Das Reh: Feinschmecker und Anpassungskünstler

Das Reh ist Wildtier des Jahres 2019. Der DJV verrät Wissenswertes und Kurioses über die am weitesten verbreitete Hirschart in Deutschland.

Rehe sind Feinschmecker, da auf dem Speiseplan frische Knospen und junge Triebe von Bäumen oder Sträuchern, zudem Kräuter und Gräser, Obst, Eicheln oder Bucheckern stehen. (Quelle: Rolfes/DJV)
Rehe sind Feinschmecker, da auf dem Speiseplan frische Knospen und junge Triebe von Bäumen oder Sträuchern, zudem Kräuter und Gräser, Obst, Eicheln oder Bucheckern stehen. (Quelle: Rolfes/DJV)

Das Reh kann zu Recht als Erfolgsmodell unter den Wildtieren bezeichnet werden. Als Kulturfolger hat die kleinste und häufigste Hirschart Europas sich perfekt an den Menschen angepasst. Das Reh kommt von den Alpen bis zu den Küsten an Nord- und Ostsee flächendeckend vor und besiedelt selbst Randlagen von Großstädten. Im März können Naturliebhaber Rehe besonders gut beobachten: Auf Feldern und Wiesen sind jetzt ganze Familienverbände unterwegs, die der Jäger „Sprünge“ nennt. Die Gruppenbildung dient im Winter der Sicherheit. Mit zunehmender Tageslänge schalten die vegetarisch lebenden Rehe den Energiesparmodus aus und suchen das erste frische Grün und ernähren sich von Trieben oder Sprossen. In wenigen Wochen lebt das Reh wieder als Einzelgänger. Es ist übrigens näher verwandt mit dem Elch als mit dem Rothirsch. Das Reh ist also nicht die Frau vom Hirsch, vielmehr heißt das männliche Tier Rehbock. Darauf macht der Deutsche Jagdverband (DJV) aufmerksam.

Rehe sind standorttreu und territorial – vor allem mehrjährige Böcke verteidigen ihr Refugium vehement. Geschlechtsreife, 1-jährige Rehböcke werden vertrieben und müssen sich ein eigenes Revier suchen - mit ein Grund für die steigende Gefahr von Wildunfällen im Frühjahr. Immerhin sind Rehe in fast 85 Prozent der erfassten Kollisionen mit Fahrzeugen verwickelt.

Hauptsächlich im Mai kommt der Nachwuchs zur Welt, die Rehkitze. Die darauffolgende Paarungszeit der erwachsenen Rehe beginnt bereits wenige Wochen später im Spätsommer. Damit der Nachwuchs nicht im Winter geboren wird, hat die Natur einen biologischen Trick parat, die Eiruhe: Das befruchtete Ei entwickelt sich erst ab Dezember innerhalb von fünf Monaten zum Jungtier.

Wissenswertes zum Reh:

  • Das Fell variiert je nach Jahreszeit in Farbe und Form. Im Sommer ist es rotbraun, im Winter graubraun. Zudem trägt das Reh im Winter Dauerwelle: Die dann hohlen Haare sind stark gewellt. Dadurch bildet sich ein isolierendes Luftpolster.
  • Die männlichen Tiere werfen jährlich ihren Kopfschmuck, das sogenannte Gehörn, im Herbst ab. Es wächst dann bis zum Frühjahr nach.
  • Der Jäger bezeichnet Rehe als Schlüpfer: Die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine, sodass es dichtes Unterholz leicht durchqueren oder sich darin verstecken kann. Der Körperbau ist seiner Lebensweise gut angepasst.
  • Rehe sind die Feinschmecker unter den Vegetariern. Auf dem Speiseplan steht rein pflanzliche Kost wie frische Knospen und junge Triebe von Bäumen oder Sträuchern, zudem Kräuter und Gräser, Obst, Eicheln oder Bucheckern.
  • Rehe sind Wiederkäuer und haben ähnlich den Kühen vier Mägen.
  • Eine Ricke bekommt zumeist zwei Kitze, seltener eines oder gar drei.
  • Rehkitze sind in den ersten Lebenswochen zum Schutz vor Feinden mit hellen Flecken auf Rücken und Flanken gut getarnt. Zudem Ducken sie sich bei Gefahr und verharren regungslos.
  • Erwachsene Rehe schrecken bei Gefahr: Der Warnlaut klingt wie das Bellen eines Hundes.