"Du brauchst das Quäntchen Glück"

Der beste Schütze der DJV-Bundesmeisterschaft 2017 ist erst 31 Jahre alt. Im Interview mit dem DJV erzählt Philipp Sehnert aus Rheinland-Pfalz, worauf es beim Schießen wirklich ankommt.  

Der Gesamtsieger Philipp Sehnert mit Pokal.
Der Gesamtsieger Philipp Sehnert mit Pokal.

DJV: Herzlichen Glückwunsch Herr Sehnert. Mit 345 von 350 möglichen Punkten haben Sie 2017 die höchste Punktzahl auf der DJV-Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen erreicht. Wie fühlen Sie sich als frisch gebackener ‚Meister aller Klassen‘?

Sehnert: Sehr gut! Dieses Jahr hatte ich ein extrem gutes Gefühl. Im Training habe ich jedes Mal nur 28 Tauben geschossen und mir gesagt: ‚Die letzten zwei Tauben spare ich auf für Garlstorf‘. Das hat heute funktioniert. Ich bin sehr stolz, dass ich den Pokal errungen habe. Und ich hätte nicht gedacht, dass er so schwer ist!

Warum stehen gerade Sie auf dem Siegertreppchen?

Bei 30 Tauben hast du eine Taube, wo einfach Glück dazu gehört. Und das war bei mir die letzte Skeet-Taube, die ging vom Wind relativ tief. Du brauchst das Quäntchen Glück, und das war heute da.

Was außer Glück gehört noch dazu?

Manchmal fehlt es ein bisschen an Coolheit. Die bekommst du erst im Alter. Schießen können viele, aber der, der die Nerven behält, steht oben.

Was hätte besser laufen können?

Ich habe mit Büchsenschießen angefangen. Der erste Schuss auf der Deutschen Meisterschaft nach so viel Training, und ich schieße direkt eine 9 hoch. Das ist mit Sicherheit nicht das, was du willst.

Wie sind Sie zum Schießen gekommen?

Mit 15 Jahren habe ich die Jagdprüfung gemacht und mit 16 den Schein bekommen. Dann habe ich gleich angefangen zu schießen. Seit 2012 bin ich in der Offenen Klasse dabei und heute zum 16. Mal auf der Meisterschaft.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Normalerweise trainiere ich mindestens einmal die Woche. In den letzten fünf bis sechs Wochen vor der Meisterschaft habe ich zwei bis drei Mal pro Woche trainiert. Meine Freundin ist leider nicht immer so glücklich über den Sport, weil ich sehr viel Zeit investiere und mir auch viele Gedanken darüber mache.

Und was hält die Familie von Ihrer Leidenschaft fürs Schießen?

Mein Vater ist mein Vorbild. Er hat heute selbst in der Altersklasse mitgeschossen und ist die treibende Kraft. Der Rest der Familie sagt: ‚Geh lieber Schießen, das ist besser als Motorradrennsport‘.

Möchten Sie sonst noch irgendetwas sagen?

Ich freue mich jedes Jahr darüber mit meiner Mannschaft anzutreten. Die Rheinland-Pfälzer sind eine kleine Truppe und wir haben einen tollen Zusammenhalt. Wir sind wie eine Clique.

Vielen Dank, Philipp Sehnert, für das Interview. Wir freuen uns auf die nächste Bundesmeisterschaft mit Ihnen.