Einen Fendt Vario in 9,3x62

Wie kann man das Engagement der Jäger und Landwirte für Lebensraum und Artenvielfalt am Besten unterstützen? Diese Frage haben Fendt und J. P. Sauer & Sohn auf eine im Waffenbau bislang einmalige Art und Weise beantwortet.

 (Quelle: Fendt/Sauer/DJV)
(Quelle: Fendt/Sauer/DJV)

In enger Kooperation schufen der traditionsreiche Landtechnikherstelleraus Marktoberdorf/Allgäu und Deutschlands ältester Jagdwaffenhersteller aus Isny ein sogenanntes Themengewehr, das die Nummer 1 unter den Großtraktoren perfekt auf die derzeit wohl ausgefeilteste Repetierbüchse der Welt miniaturisiert.

Herausgekommen ist die S 404 „Fendt 1050 Vario“, die Customizing in der Waffenbranche völlig neu interpretiert. Profitieren von diesem einzigartigen Projekt wird das Niederwild – denn das „schießende Fendt Dieselross“ ist eine Spende und wird mit Unterstützung von Auctronia, dem Frankonia Online-Auktionshaus, zugunsten des DJV-Projektes „Netzwerk Lebensraum Feldflur“ versteigert. Peter-Josef Paffen, Vorsitzender der AGCO/Fendt Geschäftsführung und selbst passionierter Jäger, erläutert das Engagement seines Hauses: „Landwirtschaft und Jagd stehen seit Generationen für kompetente Arbeit in der Natur und für gelebte Nachhaltigkeit. Wir bei Fendt tun seit 1930 alles dafür, um unsere Landwirte mit den besten Maschinen zu unterstützen. Darüber hinaus sind wir, genau wie Sauer & Sohn, auch Premium-Partner des DJV, denn Bauern und Jäger sind eine untrennbare Einheit, wenn es um den Erhalt unserer Kulturlandschaft geht. Da war es für uns selbstverständlich, dass wir dabei sind – vor allem, wenn eine SAUER 404 das Grundgerüst bildet.“

So standen just mit Startschuss des Projekts Peter-Josef Paffen und sein Team mit Rat und Tat zur Seite, als es für Sauer & Sohn galt, die markanten Design-Features des 14 Tonnen schweren und über 500 PS starken „Acker-Giganten“ in die nicht einmal 3,5 Kilogramm leichte S 404 zu übersetzen. „Es gibt so Momente, da bereut man seine eigene Idee,“ beschreibt Matthias Klotz schmunzelnd die ersten Schritte. „Erstens war uns klar, dass wir mit diesem Vorhaben absolutes Neuland betreten. Und zweitens hatten wir für dieses Projekt mit tausend Unbekannten gerade einmal zehn Wochen Zeit.

Da rauscht einem schon das eine oder andere Mal der Begriff ‚Mission Impossible‘ durch den Kopf.“ Anders als im „Atelier 1751“, in dem Sauer reich gravierte und verzierte Jagdwaffen entstehen lässt, galt es hier, technische Lösungen mit perfekter Design-Adaption zu verbinden. Also wurde statt Graveuren und Schäftern ein Team aus Ingenieuren, Designern und Modellbauern gebildet, das das Unmögliche möglich machen sollte. „Natürlich waren anfangs alle etwas skeptisch. Aber noch stärker war unser Antrieb, zu zeigen, dass wir Dinge realisieren können, über die andere wahrscheinlich noch nicht einmal nachgedacht haben“, freut sich Klotz .Zu Beginn stand ein Besuch in Marktoberdorf an, bei dem die Waffenbauer aus Isny den 1050 Vario in Augenschein nahmen und jedes erdenkliche Detail studierten, das man auf die S 404 adaptieren könnte. „Schnell war uns klar, dass die Kopie der markanten Motorhaube mit dem martialischen Kühlergrill das zentrale Element sein muss“, beschreibt Klotz die Herangehensweise des Sauer-Teams. Aber wo und wie sollten zum Beispiel das Reifenprofil, der mächtige Auspuff und die für Fendt-Traktoren charakteristischen roten Felgen umgesetzt werden? Sauer-Konstrukteur Raphael Pucher schmunzelnd: „Auf der Rückfahrt nach Isny haben wir im wilden Dialog mindestens zehn verschiedene Gewehre gebaut und wieder verworfen. Ich kam mir vor, wie in einer dieser amerikanischen Sendungen, in denen irgendwelche verrückten Autotuner aus einem Oldtimer einen Rennwagen machen. “Wieder in Isny sah es dann auf dem einen oder anderen Sauer-Schreibtisch aus wie im Kinderzimmer: Spielzeug-Traktoren der 1000er-Serie, Typenschilder von Dieselross & Co. und jede Menge Fotos des 1050er im Einsatzdienten als weitere Inspiration, um auf den 3D-Rechnern Ideen in Entwürfe umzuwandeln.

„Gescheit, oder gar nicht – war von Anfang an unsere Devise“, erläutert Matthias Klotz die Rahmenbedingungen für das Projekt. „Und so war klar, dass der Schaft ein von Grund auf neu designtes Einzelstück wird, denn auf Basis der bestehenden Teile wäre lediglich ein Kompromiss herausgekommen.“ Nach Anfertigung einiger Knetmodelle ging es schließlich zurück ins 3D, um das Fräsprogramm zu schreiben. „Wir haben genau das gleiche hochwertige Material gewählt, das auch unsere S 404 Classic XT und Synchro XT auszeichnet. Denn natürlich sollte die 1050er Vario eine vollwertige Jagdwaffe bleiben“, ergänzt Raphael Pucher.

So entstand der Vorderschaft im Schwung der kraftvollen Motorhaube und mit zielgerichtetem Blick, der Hinterschaft erhielt den Frontgrill samt verchromten Logo. Und um die Optik und Haptik von Traktorenreifen zu erhalten, wurden schließlich die Griff-Einlagen aus Gummi handgefertigt. „Da kann kommen was will, das Teil beißt sich jetzt förmlich in die Hand des Schützen, wie ein Fendt in den Boden“, freut sich Peter-Josef Paffen, der mit seinem Team alle Entstehungsschritte aus Sicht der Traktorenbauer begleitete. Neuland war auch die Kammer, die die gelochte Auspuff-Abdeckung verkörpert. Mit kleinen runden Vertiefungen versehen und schwarz DLC (Diamond Like Carbon) beschichtet, wirft diese S 404 nun stilecht Hülsen statt Verbrennungsgase aus. Als weiteres Schmankerl verwandelten die Saueraner den Magazinboden in die Felge des großen Vario. Nicht nur, dass der Stahlboden im Fendt-Farbton „Terra Red“ gehalten ist – nein, wie beim großen Original vermitteln zwölf Miniatur-Hutmuttern auf Gewindestangen den Eindruck, eine echte Felge vor sich zu haben.

Abgerundet wurde das Ganze schließlich durch den kannelierten Lauf mit vernickelten Visiersockeln und verchromter Gewinde-Abdeckhülse, das Dieselross-Logo im Pistolengriff und den markanten Typen-Schriftzug auf dem Gehäuse. Und das Kaliber? „Natürlich 9,3x62“, lacht Matthias Klotz, „denn bei einer Miniatur eines Fendt muss gelten: Drehmoment statt Spoiler!“

Als alle dachten, die „Mission Impossible“ wäre erfolgreich beendet, kamen die Kollegen aus dem Sauer-Vertrieb und setzten noch eins drauf. „So ein Hammer-Gerät braucht definitiv einen passenden Koffer!“ Gesagt, getan: Ein SAUER 404 ABS-Compact Case wurde innerhalb weniger Tagekomplett zerlegt, in Fendt-Grün lackiert, mit original Typenschildern versehen und anschließend wieder mit neuem Innenleben – natürlich mit grünen Ziernähten – ausgestattet. „Nach genau 79 Tagen kamen die Kollegen von Sauer & Sohn wieder zu uns nach Marktoberdorf. Diesmal nicht mit Kamera und Skizzenblock, sondern mit einem Gewehr, das unsere kühnsten Erwartungen übertroffen hat“, beschreibt Peter-Josef Paffen das Wiedersehen in der Fendt-Zentrale. „Dass man so etwas in dieser Zeit hinbekommt, ist kaum zu glauben.“ Bei Sauer mahnt man aber zur Vorsicht: „Das war ein Rennen in Richtung Bundesjägertagund für einen guten Zweck, bei dem keiner von uns die Stunden am Abend oder an den Wochenenden gezählt hat“, gibt Sauer-Chef Klotz zu bedenken. „Daher sage ich auch ganz herzlichen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen von Fendt und Sauer, die mit diesem Gewehr bewiesen haben, was man mit Wissen und Willen erschaffen kann.“ Peter-Josef Paffen nickt und ergänzt: „Jetzt hoffen wir natürlich, dass sich unsere Begeisterung auf die Jägerinnen und Jäger überträgt, und dieses Gewehr einen tollen Beitrag zur Arbeit des DJV für Lebensraum und Niederwild leistet.“ Die Auktion endet voraussichtlich Ende Juli – alle Details sehen Sie unter www.auctronia.de oder aber auf den Homepages von Fendt, Sauer sowie der Seite des DJV.