(Quelle: Kauer/DJV)

Jäger erlegen so viele Nutrias wie nie

8. Dezember 2020 (DJV) Berlin

Fast 88.200 Nutrias weist die Statistik für das Jagdjahr 2019/20 aus - davon knapp die Hälfte aus Niedersachsen. Das sind 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Tiere unterhöhlen Deichanlagen und zerstören Röhrichte.

Die Nutria gilt in Europa als invasive, gebietsfremde Art.
Die Nutria gilt in Europa als invasive, gebietsfremde Art. (Quelle: Rolfes/DJV)

Knapp 88.200 Nutrias haben die Jäger in Deutschland im Jagdjahr 2019/20 (1. April bis 31. März) erlegt. Das sind 42 Prozent mehr als im Vorjahr und fünfeinhalb mal so viele Tiere wie zehn Jahre zuvor. Die meisten Nutrias sind in Niedersachsen zur Strecke gekommen: knapp 41.400. Diese Zahlen hat der Deutsche Jagdverband (DJV) heute veröffentlicht.

Klimawandel begünstigt Ausbreitung der Südamerikanerin

Die Nutria gilt in Europa als invasive, gebietsfremde Art. Sie stammt aus dem subtropischen Südamerika und ist an Gewässer gebunden. Dank Klimawandel hat sie sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre stark ausgebreitet. Von 2006 bis 2015 haben sich die Nachweise ihres Vorkommens in Jagdbezirken verdoppelt - auf 16 Prozent bundesweit. Neue Monitoring-Daten  liegen 2021 vor. Besonders verbreitet ist die Nutria im westlichen und östlichen Niedersachsen (Ems, Elbe), in Nordrhein-Westfalen, im Westen Baden-Württembergs (Rhein), im Norden Sachsen-Anhalts (Elbe) sowie im Nordwesten und Süden Brandenburgs (Havel, Schwarze Elster, Spreewald, Neiße).

Deichschutz ist ebenso bedroht wie seltene Arten

Die Nutria legt meterlange, unterirdische Höhlensysteme im Uferbereich und in Deichanlagen an und gefährdet damit deren Stabilität, was zu Überschwemmungen von Agrar- und Siedlungsflächen führen kann. Das Abfressen von Wasserpflanzen und Röhrichtbeständen gefährdet Ökosysteme und die darin lebenden Arten. Es verschwinden beispielsweise Bruträume für Fische und Wasservögel. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt deshalb den systematischen Einsatz von Lebendfangfallen und den Abschuss. Der DJV begrüßt diese Position. Einschränkung der Jagd in Schutzgebieten oder ein Verbot der Jagd mit der Falle hingegen sind schlecht für den Artenschutz.

Der DJV und drei Landesjagdverbände unterstützen ein EU-Life-Projekt zum Management von Nutria und Bisam. Beteiligt ist die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie niederländische und belgische Institutionen. Im Fokus: Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten, Verhindern von Überschwemmungen und Minimierung von landwirtschaftlichen Schäden.

Text

Seit den 1930er-Jahren gibt es in Deutschland freilebende Populationen (Gethöffer, 2018). Die Dichte einer Population kann je nach Habitat zwischen 0,5 und 21 Tieren pro Hektar liegen (Willner et al. 1979). Unter günstigen Voraussetzungen, etwa nassen Sommermonaten, können auch mehr als hundert Tiere pro Hektar leben. Nutrias bekommen zwei- bis dreimal jährlich Nachwuchs. Dieser kann bereits nach drei, spätestens jedoch nach sieben Monaten geschlechtsreif sein.

Die Nutria gilt in Südamerika als Delikatesse. Auch moderne Wildgerichte lassen sich damit zubereiten

Einen ausführlichen Steckbrief mit Wissenswertem gibt es hier.

28. 1. 2020, Berlin/Dortmund

So viele Nutria erlegt wie nie zuvor

Knapp 62.000 Nutria haben Jäger 2018/19 erlegt - Allzeitrekord und 261 Prozent mehr in zehn Jahren. Ihre Ausbreitung ist eine Gefahr für Deichschutz und Artenvielfalt. Jagdstrecken für Waschbär und Marderhund sind leicht rückgängig.

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26. 11. 2019, Berlin

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19. 6. 2019

Nutria (Myocastor coypus)

Die Nutria, auch Sumpfbiber genannt, ist kleiner als der Biber, aber deutlich größer als die Bisamratte. Das an Wasser gebundene Nagetier lebt in Familienverbänden und bevorzugt strömungsarme Fließ- und Stehgewässer mit reicher Wasserpflanzenvegetation.

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