50.000 „Selbstversorger“ verteilt

50.000 Jägerinnen und Jäger wollten Flagge zeigen für Ihre Leidenschaft und für das gesunde Lebensmittel Wildbret. Sie bestellten den DJV „Selbstversorger“-Aufkleber. Bereits nach acht Wochen war die erste Auflage vergriffen. Die Redaktion der Jagdzeitschrift „DJZ“ fand den Aufkleber ebenfalls gut – alle Abonnenten erhalten ihn in der Oktober-Ausgabe des Hefts. Der DJV bedankt sich für das große Interesse und die konstruktiven Kritiken.

BaWa Mi., 2014-09-24 09:12

Neue Wolfsplattform: Im Interview spricht der DJV mit dem Wissenschaftler Ulrich Wotschikowsky über seine neue Internetseite und seine Erkenntnisse zum Wolf in Deutschland

Braucht der Wolf in Deutschland ein Forum im Internet? Ulrich Wotschikowsky meint: Ja!  Der Forstwirt, Wissenschaftler und Journalist bündelt auf seiner kürzlich online gegangenen Internetseite „Wolfsite – Forum Isegrim“ aktuelle Meldungen, Fachwissen und räumt gleichzeitig mit Mythen auf. Hinter www.woelfeindeutschland.de verbirgt sich ein Blog – also ein online geführtes Tagebuch – auf dem der Betreiber (der sog. „Blogger“) Meldungen protokolliert und eigene Gedanken festhält. Im Interview mit dem DJV spricht Wotschikowsky über seinen Antrieb für diese Seite und wie er die Lage des Wolfes in Deutschland einschätzt.

DJV: Soeben wurde die Seite woelfeindeutschland.de freigeschaltet. Was hat Sie dazu bewogen, diese zu entwerfen? Und was ist das Besondere an diesem Internet-Auftritt?

Ulrich Wotschikowsky: Was wir über Wölfe zu lesen bekommen, ist entweder mit Vorurteilen beladen oder naiv wolfsfreundlich. Die kritische, sachkundige Mitte kommt kaum vor. Außerdem fehlt es auf beiden Seiten an Verständnis und Toleranz für die Sichtweise des jeweils anderen. Wölfe haben es nicht verdient, dass sie verhätschelt oder verteufelt werden. „Wolfsite“ (www.woelfeindeutschland.de) sucht die Mitte und steht für Sachkunde, Aktualität und Offenheit.

Wann ist Ihrer Meinung nach der für den Wolf in der FFH-Richtlinie geforderte günstige Erhaltungszustand in Deutschland erreicht? Oder müssen wir Populationen vielleicht grenzübergreifend betrachten?

Wir denken in Populationen, in unserem Fall also an die deutsch-westpolnische Flachlandpopulation, die beiderseits der Grenze zu Hause ist. Nach den Vorstellungen der EU ist der günstige Erhaltungszustand einer Population mit 1.000 erwachsenen Tieren erreicht. Nach meiner eigenen Schätzung haben wir zwei Drittel dieser erwachsenen in Rudeln (Elterntiere) und ein Drittel in territorialen Paaren oder als Einzelwölfe. Das ergibt für 1.000 erwachsene etwa 333 Rudel, macht 666 Tiere, plus 333 weitere, die als Einzelwölfe und in territorialen Paaren leben. Diese Aufteilung zeigt sich ungefähr in den Monitoringergebnissen: ebenso viele einzelne Wölfe wie Rudel. Wenn sich ein Rudel aus zwei erwachsenen, vier Welpen und zwei Jährlingen zusammensetzt, kommen wir auf etwa 3.000 Wölfe insgesamt. Wenn sich die Wölfe fifty-fifty auf beide Länder verteilen, wären das also etwa 166 Rudel oder 1.500 Tiere in Deutschland. 

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland ein?

Die Wölfe treffen bei ihrer Ausbreitung nach Westen und Süden auf ein zunehmend dichteres Straßennetz und eine dichtere Besiedelung. Damit werden Verkehrsverluste überproportional zunehmen. Die ungestörte Welpenaufzucht könnte ebenfalls schwieriger werden. Und auch die Jägerdichte ist im Westen und Süden höher. Das bedeutet für die Wölfe eine höhere Begegnungswahrscheinlichkeit mit Jägern, die Wölfe nicht dulden. All das zusammen genommen wird die Zunahme und Ausbreitung der Wölfe verzögern. Trotzdem – es werden mehr.

Wir leben in einer vom Menschen stark geprägten Kulturlandschaft. Was charakterisiert Ihrer Meinung nach eine „verträgliche Wolfsdichte“?

Wir werden niemals eine Wolfsdichte haben, die für alle Interessensgruppen „verträglich“ ist. Für manche ist ein einziger Wolf schon zu viel, andere können gar nicht genug Wölfe haben. „Verträglich“ wäre also der größtmögliche Konsens zwischen allen Gruppen. Für diesen Konsens müssen alle – wirklich alle – Zugeständnisse machen. Mit Zahlen lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Über das konfliktfreie Zusammenleben mit dem Wolf gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Diese reichen von ungehinderter Ausbreitung über Zonierung in Wolfsgebiete und wolfsfreie Areale sowie Welpenfang bis hin zur Regulierung durch Abschuss. Wie stehen Sie dazu?

Abgesehen davon, dass die Rechtslage derzeit alle Eingriffe zur Populationssteuerung der Wölfe ausschließt: Ich sehe keinen Grund, warum wir die Ausbreitung der Wölfe hindern sollten. Für eine Ausweisung von „wolfsfreien“ Gebieten kann ich mich ebenfalls nicht erwärmen. Welche Gebiete soll man denn wolfsfrei halten, und welchen soll man andererseits die „Bürde“ von Wölfen auferlegen? Das wäre genauso fragwürdig wie die Rotwildgebietsregelung in einigen Bundesländern. Eher kann ich mir vorstellen, dass man in einem bestimmten Gebiet die Dichte senken möchte. Auch das muss man aber erstmal begründen. Dichteabsenkung hilft den Weidetierhaltern nicht, allenfalls den Jägern. Aber bei den gegenwärtigen Schalenwilddichten begibt man sich da auf dünnes Eis.

Bejagung kann leicht die Zerstörung von Rudelstrukturen zur Folge haben, nämlich wenn man die Elterntiere schießt. Damit schafft man Raum für zuwandernde Wölfe. Man würde also den Druck auf die Schalenwildbestände gar nicht mindern, vielleicht sogar erhöhen, weil Einzelwölfe ihre Beute nicht so effizient nutzen wie Rudel. Zudem verlangt die EU ausdrücklich, dass Eingriffe in FFH-Arten „selektiv“ erfolgen müssen. Das ist bei Wölfen nur im Sommer möglich: man könnte Welpen eliminieren, z. B. an der Wurfhöhle – wenn man die kennt. Es wäre eine tierschutzgerechte und effiziente Methode. Denn damit bliebe das Elternpaar erhalten, und das hält sein Territorium von zuwandernden Wölfen frei. Im Yukon ist das nachgewiesen worden. Auf diese Weise könnte in einem Gebiet von der Größe eines Rudelterritoriums (rund 250 km²) die Wolfsdichte beträchtlich gesenkt werden. Die Jägerschaft wird vom Welpen fangen allerdings nicht begeistert sein. Eine selektive Bejagung im Winterhalbjahr, wie sich viele das vorstellen, ist nicht möglich; denn schon ab Oktober lässt sich ein Welpe unter jagdlichen Bedingungen nicht von einem Altwolf unterscheiden. Porträt Ulrich Wotschikowsky

Zur Person: Ulrich Wotschikowsky, Jahrgang 1940, hat Forstwissenschaft studiert. Er war vier Jahre lang im Nationalpark Bayerischer Wald für das Schalenwildmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 17 Jahre war er Projektleiter bei der Wildbiologischen Gesellschaft München, hat zehn Jahre Freilandforschung an Rehen betrieben, zwei Monate in einem Wolfsforschungsprojekt im Yukon (USA) mitgearbeitet, ein Leitbild für das Rotwildmanagement in Deutschland entwickelt, das Buch „Wolves in the Yukon“ von Bob Hayes in Deutschland produziert und ins Deutsche übersetzt, eine Recherche zum Eingriff der Wölfe in den Wildbestand von Sachsen durchgeführt, bei den Wolfmanagementplänen von Sachsen, Brandenburg und Bayern mitgearbeitet und ist Mitglied in der Large Carnivore Initiative for Europe. Seit mehr als 50 Jahren ist er Jäger und Hundeführer (Wachtel).

300 Delegierte und Gäste diskutieren unter dem Motto „Jagd zwischen Tradition und Moderne“

Ehrlich darüber reden, warum man zur Jagd gehe, sei ein Mittel, um die Akzeptanz in der Gesellschaft zu erhöhen: Das stellten die sechs Podiumsteilnehmer des „Zukunftsforum Jagd“ auf dem Bundesjägertag 2014 in Berlin einvernehmlich fest. Ein Video auf dem YouTube-Kanal www.youtube.com/user/DJVJagdschutzverband des DJV sowie eine Fotostrecke auf www.jagdverband.de geben Einblick in die ganze Diskussion für alle Daheimgebliebenen.

Mehr als 300 Delegierte und Gäste trafen sich unter dem Motto „Jagd zwischen Tradition und Moderne“ am 27. Juni. Diskutiert wurde unter anderem über die Eigentumsfrage des Jagdrechts und den Anspruch Naturschutzverband zu sein. Immer vor dem Hintergrund, die Werte der Jagd verstärkt über die elektronischen Medien zu vermitteln, um kampagnenfähig zu sein. In einem weiteren Video auf YouTube fasst DJV-Präsident Hartwig Fischer den diesjährigen Bundesjägertag zusammen. Die Fotostrecke auf www.facebook.com/Jagdverband gewährt weitere Einblicke.

Anlässlich des ausgerufenen „Jahr des Niederwildes“ 2014 stellte der DJV ein Filmprojekt „Fangjagd“ vor. In fünf Kurzvideos veranschaulichen überregional bedeutende Artenschutzprojekte, wie die Fangjagd tierschutzgerecht und erfolgreich eingesetzt wird. Online sind die Filme auf dem YouTube-Kanal des DJV zu sehen. Weiterhin veröffentlichte der Verband die Broschüre zur Aufklärungskampagne „Fakten statt Vorurteile“. Auf 48 Seiten können Interessierte damit die Argumente zur Jagd im handlichen A6-Format in die Hosen- oder Handtasche stecken. Das DJV-Geschäftsjahr 2013/2014 gibt es im aktuellen Verbandsbericht unter www.jagdverband.de nachzulesen.     

„Alle Materialien können selbstverständlich für die Pressearbeit im Sinne der Jagd genutzt werden. Wir freuen uns, wenn die Videos auf möglichst vielen Internetseiten verlinkt werden“, so DJV-Pressesprecher Torsten Reinwald.

Jetzt bestellen und mit dem DJV-Aufkleber für die Jagd Flagge zeigen

Traditionsreich, regional, gesund: Wildbret aus nachhaltiger Produktion ist für Jäger eine Hauptmotivation zur Jagd. Grund genug, mit dem neuen DJV-Aufkleber „Selbstversorger“ Flagge zu zeigen – für eine gesunde, nachhaltige Ernährung und für ein Nahrungsmittel, das den Zeitgeist trifft. Ob am Auto, am Equipment oder am Laptop: Der DJV Selbstversorger-Aufkleber ist in jedem Fall ein Hingucker. Den Aufkleber gibt es als Frauen- und Männer-Motiv in limitierter Auflage pünktlich zum Bundesjägertag 2014.

Einzelexemplare können ab sofort kostenfrei per E-Mail an pressestelle@jagdverband.de vorbestellt werden. Bitte geben Sie dazu Ihre vollständige Adresse sowie Ihr Wunschmotiv an.

DJV-Aufkleber Selbstversorger

Der Deutsche Jagdverband (DJV) ist der Dachverband der 15 Landesjagdverbände (ausgenommen Bayern) mit rund 250.000 Jägern. Seine Aufgabe ist der Erhalt, die zukunftsgewandte Weiterentwicklung und der Schutz von Wild, Jagd und Natur. Das DJV-Präsidium ist das oberste Entscheidungsgremium des DJV. Es besteht aus den 15 Präsidenten der Landesjagdverbände. Vorsitzender des Präsidiums ist DJV-Präsident Dr. Volker Böhning. Geschäftsführer Olaf Niestroj leitet das 19-köpfige Team der Berliner Geschäftsstelle. Jährlich veröffentlicht der DJV Verbandsberichte über seine Tätigkeit sowie Positionen zu jagdlichen Themen. Der DJV ist – nach § 63 Bundesnaturschutzgesetz – eine staatlich anerkannte Naturschutzvereinigung, ebenso wie die meisten Landesjagdverbände.

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