Wildkatze (Felis silvestris)

Ein scheuer Bewohner unserer Wälder ist die Wildkatze. Sie war zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Deutschland nahezu ausgerottet. Heute steht es wieder etwas besser um die kleine Katzenart. Trotzdem bekommt der Waldbesucher sie kaum zu Gesicht. Eher bemerkbar machen sich ihre Jungtiere, die zwischen April und Juni nach ihrer Mutter „rufen“.

Wildkatze (Quelle: Rolfes/DJV)
Wildkatze (Quelle: Rolfes/DJV)

Kennzeichen

  • Männchen (Kuder): 53 bis 68 cm, 3 bis 8 kg
  • Weibchen (Kätzin): 47 bis 65 cm, 2,4 bis 5 kg
  • Oberseite gelb-grau bis grau, mit 4 bis 6 schwarzen, vorn meist unterbrochenen Längsstreifen auf Kopf und Nacken und unterbrochenen Querbinden auf Rücken und Flanken
  • Bauchseite oft heller gelblich
  • Buschiger Schwanz (Rute) mit 3 bis 4 schwarzen Ringen und schwarzem, nicht spitz auslaufendem Ende
  • Mit Hauskatze nur entfernt verwandt, jedoch mit wildfarbenen Hauskatzen leicht zu verwechseln, wenngleich bedeutend größer und kräftiger als diese
  • Unterscheidet sich auch durch stärkere Behaarung, einen größeren Schnurrbart, eine fleisch farbene Nase und helles Schnauzenumfeld von der getigerten Hauskatze.
  • Mischlinge mit der Hauskatze möglich (Blendlinge), oft nicht zu unterscheiden

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

  • Lebt in ganz Zentraleuropa außer den Alpen
  • In Deutschland in der Eifel, im Taunus, Odenwald, Hunsrück, Harz, Thüringen und im Bayrischen Wald mit Tendenz der weiteren Ausbreitung
  • gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) und darin zur Familie der Katzen (Felidae)

Lebensraum

  • Typischer Waldbewohner
  • Sie bevorzugt nicht zu hoch gelegene Südlagen mit viel Unterholz und Felspartien, die ihr Verstecke bieten, und weiträumige offene Flächen im Wald (Kahlschläge und Lichtungen oä.) als Nahrungsgründe.

Nahrung

  • Beute: vor allem Kleinnager, aber auch Vögel, Säuger bis Hasengröße, Insekten und Amphibien; Aas nur äußerst selten.

Sinnesleistung und Lautäußerung

  • Sehr stark ausgeprägter Seh- und Hörsinn, wittert aber nur mäßig
  • Miauen, Schnurren, Knurren (Drohlaut), heiseres Schreien (Paarungslaut), Fauchen

Fortpflanzung

  • Paarungszeit (Ranz): Februar/März; Nachts sind die Liebesklagen vor allem des Kuders zu hören.
  • Katze bringt nach einer Tragzeit von 63 bis 69 Tagen im April/Mai 2 bis 6 Jungtiere zur Welt, die 9 bis 11 Tage blind sind.
  • Welpen werden in Reisighaufen, Erdbauen, Felsnischen und ähnlichen Verstecken geworfen.
  • Der Kuder kümmert sich vermutlich nicht um die Jungtiere.
  • Jungtiere werden ca. 4 Monate gesäugt, ab der 6. Woche auch fleischliche Zusatzkost
  • Mit 2 Monaten begleiten die Jungkatzen die Mutter auf die Jagd.
  • Ab Herbst sind die Jungtiere selbständig und suchen sich ein eigenes Revier.
  • Geschlechtsreife: ab dem 10. Monat

Lebensweise und Lebenserwartung

  • Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv
  • Territorialer Einzelgänger
  • Streifgebiet der Katze kann bis zu 3.500 ha, das des Kuders bis 5.500 ha groß sein.
  • Reißt ihre Beute, indem sie lautlos durch Wiesen und Gebüsch schleicht und bei dem geringsten Geräusch bewegungslos verharrt, um dann mit einigen großen Sätzen das Opfer anzuspringen
  • Höchstalter in freier Wildbahn: 12 bis 14 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 21 Jahre

Gefahren für die Wildkatze

  • Natürliche Feinde sind Luchs und Wolf, für junge Wildkatzen auch Uhu, Steinadler, Habicht, Fuchs und Marder.
  • In Gebieten mit Wildkatzen-Vorkommen ist auf das Kurzhalten von wildernden Hauskatzen zu verzichten
  • Hohe Verluste entstehen durch Verkehrsunfälle

Bestand

  • Früher in Mitteleuropa fast überall anzutreffen, aber durch intensive Bejagung, Lebensraumverlust und wohl auch Verkehrstod stark dezimiert
  • Seit 1934 jagdlich geschont
  • In den deutschen Mittelgebirgen leben heute schätzungsweise wieder 5.000 Tiere, Tendenz zunehmend.

Wildkatze im Jagdrecht

  • Unterliegt dem Jagdrecht mir ganzjähriger Schonzeit.

 

Quellen

  • Niethammer, J.; Krapp, F. (1993): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 5: Raubsäuger – Carnivora, Teil II: Mustelidae 2, Viverridae, Herpestidae, Felidae.  Aula Verlag Wiesbaden.