Die afrikanische Nilgans hat ihr Verbreitungsgebiet in Deutschland innerhalb von acht Jahren um 71 Prozent ausgedehnt. Bei der nordamerikanischen Kanadagans sind es sogar plus 91 Prozent. Der DJV fordert für die invasive Nilgans eine einheitliche flächendeckende Bejagung, um heimische Arten zu schützen.

Die ursprünglich aus Afrika stammende Nilgans erobert Deutschland: 2017 meldeten deutlich mehr als ein Drittel der Reviere ein Vorkommen - das sind 71 Prozent mehr als acht Jahre zuvor. Mehr als verdoppelt hat sich im selben Zeitraum der Anteil der Reviere mit Brutpaaren auf 23 Prozent. Die aus Nordamerika stammende Kanadagans  - die größte in Mitteleuropa lebende Gänseart - breitet sich sogar noch schneller aus: 2017 meldeten Jäger ihr Vorkommen in knapp einem Viertel der Reviere - ein Plus von 91 Prozent gegenüber 2009. Die Zahl der Reviere mit Brutpaaren hat sich um das 1,3-fache erhöht und lag 2017 bei 8 Prozent. Insgesamt haben sich am Monitoring Reviere mit einer Gesamtfläche von 12,5 Millionen Hektar beteiligt - das entspricht  knapp 40 Prorzent der gesamten Jagdfläche Deutschlands. Damit ist das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) einzigartig in seiner Dimension. Initiiert hat es der Deutsche Jagdverband (DJV) gemeinsam mit seinen Landesjagdverbänden vor fast zwei Jahrzehnten.

DJV fordert bundesweite Jagd auf Nilgänse

Die Nilgans hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und Nilgans in Deutschland - Anteil der Reviere mit Vorkommen (2009 und 2017)in Niedersachsen, dort kommt sie mittlerweile in 60 Prozent der Reviere vor. Die aktuellen Monitoring-Daten zeigen, dass sich die afrikanische Gänseart nach Osten und Süden ausbreitet. Seit 2017 wird sie von der Europäischen Union als invasiv eingestuft - für Deutschland besteht damit die Verpflichtung, die Ausbreitung zu unterbinden. Der DJV fordert die bundesweite Bejagung nach einheitlichen Standards, um weitere ökologische und ökonomische Schäden durch die Nilgans nachhaltig zu verhindern. Derzeit ist die Gans lediglich in neun Bundesländern jagdbar. In der Saison 2016/17 haben Jäger mehr als 20.700 Nilgänse erlegt.

Kanadagans weit verbreitet im Nordwestdeutschen Tiefland

Das Hauptvorkommen der Kanadagans liegt im Nordwestdeutschen Tiefland mit Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg. Dort meldeten bis zu drei Viertel der Reviere die Anwesenheit der Gans. Das größte Vorkommen an Brutvögeln liegt in Nordrhein-Westfalen: In jedem vierten Revier haben Jäger Nachwuchs gesichtet. In Niedersachsen ist dies in jedem zehnten Revier der Fall.

WILD-Bericht 2017

Der gesamte WILD-Bericht 2017 wird im Januar 2019 veröffentlicht. In der 75 Seiten starken Broschüre werden Monitoring-Daten zu insgesamt 17 Tierarten veröffentlicht. Für das WILD-Projekt erheben Jäger seit 2001 bundesweit Daten zu Wildtieren. Wissenschaftler werten die Daten aus. Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier: www.jagdverband.de/content/wild-monitoring 

 

Gleich zwei Exemplare des sonst so seltenen Goldschakals wurden kürzlich in Deutschland nachgewiesen. Die menschenscheuen Tiere sind neben dem Wolf die einzigen Vertreter der Gattung Canis auf dem europäischen Kontinent.

Diese Woche wurden die in Mitteleuropa äußerst selten auftretenden Goldschakale gleich zwei Mal in Deutschland nachgewiesen. Wie das schleswig-holsteinische Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gestern mitteilte, wurde ein Tier nach Riss einer Schafsherde im Kreis Dithmarschen mittels Gentests identifiziert. Damit handelt es sich um den ersten Nachweis in Schleswig-Holstein. In Süddeutschland verunfallte ein Goldschakal auf der A9 nahe Freising, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) ebenfalls gestern berichtete.

Ursprünglich auf dem Balkan beheimatet, besiedeln Goldschakale seit einigen Jahren vereinzelt auch Mitteleuropa. Im Sommer 2000 konnte ein Nachweis in der brandenburgischen Lausitz erbracht werden, weitere in Bayern (2012), Hessen (2013) und 2016 in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die nördlichsten Nachweise in Europa liegen mittlerweile aus Dänemark vor. 

Die Tiere sind sehr scheu und meiden den Kontakt mit Menschen. Ihren Namen haben sie vom goldgelb gefärbten Fell. Sie fressen Insekten, Nagetiere, Vögel und andere Kleintiere. Ihr Lebensraum reicht von den tropischen und subtropischen Regionen Asiens über den Nahen Osten bis Südosteuropa. Zwischenzeitlich sei der Goldschakal auch in Niederösterreich und Norditalien heimisch. Goldschakale sind nach der der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Sie gehören nicht zu den jagdbaren Arten.

DJV legt Monitoring-Daten für Waschbär, Marderhund und Mink vor. Innerhalb von neun Jahren hat der Waschbär sein Vorkommen im Kerngebiet um 32 Prozentpunkte gesteigert. Auch Marderhund und Mink breiten sich weiter aus, allerdings weniger ausgeprägt. Artenschutz: DJV fordert Erleichterungen für die Jagd auf die nachtaktiven Fleischfresser.

Seit dem Jahr 2006 überwachen Jäger systematisch die Ausbreitung von Waschbär, Marderhund und Mink in Deutschland. Wissenschaftler haben jetzt Datenreihen aus über 24.000 Revieren bis zum Jahr 2015 für das Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD) ausgewertet. Das deutschlandweit umfangreichste Monitoring umfasst 13 Millionen Hektar - das entspricht etwa 40 Prozent der land- und forstwirtschaftlichen Fläche. Die wichtigsten Ergebnisse hat der Deutsche Jagdverband (DJV) heute veröffentlicht.

Waschbär bricht alle Rekorde

Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Waschbären, einem nordamerikanischen Kleinbären: Er hat sich bundesweit ausgebreitet und kommt inzwischen in 43 Prozent der Reviere vor. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Erfassung im Jahr 2006. Die historisch bedingten Hochburgen Brandenburg und Hessen sind zwischenzeitlich Teil eines größeren Kerngebiets (Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Hessen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern). Dort haben Jäger den Waschbär 2015 in 74 Prozent der Reviere nachgewiesen. Im Jahr 2006 haben nur 42 Prozent ein Vorkommen gemeldet.

Besonders weit verbreitet ist der Kleinbär in Sachsen-Anhalt (91 Prozent der Reviere), in Brandenburg (88 Prozent) und in Hessen (78 Prozent). Der größte Zuwachs von 2006 bis 2015 ist in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen (plus 47 Prozentpunkte). Selbst in Baden-Württemberg (plus 14 Prozentpunkte seit 2006) und Nordrhein-Westfalen (plus 18 Prozentpunkte) ist der Waschbär auf dem Vormarsch. Die Ausbreitung macht sich auch in der Jagdstatistik bemerkbar. Bundesweit haben Jäger in der Jagdsaison 1995/96 rund 3300 Tiere erlegt. In der vergangenen Jagdsaison (2015/16) waren es 128 100, eine Rekordzahl.

Marderhund auf konstant hohem Niveau

Den aus China stammenden Marderhund haben Jäger 2015 deutschlandweit in über einem Viertel aller teilnehmenden Reviere bestätigt - eine Steigerung um 6 Prozentpunkte gegenüber 2006. Sein Vorkommen konzentriert sich hauptsächlich auf ein Kerngebiet, das Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt umfasst. Dort kommt der Marderhund in 80 Prozent der Reviere vor, das sind 16 Prozentpunkte mehr als neun Jahre zuvor.

Am häufigsten haben Jäger den Marderhund in Mecklenburg-Vorpommern (92 Prozent der Reviere) angetroffen, gefolgt von Brandenburg (84 Prozent). In Sachsen-Anhalt hat sich der Marderhund zwar nur in 64 Prozent der Reviere gezeigt, der Zuwachs war mit 29 Prozentpunkten allerdings am größten.

Gewässerspezialist Mink breitet sich langsam aus

Der Mink oder amerikanische Nerz ist als Fleischfresser an den Lebensraum Wasser gebunden. Dementsprechend ist seine flächenmäßige Ausbreitung in Deutschland begrenzt: Jäger haben ihn 2015 in 7 Prozent der Jagdbezirke nachgewiesen, das entspricht einer Steigerung von 2 Prozentpunkten gegenüber 2006.

Aus Nerzfarmen entlaufene oder von Tierschützern "befreite" Tiere haben sich unter anderem entlang der Elbe ausgebreitet und fressen bedrohte Krebse, Amphibien und Vögel. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von Sachsen-Anhalt über Brandenburg bis Mecklenburg-Vorpommern. Dort kommt er in 24 Prozent der Reviere vor, das sind 10 Prozentpunkte mehr als 2006.

Jäger fordern Unterstützung bei der Bejagung

Jegliche Einschränkung, die eine effektive Bejagung von gebietsfremden Arten erschwert, ist laut DJV kontraproduktiv für den Artenschutz. Dies gilt insbesondere für den Waschbären, den die Europäische Union (EU) kürzlich in die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten aufgenommen hat. Primäres Ziel: die Eindämmung. „Wenn wir die heimische Artenvielfalt erhalten wollen, gibt es nur zwei Stellschrauben: Lebensräume erhalten und verbessern sowie Fressfeinde reduzieren“, sagt DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Jürgen Ellenberger. Angesichts der rasanten Ausbreitung räuberisch lebender, gebietsfremder Arten und dem fortschreitenden Lebensraumverlust etwa für Arten der Offenlandschaft und Feldflur fordert der DJV eine flächendeckende Bejagung. Dies schließt insbesondere Naturschutzgebiete, befriedete Bezirke nach §6a BJagdG sowie urbane Räume ein.

Eine drastische Einschränkung der Jagdzeit für den Waschbären - wie derzeit in Hessen praktiziert - lehnen Jäger ab, sprechen sich jedoch gegen einen Vernichtungsfeldzug aus: Der Elterntierschutz gilt auch für invasive Arten. Waschbärmütter, die Junge versorgen müssen, dürfen demnach nicht bejagt werden. Ebenso unsinnig für den Artenschutz ist ein Verbot der Fallenjagd wie in Berlin oder deren Einschränkung. Denn Waschbär, Marderhund und Mink sind nachtaktiv und können mit tierschutzgerechten Fanggeräten effektiv bejagt werden.

Im Falle des Waschbären geht Dr. Ellenberger noch einen Schritt weiter: "Öffentliche Aufträge bedürfen öffentlicher Mittel, wir fordern eine finanzielle Unterstützung der Jäger.“ Dies könnten Zuschüsse für Fallen und elektronische Fallenmelder oder Fahrtgeld sein. Denn Fangjagd sei zwar eine äußerst effektive Jagdart, aber eben auch sehr kosten- und zeitaufwändig.

Waschbär: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Waschbär: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Marderhund: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Marderhund: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Mink: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Mink: Verbreitung 2006-2015 (Quelle: DJV)
Waschbären töten massenhaft Kröten am Abfangzaun

Überall in Niedersachsen haben Tierfreunde in diesen Tagen Krötenschutzzäune errichtet, damit Amphibien bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern nicht von Autos überrollt werden. Von freiwilligen Helfern werden die Tiere in Eimern aufgefangen und über die Straße getragen, damit sie ihren Weg gefahrlos fortsetzen können.

tre Do., 2017-03-16 12:23

Seit mehr als 80 Jahren sind Waschbären in deutschen Wäldern unterwegs. Ohne nennenswerte Fressfeinde breiten sich die Neubürger aus Nordamerika rasant aus. Jäger und andere Naturschützer beobachten seit Jahren einen Einfluss auf die heimische Artenvielfalt. Umso wichtiger, sich intensiv mit dem nachtaktiven Räuber auseinanderzusetzen.

Pelzig, putzig und manchmal auch ein Plagegeist: Der Waschbär (Procyon lotor). Erst kürzlich hat ihn die EU-Kommission in eine Liste mit 37 fremden, invasiven Arten aufgenommen, die europaweit zurückgedrängt werden sollen. Der Kleinbär verursacht Schäden in Siedlungs- und Gartenanlagen und beeinflusst die heimische Artenvielfalt negativ. In der Natur gibt es kaum nennenswerte Faktoren, die eine weitere Ausbreitung stoppen könnten. Der DJV hat 2017 deshalb als Jahr des Waschbären ausgerufen. "Die Fangjagd ist das effektivste Mittel, um den nachtaktiven Räuber zu bejagen. Diese ist absolut notwendig und muss unter Beachtung des Elterntierschutzes ganzjährig möglich sein, um seine weitere Ausbreitung zu verlangsamen'', sagt Professor Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. Er hat sein Verbreitungsgebiet deutschlandweit in sieben Jahren nahezu verdoppelt und kommt jetzt fast in jedem zweiten Jagdrevier vor. Trotz allem gehört er zu den Raubsäugern Europas, die bisher am wenigsten untersucht wurden.

Neozoen können heimische Fauna gefährden

Rotfuchs und Dachs sind bekannte heimische Prädatoren. Weitere räuberische Einwanderer, die sich in Deutschland ausgebreitet haben, sind Marderhund, Mink und auch der Waschbär. Viele Naturschützer sehen durch den gestiegenen Räuberdruck seltene regionale Tierarten bedroht: In Deutschland gibt es die Europäische Sumpfschildkröte mit weniger als 100 erwachsenen Vertretern ihrer Art, nur noch in wenigen Naturschutzgebieten in Brandenburg. ,,Funde ausgefressener Schildkrötenpanzer, sowie schwere Verletzungen wie abgebissene Gliedmaßen, gehen in der Regel auf das Konto des Waschbären'', sagt Dr. Norbert Schneeweiß, Chef der Naturschutzstation Rhinluch (Landesamt für Umwelt). "Ohne eine intensive Fangjagd mit Unterstützung örtlicher Jäger und den Schutz der Nester vor dem Zugriff von Waschbären und anderen Fressfeinden, wäre der Erhalt der Vorkommen nicht möglich“.

Auf dem Speiseplan des Allesfressers stehen Früchte, aber auch Amphibien und Reptilien sowie Jungvögel und Vogeleier. Letztere sind bei vielen kleineren Raubtieren ein beliebter Leckerbissen. Diese Vorliebe stellt nicht nur für Bodenbrüter ein Problem dar: Aufgrund seiner ausgezeichneten Kletterkünste sucht der Kleinbär auch in Baumkronen oder an steilen Felswänden nach Nahrung. Baumhöhlen und Horste von Greifvögeln kann er sogar bewohnen. Deshalb bringen Wissenschaftler ihn vor allem mit Brutverlusten bei Uhus, Graureihern und Höhlenbrütern in Verbindung. Einige Vogelarten fühlen sich durch die ständige Anwesenheit des Waschbären gestört und verlassen ihre Brutstätten vorzeitig. In Thüringen hatten die dort ansässigen Uhus im Jahre 2009 weniger Bruterfolg, denn knapp ein Viertel der Nistplätze war von Waschbären in Beschlag genommen. Auch wenn Horste oder Felsspalten nur zeitweise okkupiert werden, kann diese Störung zum Ausfall einer gesamten Brutsaison führen.

Immer mehr Waschbären in Deutschland

Im Jahr 1934, ursprünglich zur ,,Bereicherung" der heimischen Tierwelt ausgesetzt, stand der Waschbär die folgenden 20 Jahre unter Naturschutz. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland kritische Stimmen laut. Hessen nahm ihn als erstes Bundesland ins Jagdrecht auf, doch erst seit 1990 steigt die Jagdstrecke merklich an. In einigen Bundesländern, wie auch in Hessen, unterliegt er vom 1. März bis 31. Juli der Schonzeit. Dies erschwert die Bejagung und eine Zurückdrängung der Art. Denn schon längst sind Wald- und Feldlandschaften vom Nordosten bis in den Südwesten Deutschlands in unterschiedlichen Dichten besiedelt. Als Neubürger hat er kaum natürliche Fressfeinde, welche die Ausbreitung in Deutschland stoppen könnten.

Das Ausmaß seiner Verbreitung verdeutlichen die Zahlen des Wildtier Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD): Im Vergleich zu 2006 meldeten im Jahr 2013 fast doppelt so viele Reviere ein Vorkommen des Kleinbären. Deutschlandweit ist nun fast jedes zweite Revier in Waschbärhand, im Kerngebiet (Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) liegt die Zahl mit 71 Prozent sogar noch deutlich höher. Regelmäßig erheben Jäger in über 25.000 Revieren Daten zum Waschbären und anderen Neozoen, die wissenschaftlich ausgewertet werden. Das entspricht etwa der Hälfte der land- und forstwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Damit bieten sie das umfangreichste Monitoring bundesweit.

Weitere Informationen:

1) Schneeweiß, N. ''Ein wertvolles Relikt - wie steht es um die Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte in Brandenburg.''- Naturmagazin, Rangsdorf (2015): 22-24.

2) Schrack, M. "Der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor)—ein Gegenspieler wehrhafter Vogelarten." Veröffentlichungen Museum Westlausitz Kamenz 30 (2010): 75-82.

3) Tolkmitt, D. et al. "Einfluss des Waschbären Procyon lotor auf Siedlungsdichte und Bruterfolg von Vogelarten–Fallbeispiele aus dem Harz und seinem nördlichen Vorland." Orn. Jahresber. Mus. Heineanum 30 (2012): 17-46.

4) Görner, M. ''Haben Waschbären (Procyn lotor) einen Einfluss auf den Reproduktionserfolg einheimischer Vögel?'' Acta ornithoecologica, Jena 6 (4) (2009): S.197-209.

Die aus Nordafrika stammenden Nilgänse breiten sich bundesweit in immer mehr Gebieten aus. So gebe es in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereits in mehr als einem Viertel der Reviere entsprechende Brutvorkommen, meldete der Deutsche Jagdverband (DJV) am Freitag.

Die aus Nordafrika stammenden Nilgänse breiten sich bundesweit in immer mehr Gebieten aus. So gebe es in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereits in mehr als einem Viertel der Reviere entsprechende Brutvorkommen, meldete der Deutsche Jagdverband (DJV) am Freitag. In Rheinland-Pfalz und Hessen brüteten die Vögel bereits in mehr als 15 Prozent der Reviere. Das geht aus den Zahlen des vom DJV betreuten Wild-Monitorings zur bundesweiten Erfassung ausgewählter Wildtierarten wie etwa Waschbär und Marderhund hervor. «Besonders deutlich ist die Zahl der Nilgänse in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen gestiegen», sagte DJV-Sprecher Torsten Reinwald.

Nilgans - Entwicklung des Brutvorkommens 2009-2013

Nilgänse sind außerordentlich konkurrenzstark und anpassungsfähig. Sie brüten am Boden, in Höhlen und in verlassenen Nestern von Greifvögeln. Doch in Deutschland hat sie es nicht nur mit einheimischen Arten zu tun, sondern auch mit Neozoen. Das belegt ein Fall aus dem Raum Großgörschen, Sachsen-Anhalt: Ein Paar Nilgänse hatten dort den Horst eines Mäusebussards übernommen und wurden anschließend vom Waschbär geplündert und vertrieben.

Erkennbar sind die Nilgänse an ihrem dunklen Augenfleck und den relativ hohen Beinen. Auch gegenüber Menschen sind sie vergleichsweise aggressiv und verteidigen Uferbereiche und Flachwasser hartnäckig. Ob Nilgänse dabei jedoch heimische Tierarten verdrängen, ist unter Fachleuten umstritten. Seit dem 18. Jahrhundert werden sie als Ziergeflügel in Großbritannien gehalten. Erst seit den 1970er Jahren gelangten sie über die Niederlande auch nach Deutschland.

Quellen:
Halbauer/Sänger (2009). Bemerkenswerte Beobachtung zu den Neozoen Nilgans (Alopochen aegypticus) und Waschbär (Procyon lotor), in: Acta ornithoecologica, Bd. 6, H. 4.

Seit dem Jahr 2006 überwachen Jäger systematisch und wissenschaftlich fundiert die Ausbreitung von Waschbär, Marderhund und Mink. Jetzt liegen die Ergebnisse für 2013 vor, die im Rahmen des Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD) veröffentlicht werden.

Seit dem Jahr 2006 überwachen Jäger systematisch und wissenschaftlich fundiert die Ausbreitung von Waschbär, Marderhund und Mink. Jetzt liegen die Ergebnisse für 2013 vor, die im Rahmen des Wildtier-Informationssystem der Länder (WILD) veröffentlicht werden. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Der Waschbär hat sein Verbreitungsgebiet deutschlandweit in sieben Jahren nahezu verdoppelt und kommt jetzt fast in jedem zweiten Jagdrevier vor (46 Prozent).
  • Der Marderhund lebt in jedem dritten Revier (32 Prozent), das sind 10 Prozentpunkte mehr als 2006.
  • Der Mink, ein Spezialist für wassernahe Lebensräume, kommt in 9 Prozent der Reviere vor (plus 4 Prozentpunkte).

 

Bezogen auf die Kerngebiete des Vorkommens leben Waschbär und Marderhund bereits in drei von vier Jagdrevieren. Festgestellte Ausbreitungstendenz in sieben Jahren: 41 Prozentpunkte beim Waschbär und 23 beim Marderhund.

„Die Jäger-Daten sind alarmierend. Wenn wir spezialisierten Tieren helfen wollen, gibt es nur zwei Stellschrauben: Lebensraum verbessern und Fressfeinde reduzieren“, so DJV-Vizepräsident Dr. Volker Böhning. Angesichts der rasanten Ausbreitung räuberisch lebender gebietsfremder Arten (Neozoen) fordert der Deutsche Jagdverband (DJV) eine intensivere Erforschung des Einflusses auf die heimische Artenvielfalt und eine Intensivierung der Fangjagd. Eine Einschränkung der Fangjagd, wie in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen geplant, ist laut DJV kontraproduktiv. Ebenso der Umgang einiger Naturschutzverbände mit ihren eigenen Mitgliedern: Auf Bundesebene wird ein Fallenverbot gefordert, gleichzeitig setzen dieselben Verbände vor Ort Fanggeräte ein, um Wiesenbrüter zu schützen. Viel wichtiger sei es laut DJV, sich zur Bejagung zu bekennen und die konsumptive Nutzung zu fördern. Schließlich habe eine Jacke mit Wildpelz eine wesentlich bessere Öko-Bilanz als eine Funktionsjacke aus Erdöl.

Bereits heute zeigen konkrete Einzelbeispiele, wie groß der Druck auf bedrohte heimische Arten sein kann: In Thüringen hat der Waschbär bereits ein Viertel der möglichen Horstplätze des seltenen Uhus für sich beansprucht. Der Eierdieb macht sich auch über Gelege zahlreicher bedrohter Arten her. Allerdings lässt sich dies schwer nachweisen, da er nur den Ei-Inhalt nascht und Schalen im Darm selten nachweisbar sind (hier geht es zum Video-Beweis). In Brandenburg dezimiert der nordamerikanische Kleinbär die letzten Bestände der Sumpfschildkröte: Wo er vorkommt, weist nahezu jedes zweite Reptil schwere Verletzungen auf. In Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein treibt der amerikanische Mink sein Unwesen entlang der Elbe. Von Tierschützern zu zehntausenden aus Farmen „befreit“, bedroht er jetzt Wiesenbrüterbestände.

An der Erhebung teilgenommen haben knapp 25.000 Reviere, deren Daten von drei wissenschaftlichen Einrichtungen ausgewertet wurden, darunter das Thünen-Institut in Eberswalde (Bundesforschungseinrichtung). Weitere Infos zum WILD-Projekt unter: www.jagdverband.de.

Detailübersicht der Ergebnisse

Waschbär
  • Deutschlandweit kommt der Kleinbär in 46 Prozent aller Jagdreviere vor.
  • Im Kerngebiet (Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) sind 71 Prozent der Jagdreviere in Waschbär-Hand. 2006 haben nur 42 Prozent ein Vorkommen gemeldet.
  • Der größte Zuwachs ist innerhalb von sieben Jahren in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen: plus 41 Prozentpunkte.
  • Ebenfalls beliebt bei Waschbär sind Mecklenburg-Vorpommern (42 Prozent, Ausbreitung: 26 Prozentpunkte) und Niedersachsen (38 Prozent, Ausbreitung: 16 Prozentpunkte).
  • Nordrhein-Westfalen ist ebenfalls beliebt: 36 Prozent der Jagdreviere melden die Anwesenheit des Waschbärs – 11 Prozentpunkte mehr als 2006.
Marderhund
  • Deutschlandweit melden 32 Prozent der Reviere ein Vorkommen.
  • Im Kerngebiet (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt) wurde der aus Asien stammende Hundeartige in 72 Prozent aller Reviere nachgewiesen.
  • Der größte Zuwachs von 2006 bis 2013 ist in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen: plus ein Viertel.
  • In Niedersachsen steigen die Nachweise um 15 Prozentpunkte: 2013 kam der Enok in 29 Prozent der Reviere vor.
Mink
  • Deutschlandweit melden 9 Prozent der Reviere ein Vorkommen des amerikanischen Nerzes.
  • Im Kerngebiet (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt) wurde der Mink in 23 Prozent aller Reviere nachgewiesen. Ein Plus von 9 Prozentpunkten seit 2006.

Wissenschaftliche Quellen zum Einfluss gebietsfremder Arten:
Clout, M.N. (2002): Biodiversity loss caused by invasive alien vertebrates. Zeitschrift für Jagdwissenschaft 48: 51-58

European Environment Agency (2012): The impacts of invasive alien species in Europe. EEA Technical report No 16/2012. Luxembourg

Görner, M. (Hrsg.)(2009): Haben Waschbären (Procyon lotor) einen Einfluss auf den Reproduktionserfolg heimischer Vögel? Acta ornithoecologica. Bd. 6, H. 4:197-210, Druckhaus Gera

Schneeweiß, N.; Wolf, M. (2009): Neozoen – eine neue Gefahr für die Reliktpopulationen der Europäischen Sumpfschildkröte in Nordostdeutschland. Zeitschrift für Feldherpetologie 16:163-182

Viedeo-Beweis: Der Eierdieb in Aktion

Waschbär - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Waschbär - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Mink - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Mink - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Marderhund - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Marderhund - Entwicklung des Vorkommens 2006 bis 2013 (Quelle: DJV)
Zwei Waschbären haben eine Baumhöhle in Beschlag genommen. (Quelle: Eike Mross)
Zwei Waschbären haben eine Baumhöhle in Beschlag genommen. (Quelle: Eike Mross)
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