„Ein zweiter Platz wäre ja doof“

Bereits das fünfte Mal hat die niedersächsische Damenmannschaft auf der DJV-Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen Gold geholt. Erstmalig steht die beste niedersächsische Schützin Ulrike Junge aus Lamstedt auch in der Einzelwertung ganz oben. Wir haben sie interviewt.

Siegerin in der Damenklasse: Ulrike Junge am Skeet-Stand. (Quelle: Kapuhs/DJV)
Siegerin in der Damenklasse: Ulrike Junge am Skeet-Stand. (Quelle: Kapuhs/DJV)

DJV: Frau Junge, herzlichen Glückwunsch. Sie haben mit 334 von 350 Punkten den ersten Platz in der Damenklasse belegt. Haben Sie damit gerechnet?

Junge: Am Anfang überhaupt nicht: Wir haben mit dem Büchsenschießen angefangen, das nicht meine Disziplin ist. Als ich jedoch 184 Punkte (Anm. d. Red.: von 200 möglichen) erreicht hatte, dachte ich: ‚Das wäre ein schönes Ergebnis, wenn es mit den Tauben läuft.‘ Skeet schieße ich gern. Als es nach den 15 Trap-Tauben zum Skeet-Stand ging, habe ich mich innerlich darauf vorbereitet und gesagt: ‚Jetzt halte dich an deinen roten Faden, mach das, was du gelernt hast und zieh das jetzt einfach durch!‘

Gab es sonst noch einen Moment, der Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Die Aufregung, die dann innerlich immer weiter steigt. Und dass einem das Herz bis zum Hals schlägt. Es gab viele solche Momente in diesem Wettkampf.

Wie lange und wie oft muss man trainieren, um so schießen zu können wie Sie?

Ich schieße seit 22 Jahren jagdlich bei Wettkämpfen mit und übe regelmäßig. Etwa zwei Mal in der Woche, wie es die Zeit eben zulässt, mal weniger, manchmal aber auch mehr.

Mit der Damenmannschaft aus Niedersachsen ist das Ihr fünfter Sieg: Liegt das am Team?

Wir trainieren regelmäßig und versuchen wirklich alle immer dabei zu sein. Dafür haben wir auch den Trainingsplan, der eingehalten wird. Und wenn es zwischendurch nicht so gut läuft, motivieren wir uns gegenseitig. Zum Beispiel waren wir beim Wettkampf alle eher schlecht bei der Kugel. Dann hat Carmen Wilshusen das gesagt, was ich normalerweise immer im Training sage: ‚Wenn man vorne schlecht schießt, muss man hinten besser werden.‘ Meiner Mannschaft bin ich wirklich sehr dankbar, wir haben uns alle gegenseitig durch den Wettkampf getragen.

Was hat sich die Mannschaft Niedersachsen für das nächste Jahr vorgenommen?

Das Ziel ist wie jedes Jahr: den Titel holen. Ein zweiter Platz wäre ja doof.

Was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie so häufig auf dem Schießstand sind?

Gott sei Dank unterstützen sie das. Ich muss meinem Mann sehr viel Dank aussprechen. Und auch meiner Mutter und Schwiegermutter, dass sie immer auf meinen Sohn aufpassen. Und dass sie das alles unterstützen.

Bleibt bei so viel Training auch noch Zeit für die Jagd?

Die Jagd ist leider etwas in den Hintergrund gerückt. Eben wegen des zeitaufwendigen Trainings. Die Familie möchte mich auch gern sehen. Vor dem Wettkampf habe ich mir gesagt: ‚Ich konzentriere mich auf das Eine. Und später mache ich dann wieder mehr mit der Jagd.‘

Möchten Sie sonst noch irgendetwas loswerden?

Ich möchte mich bei meinen Trainern bedanken, die mich auf dem Weg begleitet haben: Erwin Eichel und Henning Kruse. Und bei den Mitarbeitern der Physiotherapie Praxis Bergner, die mich körperlich aufgebaut haben und sich so viel Mühe gegeben haben mich fit zu machen. Sie haben sich extra schlau gemacht, welche Muskelgruppen angesprochen werden, wenn man das Gewehr festhält. Da haben wir einige Zeit verbracht, um das in die richtige Richtung zu optimieren.

Vielen Dank! Wir freuen uns auf die nächste DJV-Bundesmeisterschaft mit Ihnen.