Besonderes Engagement in der Naturpädagogik: Der Deutsche Jagdverband verleiht auf dem Bundesjägertag in Wolfsburg den Sonderpreis "25 Jahre Lernort Natur"

„Wenn wir interessante Dinge vermitteln können und die Kinder mit Begeisterung dabei sind, ist es keine Arbeit, sondern Ansporn.“ Mit diesen Worten nahmen Carin Lau und Thomas Reisig am vergangenen Freitag den Sonderpreises "25 Jahre Lernort Natur" auf dem Bundesjägertag 2016 in Wolfsburg entgegen. Eine fünfköpfige Jury hatte zwischen zahlreichen Vorschlägen drei Gewinner ausgewählt.

Der mit 1.500 Euro dotierte 1. Platz ging somit an ein Konzept, welches zeigt, wie ein langjähriges Engagement für nachhaltige Bildung sorgen kann: Durch die Zusammenarbeit der Jägerschaft Döbeln in Sachsen mit dem Freizeitpark Töpelwinkel entstand die Junior-Ranger-Ausbildung – eine großartige Mischung von Wissensvermittlung und Natur erleben. Jeweils etwa 30 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 13 Jahren sind ein Jahr lang draußen unterwegs und lernen dabei viel über Landwirtschaft, Forst, Jagd und weitere Naturthemen. Wer die Abschlussprüfung schafft, ist Natur-Ranger. Jäger, Landwirte, Pflanzenexperten, Naturschützer – alle wirken zusammen, junge Menschen aus der Umgebung sind langfristig eingebunden. Diese Maßnahme ist anspruchsvoll und gibt den Jugendlichen eine Chance, sich zu orientieren – was nicht selten in einen naturnahen Berufsweg mündet.

Helfer, Stand, Land – alle wirken zusammen

Über den zweiten Platz und 1.000 Euro Preisgeld freute sich das Erlebnismuseum Lernort Natur in Monschau. Die Einrichtung, die von der Kreisjägerschaft Aachen getragen wird, geht auf die Initiative des Lernort-Natur-Obmanns Hermann Carl zurück. Durch seinen Einsatz, die Mitwirkung ehrenamtlicher Helfer und der Stadt Monschau ist in der Eifel eine Einrichtung entstanden, die fest in das touristische Konzept eingebunden ist und mit Schulen aus der gesamten Region kooperiert. „Jeder Atemzug, den wir tun, alles was wir essen und trinken, kommt aus der Natur“, sagte er im Rahmen der Preisverleihung. „Wir dürfen sie nutzen, allerdings nur so, wie sie es dauerhaft verträgt und nachhaltig bleibt.“ Durch die Jagd werde ein artenreicher und gesunder Wildbestand gesichert. Anhand der nachhaltigen Jagd solle den Kindern der vernünftige Umgang mit der Natur und deren Schutz vermittelt werden. „Unser Leben ist von der Natur sehr abhängig und von dem, was die Kinder später daraus machen.“

„Falsches Bild von der Jägerschaft“

Der dritte Preis, verbunden mit 500 Euro, zeichnet das Lernort-Natur-Engagement der Kreisgruppe Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) aus. Seit mehr als zwanzig Jahren gestaltet Obfrau Monika Berg Lernort Natur in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen und hat die Initiative damit in der gesamten Region zu einem Begriff gemacht. „Meinem Eindruck nach erkennen viele Kinder und auch Erwachsene die Zusammenhänge in der Natur nicht mehr und haben deshalb oft ein falsches Bild von der Jägerschaft und der Jagd", erklärt sie ihre Motivation.

Seit 1991 engagieren sich ehrenamtlich tätige Jägerinnen und Jäger in der Naturpädagogik. Mit dem Sonderpreis „25 Jahre Lernort Natur“ wurden nun hervorragende Leistungen in der Umweltbildung ausgezeichnet, stellvertretend für bundesweit mehr als 4.000 ehrenamtlich tätige Lernort-Natur-Aktive. Die Jury bildeten: Dr. Stephanie Dorandt (information.medien.agrar e. V.), Christoph Rullmann (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald), Joseph Schneider (Landesjägermeister Saarland), Heinz Kraft (DJV-Kommunikationstrainer) sowie Ralf Pütz (DJV-Bildungsreferent).


Lernort Natur

Vom Biologie-Unterricht über den Wandertag bis zur Projektwoche – für Lernort Natur gestalten gemeinsam mit Kindergärtnern und Lehrern pädagogisch geschulte Jägerinnen und Jäger Stunden in der Natur oder kommen in die Kita oder Schule und bringen alles mit: Präparate, Proben von Fellen und Pflanzen und das Lernort-Natur-Mobil. Die europaweit anerkannte Initiative wurde bereits zwei Mal – 2008 und 2010 – von der UNESCO als „Offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ anerkannt.


 

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Der Deutsche Jagdverband unterstützt eine Förderschule bei Goslar. Naturpädagoge Wolfgang Ritzke und sein Team erhalten einen Auto-Anhänger, der für die Schule gestiftet wurde.

Ein USB-Stick aus einer Abwurfstange? Schmuckbänder aus einer Jagdtrophäe? Im seinem Jagdrevier bei Goslar sucht Naturpädagoge Wolfgang Ritzke mit den Jugendlichen der Marie-Juchacz-Schule nicht nur nach Holz als Werkstoff. „Unsere Jungs und Mädels haben zuletzt aus Abwurfstangen vom Rehbock tolle Sachen gebaut. Wir geben nur den Anstoß, die Kreativität und das Engagement kommen von allein“, sagt Ritzke. DJV-Präsident Hartwig Fischer übergab jetzt einen Auto-Anhänger, der für die Schule gestiftet wurde.

Mit seinen Schülerinnen und Schülern ist der 68-jährige Langelsheimer schon seit Jahren bei vielen Lernort-Natur-Aktionen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) dabei, wie zuletzt auf der Messe "Pferd und Jagd" in Hannover. Vor drei Jahren begann er, zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO), mit dem Aufbau einer Lernort-Natur-Schule in Langelsheim. Die AWO hatte eine leerstehende Werkshalle in Langelsheim bei Goslar erworben und der ehemalige Lehrer an der Berufsbildenden Schule war bereit, die Räume fachgerecht herzurichten. In drei Jahren ist dort eine Förderschule entstanden, die Jugendlichen ohne Schulabschluss neue Perspektiven eröffnet. Sie zeigt auch, was mit jagdlicher Naturpädagogik alles möglich ist, denn Lernort Natur ist ein wichtiger Bestandteil des Aus- und Weiterbildungskonzeptes.

Mit dem Auto-Anhänger wird die Schule nun mit einem weiteren wichtigen Arbeitsmittel unterstützt. „Wir reden immer von Humankapital, ein unschöner Begriff. Es sind junge Leute, die hier eine Perspektive bekommen", sagt Hartwig Fischer. "Die Jugendlichen haben tolle Ideen und entwickeln mit deren Umsetzung auch ein ganz neues Selbstwertgefühl. Sie merken, dass sie gebraucht werden." Das sei der Verdienst von Wolfgang Ritzke und seinem Team. Dort gingen die jungen Menschen nicht verloren. Der Anhänger sei daher auch ein Dankeschön für die geleistete Arbeit.

Das passt, denn viel Material muss häufig transportiert werden, um in den Werkräumen arbeiten zu können. Was die Schülerinnen und Schüler produzieren, kann sich sehen lassen: Tische, Stühle, Regale, Nistkästen, Wandschmuck und viele spezielle Anfertigungen gehören zum Repertoire. Ein Hingucker auf Messen ist ein Boot, gebaut in wochenlanger Kleinarbeit und natürlich einsatztauglich - ein Beispiel der Handwerkskunst. Hochsitze baut Wolfgang Ritzke mit den Jungen und Mädchen ebenfalls. Vor den Werkshallen wachsen in Hochbeeten frische Kräuter und Salate, von der Jagd kommen Wurst und Würstchen. Alles wird selbst verarbeitet. "Wir zeigen, wo die Nahrung herkommt und wie sie verarbeitet wird", erklärt Ritzke. "Die Jugendlichen bekommen dadurch ein neues Verhältnis zu Lebensmitteln." 

Das Elfenhaus beispielsweise wird mittlerweile für Kindergeburtstage als Bastelsatz angefragt. Mit den Jugendlichen fertigen Ritzke und sein Team die Holz-Bauteile für ein ökologisches Spielzeug. Denn das Häuschen ist sogleich Unterkunft für Ohrenkneifer. Im Blumenkasten aufgestellt, werden auf diese Weise sogar lästige Blattläuse ferngehalten. 

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