Aktuelles vom Bundesjägertag 2017 | Deutscher Jagdverband

Aktuelles vom Bundesjägertag 2017

Der Bundesjägertag 2017 fand am 22. und 23. Juni im Hotel Hohe Düne in Warnemünde statt. Neben Workshops zu den Themen Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands (WILD) und Fellwechsel GmbH wurde der DJV-Journalistenpreis Wildtier und Umwelt verliehen.

Bundesjägertag: Beschlüsse für neu jagdliche Wege. (Quelle: Grimm/DJV)
Bundesjägertag: Beschlüsse für neu jagdliche Wege. (Quelle: Grimm/DJV)

Am 22. Und 23. Juli fand der Bundesjägertag 2017 statt. Um die 400 Delegierte und Gäste nahmen an der Veranstaltung in Rostock-Warnemünde teil. Unter dem Motto „Nachhaltig. Ehrlich. Wild“ trafen sich Delegierte der Landesjagdverbände, Landes- und Bundespolitiker sowie Vertreter von Verbänden und Unternehmen aus ganz Deutschland. Dabei stand regionales Wildfleisch als modernes Lebensmittel und Felle aus heimischer Jagd als nachhaltige Ressource im Fokus.

Zum Programm

Bundesjägertag 2017

Das Kongresszentrum auf dem Bundesjägertag

Fellwechsel-Auto vor dem Kongresszenrum

Eingangshalle Kongresszentrum

Aufbau vor dem Bundesjägertag

Aufbauarbeiten

Jeder packt mit an: Aufbauen vor dem Bundesjägertag 2017

Am Donnerstag fanden zwei Workshops zu den Themen „WILD zählen – aber wofür?“ und „Felle nachhaltig nutzen–aber wie?“ statt. In ihnen erarbeiteten die Delegierten die zukünftige Ausrichtung des Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) für das Jäger in den vergangenen 15 Jahren bereits Daten zu Vorkommen, Ausbreitung oder Krankheiten für insgesamt 37 Tierarten erfasst haben. Ein entsprechender Beschluss sieht vor, dass der DJV das Programm auf Bundesebene weiter ausbaut. Die Landesjagdverbände sind aufgerufen, den Aufbau staatlicher Monitoringsysteme kritisch zu begleiten und inhaltlich mitzugestalten.  Außerdem wurde die neu gegründete Fellwechsel GmbH vorgestellt: Workshop-Teilnehmer erörterten die Ausrichtung des Unternehmens, das eine nachhaltige Nutzung von Fellen aus heimischer Jagd fördern soll. Die Abbalgstation für das Projekt Fellwechsel soll bereits in der kommenden Wintersaison ihren Betrieb aufnehmen. Felle von Raubsäugern aus heimischer Jagd sollen dort verarbeitet werden, Ziel ist deren lückenlose Rückverfolgbarkeit. Geschlossen wurde der Abend mit der traditionellen Hubertusmesse, die von einer Gruppe Parfocehörner aus Usedom begleitet wurde und dem anschließenden Festabend in der Bootshalle der Yachthafenresidenz Hohe Düne. 

Workshops und Hubertusmesse

Dr. Volker Böhning (Präsident des LJV Mecklenburg-Vorpommern): „Es haben sich jährlich rund 32.000 Reviere beteiligt. Darauf bin ich besonders stolz.“ Er fährt fort: „WILD läuft nur über die Jäger. Machen sie nicht mit, haben wir ein Problem.“

Einige mögliche Produkte der Fellwechsel GmbH wurden während des Workshops vorgestellt.

DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann stellt eine Fellweste als mögliches Produkt vor.

Dirk Schulte-Frohlinde: „Solange unsere Jäger freiwillig zählen, werden wir verlässliche Zahlen haben.“

Tradition bei jedem Bundesjägertag: die feierliche Hubertusmesse

Die Hubertusmesse wurde zahlreich besucht

Die Hubertusmesse wurde von einer Gruppe Parforcehornbläser unterstützt

Hartwig Fischer eröffnet den Festabend im Bootshaus

Heidi Teuber (28), LJV Sachsen-Anhalt & Ole Niemczik (36) LJV Brandenburg: Heidi: „Ich bin zum ersten Mal auf dem Bundesjägertag dabei. Ich komme aus Hettstedt (Sachsen-Anhalt) und ich bin Schriftführerin im Vorstand. Ich betreue mit meiner Kreisjägerschaft den Sachsen-Anhalt-Tag und bin bei Lernort Natur aktiv, wo wir die Bevölkerung über unsere Flora und Fauna aufklären.“ Ole: „Das ist mein dritter Bundesjägertag. Im LJV Brandenburg bin ich verantwortlich für Landwirtschaft und die jungen Jäger und für das Lehrrevier. Im Bereich Landwirtschaft mache ich gerade Artenschutzprojekte und Blühstreifenprojekte mit dem Landesbauernverband zusammen und den Landwirten. Da sind wir ziemlich erfolgreich unterwegs, haben mittlerweile mehrere hundert Hektar Blühstreifen angelegt auf Eigeninitiative und auf Kosten der Landwirte und Jägerinnen und Jäger. So zeigen wir, dass Landwirtschaft, Artenschutz und Jagd auch miteinander gut vereinbar sind.“

Franziska Schmidt (36), Landesjagdverband Sachsen e.V.: „Ich mache den zweiten Bundesjägertag jetzt mit. In der Jägerschaft bin ich in Dresden organisiert und gehe in der Dresdner Heide aktiv jagen. Ich bin in der Ausbildung der Jägerschaft beteiligt und im Schießen aktiv.“

Am Freitag fand die Delegiertenversammlung statt. In ihr verabschiedeten die Delegierten die Grundsatzposition Jagd, die in einem langen Diskussionsprozess innerhalb des Verbandes entwickelt wurde. Sie befasst sich mit grundlegenden Fragen, unter anderem mit dem Verhältnis von Jagd zu Tierschutz, mit Eigentum, Ausbildung, traditionellen Grundlagen der Jagd und mit Einzelfragen wie dem Umgang mit invasiven Arten, Jagdhunden und Wildschäden. Außerdem wurden die zwei Beschlüsse, die am Vortag in den beiden Workshops vorbereitet wurden, verabschiedet. 

Bundesjägertag 2017 - Delegiertenversammlung

Die Bläsergruppe des Hegering Bahlenbüschen eröffnet die Delegiertenversammlung

DJV-Präsident Hartwig Fischer zum neuen Waffengesetz: „Im Detail sind wir sicherlich nicht mit allem einverstanden und unsere Grundhaltung steht auch fest: Finger weg vom legalen Waffenbesitzer, wir sind nicht die Terroristen und wir sind ganz sicher nicht das Problem der inneren Sicherheit. Uns reicht es ständig für politischen Aktionismus den Kopf hinhalten zu müssen!“

Oberbürgermeister Rostock Roland Methling

Interessierte Zuhörer während der Delegiertenversammlung

Dr. Volker Böhning LJV-Präsident Mecklenburg Vorpommern

Delegierten-Nachwuchs: wahrscheinlich sein erster Bundesjägertag.

Delegierte des Landesjagdverband Baden-Württemberg

Delegierter mit dem neuen Verbandsbericht

Fellwechsel ist nicht die einzige haarige Angelegenheit auf dem Bundesjägertag

Vor der Versammlung wurden Delegiertenbeutel verteilt

Dr. Hermann Hallermann: „Ich denke wir leisten mit der neuen Kampagne „Wild auf Wild“ einen guten Beitrag für Jagd und Jäger: Wir werden zu kulinarischen Botschaftern und ein schmackhaftes Wildgericht weckt positive Assoziationen zur Jagd. Wir sind offen für Anregungen zur Kampagne Wild auf Wild, die Sie uns jederzeit mitteilen können - in einem Brief, per E-mail oder über Facebook. Ein Jäger hat uns beispielsweise darauf hingeweisen, dass für ihn das Logo mit Wildschwein ungeeignet sei. Warum? Nun, zu seinen Kunden gehören vornehmlich Muslime. Wir stellen jetzt auf Anfrage also auch das Logo mit Reh oder Hirsch zur Verfügung.“

Dr. Jörg Friedmann: „Wir werden mit dem Fellwechsel-Projekt in diesem Jahr voll durchstarten.“

Abstimmung auf der Delegiertenversammlung

Das DJV-Team im Einsatz

DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann: „Das Ziel muss sein, dass wir alle stolz auf unseren Verband sind. Damit meine ich alle Ebenen des Verbandes! Vom Hegering der Kreisgruppe, den Bezirksgruppen, den Landesverbänden, dem DJV bis hin zum Europäischen Dachverband FACE. Wir müssen mehr als Unternehmen denken und agieren.“

Unter der Leitung von Ralph Müller-Schallenberg (Präsident des LJV Nordrhein-Westfalen) verabschieden die Delegierten die Jagdposition des DJV.

Die DJV-Service GmbH präsentiert das Jahresmesser. 2017 ist das Jahr des Waschbären.

Schatzmeister Kurt-Alexander Michael erklärt Finanzplan und Kosten der DJV-Immobilie sowie den künftigen Jahreshaushalt.

Zum Ende der Delegiertenversammlung zeichnete der DJV fünf Journalisten für ihre Beiträge aus. Der Preis war in diesem Jahr mit insgesamt 17.000 Euro dotiert. Die unabhängige Jury hat die Gewinner aus etwa 120 Einsendungen ausgewählt. Für die Kategorien Print, Hörfunk, Fernsehen wurden die Preisträger gewürdigt, ebenso für die Sonderkategorie Online. Ein weiterer Sonderpreis wurde im Rahmen der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“ vergeben, die dlv-Jagdmedien und DJV initiiert haben. Die Meldung zum Journalistenpreis finden Sie hier. 

Bundesjägertag 2017 - Journalistenpreis

Gemeinsam gearbeitet, gemeinsam ausgezeichnet: Hörfunk-Journalist Bernhard Schulz nimmt zusammen mit Sohn Felix den Preis auf dem Bundesjägertag 2017 entgegen. Beide haben einen Beitrag für junge Zuhörer erstellt: „Vielen Dank an den Deutschen Jagdverband, dass es diesen Preis gibt. Es ist schön, wenn man für seine Arbeit Anerkennung bekommt.“

„Ich hätte es mir nie träumen lassen, dass ich irgendwann einmal auf dem großen Bundesjägertag auf der Bühne stehe und mein Bruder, der eigentlich der große Jäger in der Familie ist, im Publikum sitzt.“ Dr. Frederik von Paepcke nimmt die Gratulation von DJV-Präsident Hartwig Fischer und DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Hermann Hallermann für seinen vielschichtigen Online-Beitrag „Jäger sucht Sau“ entgegen.

„Es ist wichtig, dass wir unser Tun immer wieder hinterfragen; fragen, ob es noch zeitgemäß ist. Nur so können wir die Jagd für die Zukunft erhalten. Ich kann mir jedenfalls ein Leben ohne Jagd nicht vorstellen.“ Julian Kutzim bekam den Journalistenpreis in der Kategorie „Print“ überreicht.

Florian Mittermeier hat den Sonderpreis für seinen persönlichen und detailreichen Bericht im Rahmen der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“ erhalten. Er habe bei seinem Jagdausflug gemerkt, „dass der Jagdinstinkt tatsächlich wohl in jedem Menschen steckt.“

Der Journalistenpreis „Wildtier und Umwelt“ des Deutschen Jagdverbandes wird im Zwei-Jahres-Rhythmus an Autoren verliehen, die sich mit den Themen Wild, Jagd und Natur befassen.

Eine öffentliche Kundgebung und eine Podiumsdiskussion schlossen sich an die Delegiertenversammlung an. DJV-Präsident Hartwig Fischer und Umweltminister Till Backhaus eröffneten die Veranstaltung. Im der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten führende Politiker im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl ihre Jagdpositionen. Die gesamte Diskussion wurde erstmals live auf Facebook übertragen. Den Stream finden Sie hier

Bundesjägertag 2017 - Podiumsdiskussion

Gitta Connemann (CDU): „Die CDU/CSU-Fraktion hält WILD-Monitoring für sinnvoll. Es liefert Daten für jagd-naturschutzpolitische Diskussionen. Eine Förderung aus Mitteln des Bundesumweltministeriums wäre sinnvoll.“

Petra Crone (SPD): „Die SPD hat das Gesetz zur Befriedung von Grundstücken seinerzeit mitverabschiedet. Wir sehen keine Notwendigkeit der Änderung, denn juristische Personen haben kein Gewissen.“

Hartwig Fischer erklärt: „Wir Jäger sind die ersten Ansprechpartner, wenn es um die Deutungshoheit Jagd geht.“

Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke): „Ich bin kein Fachpolitiker. Aber: Der Wolf gehört hierher. Die Frage ist: Wo sind die Grenzen? Wir brauchen keine zugespitzte Diskussion, deshalb dürfen wir nicht warten, bis etwas passiert ist. Da ist die Bundesebene gefragt, Grenzen zu setzen. Was die Ausbreitung von Nutria und Waschbär angeht: Auch hier muss es Konsequenzen geben.“

Harald Ebner (Die Grünen): „Eine zentrale Waffenaufbewahrung ist für Jäger praxisfern. Für sie muss es flexible Regelungen geben. Bei Sportschützen sehen wir das anders. Waffen und Munition zu Hause sind grundsätzlich der inneren Sicherheit nicht zuträglich.“

Christian Dürr (FDP): „Jagd und Hege sind gelebter Naturschutz, der Jägerbeitrag zu Biodiversität ist gelebter ehrenamtlicher Naturschutz. Die Jagdsteuer ist deshalb nicht mehr zeitgemäß. Der Mainstream des übertriebenen Prädatorenschutzes, egal ob Wolf oder Waschbär, ist schädlich. Wir brauchen ein ganzheitliches Wildtiermanagement für den Schutz der Artenvielfalt. Einen weiteren Eingriff ins Jagdrecht lehnen wir ab. Sie können uns an den Taten messen, unsere Forderungen finden sich in Anträgen in den Ländern wieder.“

Max Straubinger (CSU): „Für die CSU-Fraktion ist Kriminalitätsbekämpfung oberstes Ziel. Bayern ist das sicherste Bundesland. Wenn es um innere Sicherheit geht, müssen wir manche leider erst zum Jagen bringen.“

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (SPD): „Die Imagebefragung des DJV hat mir aus dem Herzen gesprochen: 80 Prozent der Deutschen finden, Jagd ist notwendig. Dann ist das Motto für den BJT „Nachhaltig. Ehrlich. Wild“ gut gewählt. Wir müssen uns mehr auf das Ursprüngliche besinnen, das ist auch eine Chance für die Jagd.“

Helmut Dammann-Tamke, Präsident der LJS Niedersachsen, nimmt an der Debatte teil