Daubaner Rudel: Behörde prüft nach Angriff Abschuss von Wölfen

Die Täter sind identifiziert, doch was geschieht nun mit ihnen?
Möglichkeiten für einen Abschuss von Wölfen gibt es, doch die Hürden liegen hoch. Die Debatte um den Wolf hat wieder Nahrung erhalten.

Wölfe haben am vergangenen Dienstag im Landkreis Görlitz eine Herde von Schafen und Ziegen angegriffen (Quelle: Rolfes/DJV)
Wölfe haben am vergangenen Dienstag im Landkreis Görlitz eine Herde von Schafen und Ziegen angegriffen (Quelle: Rolfes/DJV)

Der verheerende Wolfsangriff in Ostsachsen wird möglicherweise nicht folgenlos bleiben. Das Landratsamt Görlitz prüft den Abschuss von Tieren. Allerdings sei wegen des umfassenden Prüfverfahrens nicht mit einer raschen Entscheidung zu rechnen, teilte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage mit. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kündigte an, sich am Freitag selbst ein Bild von den Folgen des jüngsten Wolfsangriffs zu
machen. Er will deshalb die Schutzstation «Östliche Oberlausitz»
besuchen, zu deren Bereich die gerissenen Schafe und Ziegen gehörten.
Kretschmer drängt seit längerem auf eine Lösung der Probleme mit
Wölfen in der Lausitz.

Wölfe sind streng geschützt. Die Gesetzeslage lässt aber unter
bestimmten Umständen einen Abschuss zu. In Paragraf 45 des
Bundesnaturschutzgesetzes steht, dass dies zur Abwendung erheblicher
wirtschaftlicher Schäden erfolgen kann. In Sachsen hat darüber das
jeweilige Landratsamt zu entscheiden. In jedem Fall müssen das
Umweltministerium und die Landesdirektion eingebunden werden.

Auch der Managementplan für den Wolf in Sachsen enthält einen
entsprechenden Passus. «Die Entfernung von Wölfen ist immer das
letzte Mittel der Wahl und nur vorzunehmen, wenn alle anderen Mittel
ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für Menschen besteht. Es gilt der
Grundsatz: Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster
Stelle».

Am Dienstag hatten Wölfe bei Förstgen (Landkreis Görlitz) eine Herde
von Schafen und Ziegen angegriffen. Das ganze Ausmaß der Attacke war
erst am späten Abend klar. Wie die betroffene Naturschutzstation
«Östliche Oberlausitz» am Mittwoch mitteilte, haben von 151 Tieren
wohl nur 61 überlebt. 39 Moorschnucken und Burenziegen wurden tot
gefunden, 51 Tiere fehlten am Mittwochvormittag noch.

Die Naturschutzstation geht davon aus, dass auch sie Opfer der Wölfe
geworden sind. Damit würde sich der Verlust auf 90 Tiere belaufen.
Einige Tiere wurden auch auf dem Territorium des Landkreises Bautzen
getötet. Für den Angriff machen Experten das Daubaner Rudel
verantwortlich. In diesem Jahr wurden vier Welpen in dem Rudel
gesichtet. Experten gehen davon aus, dass ältere Wölfe den Jungen mit
solchen Angriffen auch ein richtiges Jagdverhalten beibringen wollen.

Unterdessen wurden aus der Politik Rufe nach einem Abschuss von
Wölfen laut. «Schutz vor dem Wolf bringt nur der Abschuss. In Sachsen
sehen wir: Sogar Elektrozäune bieten keinen Schutz für Schafe auf der
Wiese», erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Karlheinz Busen. Man
brauche eine Bestandskontrolle und jährlich festgesetzte Jagdquoten,
damit die Zahl der Wolfsrisse nicht weiter so dramatisch steigt.

In einer Umfrage des Senders Hitradio RTL in Sachsen sprachen sich 27
Prozent der Teilnehmer dafür aus, «Problemwölfe» abzuschießen. In
Regionen, in denen die Raubtiere leben, ist die Zustimmung sogar noch
größer. In der Lausitz sind es laut dieser Umfrage 41 Prozent, in der
Sächsischen Schweiz 33 und Nordsachsen 30 Prozent. An der Umfrage
nahmen fast 2000 Menschen teil.

Sachsen hatte sich für ein länderübergreifendes und einheitliches
Wolfsmanagement ausgesprochen. Die Probleme der Tierhalter und die
Ängste der Menschen müssten ernst genommen werden, hieß es wiederholt
im Umweltministerium. «Wir brauchen eine rechtssichere Lösung und
arbeiten daran, dass es bundesweit einheitliche Regelungen gibt»,
teilte das Ministerium am Mittwoch mit Blick auf den Abschuss von
Wölfen mit.