Achtung: Verstärkter Wildwechsel zur Erntezeit

Bundesweit werden die letzten Feldfrüchte eingefahren. Besonders Wildschweine sind deshalb in den nächsten Wochen auf der Suche nach neuen Futter- und Ruheplätzen. Dies erhöht auch tagsüber die Gefahr von Verkehrsunfällen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) ruft zu besonderer Vorsicht auf.  

Die Maisernte ist in vollem Gange. Insbesondere Wildschweine suchen deshalb nach einer neuen Bleibe im Wald und verlassen die Feldflur. Die eigentlich dämmerungs- und nachtaktiven Tiere wechseln in den kommenden Wochen auch vermehrt am Tage über Straßen. „Verkehrsteilnehmer müssen aktuell mit einem erhöhten Wildunfallrisiko rechnen”, warnt der Deutsche Jagdverband (DJV). Jahreszeitlich bedingte Gegebenheiten wie Nebel, die eher einsetzende Dunkelheit sowie feuchte und verschmutzte Fahrbahnen steigern zusätzlich das Unfallrisiko.

Autofahrern empfiehlt der DJV, besonders aufmerksam und mit gedrosselter Geschwindigkeit zu fahren. Wer mit Tempo 80 statt 100 unterwegs ist, verringert den Bremsweg bereits um 25 Meter. Je höher die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, desto höher ist bei einer Kollision das Verletzungsrisiko. Ein 60-Kilo-Wildschwein verwandelt sich bei einem Zusammenstoß mit Tempo 60 in ein Nashorn. Das Aufprallgewicht liegt bei 3,5 Tonnen.

Hat ein Schwarzkittel die Straße überquert, sollte stets mit Nachzüglern gerechnet werden, da die Tiere meist im Familienverband unterwegs sind. Erscheinen Wildtiere im Lichtkegel der Scheinwerfer: Abblenden, hupen und kontrolliert bremsen. Unkontrollierte Ausweichmanöver können schwere Unfälle verursachen. Kommt es trotz erhöhter Aufmerksamkeit zu einem Zusammenstoß, so sollten Autofahrer umgehend die Unfallstelle sichern und die Polizei verständigen. Diese informiert den zuständigen Jäger, der eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung ausstellt und notfalls mit speziell ausgebildeten Hunden nach verletzten Tieren sucht. Keinesfalls sollten diese vom Autofahrer angefasst werden - es besteht akute Verletzungsgefahr.

Das Statistische Bundesamt erfasst nur Wildunfälle mit Personenschaden, also etwa 2.500 jährlich. Tatsächlich ist das Risiko 100 mal höher: Auf deutschen Straßen passiert alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall mit Hirsch, Reh oder Wildschwein. Mehr als 23.000 Unfälle gingen dabei im vergangenen Jahr auf das Konto der Wildschweine, dies zeigt die aktuelle DJV-Wildunfallstatistik.

Weitere Infos:

Wildschweine sind anpassungsfähige Allesfresser. In Raps-, Weizen- und Maisfeldern finden sie von April bis Oktober ideale Lebensbedingungen. Zudem profitieren die vom Klimawandel mit äußerst milden und kurzen Wintern. So sind in Deutschland jährliche Zuwachsraten von bis zu 300 Prozent möglich: Wo heute 10 Wildschweine leben, sind es ohne Jagd im nächsten Jahr bereits 40.