(Quelle: Kauer/DJV)

DJV-Position zum Umgang mit dem Sikahirsch

22. April 2026 (DJV) Berlin

Im Zuge der vierten Aktualisierung der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten im Jahr 2025 ist auch der Sikahirsch in die Liste aufgenommen worden. Der DJV legt dar, wie eine Hybridisierung mit dem Rothirsch durch eine fachgerechte jagdliche Bewirtschaftung reduziert werden kann.

In Deutschland hat sich der Sikahirsch erfolgreich in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern angesiedelt.
In Deutschland hat sich der Sikahirsch erfolgreich in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern angesiedelt. (Quelle: Rolfes/DJV)

Der Sikahirsch wurde in Deutschland im Jahr 1893 eingeführt, erste Freilassungen in die Natur erfolgten 1930. Später gelangten durch Gehegeausbrüche weitere Individuen ins Freiland. Heute gibt es freilebende Populationen des Sikahirsches in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen (Arnsberger Wald, Beverungen/Kreis Höxter), Hessen, Baden-Württemberg (Hochrhein, Südschwarzwald) und Bayern.

In Gebieten wo Rothirsch und Sikahirsch gemeinsam leben kann es unter bestimmten Umständen zur Hybridisierung kommen. Die Hybridisierung nah verwandter Arten ist ein wissenschaftliches Bewertungskriterium für die Einstufung einer gebietsfremden Art als invasive Art.

Zum Arterhalt des heimischen Rothirsches ist eine Hybridisierung unbedingt zu vermeiden. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Rotwildpopulationen Deutschlands eine genetische Verarmung und teilweise morphologische Fehlbildungen bedingt durch Gendefekte nachgewiesen wurden.

Untersuchungen belegen, dass ein verschobenes Verhältnis zugunsten weiblicher Tiere in benachbarten Populationen von Sika- und Rothirsch eine Hybridisierung der Arten begünstigen. Auch der Mangel an älteren Hirschen in der Sikapopulation erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Rothirsche sich mit Sikakühen verpaaren. Zur Prävention einer Hybridisierung ist in Gebieten, die von beiden Hirscharten besiedelt werden ein regelmäßiges Monitoring durchzuführen. Dies kann durch genetische Untersuchungen unterstützt werden.

Beide Arten unterliegen in ihren deutschen Verbreitungsgebieten dem Jagdrecht. Durch eine entsprechende Bejagung kann die Gefahr der Hybridisierung deutlich reduziert werden:

  • Im Zweifel ist einer gesunden Rothirschpopulation der Vorzug zu geben und bei Bedarf der lokale Sikahirschbestand zu entnehmen.   
  • Die Entstehung neuer Sikahirschpopulationen oder gar eine Aussetzung von Sikawild muss verhindert werden.
  • Erlegung von Hybriden (allerdings ist nur F1 eindeutig als Hybridform erkennbar).
  • Erlegung wandernder Sikahirsche (verhindert Verpaarung mit Rothirschkühen)
  • Abschussplanung im Hinblick auf ausgeglichenes Geschlechterverhältnis (in Sika- und Rothirschpopulation)
  • Geringe Populationsdichte beim Sikahirsch reduziert innerartlichen Stress und Nahrungskonkurrenz. Dadurch überleben mehr alte Hirsche womit eine Verpaarung von Sikakühen mit Rothirschen verhindert wird. Weniger Stress steigert die Fitness der Sikakühe und es werden mehr männliche Kälber geboren.

Wie dargelegt kann die Hybridisierung durch eine fachgerechte jagdliche Bewirtschaftung von Sika- und Rothirschpopulationen reduziert werden.

 

Verwendete Literatur:

Pitra, C.; Rehbein, S.; Lutz, W. (2005): Tracing the genetic roots of the sika deer Cervus nippon naturalized in Germany and Austria. Eur J Wildl Res. 51: 237–241

Reiner, G.; Willems, H. (2021): Genetische Isolation, Inzuchtgrade und Inzuchtdepression in den hessischen Rotwildgebieten. Beiträge zur Jagd- und Wildtierforschung 46: 161-184.

TU-Dresden (2018): Introgression von Sikawild in einheimische Rotwildbestände und deren Konsequenzen. Abschlussbericht

Wingerter, S. (2023): Hybridisierung von Rot- und Sikahirsch im Rotwildgebiet Südschwarzwald. Eine Analyse der Faktoren Dispersal und Populationsstrukturen. Bachelorarbeit Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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DJV-Positionspapier zum Umgang mit dem Sikawild

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