Der NABU fordert die ganzjährige Jagd auf Waschbären. Die Jäger weisen allerdings im Sinne des Tierschutzes auf den Muttertierschutz hin, der gewahrt bleiben muss.

Überall in Niedersachsen haben Tierfreunde in diesen Tagen Krötenschutzzäune errichtet, damit Amphibien bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern nicht von Autos überrollt werden. Von freiwilligen Helfern werden die Tiere in Eimern aufgefangen und über die Straße getragen, damit sie ihren Weg gefahrlos fortsetzen können.

Im Raum Hessisch Oldendorf im Weserbergland zum Beispiel kümmert sich Rudolf Meyer vom Umweltverband NABU seit Jahren ehrenamtlich um den Krötenschutz. An den Fangzäunen gebe es aber immer öfter ungebetene Gäste, sagt Meyer. «Waschbären machen sich dort über die Kröten her.» Teilweise töten sie die Tiere reihenweise.

Nachdem die NABU-Helfer zahlreiche tote Kröten entdeckt hatten, stellten sie Wildkameras auf. Damit konnten sie dokumentieren, wie Waschbären die Tiere häuten und sich dann das Muskelfleisch schmecken lassen. Darüber hatte zuerst die «Deister- und Weserzeitung» berichtet.

Laut NABU finden Amphibienschützer vielerorts immer wieder tote und angefressene Erdkröten, Molche, Gras- und Moorfrösche. Oft seien die Tiere stark verstümmelt, es fehlten Gliedmaßen, die Haut sei auseinandergerissen.

«Waschbären fressen generell auch Frösche und Kröten», sagte der NABU-Amphibien-Experte Christian Höppner. Dabei würden Kröten wegen ihrer giftigen Hautdrüsen vor dem Fressen von den Waschbären gehäutet. «Wir haben schon viele tote Grasfrösche, Erdkröten und Kreuzkröten gefunden», sagte Höppner. Alleine bei einer Studie im Kreis Schaumburg waren es rund 150. Nahe Wernigerode am Harz, so berichtet der NABU, hätten Waschbären vor einigen Jahren die Hälfte der dort laichenden Kröten verspeist.

Die Beutegreifer seien immer wieder auch an Amphibienzäunen aktiv, sagte Experte Höppner. Dort seien Waschbären für Kröten eine massive Gefahr. Im Weserbergland sei das Problem allgegenwärtig. 

Die Landesjägerschaft sei für eine intensive Bejagung der Waschbären, sagte Sprecher Florian Rölfing. Dies gelte auch für andere invasive Arten, wie den Marderhund. Allerdings muss nach Meinung der Jäger bei der Bejagung aus Gründen des Tierschutzes immer der Muttertierschutz beachtet werden: Für die Jungenaufzucht notwendige Tiere dürfen nicht gejagt werden. Waschbären fräßen Singvögel, die Gelege von Bodenbrütern, aber auch kleine Säugetiere und eben Amphibien. «Dadurch haben sie einen negativen Einfluss auf die Artenvielfalt», sagte Rölfing.

Da Waschbären vor allem in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs seien, sei auch die Jagd mit Fallen von großer Bedeutung, sagte der Sprecher der Jägerschaft. «Wir wenden uns daher entschieden gegen Versuche, die Fangjagd einzuschränken.»

Der Waschbär hat sich mittlerweile in Niedersachsen stark ausgebreitet. Im vergangenen Jagdjahr wurde die Rekordzahl von mehr als 10 000 Waschbären erlegt. Vor zehn Jahren waren nur 2400. Bundesweit weist die Jagdstatistik für das Jagdjahr 2015/16 über 128.100 Waschbären auf - das sind vier mal so viele wie zehn Jahre zuvor. 

Waschbären seien im übrigen nicht die einzigen Plünderer am Krötenzaun, sagte NABU-Tierschützer Meyer. «Auch Wildschweine suchen dort nach Amphibien und fressen dann sogar die Fangeimer leer.» Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands frisst auch der aus China stammende Marderhund Amphibien und kann zur Gefahr werden. Auch der heimische Fuchs kann gezielt Amphibienzäune nach Beute absuchen und so zur Gefahr werden.

 

2017 ist das Jahr des Waschbären

Pelzig, putzig und manchmal auch ein Plagegeist: Der Waschbär (Procyon lotor). Erst kürzlich hat ihn die EU-Kommission in eine Liste mit 37 fremden, invasiven Arten aufgenommen, die europaweit zurückgedrängt werden sollen. Der Kleinbär verursacht Schäden in Siedlungs- und Gartenanlagen und beeinflusst die heimische Artenvielfalt negativ. In der Natur gibt es kaum nennenswerte Faktoren, die eine weitere Ausbreitung stoppen könnten. Der DJV hat 2017 deshalb als Jahr des Waschbären ausgerufen.

can Do., 2017-02-16 10:46

Ein Waschbär kommt selten allein. Im Jagdjahr 2015/2016 stieg die Anzahl der in Rheinland-Pfalz erlegten Waschbären im Vergleich zum Vorjahr um rund 27 Prozent. Selbst in Regionen, die der Waschbär bisher nicht erschlossen hatte, konnten einzelne Tiere erlegt werden – auch im Lehrrevier des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) bei Weinsheim im Kreis Bad Kreuznach.

Ende September fingen die Berufsjäger des LJV einen jungen Waschbären in einer Wipprohrfalle (Lebendfangfalle). Es ist der erste Waschbär, der im LJV-Lehrrevier jemals gefangen wurde. „Wo ein Waschbär auftaucht, sind Andere nicht weit“, sagt Wildmeister und akademischer Jagdwirt Christoph Hildebrandt. „Waschbären leben in Gruppen als Mutter-Kind-Verbände, Rüden-Koalitionen und/oder in lockeren Verbindungen der meist nah verwandten Fähen (weibliche Waschbären) in einem Gebiet“, erklärt Hildebrandt, der die LJV-Landesjagdschule leitet und für die Betreuung des LJV-Lehrreviers mit verantwortlich zeichnet.

In Rheinland-Pfalz kamen im letzten Jagdjahr 332 Tiere zur Strecke. Im Vergleich zum Vorjahr (261 erlegte Waschbären) bedeutet das einen Anstieg um rund 27 Prozent. Auch wenn die Streckenstatistik im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Hessen (27.769 Waschbären in 2015/2016), Niedersachsen (10.070), Sachsen-Anhalt (23.114) oder Brandenburg (26.358) gering ist, kann sich die Populationsentwicklung beim Waschbär innerhalb weniger Jahre rasant beschleunigen.

Das bestätigt Dr. Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt. „Wenn man sich beispielsweise die Streckenstatistik der letzten 40 Jahre in Sachsen-Anhalt ansieht, so fällt auf, dass der Waschbär jagdlich betrachtet einige Jahre lang eine zu vernachlässigende Wildart war. Doch plötzlich schossen die Erlegungszahlen in die Höhe“, berichtet der Forscher. Die gleiche Entwicklung könne auch Rheinland-Pfalz blühen, so Dr. Hohmann. „Nur eine intensive Bejagung kann die Verbreitung des Waschbären höchstens verlangsamen, in Randgebieten im günstigsten Fall hinauszögern.“

Die Europäische Union (EU) sieht in der Ausbreitung des Waschbären ein Problem und setzte ihn mit 36 anderen eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten auf die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten, deren Verbreitung eingedämmt werden soll. Diese Liste ist in Verbindung mit einer seit Januar 2016 in Kraft getretene Verordnung der EU zu sehen, die Mitgliedsstaaten zu verstärkten Bemühungen gegen die Ausbreitung solcher Arten verpflichtet.

Der Waschbär kann als invasive Art einen negativen Einfluss auf die heimische Artenvielfalt haben. In Brandenburg beobachten Forscher seit 2005 einen vehementen Bestandsrückgang der Europäischen Sumpfschildkröte. Wo der Waschbär vorkommt, weist nahezu jedes zweite Reptil schwere Verletzungen auf, wie zum Beispiel abgebissene Gliedmaßen und Schwänze. In Thüringen macht der Waschbär dem Uhu die Brutplätze streitig. Zwischenzeitlich besetzt er jeden zweiten potenziellen Brutplatz. Als Nahrungsgeneralist und Nahrungsopportunist kann er auch in Rheinland-Pfalz lokal den gleichen negativen Effekt auf seltene Arten ausüben.

Auch Krankheiten sind bei den Kleinbären ein ernst zu nehmendes Thema. Neben Spulwürmern und Räudemilben können die Tiere auch Überträger des Staupevirus, der Aujeszkyschen Krankheit und des Canine Pravovirus sein.

Da Waschbären dämmerungs- und nachtaktiv sind, bekommen Jäger sie bei der Ansitzjagd eher selten zu sehen. Daher rät Wildmeister Christoph Hildebrandt zur Fangjagd. „Wir können uns die natürliche Neugier des Waschbären zu Nutze machen und ihn effizient mit tierschutzgerechten Fallen bejagen.“ Für Hildebrandt steht fest, dass die Ausbreitung des Waschbären nur eingedämmt werden kann, wenn die Bejagung auf breiter Fläche – also revierübergreifend – durchgeführt wird.

Die wald- und gewässerreiche Landschaft von Rheinland-Pfalz bietet Top- Voraussetzungen für den Waschbären. Im Norden von Rheinland-Pfalz hat sich der Kleinbär vor allem in den Waldregionen ausgebreitet. Im südlichen Rheinland-Pfalz kommt er als Kulturfolger eher in urbanen Gebieten vor.

"Wir wollen gesunde Tiere und gesunde Lebensmittel"

Veterinäre haben in Fleisch aus den Schlachthöfen in Sachsen-Anhalt kaum unzulässige Substanzen gefunden - Wildtiere bergen aus ihrer Sicht aber durchaus Risiken. Von insgesamt rund 700.000 Untersuchungen im vergangenen Jahr hätten 30.000 tierische Proben von Erzeugern und Schlachthöfen gestammt, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz am Donnerstag in Stendal mit. Davon seien sieben auffällig gewesen, weil sie etwa zu viel Kupfer enthielten. In fünf Fällen stellte das Amt unzulässig hohe Antibiotikarückstände fest.

cws Fr., 2016-09-09 11:03
EU-Liste invasive Arten: Jäger fordern Unterstützung

Die Europäische Union (EU) hat den Waschbär (Procyon lotor) in die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten aufgenommen, deren primäres Ziel die Eindämmung der Arten ist. Der Deutsche Jagdverband (DJV) befürwortet diese Entscheidung. "Da der Waschbär dem Jagdrecht unterliegt sind Jäger kompetente Ansprechpartner, wenn es um die Reduzierung von Wildtierbeständen in der Fläche geht", sagt Dr. Jürgen Ellenberger, DJV-Präsidiumsmitglied und zuständig für Neozoen.

cws Di., 2016-07-19 12:09
Selbsternannte Waschbärschützer unterliegen vor Gericht

Das Landgericht Marburg hat einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den DJV rechtskräftig abgewiesen. Diesen hatten zwei selbst ernannte Waschbärschützer gestellt, die im Vorfeld mit einer Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der angeblich brutalen Tötung zweier Waschbären vorgegangen waren. Den Fall hatten die "Waschbärschützer" im Frühjahr 2015 publik gemacht.

ska Mi., 2016-03-30 15:10
Bären im Gartenhäuschen

Ein nächtliches Poltern auf dem Dach, umgeworfene Mülltonnen oder zerkratzte Wände im Gartenhäuschen? Ab März suchen Waschbären nach einem geeigneten Unterschlupf zur Aufzucht der Jungen - und finden optimale Bedingungen in menschlichen Siedlungen. Das führt zu Konflikten, spätestens, wenn der Apfelbaum geplündert oder die Küche verwüstet ist. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hilft dabei, wilde Situationen in Haus und Garten zu meistern.

ska Fr., 2016-03-04 10:14

Immer mehr Waschbären werde in Deutschland erlegt. Das deutet auf eine weitere Ausbreitung und eine Erhöhung der Bestände. Der DJV spricht sich für eine Ausweitung der Fallenjagd aus.

Die Waschbär-Population ist in Brandenburg nach allem Anschein zuletzt wieder deutlich gewachsen. Darauf weisen neue Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) hin. Demnach stieg die Zahl der getöteten Waschbären im Jagdjahr 2014/2015 (1. April bis 31. März) in der Mark um 11,6 Prozent auf 24 090 Tiere. Fachleute leiten von der Zahl der toten Tiere die Entwicklung des Gesamtbestands ab.

«Es ist nicht möglich, den Waschbären aus Deutschland wieder zu entfernen. Der hat sich etabliert und wird sich auch weiter ausbreiten», sagte der Vize-Geschäftsführer des DJV, Torsten Reinwald. «Aber, und das ist das Entscheidende: Mit der Jagd kann man regional und ganz besonders in Schutzgebieten - beispielsweise für den Uhu, die Großtrappe oder die Sumpfschildkröte - die Zahl der Waschbären effektiv reduzieren. Und damit auch den Druck auf gefährdete Arten.» Der DJV sprach sich für eine Ausweitung der Fallenjagd aus.

Bundesweit stieg die Zahl der Tiere, die geschossen, überfahren oder tot gefunden wurden, sogar um gut 20 Prozent auf über 116 000. «Die EU zählt den Waschbären zu den 100 schlimmsten invasiven Arten», sagte Reinwald vor der Messe «Jagd & Hund» (10.-14.2.) in Dortmund.

Die grau-weißen Kleinbären mit der markanten schwarzen Gesichtsmaske gibt es seit rund 80 Jahren in Deutschlands Wildbahn. Hier bedroht der Waschbär laut DJV mehrere seltene Tierarten, darunter die in Brandenburg noch beheimatete Sumpfschildkröte. «Die Waschbären versuchen die Schildkröten zu fressen», sagte Reinwald. «Sie beißen den Sumpfschildkröten die Schwänze und Gliedmaßen ab. Und gleichzeitig buddeln sie auch die Gelege aus und fressen die jungen Schildkröten.» Bei Studien wiesen 50 Prozent der ausgewachsenen Sumpfschildkröten charakteristische Bissverletzungen auf.

Auch der Uhu werde vom Waschbär bedrängt, wenn auch auf andere Weise. «Der Uhu braucht zum Brüten Felswände, Felsspalten, Felsvorsprünge. Beispielsweise alte verlassene Steinbrüche, das ist sein Brutgebiet.

So viele ungestörte Felswände gibt es einfach nicht. Deswegen ist der Uhu eine seltene und geschützte Art. Der Waschbär ist ein unglaublich guter Kletterer und kommt natürlich auch solche Steilwände locker hoch.» Er sei von Natur aus aber relativ bequem. «Der nimmt die Uhu-Horste einfach in Beschlag und sagt: «Hier wohne ich und nicht Du.» Er schmeißt den Uhu einfach raus.» Deutschlands größte Eule werde so aus seinen angestammten Brutgebieten verdrängt.

«Um diese Tiere effektiv zu bejagen, brauchen wir die Fallenjagd», sagte Reinwald. «Das ist ganz entscheidend, weil diese Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind. Es geht nur mit Lebendfallen.» Allerdings werden die gefangenen Tiere danach getötet. «Woanders aussetzen würde das Problem einfach nur verlagern. Das wäre sinnlos.» Es sei wichtig, offen über das Problem zu sprechen. «Wir fordern da mehr Ehrlichkeit, auch von den Naturschutzverbänden.»

- Die 100 gefährlichsten invasiven Arten: http://dpaq.de/GZ1tZ

- Waschbären und Sumpfschildkröten: http://dpaq.de/hm3Nw

- Eingeschleppte Arten: http://dpaq.de/I1X41

Jäger stellen Strafanzeige gegen selbsternannte Waschbärschützer

„Vortäuschung einer Straftat“ und Irreführung von Polizei und Öffentlichkeit werfen Jäger zwei selbsternannten „Waschbärschützern“ aus Hessen vor. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat deshalb gegen Dr. Francesco Dati (Marburg) und Harald Roth (Herbstein), Betreiber eines Waschbär-Geheges, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Gießen erstattet. Die beiden Beschuldigten hätten der Polizei und der Öffentlichkeit den Fang von zwei Waschbären und deren „grausame Tötung“ vorgetäuscht, so der Wortlaut in der Strafanzeige.

Roth und Dr. Dati hatten im April 2015 bundesweit in Medien mit der Darstellung Aufsehen erregt, dass Unbekannte in der Nacht zum Ostersamstag in einen umzäunten Schlosspark bei Lauterbach eingedrungen seien und dort in Drahtgitterfallen zwei Waschbären gefangen hätten. Die beiden Muttertiere seien dann mit einem Hammer beziehungsweise mit einer Nagellatte durch Schläge in den Kopf „bestialisch getötet worden“. Ein Waschbär sei „nach Jägerart“ in Streifen geschnitten worden, um einen Osterbraten zu gewinnen. Beide Weibchen hätten hilflose Junge hinterlassen. Als Beweis präsentierte Schlossbesitzer Roth den Medien fünf Jungtiere, die er angeblich im Schlosspark gefunden hatte. Roth hatte den angeblichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bei der Lauterbacher Polizei angezeigt, Dr. Dati erstattete bei der Jagdbehörde des Vogelsbergkreises Anzeige wegen eines Vergehens gegen das Jagdgesetz.

Jäger haben Ungereimtheiten entdeckt, als sie die ausführliche Schilderung des „Tathergangs“ durch Dr. Dati und Roth im Internet und der lokalen Presse näher unter die Lupe genommen haben. Außerdem wurde der Kadaver des angeblich in Streifen geschnittenen Waschbären auf Drängen der Jäger später von der Polizei sichergestellt und vom Hessischen Landeslabor in Gießen veterinärmedizinisch untersucht worden. „Die von Dr. Dati im Internet veröffentlichten Fotos und die Aussagen von Roth und Dati zum Tathergang weisen eklatante Widersprüche auf“, erklärte DJV-Präsidiumsmitglied Ralph Müller-Schallenberg. Bei dem laut Roth angeblich frisch getöteten und „fachmännisch in Streifen geschnittenen Waschbären“ handelt es sich nach Auskunft des Hessischen Landeslabors um einen schon in hochgradige Fäulnis übergegangenen alten Waschbär-Kadaver, der nach dem Verenden von Aasfressern wie Füchsen angefressen wurde. Zudem will Roth laut Aussage bei der Polizei am Schädelknochen festgestellt haben, dass genau dieses Tier mit einem Hammer erschlagen worden sei. Die Veterinärmediziner konnten allerdings keine Schädelfraktur feststellen. Das Landeslabor konnte zwar laut Obduktionsbericht an dem verwesten Kadaver die genaue Todesursache und den Todeszeitpunkt nicht mehr ermitteln, wies aber stattdessen das tödliche Staupe-Virus nach. Deshalb spreche laut Müller-Schallenberg alles dafür, dass der Waschbär an Staupe verendet und Wochen später als angebliches Beweismittel präsentiert worden sei. Dr. Dati behauptet zudem im Internet, dass eben dieses Tier „beim panisch-verzweifelten Versuch, sich zu befreien, tiefe Verletzungen an den Vorderpfoten davontrug“. Das Foto des Waschbärkadavers aus dem Landeslabor beweise aber, dass dem Tier beide Vorderläufe- und -pfoten gänzlich fehlen, so der DJV. Offensichtlich haben Wildtiere daran gefressen, wie auch der Bericht des Landeslabors bestätigt. Ferner weist auch der zweite - auf dem angeblichen Beweisfoto völlig unversehrte Waschbär - keinerlei Abschürfungen an den Pfoten auf, obwohl Dati und Roth dies mehrfach behaupteten, um dessen Fang in einer Drahtgitterfalle zu beweisen. Der zweite Waschbär konnte von der Polizei nicht aufgefunden und sichergestellt werden, weil Roth ihn neben weiteren Waschbär-Kadavern vergraben haben will und sich an die „Grabstelle“ angeblich nicht mehr erinnern konnte.

Francesco Dati gehört den Vereinen „TierfreundLich“ (mit Sitz in Lich, Hessen) und „Wildtierschutz Deutschland“ (Gau-Algesheim, Rheinland-Pfalz) an und bezeichnet sich in der Presse selbst als „Waschbärschützer“. Harald Roth betreibt nach eigenen Angaben für „TierfreundLich“ eine „Waschbär-Auffangstation“. Beide sind erklärte Gegner der Fangjagd und lehnen die Jagd auf Waschbären vehement ab. Derzeit wird der Entwurf der neuen hessischen Jagdverordnung diskutiert, die auch Vorschriften zur Fangjagd enthält.

Der Waschbär bedroht die letzten deutschen Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte.

Die Europäische Sumpfschildkröte ist Reptil des Jahres. Die Ehrung ist zugleich ein Verweis auf eine besonders bedrohte Art. Im Nordosten Brandenburgs existiert eines der letzten Vorkommen in Deutschland, das staatliche Naturschützer seit 1993 gemeinsam mit Jägern betreuen. Um die Population weiterhin zu erhalten und wieder großräumig zu etablieren, fordert der Deutsche Jagdverband eine Bejagung von Fressfeinden insbesondere in den Brutgebieten. „Lebensraum verbessernde Maßnahmen und eine intensive Fangjagd helfen stark bedrohten Arten wie der Sumpfschildkröte", erklärt DJV-Artenschutzexpertin Astrid Sutor.   

Seit 2005 beobachten die Forscher einen starken Bestandsrückgang auch bei erwachsenen Sumpfschildkröten. Wo der Waschbär vorkommt, weist nahezu jedes zweite Reptil schwere Verletzungen, wie abgebissenen Gliedmaßen und Schwänze, auf. Filmaufnahmen von Monitoringkameras zeigen, wie geschickt Waschbären Jagd auf Sumpfschildkröten machen. In Brandenburg sind bereits 71 Prozent der Jagdreviere in Waschbär-Hand, wie Erhebungen im Rahmen des Wildtierinformationssystems zeigen. Eine Steigerung von 29 Prozentpunkten gegenüber 2006. Deutschlandweit kommt der Kleinbär in 46 Prozent aller Jagdreviere vor.

Neben dem Waschbär bedrohen zahlreiche andere Fressfeinde wie Fuchs, Marderhund, Mink und Krähenvögel die Gelege und Schlüpflinge des seltenen Reptils. Gezielte Pflegemaßnahmen wichtiger Brutplätze, an denen im Frühsommer die Eier abgelegt werden, sind deshalb nur eine Säule des Artenschutzes. Daher fordert der DJV von Politik und Naturschutzverbänden eine Unterstützung bei der Ausübung der Fangjagd, um die Fressfeinde zu reduzieren. Jäger sind laut DJV im Umgang mit Fanggeräten geschult und daher wichtige Partner im Artenschutz. In speziellen Seminaren lernen sie das richtige Aufstellen verschiedener Fanggeräte unter Berücksichtigung aller tierschutzrechtlichen Vorschriften.

Sumpfschildkrötenschutz in Brandenburg

Weitere Informationen zur Europäischen Sumpfschildkröte

  • ursprünglich verbreitet von Portugal bis zum ehemaligen Aralsee
  • im 19.Jahrhundert in Brandenburg und Mecklenburg noch relativ häufig
  • sukzessive Bestandsabnahme durch übermäßige Nutzung als Nahrungsmittel, als Exportgut „Fastenspeise“ und nicht zuletzt als Beifang in Fischreusen
  • zunehmende Lebensraumzerstörungen, unter anderem die Trockenlegung von Gewässern und die Umwandlung sonnenexponierter Magerrasenstandorte in Ackerflächen, führten zu lokaler Ausrottung
  • Sumpfschildkröten legen etwa 10 bis 20 Eier in Erdgruben unweit der Wohngewässer
  • in den unterirdischen Brutstätten entwickeln sich aus dem Gelege die jungen Schildkröten, die in ihren Bruthöhlen überwintern und erst im Frühjahr des nächsten Jahres das Wasser aufsuchen
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