(Quelle: Kauer/DJV)

Frage-und-Antwort-Papier zur Auslandsjagd

28. Januar 2021 (DJV/CIC) Berlin

Führen Jagdverbote zu mehr Schutz für Elefant und Löwe? Stimmt es, dass Jagdtourismus zur Ausrottung selten gewordener Tierarten beiträgt? CIC und DJV liefern ein Frage-Antwort-Papier zur Auslandsjagd.

Trophäenjagd: Gänzlich anders als ihr Ruf
Trophäenjagd: Gänzlich anders als ihr Ruf (Quelle: Wunderlich/DJV/CIC)

Stimmt es, dass Jagdtourismus zur Ausrottung selten gewordener Tierarten beiträgt?

Die Jagd durch Gäste und Einheimische hat weltweit einen positiven Effekt: Die Bestände von jagdbaren Wildarten in Reiseländern weltweit steigen seit mehreren Jahrzehnten oder sind auf hohem Niveau stabil. Jagd - speziell durch zahlungskräftige Ausländer - verleiht Wildtieren einen (wirtschaftlichen) Wert vor Ort, weshalb die Tiere und ihre Lebensräume für die Lokalbevölkerung schützenswert sind. Ein Beispiel: Die Einnahmen aus streng kontrollierter Jagd auf den Markhor, eine asiatischen Schraubenziege, haben überhaupt erst seine Wiederansiedlung in weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes ermöglicht. Lag der Bestand des Markhor Mitte der 1980er-Jahre bedingt durch massive Wilderei und Lebensraumverlust an die Weidetierhaltung noch bei unter 100 Tieren, leben heute dank der Jagdeinnahmen für wenige alte, männliche Tiere (durchschnittlich sechs Exemplare im Jahr) weit über 7.000 Schraubenziegen alleine in Pakistan. Positiver Nebeneffekt: Steigende Markhor-Bestände bedeuten mehr Beute für den stark bedrohten Schneeleoparden. Seine Bestände nehmen ebenfalls zu. Für andere Formen des Tourismus eignet sich Pakistans Bergwelt kaum. 

Jagdverbote führen zum Rückgang der Bestände von Tierarten. Beispiel Kenia: Seit dem Jagdverbot 1977 gingen außerhalb umzäunter und bewachter Nationalparks 80 Prozent der ursprünglichen Wildtierbestände verloren - durch Wilderei und Verdrängung durch den Menschen. Botswana hat sein 5-jähriges Jagdverbot (das nur auf Kommunal- und Staatsland bestand) 2019 nach einer Volksabstimmung aufheben müssen: Die ausufernden Konflikte zwischen Mensch und Tier machen ein aktives Management insbesondere der Überpopulation von Elefanten notwendig. Menschen kommen ebenso durch Elefanten zu Tode wie Nutztiere, werden verletzt oder verlieren ihre Ernten. Die Folge: illegale Tötung mit Gift und Schlingen oder Wilderei. Es gibt derzeit mindestens 135.000 Elefanten in Botswana - sie zerstören ihren eigenen Lebensraum und den anderer Wildtiere. Die Anti-Jagd-Aktivitäten geldmächtiger westlicher Tierrechtsorganisationen wie IFAW, PeTA, Born Free, Pro Wildlife schaden der Tierwelt und Artenvielfalt insgesamt. Das zeigen die beiden Länder Kenia und Botswana eindrucksvoll.

Die Jagd heute hat mit der Jagd in Kolonialzeiten nichts mehr zu tun - sie ist modern, reguliert und folgt Gesetzen. Jäger sind Gäste der einheimischen Jagdrechtsinhaber, genau wie hierzulande. "Kolonialistisch" sind jedoch Forderungen nach Jagdverboten:  Westliche Tierrechtsorganisationen wollen souveränen Staaten im Ausland (und ganz besonders in Afrika) vorschreiben, wie sie Naturschutz betreiben und Wildbestände managen sollen. Ebenso absurd ist die Vorstellung, dass namibische Aktivisten das Management von Wildschweinen oder Hirschen in Deutschland bestimmen wollen. Auch hierzulande nehmen Gäste, etwa aus den Niederlanden oder Dänemark, gegen Bezahlung an Jagden teil. Vor allem Bundes- und Landesforsten bieten bezahlte Plätze an. Die weitaus größte Zahl erlegter Wildtiere in Afrika stellen übrigens Antilopen dar. Sie haben ähnlichen Einfluss auf Lebensräume wie hierzulande Hirsch und Reh. 

Emmanuel Koro, südafrikanischer Journalist, formuliert den negativen Einfluss westlicher Aktivisten so: "Die Anti-Jagd- und Tierrechtsszene stellt eine größere Gefahr für Wildtiere dar als Wilderer. Afrikanische Wildtiere sind leider nach wie vor der Geldautomat der Tierrechtsgruppen. Sie profitieren von Spendenkampagnen zum Verbot des Handels mit Wildtieren, während afrikanische Menschen und Wildtiere unter Armut und Wilderei leiden."

Andere Formen des Öko-Tourismus wie Fotosafaris sind nachweislich kein adäquater Ersatz für nachhaltige, regulierte Jagd. Sie sind eine Ergänzung in wenigen Gebieten mit guter Infrastruktur, etwa Nationalparks. Jäger sind oft an Orten, wo Straßen, Hotelanlagen oder medizinische Versorgung fehlen. In Jagdgebieten herrschen natürliche und dem Lebensraum angepasste Verhältnisse, da Wildbestände nicht so hoch sein müssen wie für den Fototourismus. Jagdgebiete bieten Tieren durch Gebirge, Wald und Busch so viele Versteckmöglichkeiten, dass der Fototourist wochenlang auf sein ersehntes Fotomotiv warten müsste. Durch regulierte, kontrollierte Jagd erhalten Dörfer, die außerhalb touristischer Hotspots liegen, die Möglichkeit, Einnahmen zu erwirtschaften - durch sogenannte "Gemeindebasierte Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen (CBNRM). Forderungen nach Verboten von Jagdreisen gefährden also erfolgreiche Projekte, wie beispielsweise das Conservancy-Modell Namibias oder CAMPFIRE in Simbabwe.

Seit den 1960er-Jahren nehmen in den südafrikanischen Jagdreiseländern die Wildtierbestände ständig zu oder sind auf hohem Niveau stabil. In den afrikanischen Ländern, die nachhaltige Jagd erlauben, haben sich die Bestände einiger Unterarten der Giraffe in 40 Jahren nahezu verdreifacht. In den meisten Ländern mit Jagdverbot hingegen gibt es immer weniger Giraffen. 20 Millionen Wildtiere leben heute alleine in Südafrika, größtenteils in privat geführten Gameranches, die von Jagd und Fototourismus gleichermaßen leben. Kenia - beliebtes Beispiel der Tierrechtsszene für ein Land mit Jagdverbot - hat seit den 1970er-Jahren hingegen außerhalb seiner umzäunten und bewachten Nationalparks 80 Prozent der ursprünglichen Wildbestände durch Wilderei und Verdrängung durch den Menschen verloren. In Botswana leben heute mindestens 135.000 Elefanten - sie zerstören inzwischen allein durch die schiere Anzahl ihre eigenen Lebensräume und den anderer Tierarten. Vom Aussterben "ikonischer" Arten wie Elefant, Nashorn oder Löwe kann in den Ländern, die nachhaltige Jagd zulassen, überhaupt keine Rede sein. 

In den klassischen Jagdreiseländern wie Namibia, Tansania oder Südafrika herrschen üblicherweise stabile Lebensstandards, weshalb es aus diesen Ländern kaum zu Massenfluchten wie aktuell aus den nördlichen afrikanischen Ländern kommt. Jagd trägt neben anderen Formen des Tourismus wesentlich zu dieser Stabilität bei. Vor gilt allem auf dem Land, wo Menschen mit oft gefährlichen Tieren wie Löwe, Krokodil oder Nilpferd leben müssen. Jagd schafft Jobs, Einkommen und Ernährungssicherheit für eine oft extrem arme Bevölkerung.

Im Sommer des Jahres 2020 forderten über 50 Repräsentanten aus sieben südafrikanischen Ländern britische Politiker und Prominente in einem Brandbrief und einem Video dazu auf, "ihren VIP-Status nicht mehr weiter dafür einzusetzen, die Rechte einer armen Bevölkerung mit Füßen zu treten und dadurch den Wildtierschutz im südlichen Afrika aufs Spiel zu setzen". Vorangegangen waren Forderungen nach einem Verbot von Jagdreisen, speziell nach Afrika. Die Unterzeichner - darunter Bürgermeister aus Botswana und Sprecher der CAMPFIRE- und Conservancy-Projekte in Simbabwe und Namibia - stellen klar, dass "durchschnittlich 50 bis 90 Prozent der wirtschaftlichen Anreize zum Wildtierschutz aus nachhaltiger, regulierter, humaner und wissenschaftlich überwachter Jagd stammen. Dies hat in den Ländern des südlichen Afrikas zu einem Anstieg von Wildtierbeständen und der Erweiterung ihrer Lebensräume um 80 Prozent geführt." Die Unterzeichner des Briefs verlangen ein Ende der Herabwürdigung ihrer weltweit respektierten Erfolge im Naturschutz. Sie fordern die sofortige Anerkennung ihres grundlegenden Rechts auf nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, die Lebensgrundlage der Bevölkerung sind: "Alles andere bedeutet, die Rechte von Tieren über die Rechte von uns Afrikanern zu stellen." 

Die dieser Behauptung zugrunde liegende Chardonnet-Studie (2009) nutzt bewusst falsche Zahlen und wurde nie von der IUCN legitimiert.  Die oft angeführten "30 Cent" stammen aus einer Studie, die sich ausschließlich auf Tansania in den Jahren vor 2012 bezieht. Sie ist demnach nicht repräsentativ für andere afrikanische Jagdreiseländer. Das Geld war eine freiwillige "On-Top-Leistung" aus der Jagd, zusätzlich zu staatlichen Pacht- und Lizenzgebühren für die Jagdgebiete. Diese allein machen immerhin 10.000 US-Dollar pro Jagdgebiet und Jahr aus. Außerdem berücksichtigt  die Studie nicht den Wert von Naturalien wie Fleisch, das an die Bevölkerung verteilt wurde oder Materialien, die zu Souvenirs verarbeitet und dann verkauft werden konnten. Bürgermeister aus Botswana und Sprecher der CAMPFIRE- und Conservancy-Projekte in Simbabwe und Namibia stellen klar, dass "durchschnittlich 50 bis 90 Prozent der wirtschaftlichen Anreize zum Wildtierschutz aus nachhaltiger, regulierter, humaner und wissenschaftlich überwachter Jagd stammen. Dies hat in den Ländern des südlichen Afrikas zu einem Anstieg von Wildtierbeständen und der Erweiterung ihrer Lebensräume um 80 Prozent geführt."

Genau eine Studie (Chardonnet, B., 2009) wird immer wieder herangezogen, um Jagd zu verunglimpfen. Im Sommer 2020 veröffentlichte die Kommission "Sustainable Use and Livelihoods" (SULi) der Weltnaturschutzunion (IUCN) ein Schreiben, in dem sie deutlich Stellung zur Bedeutung nachhaltiger Jagd im internationalen Artenschutz nimmt: "Die Trophäenjagd trägt bei vielen Spezies zu deren Schutz bei." Die IUCN stellt weiterhin klar: "Es besteht die Gefahr, dass ein Ende der Jagd – bei Fehlen tragfähiger, alternativer Einnahmequellen – die weitaus größeren Bedrohungen noch verschärft, anstatt den Schutzstatus jagdbarer Arten zu verbessern." Als Hauptbedrohungen nennt die IUCN Lebensraumverlust durch Ackerbau und Viehzucht, Wilderei sowie Mensch-Wildtier-Konflikte. Aktuellere Studien untermauern den Nutzen der Einnahmen aus nachhaltig regulierter Jagd und bestätigen ihre hohe Bedeutung im Schutz gefährdeter Arten und ihren Beitrag zur Lebenssituation der Lokalbevölkerung.

Zuletzt wurde ein Spitzmaulnashornbulle in Namibia für 370.00 US-Dollar erlegt. Das Tier hat sich aufgrund seines hohen Alters nicht mehr fortgepflanzt - aber nachweislich mehrere jüngere Bullen lebensgefährlich verletzt sowie mehrere Kühe und ihre Kälber getötet. Der alte Bulle wurde deshalb zur Gefahr für den Erhalt der eigenen Art. Nach Freigabe durch staatliche Behörden darf ein solches Tier erlegt werden. Die Einnahmen fließen direkt in den Schutz vor Wilderei, etwa in Form von Löhnen und Ausrüstung für Anti-Wilderei-Teams, für Zäune zum Schutz der Lokalbevölkerung vor Nashörnern oder zu deren Schutz vor Wilderern. Die Nashornbestände in den Jagdreiseländern sind genau aus diesen Gründen stabil oder nehmen sogar zu. Die Erlegung deckt sich mit den Regelungen der IUCN und CITES für Tiere dieses hohen Schutzstatus.

Namibias "Wüstenelefant" ist keine besonders schützenswerte Unterart des afrikanischen Elefanten, sondern einfach nur eine Gruppe besonders gut an das trockene Wüstenklima angepasster Tiere.  Diese werden nur in Ausnahmefällen bejagt und zwar nach strengen, staatlich überwachten Vorgaben: Nämlich dann, wenn sie menschlichen Siedlungen bedrohen, wie zuletzt ein besonders auffälliger Bulle. Die Einnahmen aus diesen Jagden werden für Anti-Wilderei-Teams und deren Ausrüstung in Jagdgebieten oder auch den Nationalparks eingesetzt. Sie fließen in die Instandhaltung von Zäunen zum Schutz der Lokalbevölkerung oder der Tiere in Nationalparks -  etwa im berühmten Etosha-Park. Mit den Einnahmen durch Jagd werden Schäden im Ackerbau oder an der Wasserversorgung kompensiert. Das Fleisch ernährt Familien über lange Zeiträume.

In Namibia beträgt der Beitrag der Jagd am Bruttosozialprodukt beispielsweise 2,3 Prozent. Die daraus abgeleitete Forderung, die Jagd wegen ihres geringen Beitrags zum Sozialprodukt abzuschaffen, ist absurd. Ein Vergleich: In Deutschland sind über 50 Prozent landwirtschaftliche Fläche, Forstwirtschaft wird auf etwa 30 Prozent der Landesfläche betrieben. Landwirtschaft, Forstwirtschaft einschließlich Jagd und Fischerei tragen zusammen aber nur 0,91 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands bei. Schaffen wird deshalb bei uns Land- und Forstwirtschaft ab?

Auf dem gesamten Kontinent Afrika erlegen Gastjäger aus dem Ausland pro Jahr etwa 120.000 Tiere. Dabei geht es ähnlich wie in Deutschland vordringlich um Nahrungsmittelerwerb, Vermeidung von Schäden in Land- und Forstwirtschaft oder Eindämmung von Seuchen. Zum Vergleich: In Deutschland, dessen Fläche 84 mal kleiner ist als die Afrikas, erlegen Jäger jedes Jahr durchschnittlich zwei Millionen Wildschweine, Rehe und Hirsche.  Die Jagd in Afrika dient auch der Eindämmung von ausufernden Mensch-Wildtier-Konflikten mit Elefanten, Löwen oder Krokodilen. Diese Tiere können direkt die Sicherheit und das Leben von Menschen bedrohen. Die Zahlen zeigen, dass die Auslandsjagd in Afrika keinesfalls den Wildbestand schädigt, wo sie verantwortlich reguliert und durchgeführt wird. Jagd durch Gastjäger schöpft lediglich ein geringen Teil des Zuwachses ab, ist aber verknüpft mit vielfach höheren Einnahmen als beispielsweise durch den Fototourismus.

Solche Verbotsphantasien sind gefährlich und kurzsichtig - sagen nicht nur Jäger, sondern auch die Weltnaturschutzunion IUCN und ganz aktuell das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Von Hörnern oder Geweihen, die bei nachhaltiger, kontrollierter Jagd neben dem wertvollen Fleisch anfallen, geht keine Gesundheitsgefahr aus. Sie werden nach EU-Hygiene-Bestimmungen behandelt und von Amtsveterinären kontrolliert, bevor sie verschickt werden. Anders als bei Produkten aus Wilderei, seien es Pangolin-Schuppen oder Nashorn. Mit Verbotsforderungen die Jagd betreffend, diktiert die westliche Welt den Reiseländern quasi durch die Hintertür, wie sie mit ihren Wildbeständen umzugehen haben. Das ist eine neue Form von Kolonialismus. Botswanas Präsident fand deutliche Worte: Afrika sei kein Zoo und seine Bewohner keine Zoowärter.

In einer Informationsbroschüre der IUCN aus dem Jahr 2016 erläutert die IUCN detailliert, wie sich Jagdverbote negativ auswirken können auf Artenschutz, Bekämpfung der Wilderei vor Ort sowie Rechte und Lebensgrundlagen indigener und lokaler Gemeinschaften. Das Schreiben liegt nun in einer deutschen Fassung vor und wird auf Anfrage in gedruckter Form versandt. 

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Frage-und-Antwort-Papier zur Auslandsjagd (Stand: 28.01.2021)

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