
DJV-Position zum Umgang mit dem Sikahirsch
Der Sikahirsch wurde in Deutschland im Jahr 1893 eingeführt, erste Freilassungen in die Natur erfolgten 1930. Später gelangten durch Gehegeausbrüche weitere Individuen ins Freiland. Heute gibt es freilebende, etablierte Populationen des Sikahirsches in Schleswig-Holstein (östlich der A7 zwischen Rendsburg und Flensburg), Nordrhein-Westfalen (Arnsberger Wald), Hessen, Baden-Württemberg (Hochrhein, Südschwarzwald) und Bayern.
In Gebieten, in denen Rothirsch und Sikahirsch gemeinsam leben, kann es unter bestimmten Umständen zur Hybridisierung kommen. Die Gefahr der Hybridisierung nah verwandter Arten ist das wesentliche Kriterium zur Einstufung dieser Art als invasive Art.
Zum Arterhalt des heimischen Rothirsches ist eine Hybridisierung unbedingt zu vermeiden. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Rotwildpopulationen Deutschlands eine genetische Verarmung und teilweise morphologische Fehlbildungen bedingt durch Gendefekte nachgewiesen wurden.
Untersuchungen belegen, dass ein verschobenes Verhältnis zugunsten weiblicher Tiere in benachbarten Populationen von Sika- und Rothirsch eine Hybridisierung der Arten begünstigen. Auch der Mangel an älteren Hirschen in der Sikapopulation erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Rothirsche sich mit Sikakühen verpaaren. Zur Prävention einer Hybridisierung ist in Gebieten, die von beiden Hirscharten besiedelt werden, ein regelmäßiges Monitoring und wenn möglich eine räumliche Trennung durchzuführen. Dies kann durch genetische Untersuchungen unterstützt werden.
Beide Arten unterliegen in ihren deutschen Verbreitungsgebieten dem Jagdrecht. Durch eine entsprechende Bejagung kann die Gefahr der Hybridisierung deutlich reduziert werden:
- Strikte räumliche Trennung von Sikahirsch- und Rothirschpopulation, wo es möglich ist.
- Im Zweifel ist einer gesunden, heimischen Rothirschpopulation der Vorzug zu geben und bei Bedarf der lokale Sikahirschbestand zu entnehmen.
- Die Entstehung neuer Sikahirschpopulationen oder gar eine Aussetzung von Sikawild muss verhindert werden.
- Erlegung von Hybriden (meist nur F1 als Hybridform erkennbar).
- Erlegung wandernder Sikahirsche (verhindert Verpaarung mit Rothirschkühen)
- Abschussplanung im Hinblick auf ausgeglichenes Geschlechterverhältnis (in Sika- und Rothirschpopulation)
- Geringe Populationsdichte beim Sikahirsch reduziert innerartlichen Stress und Nahrungskonkurrenz. Dadurch überleben mehr alte Hirsche, womit eine Verpaarung von Sikakühen mit Rothirschen verhindert werden kann. Weniger Stress steigert die Fitness der Sikakühe und es werden mehr männliche Kälber geboren.
Wie dargelegt kann die Hybridisierung durch eine fachgerechte jagdliche Bewirtschaftung von Sika- und Rothirschpopulationen reduziert werden.
Verwendete Literatur:
Pitra, C.; Rehbein, S.; Lutz, W. (2005): Tracing the genetic roots of the sika deer Cervus nippon naturalized in Germany and Austria. Eur J Wildl Res. 51: 237–241
Reiner, G.; Willems, H. (2021): Genetische Isolation, Inzuchtgrade und Inzuchtdepression in den hessischen Rotwildgebieten. Beiträge zur Jagd- und Wildtierforschung 46: 161-184.
TU-Dresden (2018): Introgression von Sikawild in einheimische Rotwildbestände und deren Konsequenzen. Abschlussbericht
Wingerter, S. (2023): Hybridisierung von Rot- und Sikahirsch im Rotwildgebiet Südschwarzwald. Eine Analyse der Faktoren Dispersal und Populationsstrukturen. Bachelorarbeit Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
