Ringeltaube (Columba palumbus)

auch: Große Holz-, Blau-, Block-, Kohl-, Pfund-, Schlagtaube

Obwohl als weltweites Symbol für Frieden verwendet ist die Taube verhaltensbiologisch ein eher streitbares Tier. Sie gilt gegenüber Artgenossen als wenig nachgiebig und verteidigt ihre Reviere energisch. Interessant ist die „Bruttaktik“ der Ringeltaube: sie brütet hintereinander 3-4 Gelege zu je 2 Eiern aus, erreicht also auch ein stattliches Ergebnis für eine Brutsaison.

Ringeltaube (Quelle: Rolfes/DJV)
Ringeltaube (Quelle: Rolfes/DJV)

Kennzeichen

  • Körperlänge: 42 cm
  • Flügelspannweite: ca. 75 cm
  • Gewicht: ca. 500 g (die „Pfundtaube“)
  • größte und häufigste Wildtaube
  • Gefieder: Kopf und Hals mohnblau, Schulter und Flügel blaugrau, Nacken und Hals purpurrosa glänzend mit grünem metallischen Schimmer, an der Brust in das schmutzig weiß der Unterseite übergehend
  • breites weißes Band auf der Flügeloberseite und breiter, weißer Fleck am Hals; Jungtauben noch ohne weißen Halsfleck
  • Augen gelb, Beine rot
  • beim Abfliegen und der Balz klatschender oder pfeifender Flügelschlag
  • männliche Tauben (Tauber) sind etwas kräftiger gefärbt und schwerer als weibliche Tauben (Täubinnen), aber die Unterschiede sind zu gering, um die Geschlechter im Freiland zu unterscheiden.

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

  • In ganz Europa vorkommend, ausgenommen Nord-Skandinavien
  • Ordnung der Tauben (Columbiformes), Familie der Tauben (Columbidae)

Lebensraum

  • In Waldgebieten aller Art bis zur Baumgrenze, in Feldgehölzen, Alleen, Parkanlagen, Obstgärten und größeren Gärten, auch in Städten

Nahrung

  • vor allem Pflanzenfresser: Sämereien, Getreide, Hülsenfrüchte, Beeren, Klee-, Raps-, Kohlblättchen, aber auch Würmer, Insekten und Larven
  • Die Ringeltaube richtet als Schwarmvogel in Gärten, Gemüsefeldern und reifen Getreideschlägen auch größere Schäden an.

Sinnesleistungen und Lautäußerungen

  • Die Ringeltaube hört und sieht sehr gut.
  • Revierruf des Taubers (“Rucksen”): dumpf gurrende, individuell variierende Rufreihe, bis 300 m weit zu hören.
  • Balzruf des Taubers heiser gedämpft huh-hruu
  • Bettelruf bei den Jungvögeln.
  • Außerhalb der Fortpflanzungszeit keine Lautäußerungen, nur gelegentliches Rufen der Tauber an sonnigen Wintertagen.

Fortpflanzung

  • brütet zwei bis vier Mal im Jahr, legt dabei je 2 -3 Eier auf spärliche Unterlage im Geäst
  • erste Legezeit im April
  • Bodenbalz: der Tauber trippelt hinter der Taube her, verbeugt sich würdevoll und gurrt lockend
  • Flugbalz: Imponierflüge mit Flügelklatschen
  • Ringeltauben bleiben während der Brut als Paar zusammen.
  • Beide Eltern kümmern sich um die Brut.
  • Das ungepolsterte Nest wird meist im Wipfel eines großen Baumes gebaut; der Tauber bringt seiner Partnerin dürre Zweige und Stängel, die diese lose zusammen steckt. Taubennester sind an dieser ‘provisorischen’ Bauart gut zu erkennen.
  • Brutzeit: 16 bis 18 Tage
  • Die Jungtiere schlüpfen blind, nach acht bis zehn Tage öffnen sich die Augen.
  • Die Eltern füttert Jungen in den ersten Tagen mit Kropfmilch, einem sehr nährstoffreichen Sekret, dass von den Kropfschleimhäuten abgesondert wird.
  • Nach 30 Tagen sind die Jungtauben flügge, nach einem Jahr geschlechtsreif.

Lebensweise und Lebenserwartung

  • Ringeltauben sind sehr gesellig und bilden nach der Brut größere Schwärme, die je nach Nahrungsangebot weit umherstreifen.
  • Pro Schwarm meist 30 bis 80 Vögel, selten 400.
  • In Mitteleuropa überwiegend Teilzieher, d. h. ein Teil der Vögel zieht nach der Brutzeit in ein Winterquartier, die übrigen bleiben im Brutgebiet (sog. ‘Standvögel’)
  • Winterquartiere der mitteleuropäischen Ringeltauben liegen in Westeuropa und im mediterranen Raum.
  • Die Ringeltaube kann im Freiland 21 Jahre alt werden.

Gefahren

  • Natürliche Feinde der Ringeltaube: Greifvögel und Eulen
  • für Gelege: Elstern, Krähen, Eichelhäher, Marder, Eichhörnchen und Katzen

Ringeltaube im Bundesjagdgesetz

  • Jagdzeit: 1. November - 20. Februar

 

Quellen

  • Cramp, S. et al. (1985): Handbook of the Birds of Europe, the Middle East and North Africa. Vol. IV Terns to Woodpeckers. Oxford University Press.
  • Svensson, L.; Mullarney, K.; Zetterström, D. (2011): Der Kosmos Vogelführer. 2.Auflage, Franck-Kosmos Verlag, Stuttgart