Hermelin (Mustela erminea)

Auch: Großes Wiesel

Wertvoller Hermelinmantel war bei Adelsherren beliebt. Das „Reinweiß“ der Pelze symbolisierte Unschuld und Reinheit. Dass weißes Fell nicht gleich unschuldig bedeutet, zeigt das zweitkleinste heimische Raubtier im Kampf mit seiner Beute: ein tödlicher Nackenbiss erlegt selbst Tiere, die größer als es selbst sind.

Hermelin (Quelle: Rolfes/DJV)
Hermelin (Quelle: Rolfes/DJV)

Kennzeichen

  • etwa handgroßer langer geschmeidiger Körper auf kurzen, kräftigen Läufen
  • markant: dreieckiger Kopf, schwarze Schwanzspitze
  • Männchen (Rüden) erreichen eine Körperlänge von ca. 17-30 Zentimetern plus zusätzlicher Schwanzlänge von bis zu 10 Zentimetern; die Weibchen (Fähen) sind etwa ein Viertel kleiner und leichter
  • Körpergewicht liegt bei 230 bis 300 Gramm

Unterschied zu Mauswiesel (M. nivalis)

  • im Vergleich zum Mauswiesel etwa doppelt so groß (Mausgröße contra Handgröße)
  • Definitives Erkennungsmerkmal ist die schwarze Schwanzspitze des Hermelins: das Mauswiesel hat keine.
  • Mauswiesel färben sich im Winter nicht um in weiß, sondern bleiben rotbräunlich.

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

  • in Europa nördlich der Pyrenäen, Alpen und Karpaten, in Nord- und Zentralasien, in Japan und in Teilen Grönlands, Kanadas und im Norden der USA vorkommend
  • in Deutschland sehr häufig
  • Das Hermelin ist ein Raubtier (Ordnung Carnivora) der Gattung Mustela, und gehört neben Iltis, Nerz und Mink als so genannte Wieselartige oder Stinkmarder (Mustelinae) zur Familie der Marder (Mustelidae).

Lebensraum

  • bis in 3.400 m Höhe anzutreffen
  • Meidet geschlossene Wälder, lebt in lichten Wäldern, Wiesen und Feldern, an Ufern und seltener am Rand von Siedlungen.
  • Bevorzugt strukturreiche Feldflur mit Hecken, Feldgehölzen und Streuobstwiesen; schätzt die Nähe von Feuchtbereichen, Gewässern und Wasserläufen.

Nahrung

  • Anschleichjäger, tötet auch Beute, die größer als er selbst ist mit einem Nackenbiss.
  • Population ist vom Vorkommen von Mäusen abhängig; frisst auch  Ratten und Spitzmäuse.
  • Erbeutet auch Reptilien und Amphibien, Würmer, Insekten, Fische und Früchte; aufgrund seiner Größe nur sehr selten Vögel und deren Gelege, Junghasen und Jungkaninchen.
  • Tagesbedarf ca. zwei Mäuse täglich
  • Bei Nahrungsüberschuss legt das Hermelin in einem Versteck Vorräte an, bevorzugt aber frische Beute.

Sinnesleistung und Lautäußerung

  • Seh-, Hör- und Geruchssinn ausgezeichnet ausgeprägt
  • guter Schwimmer
  • Untereinander verständigen sich Hermeline durch leises Trillern.
  • Das Hermelin droht mit einem sehr hochfrequenten Schreien.
  • sonst Keckern, Zirpen, sehr leises Pfeifen

Fortpflanzung

  • Hauptpaarungszeit (Ranz) im Februar, vereinzelt aber auch im Juni/Juli; Keimruhe dann jedoch bis in den Spätwinter; Wurf im darauf folgenden Jahr im März bis Mai: so fällt die Aufzuchtzeit des Nachwuchses in eine klimatisch günstige Jahreszeit.
  • ohne Vortragezeit 8 bis 9 Wochen (wenn es sich Ende Winter paart)
  • pro Wurf 4 bis 6 Junge, Jungensterblichkeit sehr hoch
  • Männchen schon mit einem Jahr geschlechtsreif

Lebensweise und Lebenserwartung

  • überwiegend tag- und dämmerungsaktiv
  • Sehr territoriale Einzelgänger, nur Fähen bilden mit ihren Jungtieren in den ersten Lebenswochen einen Familienverband.
  • Reviere werden heftig verteidigt und markiert.
  • Großer Aktionsradius mit bis zu 15 Kilometern pro Nacht.
  • Als Unterschlupf dienen Holz- und Steinhaufen, Mauer-, Erdlöcher, Ritzen, Maulwurfs- und Hamsterröhren.
  • Ist außergewöhnlich mutig und kennt kaum Feinde; auch nicht den Menschen, den es, von ihm in die Enge getrieben, furchtlos angreift.
  • Natürliches Höchstalter für Fähen mehr als drei Jahre, Rüden nur ein bis zwei Jahre.

Das Hermelin im Bundesjagdrecht

  • Jagdzeit: 1. August - 28. Februar

 

Quellen

  • Niethammer, J.; Krapp, F. (1993): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 5: Raubsäuger – Carnivora, Teil II: Mustelidae 2, Viverridae, Herpestidae, Felidae. Aula Verlag Wiesbaden.