Wie mein Freund zum Jäger wurde

Als mein Freund mir erzählt hat, dass er den Jagdschein machen will, habe ich im ersten Moment die Augen verdreht. Einerseits, weil er schon genügend andere, teilweise auch zeitintensive Hobbys hat und andererseits, weil ich nicht viel vom Tiere erlegen gehalten habe.

#jaeben19 (Quelle: Schwarze/privat)
#jaeben19 (Quelle: Schwarze/privat)

Die Verbindung zur Natur hat er aufgrund der Wohnnähe zum Wald von Anfang an in sich. Regelmäßige Waldspaziergänge mit den Eltern und Großeltern aber auch Reviergänge mit einem Bekannten haben bei ihm schon früh das Interesse für die heimische Tierwelt, Flora und Fauna geweckt. Demnach konnte ich ihm den Wunsch, einen Jagdschein zu machen , nicht verübeln.

Dass dieser auch „Grünes Abitur“ genannt wird, habe ich erst verstanden als es auf die Prüfung zuging. Unsere gesamte Wohnung hing voller Lernzettel und Karteikarten zu den Themen Wild, Jagdhunde, Land- und Waldbau, Naturschutz, Hege, Jagdrecht und vieles mehr. Zum Abfragen bin ich somit immer von Tür zu Tür gegangen und konnte am Ende fast selbst alle Inhalte. Im Zuge dessen habe ich aber auch verstanden, dass Jagen nicht nur das Töten von Tieren bedeutet, sondern einiges mehr beinhaltet. Die Prüfung war am Ende zum Glück kein Problem für ihn.

Nachdem er sein erstes Reh erlegt hatte, drehte sich an dem Wochenende alles nur darum. Aber auch weiterhin ist jedes erlegte Stück etwas Besonderes.

Auch heute nach ein paar Jahren gehe ich zwischendurch gerne mit ihm im Sommer auf die Kanzel und wir genießen zusammen die Ruhe im und am Wald. Wir beobachten zusammen gerne das unterschiedliche Wild unserer Heimat. Das Schönste bis jetzt war eine Ricke mit ihrem Kitz, das auf der Wiese vor uns hin und her raste und sichtlich Spaß hatte. Als dann auch noch ein Hase aus dem Wald gehoppelt kam hätte man glauben können, man hätte den Film „Bambi“ live vor sich.

Dieses Jahr durfte er dann auch das erste Mal in meiner Anwesenheit einen Knopfbock erlegen. Er hat mich dann auch gleich mit zum Aufbrechen und Zerwirken des Wilds mitgenommen. Im ersten Moment war es schon etwas abschreckend, aber letztendlich gehört es dazu.

Seit mein Freund Jäger ist hat sich unsere Sicht zu Fleisch insgesamt komplett gewandelt. Wir essen lieber weniger, aber dafür hochwertiges Fleisch, natürlich am liebsten das eigens geschossene und verarbeitete Fleisch. Zusammen probieren wir viele verschiedene Wildgerichte aus und erarbeiten ein privates Wildkochbuch. So ist das Jagen inzwischen zu einem gemeinsamen Hobby geworden.

Marina und Christian