Gämse (Rupicapra rupicapra)

Auch: Gams, Gamswild, Krickelwild

Die Gams ist die charakteristische Wildart im Gebirge und spielt im Alpenraum auch eine große Rolle im Brauchtum. Die gamslederne Hose und der Gamsbart ist in vielen alpenländischen Trachten ein unverzichtbarer Bestandteil.  

 (Quelle: O! CC-by-sa 3.0/de)
(Quelle: O! CC-by-sa 3.0/de)

Kennzeichen

  • Kopf-Schwanz-Länge: 125 – 135 cm, Widerristhöhe: 70 – 90 cm
  • Gewicht: Böcke 30 -50 kg, Geißen 24 – 40 kg
  • Fell: Blassbraun im Sommer, dunkelbraun im Winter mit feiner Unterwolle; lange Haare entlang der Rückenlinie (verwendet als Trophäe für den „Gamsbart“); Farbmutanten vorkommend: Teil- und Vollalbinos und Schwarzfärbungen („Kohlgams“)
  • Charakteristische Gesichtszeichnung: Stirn, Wangen und Kinn weiß; dunkle „Zügelstreifen“ von der Oberlippe über die Augen bis zum Hornansatz
  • Beide Geschlechter tragen Hörner: Die Hornschläuche sitzen auf Knochenzapfen und wachsen jährlich weiter, daher können man auf der Rückseite der Krucken an Einkerbungen Jahresringe unterscheiden werden (im Winter geringeres Wachstum); neben den Zähnen dienen diese Jahresringe der Alterseinschätzung am erlegten Stück
  • Die Hörner (Krickel oder Krucken, max. 20cm lang) werden im Gegensatz zu Geweihen nie abgeworfen und sind an den Spitzen nach unten gebogen; beim Bock ist diese Krümmung steiler, bei der Geiß flacher (Ansprechkriterium!); Beispiel für Geschlechtsdimorphismus  
  • Hautdrüsen: Zwischenzehendrüsen und sogenannte „Brunftfeigen“ hinter der Hornbasis; vor allem während der Brunft wird Sekret abgesondert und an Zweigen abgestreift (Imponiergehabe der Böcke)

Unterschiede zu anderen Boviden

Muffelwidder
Das Mufflon Die Gams Der Steinbock
Nur die Männchen bilden ein Horn aus. Dies kann bis zu 80 cm lang werden. Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen Horn. Dies kann bis zu 25 cm lang werden. Böcke tragen gebogene bis zu 1m lange Gehörne. Geißen haben nur ein kurzes Gehörn.

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

 

Ordnung:  Paarzeher (Artiodactyla)  Familie:  Hornträger (Bovidae)  Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae) Gattung:  Rupicapra  Arten:  rupicapra und pyrenaica

  • Verbreitung der Art R. rupicapra: Alpen, Karpaten, Kaukasus, Hohe Tatra, Nordosttürkei und Balkan; eingebürgert im Schwarzwald, in der Schwäbischen Alb und im Erzgebirge
  • Verbreitung der Art R. pyrenaica: Apennin (Abruzzengemse), Pyrenäen, Kantabrisches Gebirge (Nordwestspanien)

Lebensraum

  • Typische Wildart im Hochgebirge: im Sommer in der Matten- und Latschenkieferregion; im Winter mitunter an der Baumgrenze oder im Wald vor allem bei hohen Schneelagen („Waldgams“) 
  • Standortwahl beeinflusst von der Witterung und dem Nahrungsangebot
  • Große Bedeutung hat Hangrichtung und Hangneigung (schneefreie Stellen und Sonneneinstrahlung!)
  • in Mittelgebirgsregionen: Geröllfelder, Felswände, felsnahe Wiesen

Nahrung

  • Sommeräsung: Saftige, eiweißreiche Gräser und Kräuter (= Konzentratselektierer)
  • Winteräsung: Trockene Gräser, Moose, Flechten, Bergkiefernadeln (= Rauhfutterfresser)

Sinnesleistung und Lautäußerung

  • Gut entwickelter Seh- und Geruchssinn
  • „Pfeifen“ als Warnlaut z.B. für die Kitze beim Anflug von Steinadlern
  • „Blädern“ der typische Brunftlaut des Bockes beim Annähern an die Geiß
  • „Meckern“ als Angst- und Suchlaut

Fortpflanzung

  • Geschlechtsreife bei Böcken durchschnittlich mit 2 Jahren, bei Geißen mit 2-3 Jahren; bei sich aufbauenden Populationen Eintritt in Geschlechtsreife früher
  • Brunft: Ende Oktober bis Mitte Dezember
  • Bildung von Brunftrudeln; Platzböcke überwachen ihr Rudel auf exponierten Felsvorsprüngen
  • Verteidigung der Rudel gegenüber Nebenbuhlern, teilweise durch Hetzjagden; in dieser Zeit eingeschränkte Nahrungsaufnahme bei den Böcken, daher oft Verluste von mittelalten und alten Böcken vor dem Winter
  • Tragzeit: ca. 6 Monate; Geburt von 1-2 Kitzen pro Geiß im Mai/Juni; Säugezeit: ca. 6 Monate, die Geiß setzt sich kurz vor der Geburt vom Rudel ab; wenige Tage nach der Geburt kehrt sie mit ihrem Nachwuchs wieder zurück.

Lebensweise und Lebenserwartung

  • Gamswild ist tagaktiv und kann hervorragend klettern, da die Füße mit harten Schalenrändern und elastischer Sohle ausgerüstet und die Zehen weit spreizbar sind.
  • Im Sommer: mittelalte Böcke bilden Bockrudel (3-6 Böcke); alte Böcke sind Einzelgänger. „Geraffel“: Geißrudel mit Kitzen, das von alter Leitgams geführt wird
  • Geschlechtsverhältnis bis zum 5.Lebensjahr ausgeglichen, danach verschiebt es sich zugunsten der Geißen.
  • Beobachtetes Höchstalter in bayrischen Alpen: Böcke 15 Jahre, Geißen 22 Jahre
  • hoher Kitzverlust vor allem am Ende der Säugezeit (vermutlich durch Nahrungsumstellung)
  • Natürliche Todesursachen: harte Winterbedingungen mit Nahrungsmangel; Gamsräude verursacht durch die artspezifische Milbe Sarcoptes rupicaprae; Gamsblindheit (Infektionskrankheit vor allem im Sommer auftretend)
  • natürliche Feinde: Wolf, Bär, Steinadler und Uhu für Kitze   

Die Gams im Jagdgesetz

  • Nach § 1 Abs. 1 des Bundesjagdgesetzes ist die Gemse als Wild definiert und kann nach BJagdG vom 1.8. bis 15.10. bejagt werden. Darüber hinaus sind hinsichtlich der Jagd- und Schonzeiten auch die länderspezifischen Regelungen zu beachten.      

Extra

  • Gämsen sind sehr futterneidisch und äsen im Abstand, daher sollte bei Winterfütterungen das Heu an mehreren Stellen angeboten werden.

Gamswild im Bundesjagdgesetz

  • Jagdzeit: 1. August - 15. Dezember

 

Quellen

  • Niethammer, J.; Krapp, F. (1986): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 2/II Paarhufer - Artiodactyla. Aula Verlag Wiesbaden.

Links

  • Für interessierte Jäger und Nichtjäger: Jagdstrecken, Zahlen und Fakten auf Daten und Fakten.de