Fischotter (Lutra lutra) | Deutscher Jagdverband

Fischotter (Lutra lutra)

auch: Flußotter, Landotter, Wassermarder, Flussmarder, Fischmarder

Tauchgänge bis zu acht Minuten, Nachtspaziergänge bis 20 Kilometer, und ein Kilo Fisch pro Tag: die bedrohte Art tummelt sich heute dank ganzjähriger Schonzeit wieder gesellig mit viel Spieltrieb und Neugier an Deutschlands Flüssen. Noch vor hundert Jahren jagten ihn speziell abgerichtete „Otterhunde“, in Fastenzeiten wurde sein Fleisch als Fisch verkauft und für sein sehr wärmendes Fell gab es hohe Prämien.

Fischotter (Quelle: Rolfes/DJV)
Fischotter (Quelle: Rolfes/DJV)

Kennzeichen

  • spitz zulaufender, marderähnlicher Körper und ein muskulöser Schwanz des Otters bilden Stromlinienform für das wasserangepasste Leben. Kurze kräftige Beine, flacher Kopf mit breiter Schnauze und langen Tasthaaren
  • kurzes, dichtes Fell (Balg), oberseits dunkelbraun; Bauch und Brust heller grau-braun gefärbt. Körpergröße bis zu 120 Zentimeter, davon 30 bis 40 Zentimeter auf den kräftigen und völlig behaarten Schwanz. Gewicht etwa sieben bis fünfzehn Kilogramm

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

  • das Verbreitungsgebiet des Fischotters erstreckt sich auf ganz Europa und Asien bis über den nördlichen Polarkreis hinaus, sowie auf Marokko und Algerien
  • Ordnung: Raubsäuger (Carnivora)  Familie:  Marderartige (Mustelidae)
  • ist nach dem Dachs der zweitgrößte heimische Vertreter der Marder in Mitteleuropa

Lebensraum

  • ruhige Flüsse, Bäche und Seen mit Fischreichtum, gerne mit überhängender Ufervegetation
  • Tagsüber versteckt er sich in Bauen am Ufer oder in Baumhöhlen. Ausgeschwemmte Löcher am Ufer richtet er sich zu Bauen ein. Gelegentlich nimmt der Otter auch Fuchs- und Dachsbaue in Ufernähe in Besitz.

Nahrung

  • Wie alle Marder ernähren sich auch Fischotter recht vielseitig. Neben Fischen (bis zu 70 Prozent) und Fröschen erbeuten sie auch Krebse, Insekten, Schermäuse und Wasservögel.
  • Benötigt etwa ein Kilogramm Nahrung täglich.

Sinnesleistung und Lautäußerung

  • Keckern, Murren, Pfeifen, als Abwehr- und Drohlaut auch Kreischen
  • Sinne insgesamt sehr scharf. Er sieht und hört sehr gut und hat auch einen ausgezeichneten Geruchssinn.

Fortpflanzung

  • Die Ranzzeit ist ganzjährig; Hauptpaarungszeit ist aber im Februar/ März.
  • Ihre ein bis fünf Jungen bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von etwa 60 Tagen an Plätzen zur Welt, die sicher vor Hochwasser sind.
  • Geschlechtsreif werden Fischotter mit eineinhalb bis zwei Jahren.

Lebensweise und Lebenserwartung

  • Fischotter leben oft einzelgängerisch, jüngere gesellig bzw. in Familienverbänden. Überwiegend sind die Otter nachtaktiv und unternehmen ausgedehnte Beutezüge in ihren kilometerlangen Revieren, die teilweise auch über Land führen.
  • Reviergrößen variieren  zwischen 18 und 40 Kilometer entlang der Gewässerläufe. Etwa alle 1000 Meter braucht der Fischotter einen Unterschlupf, zum Beispiel unter den Wurzeln alter Bäume oder in dichten Weiden- und Erlenbüschen direkt am Ufer. In diesen Verstecken verschläft er den Tag.
  • Über der Wasseroberfläche liegender Otterbau mit einer großen gepolsterten Haupthöhle hat einen Land- und einen Wasserzugang (ca. einen halben Meter unter Wasseroberfläche).
  • Lebenserwartung in der Natur cirka neun bis zehn Jahre.

Gefahren für Fischotter

  • in Deutschland keine natürlichen Feinde.
  • in früheren Zeiten intensiv bejagt. Heute stehen Fischotter in Deutschland zwar unter Schutz, es haben aber nur wenige hundert Fischotter überlebt und diese finden kaum noch geeignete Lebensräume vor: Flussbegradigungen und Wasserverunreinigungen schränken vor allem die Nahrungsgrundlagen ein, ertrinken in Fischnetzen und Verkehr sind weitere Todesursachen.

Bestand

  • Heutzutage nur noch 1-2- Prozent der ursprünglichen Bestände
  • Vitale Fischotterpopulationen gibt es in Deutschland nur noch östlich der Elbe im Lausitzer Teichgebiet, im südlichen Teil des Bezirks Frankfurt/Oder sowie in der Mecklenburger/Brandenburger Seenplatte.
  • Weitere Vorkommen in Deutschland sind isolierte Kleinvorkommen, zum Beispiel in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Der Fischotter im Jagdrecht

  • Der Fischotter unterliegt dem Bundesjagdrecht, hat jedoch ganzjährige Schonzeit.

 

Weitere Informationen

 

 

Quellen

  • Chanin, P. (2003). Ecology of the European Otter. Conserving Natura 2000. Rivers Ecology Series No. 10. English Nature, Peterborough.