
Jäger auf Samtpfoten: Wie verwilderte Hauskatzen die Artenvielfalt gefährden
(Berlin, 4. August 2026) Mehr als zwei Millionen herrenlose Hauskatzen leben allein in Deutschland. Nach Hochrechnungen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) auf Basis zahlreicher Studien fallen diesen Tieren jährlich mindestens 100 Millionen Vögel sowie 300 Millionen kleine Säugetiere und Reptilien zum Opfer. Auch Kreuzungen mit der heimischen Wildkatze sind schlecht für den Artenschutz. Um eine unkontrollierte Fortpflanzung von Freigängern mit verwilderten Artgenossen zu verhindern, fordert der DJV eine bundesweite Kastrations- und Registrationspflicht für Hauskatzen und gibt anlässlich des Weltkatzentags Tipps.
Wildtiere in der Brut- und Setzzeit besonders anfällig
Katzen bedienen sich vorzugsweise an Vögeln, Junghasen, Wildkaninchen, Eidechsen oder Fröschen. Gerade in der bis August dauernden Brut- und Aufzuchtzeit sind sie eine Hauptgefahr für Jungvögel – auch für Arten auf der Roten Liste. Laut einer Übersichtsstudie der Universität für Bodenkultur Wien töten Hauskatzen in urbanen Räumen 80 bis 90 Prozent aller Jungvögel bestimmter Arten. Selbst vorsichtige Schätzungen zeigen demnach, dass Hauskatzen für mehr Todesfälle von Vögeln verantwortlich sind als jede andere menschlich bedingte Ursache.
Hohe Vermehrungsrate
Ein großes Problem: Freigängerkatzen können sich mit ihren verwilderten Artgenossen fortpflanzen, der Nachwuchs kommt fernab menschlicher Obhut zur Welt. Durchschnittlich paaren sich Katzen zweimal im Jahr. Aus einem Wurf überleben in freier Wildbahn etwa drei Junge. Einem exponentiellen Rechenmodell zufolge kommt ein verwildertes Hauskatzenpärchen so in nur sieben Jahren auf etwa 420.000 Nachkommen. Die neue Generation Streuner ist sehr scheu, entzieht sich komplett dem Einfluss des Menschen und ist in den meisten Fällen nicht sozialisierbar. Das macht einen Aufenthalt im Tierheim oder eine Vermittlung an Tierfreunde kaum möglich. Ziel muss es daher sein, das Verwildern von Hauskatzen zu verhindern.
