
Rehe haben keine Uhr: Zeitumstellung erhöht Wildunfallrisiko
Autofahrerinnen und -fahrer sollten jetzt besonders aufmerksam unterwegs sein: In den Monaten April und Mai passieren die meisten Wildunfälle mit Rehen. Am kritischsten ist der Zeitraum der Morgendämmerung. Der Deutsche Jagdverband (DJV) bittet daher in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht auf den Straßen, speziell in Waldgebieten und entlang von Wald-Feld-Kanten. Angepasste Geschwindigkeit kann dabei Leben retten: Bei Tempo 80 statt 100 verkürzt sich der Bremsweg bereits um 25 Meter.
Hauptverkehrszeit, Hunger und Hormone: Warum Rehe jetzt häufig unter die Räder kommen
Grundlage für die Wildunfallstatistik sind Daten aus dem Tierfund-Kataster (tierfund-kataster.de). Die zeigen: Besonders oft kommen Rehböcke im Frühjahr unter die Räder. Jede dritte gemeldete Kollision findet im April oder Mai statt. Ein Grund dafür ist menschengemacht: die Zeitumstellung. Der Berufsverkehr fällt am letzten Sonntag im März von einem Tag auf den anderen wieder in die Dämmerung – die Zeit, in der viele Wildtiere besonders aktiv sind. Vor allem Pflanzenfresser wie das Reh queren jetzt häufig Straßen. Nach den kargen Wintermonaten sind sie auf der Suche nach frischem Grün. Bei den Rehböcken spielen zudem die Hormone verrückt: Im Frühjahr verteidigen sie ihr Revier gegen Kontrahenten. Geschlechtsreife einjährige Böcke werden vertrieben und müssen sich eine neue Bleibe suchen.
Tierfunde einfach per App melden
Das Tierfund-Kataster ermöglicht in Deutschland erstmals die standortgenaue und bundesweite Meldung von Wildunfällen und anderen Totfunden. Über 35.000 Nutzer haben bis jetzt knapp 190.000 Tierfunde eingetragen. Die App ermöglicht eine unkomplizierte Dateneingabe von unterwegs. Sie ist kostenlos und für iPhone oder Android erhältlich. Wissenschaftler werten die gesammelten Daten aus. Das Ziel: Unfallschwerpunkte erkennen und entschärfen – zum Wohl von Mensch und Tier. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben das Tierfund-Kataster 2011 ins Leben gerufen. Ende 2016 hat der DJV das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet.
Daten zeigen Unfallschwerpunkte
Die Ergebnisse machen deutlich, wo sich Unfallschwerpunkte häufen – und ermöglichen gezielte Gegenmaßnahmen. Ein Beispiel ist die B199 nördlich von Kappeln: Auf Basis der im Tierfund-Kataster erfassten Wildunfälle wurde dort 2023 das Verkehrszeichen „Wildwechsel“ aufgestellt und die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h reduziert. Nach demselben Muster folgten 2024 vergleichbare Schritte auf der B202 bei Oldenburg in Holstein.


