Die Nutzung alpiner Lebensräume durch Forstwirtschaft und Tourismus hat in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen. Die heimischen Gamsbestände nehmen hingegen kontinuierlich ab - der Erhalt eines gesunden, ausreichend großen Bestandes ist mehr als fraglich. Das DJV-Positionspapier erläutert Ansätze zum nachhaltigen Umgang mit der Gams.

Der Deutsche Jagdverbandes (DJV) hat ein Positionspapier zum Gamswild verabschiedet. Es zeigt Ursachen für den Bestandsrückgang und Konfliktbereiche im Lebensraum der Gämse auf. Um Erhalt und Nutzung dieser Wildziegenart weiterhin zu gewährleisten, fordert der DJV einen Ausgleich zwischen menschlicher Nutzung und den Ansprüchen der Gämse. Zusätzlich will er das Monitoring verbessern, als Basis für ein erfolgreiches Wildtiermanagement.

Seit etwa 10 Jahren nehmen die Populationen der Gämse im Alpenraum in unterschiedlichem Ausmaß ab. Zugleich steht die Schalenwildart bei Diskussionen um Wildschäden in der Forstwirtschaft im Fokus. Lokal wird sie insbesondere in Wäldern, die dem Muren- und Lawinenschutz dienen, intensiv bejagt. Da die Gämse jedoch im Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet ist, muss ein günstiger Erhaltungszustand sichergestellt sein.

Mit Blick auf die Hauptverbreitungsgebiete der Gämse in Deutschland finden im neuen DJV-Positionspapier auch Anregungen des Bayrischen Jagdverbandes Berücksichtigung.

#allesfürdiehühner: Mit diesem Hashtag machten DJV und LJV Rheinland-Pfalz auf den drastischen Rückgang des Rebhuhns aufmerksam. Gemeinsam mit 400 Teilnehmern des Niederwildsymposiums in Mainz suchten sie Lösungsansätze, um die Artenvielfalt zu fördern.

Mitte April haben Deutscher Jagdverband (DJV) und Landesjagdverband Rheinland-Pfalz (LJV) zum Niederwildsymposium „Klartext statt Ausreden – die Biodiversität in Feld und Wiese muss eine Zukunft haben!“ eingeladen. Über 400 Vertreter aus Jagd, Naturschutz, Wissenschaft und Politik diskutierten in Mainz über potentielle Lösungsansätze und Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Viele Zeigerarten der Feldflur wie Kiebitz und Fasan sind bedroht. Besonders alarmierend ist die Entwicklung des Rebhuhns. In Rheinland-Pfalz verzichten Jäger bereits freiwillig auf die Bejagung. Auch zahlreiche Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen gelten als gefährdet. Gründe für den Rückgang sind beispielsweise die drastische Veränderung der Kulturlandschaft. Dieter Mahr, Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, betont die Dringlichkeit: "Wir müssen die übergeordneten Rahmenbedingungen ändern und die EU-Agrarpolitik im Sinne des Artenschutzes anpassen." Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken fand klare Worte: „Ich kann ihre Forderungen aufgreifen in Richtung Agrarpolitik. Ich kann unterschreiben, dass Landwirte besser entlohnt werden sollten für ihren Beitrag für Artenvielfalt.“

Anlässlich der Agrarministerkonferenz, die zeitgleich in Landau stattfand, veröffentlichten DJV, Deutscher Falkenorden und LJV Rheinland-Pfalz in Mainz das gemeinsame Positionspapier „Zukunft für die Artenvielfalt auf dem Acker“. Die drei Verbände fordern die Politik auf, Maßnahmen anzubieten, die langfristig die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft fördern und gleichzeitig finanziell attraktiv für Landwirte sind.

Impressionen vom Niederwildsymposium und wichtige Aussagen der Akteure gibt es im Facebook-Album "Niederwildsymposium 2019". Die komplette Podiumsdiskussion ist auf Facebook abrufbar.

Gundolf Bartmann, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, eröffnet das Niederwildsymposium im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. (Quelle: Milinski/DJV)
Gundolf Bartmann, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz, eröffnet das Niederwildsymposium im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. (Quelle: Milinski/DJV)
Dr. Tanja Busse übernimmt die Moderation mit den Gästen aus Politik, Jagd, Wissenschaft und Naturschutz. (Quelle: Milinski/DJV)
Dr. Tanja Busse übernimmt die Moderation mit den Gästen aus Politik, Jagd, Wissenschaft und Naturschutz. (Quelle: Milinski/DJV)
"Wir müssen uns fragen ob wir stillschweigend zusehen wollen, wie eine Art nach der anderen verschwindet. Es ist höchste Zeit etwas zu tun." so Dieter Mahr, Präsident des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. (Quelle: Milinski/DJV)
Dr. Francis Buner appelliert, dass konstruktiver Dialog das A und O für den Rebhuhnschutz ist. (Quelle: Martinsohn/DJV)
Dr. Francis Buner appelliert, dass konstruktiver Dialog das A und O für den Rebhuhnschutz ist. (Quelle: Martinsohn/DJV)
"In nature nothing exists alone. Wir müssen gemeinsam für mehr Biodiversität in der Landwirtschaft arbeiten," sagt NABU-Vorsitzende Cosima Lindemann. (Quelle: Milinski/DJV)
Astrid Sutor, DJV-Referentin für Jagd und Forstwirschaft, ist für eine nachhalte und tierschutzgerechte Fallenjagd. (Quelle Milinski/DJV) (Quelle: Milinski/DJV)
Astrid Sutor, DJV-Referentin für Jagd und Forstwirschaft, ist für eine nachhalte und tierschutzgerechte Fallenjagd. (Quelle Milinski/DJV) (Quelle: Milinski/DJV)

Nach Hochrechnungen leben bereits jetzt mehr als 1.000 Wölfe in Deutschland. Die länderübergreifende Population ist im günstigen Erhaltungszustand. Der Wolf sollte ins Bundesjagdgesetz überführt werden.

Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag hat heute ein Positionspapier zum Umgang mit dem Wolf vorgelegt. Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt es, dass darin der günstige Erhaltungszustand als erreicht angesehen wird. Allein in Deutschland beträgt das Populationswachstum knapp 30 Prozent jährlich, das Verbreitungsgebiet nimmt europaweit weiter rasant zu und Lebensraum für den Erhalt der Art ist ausreichend vorhanden. Laut Positionspapier gehe es um eine Bewertung auf Populationsebene und nicht um nationale Zahlen, ein genetischer Austausch zwischen Wölfen aus Polen, dem Baltikum und Deutschland sei gegeben. Entgegen der früheren Annahme kommt der anpassungsfähige Wolf in einer Kulturlandschaft gut zurecht. Auf Basis der kürzlich vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlichten Monitoringdaten für 2017 geht der DJV davon aus, dass es allein in Deutschland schon jetzt mehr als 1.000 Wölfe gibt.

Der DJV begrüßt es aufgrund der aktuellen Situation, dass die CDU/CSU-Fraktion die volle Ausschöpfung des Rahmens fordert, den die europäische FFH-Richtlinie bietet. Diese lässt Ausnahmen vom strengen Schutz des Wolfes zu, unter anderem, wenn es um die Sicherheit des Menschen geht, den Schutz von Nutztieren und die Abwehr von ernsthaften wirtschaftlichen Schäden. Das Bundesnaturschutzgesetz bleibt derzeit weit dahinter zurück. Weiterhin wird in dem Positionspapier die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht gefordert. Dem Jagdausübungsberechtigten solle prioritär die Durchführung von Management- und Entnahmemaßnahmen übertragen werden. Lehne dieser ab, sei die zuständige Behörde in der Pflicht. Auch nach Auffassung des DJV sollte der Wolf ins Bundesjagdgesetz überführt werden. Es geht dabei nicht um eine reguläre Bejagung. Vielmehr ist das Jagdrecht im Gegensatz zum Bundesnaturschutzgesetz in seiner Grundkonzeption sowohl Schutzrecht als auch Instrument zur Lösung von Konflikten. Das Jagdrecht ist nach Auffassung des DJV ein unabdingbares Instrument innerhalb eines gesellschaftlich getragenen Wolfsmanagements.

Jäger fordern anlässlich der Agrarministerkonferenz einheitliche Standards für die Eindämmung von Waschbär und Co. Unnötige Beschränkungen für die Jagd mit Falle und Waffe sollen fallen. Kastration ist keine Alternative zur Jagd.

Auf seiner heutigen Tagung hat das Präsidium des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ein 5-Punkte-Papier zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten verabschiedet. Zentrale Forderung: Jäger sind die ersten Ansprechpartner, denn die Eindämmung von Waschbär, Mink oder Nutria ist mit Falle und Waffe wirkungsvoll und tierschutzgerecht. An die Teilnehmer der heute beginnenden Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf hat der DJV die Forderung gerichtet, auf bundeseinheiltiche Standards für die Umsetzung der EU-Verordnung zum Management invasiver Arten zu drängen.

"Waschbär und andere eingeschleppte Arten kennen keine Ländergrenzen. Das gilt für Deutschland und Europa gleichermaßen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, deren Verbreitung zu unterbinden", sagte DJV-Präsidiumsmitglied Professor Jürgen Ellenberger. Die Jagd auf invasive Tierarten sollte laut DJV vereinfacht werden: Keine Verbote in Siedlungs- und Schutzgebieten und ganzjährige Jagdzeit. Dennoch muss der Elterntierschutz erhalten bleiben.

Deutschland habe gegenüber den Nachbarländern eine große Verantwortung, so Professor Ellenberger. Der Waschbär beispielsweise drängt von Deutschland aus nach Polen und ins Baltikum vor. Die Nutria verbreitet sich entlang des Rheins Richtung der Niederlanden. Der Pflanzenfresser aus Südamerika untergräbt Deiche, frisst bedrohte Röhrichtarten und zerstört damit Lebensräume für viele wassergebundene Tierarten.

Managementvorschläge aus Hessen halten die Jäger für praxisfern: Waschbären sollen kastriert und anschließend wieder freigelassen werden. „Es ist utopisch, 134.000 Tiere einzufangen, zu betäuben und zu kastrieren. So viele haben Jäger in der vergangenen Saison erlegt, ein wichtiger Beitrag für den Artenschutz", sagte Ellenberger. Ein nachträgliches Freilassen sei überdies gesetzlich verboten und ein Bärendienst am Artenschutz: Schließlich hätten auch kastrierte Waschbären Appetit auf bedrohte Vögel oder Schildkröten.

Anlässlich der Agraministerkonferenz in Bad Sassendorf hat der DJV ein 5-Punkte-Papier zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten verabschiedet. Zentrale Forderung: Jäger sind die ersten Ansprechpartner, denn die Eindämmung von Waschbär, Mink oder Nutria ist mit Falle und Waffe wirkungsvoll und tierschutzgerecht.

Weltweit gefährden invasive gebietsfremde Arten (IGA) die biologische Vielfalt: Sie konkurrieren erfolgreich mit heimischen Arten um Nahrung und Lebensraum und fressen diese. Zudem können IGA neue Krankheitserreger und Parasiten einschleppen oder bestehende Seuchenzyklen verstärken. Weiteres Gefährdungspotenzial: Hybridisierung durch Verpaarung mit heimischen Arten. Deutschland muss deshalb die "EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten" umsetzen. Da invasive Arten keine Ländergrenzen kennen, erfordern effektive Prävention und Eindämmung ein bundesweit abgestimmtes Management.

Die Jagd hat eine besondere Bedeutung: Durch das Revierjagdsystem sind Jäger die einzige, flächendeckend organisierte Gruppierung, die auf Basis staatlich geprüfter und nachgewiesener Qualifikation in Wildtierbestände eingreifen darf. Sie verfügen über Ortskenntnis, die für effektive Maßnahmen erforderlich ist. Intensive Bejagung hilft, Populationen etablierter, weit verbreiteter Arten (z.B. Waschbär) im Sinne der EU-Verordnung einzudämmen. Durch eine Bejagung mit Waffe und Falle können Jäger zudem eine weitere Verbreitung lokal bereits etablierter IGA unterbinden oder stark eindämmen, wie dies beispielsweise für die Nutria gilt.

Für eine konsequente Umsetzung der EU-Verordnung zum Management invasiver Arten sieht der DJV folgende Punkte als elementar an:

1. Der Jäger ist erster Ansprechpartner, wenn es um die Eindämmung von Waschbär, Marderhund und Co. geht.

Die Jagd ist ein wirkungsvolles tierschutzgerechtes Instrument des Wildtiermanagements und daher bei der Umsetzung der EU-Verordnung für das Management invasiver Arten unerlässlich. Revierinhaber sind erste Ansprechpartner für die Umsetzung dieser öffentlichen Aufgabe. Da der Einsatz von Fanggeräten und Schusswaffen zum Eingriff in diese Wildtierbestände unerlässlich ist, sind die Jagdausübungsberechtigten in jedem Fall einzubeziehen, wie auch im Bundesnaturschutzgesetz und dem Bundesjagdgesetz (§ 28a) anlässlich der Umsetzung der EU-Verordnung klargestellt wurde. Die zuständigen Behörden müssen sich mit ihnen im Vorfeld abstimmen. Nur wenn ein Jagdausübungsberechtigter die Aufgabe nicht wahrnehmen kann, dürfen Behörden in Absprache nach anderen Lösungsmöglichkeiten suchen.

Andererseits müssen sich die Revierinhaber auch ihrer Verpflichtungen bewusst sein: Der Umgang mit invasiven Arten kann in besonderem Maße ein abgestimmtes Vorgehen erfordern. Ein Revierinhaber darf sich daher nicht grundlos der Zusammenarbeit verweigern. Die Jägerschaft ist aufgerufen, konkrete Projekte vor Ort, in Abstimmung mit allen weiteren Beteiligten (z.B. Behörden, Land- und Forstwirtschaft, Wasser- und Bodenverbänden sowie anderen Naturschutzverbänden) und mit finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand, zu entwickeln und umzusetzen.

2. Unnötige Einschränkungen der Jagd erschweren die Umsetzung der
EU-Verordnung und müssen aufgehoben werden.

Arten der Unionsliste wie Waschbär, Marderhund, Nutria oder Nilgans sowie Arten, deren Invasivität in Fachkreisen unbestritten ist und die daher Listenanwärter sind, wie z.B. Mink, müssen in allen Bundesländern jagdbar sein. Eine wirkungsvolle Eindämmung und Reduzierung invasiver gebietsfremder Arten gelingt nur, wenn diese als Wild definiert sind oder ganzjährig jagdliche Eingriffe auf andere Weise möglich sind.

Beschränkungen in der Jagd wie ein Verbot der Fangjagd oder eine Schonzeit für invasive Arten sind für eine wirkungsvolle Umsetzung der EU-Verordnung kontraproduktiv und auch im Sinne des Tierschutzes nicht erforderlich. 

Der im Bundesjagdrecht über § 22 Abs. 4 geregelte Elterntierschutz gilt für alle jagdbaren Arten, auch für invasive gebietsfremde Arten. Er gilt auch in der Jagdzeit, daher ist eine zusätzliche Schonzeit nicht nötig; im Gegenteil befördert eine längere Schonzeitphase den Populationsanstieg invasiver Arten und erhöht damit die Gefährdung für heimische Arten.

Die über die Jagdrechte bzw. Fangjagdverordnungen der Länder zugelassenen Fanggeräte erfüllen bei sachgerechter Anwendung in hohem Maße die Anforderungen des Tierschutzes. Darüber hinaus regelt das Bundesjagdgesetz die Grunderfordernisse moderner Fangjagd (§19 Abs. 1 Nr. 9): Fanggeräte, die nicht unversehrt fangen oder sofort töten sind verboten. Vor allem bei dämmerungs- und nachtaktiven Tieren wie Waschbär und Marderhund trägt die Fangjagd ganz entscheidend zur Populationsreduktion bei.

3. Bejagungsverbote in Siedlungsgebieten und in Schutzgebieten müssen aufgehoben werden.

Die EU-Verordnung zum Management invasiver gebietsfremder Arten sieht vor, bereits bestehende Populationen zu reduzieren und eine Ausbreitung zu verhindern. Dies ist nur möglich, wenn die Bejagung flächendeckend durchgeführt wird – also auch in Siedlungsräumen und in Schutzgebieten. Einige Arten bevorzugen sogar besiedelte Gebiete (z.B. der Waschbär). Darüber hinaus kann ein Jagdverbot in Schutzgebieten den eigentlichen Zweck des Areals, Rückzugsräume für bestandsbedrohte Arten zu bieten, sogar behindern, da sie auch dort durch invasive Arten gefährdet werden.

4. Personelle und finanzielle Ressourcen müssen effektiv für die Reduktion invasiver, gebietsfremder Arten eingesetzt werden.

Die EU-Liste für invasive gebietsfremde Arten wird nach wissenschaftlichen Kriterien unter Einbeziehung internationaler Experten erstellt. Eine nochmalige Bewertung einer Art wie des Waschbären durch nationale Forschungsprojekte ist daher überflüssig und Ressourcenverschwendung. Vielmehr sollten die bestehenden Strukturen genutzt und finanziell unterstützt werden, um eine effektive Reduzierung invasiver gebietsfremder Arten voranzutreiben. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Nutzung gefangener Tiere gefördert und die Beschaffung von Fangsystemen gefördert wird.

5. Nichtjagdliche Maßnahmen müssen praktikabel und wirkungsvoll sein.

Es kann lokal sinnvoll sein, neben der Bejagung zusätzliche Maßnahmen für das Management invasiver gebietsfremder Arten anzuwenden. Beispielsweise mindern Zäune um Laich- und Brutgewässer oder Schutzmaßnahmen an Horstbäumen und Nistkästen die Verluste durch Prädation. Im Gegensatz dazu ist die "Unfruchtbarmachung" von Neozoen, wie das von Tierschutzverbänden für den Waschbären gefordert wird, aus mehreren Gründen unsinnig. Im Jagdjahr 2017/18 haben Jäger beispielsweise 134.000 Waschbären erlegt. Abgesehen von der fehlenden Praktikabilität würde es 13 Millionen Euro kosten, dieselbe Zahl an Wildtieren zu kastrieren. Das Freilassen nach der Kastration widerspricht zudem der EU-Verordnung und verstößt gegen das Bundesjagdgesetz. Daher müssten kastrierte Tiere in Gefangenschaft gehalten werden. Mit Blick auf das Tierwohl und die Folgekosten ein fragwürdiges Vorgehen. Unabhängig von gesetzlichen Grundlagen, würden frei gelassene kastrierte Waschbären weiter auf Nahrungssuche gehen und Nestlinge und Gelege heimischer Vogelarten, Amphibien und Reptilien gefährden.

Die Anti-Baby-Pille für den Waschbären (immunologische Kontrazeption) – ein weiterer Vorschlag der Tierschutzlobby – wäre ein nicht abschätzbarer Eingriff in heimische Ökosysteme. Ohne Erfolgsgarantie: Es ist nicht steuerbar, welche Tierart die Futterköder aufnimmt und ob bei verschiedenen Individuen der Zielart die Dosierung angemessen ist. Nach Auskunft des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) müsste man für diesen Lösungsansatz pro Tierart einem finanziellen Forschungsaufwand von etwa einer Million Euro kalkulieren.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert in einem aktuellen Positionspapier zeitnah die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz, um bundeseinheitliche Regelungen zum künftigen Umgang mit dem Wolf auszugestalten. Eine generelle Bejagung ist damit nicht möglich, da der große Fleischfresser über die FFH-Richtlinie weiterhin streng geschützt ist.

Der Wolf war früher in ganz Europa verbreitet. Nachdem er im 18. und 19. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa in vielen Gebieten im gesellschaftlichen Konsens durch menschliche Verfolgung zurück-gedrängt oder auf wenige, isolierte Vorkommen beschränkt wurde, gab es im Jahr 2000 wieder einen Reproduktionsnachweis von Wölfen in Deutschland (Muskauer Heide/Sachsen). Seitdem erschließen sich Wölfe mit zunehmender Geschwindigkeit neue Lebensräume und haben sich in den Bundes-ländern Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt fest etabliert.

Nach letztem offiziellen Stand des Bundesamtes für Naturschutz wurden im Monitoringjahr 2016/17 in Deutschland mindestens 60 Wolfsrudel, 13 Paare und 3 territoriale Einzeltiere nachgewiesen. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl noch nicht erfasster Vorkommen und nicht territorialer Einzelwölfe. Für das Jahr 2016 konnten über 200 Wolfswelpen in Deutschland bestätigt werden. Die bisherige Dynamik von Populationswachstum und -ausbreitung hat dabei auch sehr optimistische Erwartungen deutlich übertroffen. Aus den belegten Ergebnissen des Monitorings in Deutschland lässt sich kontinuierlich ein Zuwachs von über 30 Prozent pro Jahr ablesen. Die Wiederausbreitung ist nicht zuletzt ein Resultat der von den Jägern mitgetragenen Schutzbemühungen auf nationaler und internationaler Ebene. So galt der Wolf in der Bundesrepublik Deutschland seit 1987 als streng geschützte Art. Mit der Wiedervereinigung wurde der Schutzstatus auf ganz Deutschland ausge-weitet und 1992 wurden Wölfe EU-weit unter den Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) gestellt (Deutschland: Anhang II und IV).

Ziel der FFH-Richtlinie ist die Wiederherstellung bzw. Bewahrung eines günstigen Erhaltungszustandes für die in den Anhängen genannten Arten. Dieser grundsätzlich zu begrüßende Ansatz erfordert den Blick auf die jeweils einzelne Art, genauso wie deren Wirkungen auf andere Arten bzw. deren Lebensräume. Für die großen Beutegreifer in Europa sind die fachlichen Kriterien für die rein artliche Beurteilung des Erhaltungszustandes in den „Leitlinien für Managementpläne für Großraub-tiere in Europa“ (Linnell et al. 2008) aufgeführt, welche die EU-Kommission als nicht rechts-verbindliche Auslegungshilfe heranzieht. Diese Leitlinien gehen ausschließlich von einer Bewertung des Erhaltungszustandes von Großraubtieren auf Populationsebene aus. Die deutsch-westpolnische Subpopulation lebt nach Ansicht zahlreicher Experten an der Westgrenze des zusammenhängenden nordosteuropäisch/baltischen Wolfsvorkommens, welches sich zügig ausbreitet und dessen günstiger Erhaltungszustand nie in Frage stand (u. a. Czarnomska et al. 2013, Herzog 2017). Der DJV teilt diese Ansicht. Ein genetischer Austausch innerhalb dieses Vorkommens ist nachgewiesen, was schon allein die Tatsache der Besiedelung Westpolens und Deutschlands aus dieser Region sowie nachgewiesene Zu- und Abwanderungen von Wölfen belegen.

Die Tatsache, dass es in den vergangenen Jahrzehnten ununterbrochen zu einer Zuwanderung von Wölfen in die heutigen neuen Bundesländer gekommen ist, der bis 1990 mit einer konsequenten Bejagung dieser Individuen begegnet wurde, zeigt für sich genommen bereits den günstigen Erhaltungszustand der osteuropäischen Population.

Daneben lassen neuere Entwicklungen erkennen, dass sich von Frankreich und der Schweiz ausgehend Tiere der Alpinen Wolfspopulation bis nach Baden-Württemberg bzw. ins nördliche Lothringen ausgebreitet haben. Zudem kam es im Jahr 2017 im Bayerischen Wald durch die Bildung eines Wolfspaares erstmals zur Vermischung von Tieren der abruzzo-alpinen und der baltisch-osteuropäischen Population in Deutschland, womit die wichtige Vernetzung zwischen diesen beiden Populationen eingeleitet ist.

Forderung:

  • Der DJV fordert die Bundesregierung dringend auf, ihre Bemühungen zum Aufbau eines wissenschaftlich belastbaren Wolf-Monitorings in Abstimmung mit Polen zu intensivieren und mit dem Baltikum sowie mit Frankreich, der Schweiz, den Benelux-Staaten und Dänemark aufzunehmen, um mittelfristig das Ziel eines gemeinsamen, grenzüber-schreitenden Managements zu erreichen. Das Monitoring einer grenzüberschreitenden Wolfspopulation darf nicht an Ländergrenzen oder bürokratischen Hürden scheitern. Insbesondere müssen Monitoring-Ergebnisse national und international zeitnah abgestimmt und veröffentlicht werden.
  • Die bereits vorhandenen und künftig zu erwartenden Ergebnisse der zahlreichen molekularen Analysen sind in regelmäßigen Abständen in einer Datenbank zu veröffentlichen und gemäß dem Umweltinformationsgesetz (UIG) jedermann zugänglich sein.
  • Der Schwerpunkt genetischer Untersuchungen ist auf die Zusammenhänge des deutschen Wolfsvorkommens zu denen in den Nachbarländern zu legen.
  • Für Deutschland sind zusätzliche unabhängige und zertifizierte Referenzlabore auszuwählen, um einerseits Kapazitätsengpässen entgegen zu wirken, ggf. in Zweifelsfällen durch Kontrollanalytik Unsicherheiten auszuräumen und schließlich die Möglichkeit für Ringversuche im Sinne einer permanenten Qualitätskontrolle zu ermöglichen.
  • Der DJV fordert von den Entscheidungsträgern eine Klarstellung, dass gemäß den Leitlinien der „Large Carnivore Initiative for Europe“ (LCIE) die Bezugsgrößen für den Erhaltungszustand des Wolfes immer für eine gesamte Population gelten und nicht etwa für Vorkommen innerhalb politisch abgegrenzter Gebiete oder biogeografischer Regionen.

 

Umfassendes Wildtiermanagement gefordert

Der Wolf ist in Deutschland wieder großflächig anwesend. Als Großraubtier steht er damit in zahl-reichen Beziehungen zu anderen Tierarten, zu deren oftmals geschützten Lebensräumen und zum Menschen. Im Rahmen eines ganzheitlichen Wildtiermanagements sind neben den Beständen seiner klassischen Beutetiere auch andere Wild- und Nutztierarten zu berücksichtigen, aus denen sich z.B. Hegeverpflichtungen oder Artenschutzmaßnahmen für die Jägerschaft, Forstverwaltungen und Grundeigentümer ergeben. Dies gilt insbesondere für Wildtierarten, die im Gegensatz zum Wolf keinen positiven Populationstrend aufweisen. Gleiches gilt für die Lebensräume und Biotope in denen Wölfe leben. So kommt es z.B. nicht selten vor, dass das Vordringen von Wölfen in geschützte Natura 2000 Gebiete in Widerspruch mit den geschützten FFH-Lebensraumtypen des Grünlandes gerät, die ausschließlich durch eine naturnahe Weidewirtschaft erhalten werden können.

Verantwortungsvolles Wildtiermanagement verlangt eine gleichrangige Berücksichtigung der in einem Lebensraum vorkommenden Wildtierarten. Die Eingrenzung z.B. des Rotwildes auf behördlich ausgewiesene Bewirtschaftungsgebiete in einigen Bundesländern ist mit der Forderung nach der flächendeckenden Ausbreitung des Wolfes nicht vereinbar.

In das Wildtiermanagement müssen die praktischen Erfahrungen der Jägerinnen und Jäger einbezogen werden; sie dürfen nicht ausgegrenzt werden. Ihre Erkenntnisse aus der Praxis sind für die wissenschaftliche Betrachtung unverzichtbar. In allen Gremien des Wolfsmanagements müssen die Jägerinnen und Jäger, Landbewirtschafter und Eigentümer fest eingebunden werden.

Ferner muss das gesamte Wildtiermanagement auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt werden und bedarf auch in seinem theoretischen Ansatz einer deutlichen Professionalisierung sowie einer Zieldefinition. In Bezug auf die Wolfspopulation muss dies unabdingbar bedeuten, dass eine klare und nachvollziehbare Aussage über die maximale Anzahl der in den verschiedenen Lebensräumen vorkommenden Tiere getroffen wird. Dabei gilt es auch die sozio-ökonomische Tragfähigkeit zu berücksichtigen, die in aller Regel unter der ökologischen Tragfähigkeit des Raumes liegt (Linnell et al. 2008). Erst anhand einer solchen Festlegung kann und muss entschieden werden, welche Maßnahmen des praktischen Managements langfristig ergriffen werden, um die Wolfs-population auf einem allgemein akzeptierten Niveau zu halten.

Forderung:

  • Die derzeit in Deutschland noch bestehenden Rotwildbewirtschaftungsgebiete sind aufzu-lösen, um die Nachhaltigkeit seiner Bewirtschaftung auf der gesamten Fläche sicher zu stellen.
  • Das Muffelwild verdient ein Schutz- und Erhaltungskonzept. Es ist eine in Deutschland seit langem heimische Art, deren weltweit größte Vorkommen heute in Mitteleuropa leben, aber in ihren ursprünglichen Insellebensräumen hochgradig gefährdet sind. Der Bestand in der Muskauer Heide wurde frühzeitig durch den Wolf ausgelöscht, das für den Erhalt der Art genetisch wertvolle Vorkommen in der Göhrde (Niedersachsen) steht kurz davor (Herzog und Schröpfer 2016).
  • Die Regulierung der Schalenwildbestände nach rein ökonomischen Gesichtspunkten der Forstwirtschaft ist in Wolfsgebieten nur unter der Einschränkung möglich, dass die Bestände nachhaltig gesichert sind.
  • Wolfs-Hybriden sind aus Gründen des Artenschutzes unerwünscht und von daher zu entnehmen. Hybriden sind vom strengen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes auszunehmen.

 

Aus Sicht der Jägerschaft sind folgende Fragen zu klären:

  • Wie entwickeln sich Wolf-Beutetier-Beziehungen in der Kulturlandschaft?
  • Welchen Einfluss hat der Wolf langfristig bei flächendeckender Präsenz auf das bestehende Tierartenspektrum, dessen Bestand und Verhaltensänderungen bei bestimmten Arten?
  • Welche Schutz- und Hegemaßnahmen sind bei drohendem oder erkennbarem Artenverlust einzuleiten?
  • Welche jagdpraktischen Auswirkungen hat die Anwesenheit des Wolfes u. a. auf das Verhalten des Schalenwildes, die Wildschadensentwicklung in Wald und Feld, die Gefährdung von Hunden im jagdlichen Einsatz?

Die Jägerschaft ist bereit, die Durchführung geeigneter Forschungsprojekte zu unterstützen.

Transparenz im Umgang mit Monitoring-Daten

Jäger übernehmen Verantwortung, indem sie sich - zum Teil auch auf vertraglicher Basis - aktiv in das Monitoring der Bundesländer einbringen und Daten über Hinweise auf Wolfsvorkommen zuliefern (u.a. Bilder aus Fotofallen, Spurenprotokolle, Losungsfunde, Rissbegutachtungen). Die Jäger fordern im Gegenzug aber auch die dauerhafte Einbindung bei der Bewertung der wissenschaftlichen Ergebnisse für die Praxis.

Über die jährlichen Monitoring-Berichte der Länder zum Wolf ist der Austausch mit allen Betroffenen zu fördern. Die zusammengefassten Ergebnisse des Monitorings sind auch auf Bundesebene zeitnah in Form eines anschaulichen Berichtes zur Verfügung zu stellen und entsprechend zu kommunizieren. Die eingerichtete Beratungs- und Dokumentationsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) erfüllt diesen Zweck bislang nur unzureichend.

Forderung:

  • Es ist ein solides, nationales wie grenzüberschreitendes Monitoring aus- bzw. aufzubauen. Dazu sind Systeme für den Wolfsnachweis zu entwickeln, bei denen insbesondere die Wiedererkennung weiblicher Tiere erhöht wird (z.B. Besenderung, Welpenfang und Markierung). Die anzuwendenden Methoden sind dem rasch anwachsenden Wolfsbestand anzupassen. Der Versuch des flächendeckenden Einzelnachweises ist alsbald durch ein „stratifiziertes Monitoring“ zu ersetzen (vgl. hierzu Reinhard et al. 2015, Punkt 3.4).
  • Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die Anzahl „erfahrener Personen“ entsprechend dem Populationswachstum der Wölfe erhöht wird.
  • Die Benennungskriterien für „erfahrene Personen“ sind neu zu überarbeiten. Die Schulung zum Wolfsberater/Wildtierbeauftragten soll zur Erfüllung von Aufgaben aus den Managementplänen befähigen. Aus diesem Personenkreis sind dann zunehmend auch qualifizierte Jäger als „erfahrene Personen“ zu benennen.
  • Der Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland ist jährlich einzuschätzen. Der DJV weist darauf hin, dass die nach Art. 17 der FFH-Richtlinie vorgesehenen Berichte nur der Überwachung der Ziele dieser Richtlinie dienen und nicht als Grundlage für Entscheidungen über Ausnahmen nach Art. 16 der Richtlinie dienen können. Hierfür sind die Voraussetzungen (zu denen der günstige Erhaltungszustand gehört) jeweils im Einzelfall und unabhängig vom sechsjährigen Berichtszeitraum festzustellen.
  • In Bezug auf Wahrnehmung und Akzeptanz der bundesweiten Beratungs- und Dokumentationsstelle sind Nutztierhaltung und Jägerschaft gleichberechtigt einzubinden.
  • Das BMUB wird aufgefordert gemeinsam mit den Ländern unter Einbindung der betroffenen Interessengruppen bis zum Jahr 2020 einen nationalen Managementplan für den Wolf zu entwickeln und diesen mit den betreffenden Nachbarstaaten abzustimmen.

 

Aufklärung durch intensive Öffentlichkeitsarbeit

Die Ausbreitung des Wolfes in Deutschland verläuft derzeit nicht ohne Konflikte. Diese Entwicklung wird sich weiter verschärfen.

Der DJV plädiert daher für eine realistischere Öffentlichkeitsarbeit, die eine Akzeptanz des Wolfes langfristig erhalten kann. Das heißt, die Bevölkerung muss sachliche Informationen und unbürokratische Hilfestellungen zum Umgang mit dem Wolf erhalten. Dies ist umso wichtiger, da vermehrt Wölfe mit geringer Scheu auftreten. Wer es mit dem Wolf ernst meint, muss bei Auftreten von wirklichen Problemen auch konsequent handeln und informieren! Ansonsten wird die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung unnötig aufs Spiel gesetzt. Insgesamt darf der Wolf weder verharmlost, noch verteufelt werden. Der DJV verurteilt das illegale Töten großer Beutegreifer.

Forderung:

  • Bund und Länder entwickeln ein einheitliches Vorgehen im Umgang mit „verhaltensauffälligen Wölfen“. Dabei muss die Sicherheit der betroffenen Bevölkerung absolute Priorität haben. Die abgestimmten Maßnahmen müssen rechtssicher und praktikabel umsetzbar sein.
  • Auch das in letzter Konsequenz notwendig werdende Töten verhaltensauffälliger Tiere oder ganzer Rudel auch aus Gründen der öffentlichen Sicherheit ist dabei klar zu regeln und offensiv zu kommunizieren.

Wie geht es weiter?

Die Einstufung des Wolfes im Jahr 1992 in den Anhang IV der FFH-Richtlinie entstammt einer Zeit, als dieser über 130 Jahre auf heutigem deutschem Territorium nicht mehr regelmäßig vorkam und seine Rückkehr offenbar nicht erwartet wurde. Der Wolf erfüllt heute nicht mehr die Kriterien für die Aufnahme in Anhang IV. Seine aktuelle Populationsentwicklung stellt eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Im Umgang mit dem Wolf sind gerade die Erfahrungen der Länder zu nutzen, in denen der Wolf nie ausgestorben war und die daher den verantwortungsvollen Umgang mit ihm nicht verlernt haben.

Der Wolf wird sich in einer Zivilisationslandschaft grundsätzlich nicht selber regulieren, d.h. er wird auch in Deutschland in absehbarer Zeit reguliert werden müssen. Die Jägerschaft wird ihre Verant-wortung wahrnehmen, sobald die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen dazu geschaffen hat. So können u. a. die Regelungen zur Schutzjagd in Schweden, wo der Wolf ebenfalls im ganzen Land in Anhang IV FFH-RL eingestuft ist, beispielgebend für Deutschland sein.

Forderung:

  • Die Verantwortlichen von Bund und Ländern werden aufgefordert, sich schon jetzt damit auseinanderzusetzen, wie die sich weiter ausbreitende Wolfspopulation künftig auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen und der sozio-ökonomischen Tragfähigkeit angepassten Niveau gehalten werden kann.
  • In Bund und Ländern sind einheitliche und effektive Strukturen zur Umsetzung von pragmatischen Managementplänen einzurichten. Dabei sind Jägerinnen und Jäger, Landbewirtschafter und Grundeigentümer einzubinden.
  • Der Wolf ist baldmöglichst von Anhang IV in Anhang V der FFH-Richtlinie zu überführen.
  • Der Wolf ist in den Katalog der bejagbaren Arten des Bundesjagdgesetzes aufzunehmen. Eine Regelung entsprechend § 28 a Bundesjagdgesetz ist sachgerecht.
  • Die Aufnahme ins Jagdrecht ist unabhängig von einer Aufnahme in Anhang V der FFH-Richtlinie, auch Arten aus Anhang IV dürfen unter bestimmten Voraussetzungen bejagt werden. Dabei müssen im Jagdrecht die Ausnahmegründe nach Art. 16 der FFH-Richtlinie vollständig umgesetzt werden. Dazu gehören auch die rechtlichen Instrumente, um den Vorgaben der Richtlinie nachzukommen (so darf z.B. für Anhang-IV-Arten keine allgemeine Jagdzeit festgelegt werden). Die Rechte der Jagdausübungsberechtigten und Jagdrechts-inhaber sind zu wahren.
  • Die Einrichtung von staatlichen Fang- und Entnahmetrupps als Parallelstruktur zur Jägerschaft wird abgelehnt. Es sind verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, nach denen die fachlich qualifizierte Jägerschaft handeln kann.
  • Regelungsbedarf besteht auch für schwer verletzte Wölfe, etwa durch den Straßenverkehr.
  • Höherrangige Ziele müssen gewahrt bleiben: so sind beispielsweise Küstendeiche und Almen nicht durch Zäunung zu schützen (s. hierzu auch Mech 2017).
  • Der Ausgleich von Schäden durch Wölfe an Jagdhunden ist gesetzlich zu regeln.

 

Quellen:

Czarnomska, S. D. et al. (2013): Concordant mitochondrial and microsatellite DNA structuring bet-ween Polish lowland and Carpathian Mountain wolves. Conservation Genetics 14: 573-588.

Herzog, S. (2017): Die Populationen des Wolfes (Canis lupus) in Europa: Herleitung eines opera-tionalen Konzeptes für das Management. Expertise. https://tu-dresden.de/bu/umwelt/forst/wb/ wildoekologie/ressourcen/dateien/publikationen/PopulationsbiologieWolf2017.pdf?lang=de

Herzog, S. und R. Schröpfer (2016): Das Mufflon Ovis ammon musimon (Pallas, 1811) in Europa: Faunenverfälschung oder Maßnahme der ex-situ-Generhaltung? Säugetierkundliche Informationen, 10: 259-264.

Linnell J., V. Salvatori and L. Boitani (2008): Guidelines for population level management plans for large carnivores in Europe. A Large Carnivore Initiative for Europe. Report prepared for the European Commission. Rom.

Mech, L. D. (2017): Where can wolfes live and how can we live with them. Biological Conservation 210: 310-317.

Reinhard, I. et al. (2015): Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland. BfN-Skripten 413. Hrsg. Bundesamt für Naturschutz. Bonn-Bad Godesberg. 94 S.

 

    Berlin, DJV-Präsidium, 22. März 2018

Auf dem Bundesjägertag 2016 in Wolfsburg verabschiedet das Präsidium die Luchs-Position und macht damit klar, dass die Jagdverbände eine natürliche Rückwanderung des Luchses in geeignete Lebensräume unterstützen. Jäger übernehmen beim notwendigen Monitoring Verantwortung, indem sie sich aktiv einbringen und Daten zuliefern wie Fotofallenbilder oder Genproben.

Ursprünglich war der Eurasische Luchs in allen größeren Waldgebieten und Mittelgebirgsregionen Europas beheimatet. Durch staatliche Vorgaben und Abschussprämien der Landesherren wurde er besonders im 18. und 19. Jahrhundert systematisch verfolgt. In Westeuropa galt er bis in die 1970-er Jahre flächendeckend nahezu als ausgerottet. Mit dem wachsenden Naturschutzinteresse der Gesellschaft wurden durch internationale Abkommen und die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) verbindliche Ziele für den Biotop- und Artenschutz und auch für den Luchs festgelegt. Der Luchs ist nach Anhang IV FFH-RL eine streng geschützte Art.

Der Luchs unterliegt dem Jagdrecht (ganzjährige Schonzeit) und genießt damit über das Naturschutz-recht hinaus einen doppelten Schutz. Die Jagdverbände unterstützen eine natürliche Rückwanderung und Reetablierung des Luchses in für ihn geeignete Lebensräume. Derzeit gehen jedoch alle bedeutenden Luchsvorkommen Deutschlands, sei es in der Nationalparkregion Bayerischer Wald/ Böhmerwald/Sumava oder im Harz auf Wiederansiedlungsprojekte zurück. Einzeltiere werden gelegentlich in Nordrhein-Westfalen (Eifel), Rheinland-Pfalz (Pfälzer Wald), Baden-Württemberg (Schwarzwald, Schwäbische Alb), Hessen, Thüringen sowie im südlichen Sachsen beobachtet.

Der DJV favorisiert eine natürliche Einwanderung des Luchses in geeignete Lebensräume. Die Jägerinnen und Jäger leisten durch ihre Beobachtungen, das Monitoring und ihre Präsenz in der Fläche einen unersetzbaren Beitrag.

Ein zukunftsweisendes Luchsmanagement berücksichtigt neben dem Erhaltungszustand der Luchs-population auch die gesellschaftliche Akzeptanz, die sich in Luchsgebieten grundsätzlich anders darstellt als in naturfernen Siedlungszentren. Es berücksichtigt auch nachhaltig jagdlich bewirt-schaftbare Beutetierpopulationen des Luchses, die eine Basis für einen guten Erhaltungszustand der Luchspopulation bilden. Managementinstrumente beinhalten daher eine Vielzahl von Maßnahmen zur langfristigen Akzeptanz und damit zum Erhalt der Luchspopulation. Neben gezielten Schutzmaß-nahmen können dies u.a. Aufklärung und Wissenstransfer, Schadensprävention, Schadensausgleich oder Entnahme von Tieren sein, deren Verhalten zu besonderen Konflikten führt.

Die Jägerschaft verurteilt illegale Auswilderung von Luchsen ebenso wie illegale Tötungen.

Durch den Aufbau eines Netzes sachkundiger Personen (z.B. „Luchsberater“ in Nordrhein-Westfalen oder „Luchserfasser“ in Sachsen) ist die Jägerschaft in Zusammenarbeit mit anderen Naturschutz-verbänden um Aufklärung über die Ökologie und Lebensweise des Luchses sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den eigenen Kreisen bemüht.

Forderungen des DJV

Die großen noch unzerschnittenen, siedlungs- und verkehrsarmen Räume Deutschlands sind auch im Zusammenwirken mit angrenzenden Regionen zu erhalten. Regional und überregional bedeutsame Lebensraum- bzw. Wanderkorridore sollen integraler Bestandteil der Raumordnung werden. Wirk-same Querungshilfen (u. a. Grünbrücken) für Wildtiere müssen zusammen mit Luchs- bzw. Wildkatzensicheren Schutzzäunen an stark frequentierten Verkehrswegen, noch stärker als bisher verbindlicher Bestandteil von Verkehrswege- und Landschaftsplanung werden. Das Bundesprogramm Wiedervernetzung ist durch den Bund finanziell zu untersetzen und durch die Bundesländer konsequent umzusetzen. Dies gilt in besonderem Maße für das Harzumland.

Die freie Besiedlungsmöglichkeit für Raubsäuger in Deutschland muss auch für alle heimischen Wildtiere gelten. Noch bestehende Lebensraumbegrenzungen durch behördlich angeordnete „Bewirtschaftungsbezirke“ sind umgehend aufzulösen.

Wiederansiedlungsprojekte von Luchsen, die in verschiedenen Regionen Deutschlands von Zeit zu Zeit angedacht werden, dürfen entsprechend der IUCN-Richtlinien (1998) nur in dafür geeigneten Lebensräumen und unter sorgfältiger wissenschaftlicher Kontrolle und Dokumentation durchgeführt werden. Voraussetzung ist die Akzeptanz der örtlichen Bevölkerung, insbesondere der betroffenen Landnutzer (u.a. Landwirte, Nutztierhalter, Jäger). Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen und Weiter-bildung bedürfen deshalb einer zusätzlichen öffentlichen Unterstützung.

Der Luchs beeinflusst als Spitzenprädator die heimischen Schalenwildbestände. Im Rahmen eines ganzheitlichen Wildtiermanagements sind alle Wildarten, entsprechend der Hegeverpflichtung und der FFH-Richtlinie, vor Bestandsgefährdungen zu schützen. Grundsätzlich darf keine Art gegen eine andere aufgewogen werden, Artenschutz ist nicht teilbar. So verdient derzeit bereits das Muffelwild in Deutschland ein Schutz- und Erhaltungskonzept. Es verfügt hier über seine wertvollsten genetischen Ressourcen europaweit, während es in seinem ursprünglichen Lebensraum auf Korsika und Sardinien hochgradig gefährdet ist.

Der DJV fordert eine wildwissenschaftliche Betrachtung der Räuber-Beute-Beziehung des Luchses anhand des Vorkommens im Wiederansiedlungsgebiet. Hierfür muss ein dauerhaftes und fundiertes Monitoring des Luchses und insbesondere seiner Beutetiere sichergestellt werden, auch wo er nicht dem Jagdrecht unterliegt. Jägerinnen und Jäger übernehmen hierbei Verantwortung, indem sie sich aktiv in das Monitoring einbringen und Daten zuliefern (u.a. Fotofallenbilder, Genetikproben). Im Gegenzug erwarten sie neben Aufwandsentschädigungen aber auch eine Beteiligung bei der Bewertung der wissenschaftlichen Ergebnisse, der daraus resultierenden Maßnahmen und der Entscheidungen darüber. U.a. konnten durch das Fotofallen-Monitoring 2014/15 im Westharz Luchs-dichten von mehr als 3,8 Stück je 100 Quadratkilometer belegt werden (Middelhoff & Anders 2015). Die Dichten bewegen sich damit im oberen Bereich von anderen europäischen Luchspopulationen (Okarma et al. 1997, Zimmermann et al. 2014).

Das Luchsmanagement sollte auch die Möglichkeit einer späteren Regulation evtl. überhöhter Luchs-bestände beinhalten.

In Gebieten mit Luchs-Vorkommen sind Jagd- und Forstbehörden aufgefordert, in Abstimmung mit der Jägerschaft das Schalenwildmanagement den Gegebenheiten anzupassen, dies gilt insbesondere für die Anrechnung des Nahrungsbedarfes des Luchses auf die Abschussplanung.

Quellen:

Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen vom 21. Mai 1992, Abl. Nr. L 206, S. 7 [Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, FFH-RL].

IUCN (1998): Guidelines for Re-introductions. Prepared by the IUCN/SSC Re-introduction Specialist Group. IUCN, Gland, Switzerland and Cambridge, UK. 10 pp.

Middelhoff, T. L. und O. Anders (2015): Abundanz und Dichte des Luchses im westlichen Harz. Fotofallenmonitoring 2014/15, Projektbericht, Nationalpark Harz.

Okarma, H., Jedrzejewski, W., Schmidt, K., Kowalczyk, R. & B. Jedrzejewska (1997): Predation of Eurasian lynx on roe deer and red deer in Bialowieza Primeval Forest, Poland. Acta theriologica 42 (2): 203-224.

Zimmermann F., Dulex N., Foresti D., Breitenmoser-Würsten Ch. & U. Breitenmoser (2014): Abundanz und Dichte des Luchses im Wallis Nord: Fang-Wiederfang-Schätzung mittels Fotofallen im K-VII im Winter 2013/14. KORA Bericht Nr. 65, 15 pp.

Das Präsidium des Deutschen Jagdverbandes

Wolfsburg, 09. Juni 2016

DJV-Luchsposition herunterladen

Auf seiner Delegiertenversammlung verabschiedete der Landesjagdverband Brandenburg mit überwältigender Mehrheit ein umfassendes Positionspapier. 

Die knapp 250 Delegierten des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V. (LJVB) verabschiedeten nach eingehender Diskussion mit überwältigender Mehrheit Ihr aktuelles Positionspapier „Jagen in Brandenburg – Zeitgemäß. Bodenständig. Nachhaltig“. Die Brandenburger Jäger setzen damit ein klares Zeichen. So fordern sie unter anderem die Anpassung des Schutzstatus von Biber und Wolf. Kormoran, Nilgans und Nutria sollen ins Jagdrecht überführt und bejagt werden.

„Wenn eine nachhaltig nutzbare Art in ihrem Bestand nicht gefährdet ist und dieser Zustand durch die Nutzung nicht in Frage gestellt wird, gehört sie ins Jagdrecht“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des LJVB. „Neozoen, die durch Bejagung in ihrem Bestand reguliert werden können, gehören ebenso ins Jagdrecht, denn genau dafür wurde es gemacht.“

Darüber hinaus sprechen sich die Jäger für eine umweltverträgliche Umsetzung der Energiewende aus. Windkraftanlagen im Wald lehnen sie derzeit ab. Die Stromerzeugung aus Biomasse muss enger mit dem Arten- und Naturschutz verzahnt werden.

„Die 9.600 Mitglieder unseres Verbandes haben mit ihren klaren Beschlüssen ein deutliches Signal an Politik und Öffentlichkeit gesendet, “ so Georg Baumann. Zuvor hatte Verbandspräsident Dr. Wolfgang Bethe konkrete Forderungen an die Landesregierung gerichtet und deutlich kritische Töne angeschlagen. Er sprach von der Widersinnigkeit der erlassenen Jagdgesetzänderung vom vergangenen Jahr und stellte klar: „Wir akzeptieren nicht, dass Rehe zu Freiwild erklärt werden.“

Darüber hinaus forderte er die Überprüfung des Schutzstatus‘ des Wolfes auf europäischer Ebene. „Der Wolf muss dringend in Anhang 5 der FFH Richtlinie aufgenommen werden. Damit schaffen wir die Rahmenbedingungen, um den lokalen Erfordernissen entsprechend handeln zu können.“ An Landwirtschaftsminister Vogelsänger gewandt, sprach Bethe: „Nehmen Sie die Sorgen der Menschen in unserem Land ernst, nehmen Sie die Sorgen von uns Jägern ernst. Wenn wir das Leben im ländlichen Raum stärken wollen, müssen wir auf die Menschen hören, die dort leben. Dann reicht es eben nicht “Willkommen Wolf“ zu rufen. Sondern dann müssen wir konkrete Lösungen für die vorhandenen Probleme finden.“

Im Hinblick auf die drohende Afrikanische Schweinepest forderte Bethe unbürokratische Lösungen für das Anlegen von Bejagungsschneisen insbesondere in großen Maisschlägen. Nur so ließe sich eine Steigerung der Jagdstrecke bei Wildschweinen erreichen, erklärt Bethe. Ferner sei die Aussetzung der Trichinenprobengebühr für Frischlinge unter 20 Kilogramm geboten. „Denn im Frühjahr und Sommer wiegen Frischlinge oft nicht mehr als zehn bis 15 Kilo. „Wenn ich so einen Frosch erlege, bringt der im Wildbretverkauf – wenn ich ihn denn überhaupt verkaufen kann – maximal zehn bis zwanzig Euro. Dann muss ich aber für die Abgabe der Trichinenprobe hin und zurück mehr als 50 km fahren und die Probe kostet ja auch noch mal Geld. Da zahlt man am Ende für jeden erlegten Frischling drauf. Das kann dazu führen, dass die Sommermonate nicht so intensiv für die Schwarzwildbejagung genutzt werden, wie das eigentlich nötig wäre“, so der Verbandspräsident.

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. ist die Interessenvertretung der Jägerinnen und Jäger im Land. Als anerkannter Naturschutzverband setzt er sich aktiv für die Interessen der Jagd und der Umwelt in Brandenburg ein. Um den berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen, kann der Verband auf einen starken Rückhalt bauen: seine rund 9.600 Mitglieder.

 

Wildkameras dienen ausschließlich der Wildtierbeobachtung und keinesfalls der Ermittlung personenbezogener Daten. Der DJV positioniert sich zum korrekten Einsatz von Wildkameras.

Wildkameras sind derzeit verstärkt in der öffentlichen Diskussion und ein wichtiges Thema bei den Datenschutzbeauftragten der Länder. Anders als in manchen Medienberichten oder von Datenschutzbehörden dargestellt, werden unbeteiligte Waldbesucher in der Praxis fast nie aufgenommen. Denn beim Einsatz von Wildkameras geht es nahezu ausschließlich um die Wildtierbeobachtung und keinesfalls um die Ermittlung personenbezogener Daten. Wildkameras werden in erster Linie in den Einstandsgebieten des Wildes eingesetzt, wo sich üblicherweise keine Waldbesucher aufhalten. Wildkameras können einen wertvollen Beitrag zur Hege, der störungsarmen Jagd und damit der Verhütung von Wildschäden dienen. Sie leisten auch einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz. 

Die Rechtslage zum Einsatz von Wildkameras unterscheidet sich (u. a. wegen unterschiedlicher Regelungen des Waldbetretungsrechts) von Bundesland zu Bundesland. Der DJV hält den Einsatz in den meisten Fällen für datenschutzrechtlich unbedenklich. Dagegen sind einige Landesdatenschutzbeauftragte – fälschlicherweise – der Auffassung, dass der Einsatz in vielen Fällen unzulässig sei. Die unterschiedliche Rechtslage macht es derzeit schwer, abschließende Empfehlungen zur Verwendung von Wildkameras zu geben. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung, sollten beim Einsatz von Wildkameras folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Aufnahmen von Personen sollten soweit wie möglich vermieden werden; Wildkameras sollten grundsätzlich nicht auf regelmäßig frequentierte Wege gerichtet werden;
  • Der Einsatz sollte auf jagdliche Einrichtungen (einschließlich Fütterung, Kirrung und Wildäsungsflächen) sowie Wildwechsel beschränkt werden;
  • Sollten  unbeabsichtigt Personen aufgenommen worden sein, sind diese Aufnahmen sofort zu löschen (soweit sie nicht zur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten erforderlich sind);
  • Insgesamt sollten Wildkameras zurückhaltend und auf ein angemessenes Maß begrenzt, eingesetzt werden;
  • Beobachtungen von seltenen Arten, insbesondere Wolf, Wildkatze und Luchs sollten mit Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten der zuständigen Stelle gemeldet werden.
     

Eine Klärung der Rechtslage ist wünschenswert. Die Landesjagdverbände und der DJV setzen sich dafür ein. Revierinhaber, die mit Forderungen der Datenschutzbehörden konfrontiert sind, sollten ihren Landesjagdverband informieren.

Eckpunktepapier des Deutschen Jagdverbandes

Der Deutsche Jagdverband (DJV) spricht sich als Naturschutzverband für den Erhalt einer tierschutzgerechten Fangjagd aus und nennt folgende Eckpunkte:

  1. Ehrliches Bekenntnis statt Etikettenschwindel: Auch „Prädatorenmanagement“ im Namen des Naturschutzes ist praktizierte Fangjagd. Zum Schutz von Großtrappen, Sumpfschildkröten, Auerwild oder Kiebitzen setzen staatliche und private Naturschutzorganisationen in der Fläche erfolgreich Fallen ein – oft in Zusammenarbeit mit lokalen Jägerschaften. Gleichzeitig lehnen Naturschutzverbände auf Bundesebene die Fangjagd ab. Verbesserung von Lebensräumen für spezialisierte und seltene Tierarten in Kombination mit Fangjagd sind essenzielle Instrumente im Artenschutz. Dies gilt besonders für Schutzgebiete. Jäger sind nicht nur kompetente Partner, sondern sie sind auch die einzige Gruppe, die im Bereich „Prädatorenmanagement“ den erforderlichen Teil der Lösung anbieten kann.
  1. Die Fangjagd ist notwendig für die Umsetzung europäischer Artenschutz-Verpflichtungen auf nationaler Ebene. Die EU-Biodiversitätsstrategie 2020 und die EU-Verordnung zum Umgang mit invasiven fremden Arten (tritt ab 1.1.2015 in Kraft) fordert ausdrücklich, dass eingeschleppte Arten, die heimische Arten bedrängen, reduziert werden sollen. Waschbär, Marderhund und Mink gelten nach europäischen Standards als invasiv. Diese nachtaktiven räuberischen Arten lassen sich nur mit Fallen effektiv bejagen.
  1. Gängige Fallentypen sind im Auftrag des DJV bereits nach internationalen Tierschutzstandards getestet oder im Test. Die Bundesregierung ist aufgefordert, umgehend eine Zertifizierung zu ermöglichen. Das „Agreement on International Humane Trapping Standards“ (AIHTS), ein Abkommen zu humanen Fangjagdstandards, wurde von der EU unterzeichnet und gilt damit für Deutschland. Der DJV hat bereits zwei Fallentypen auf Eigeninitiative nach AIHTS-Standards testen lassen. Ergebnis: Die Fallen sind tierschutzgerecht. Weitere gängige Fanggeräte sind derzeit im Test. Jetzt müssen Bundesinstitutionen die Einrichtung einer nationalen Zertifizierungsbehörde zügig vorantreiben.
  1. Wildpelz ist ein natürliches Produkt aus der Fangjagd mit hervorragender Ökobilanz. Pelze von wildlebenden Raubsäugern wie Fuchs, Marderartige, Waschbär und Marderhund sind recyclingfähig, wärmen besser als Kunstfaser und ihre Lebensdauer beträgt bis 35 Jahre. Im Vergleich zu Faserpelzen aus Erdöl ist die Ökobilanz deutlich besser.

Erfurt, 27. September 2014

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