Waschbärspulwurm

Mit der Ansiedlung faunenfremder Tierarten ist auch eine mögliche Einschleppung neuer Infektionserreger oder Parasiten verbunden.

Der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis gelangte  mit dem Waschbären Procyon lotor von Amerika nach Europa. Die ersten Nachweise für diesen im Dünndarm von Waschbären lebenden Parasiten fanden sich in Zoos und Heimtierhaltungen in Deutschland und Polen (Stefanski und Zarnowski, 1951). Bei Untersuchungen in den 1990er Jahren in Hessen von wildlebenden Waschbären waren rund 72% Parasitenträger (Bauer  et al.,1992; Gey, 1998). In Ostdeutschland wurde der Waschbärspulwurm bisher nur in Sachsen-Anhalt nachgewiesen (Schwarz et al. 2014 im Druck; Winter, 2005).

Der Waschbärspulwurm lebt im Dünndarm von Waschbären und vermehrt sich dort geschlechtlich und mit jedem Gramm Kot werden täglich  20 000 – 26 000 Spulwurmeier ausgeschieden. Bei mittlerer Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit entwickeln sich daraus Larven, die jahrelang infektionsfähig bleiben. Über das Aufsuchen gemeinsam genutzter Latrinen können sich Waschbären infizieren, eine weitere Ansteckungsmöglichkeit ergibt sich aus der Konsumierung von mit Larven infizierten Beutetieren (=Zwischenwirte) wie Nagetiere oder Vögel.

Für den Menschen stellt der Waschbärspulwurm eine der gefährlichsten Zoonosen dar, da die Larven (Larva migrans) durch Wanderbewegungen das Gewebe zerstören und je nach Befallsort entsprechende Organstörungen verursachen wie z.B. Erblindung beim Eindringen ins Auge. Ein Befall des zentralen Nervensystems durch eine Larve des Waschbärspulwurms verläuft in den meisten Fällen tödlich.  

Mit dem Anstieg der Populationsdichten des Waschbären in Deutschland steigt auch das Risiko für die Verbreitung des Waschbärspulwurms. Da die Spulwurmeier gegenüber Umwelteinflüssen sehr resistent sind, bleiben sie im Freiland jahrelang infektiös. Wie Beispiele aus den USA zeigen sind in Siedlungsgebieten des Waschbären vor allem Kleinkinder, die im Garten und Sandkasten spielen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt.  

Auch der jagdliche Umgang mit dem Waschbären birgt die Gefahr einer Infektion. Beispielsweise können sich im Waschbärkot, der in Fangeinrichtungen (z.B. Kastenfallen) zurückbleibt die Eier zu infektiösen Larven entwickeln. Weiterhin kann eine Infektion auch beim Hantieren mit erlegten Waschbären geschehen und darüber hinaus werden beim offenen Transport von erlegten Waschbären die im Fell anhaftenden Spulwurmeier verfrachtet werden (Jagdkleidung, Auto etc.). 

 

Literatur:

  • Bauer C., Knorr H., Gey A. (1992): Aktuelle Zoonosen. Ber. Dtsch. Veterinärmed. Ges.; 4. Hohenheimer Seminar: 204-206.
  • Gey A.B. (1998): Synopsis der Parasitenfauna des Waschbären (Procyon lotor) unter Berücksichtigung von Befunden aus Hessen. Giessen, Justus-Liebig-Universität, Fachbereich Veterinärmedizin, Diss.
  • Schwarz S., Sutor A., Mattis R., Conraths F.J. (2014):  Der Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis) – kein Zoonoserisiko für Brandenburg? Berl. u. Münchner Tierärztliche Wochenschrift im Druck
  • Stefanski W., Zarnowski E. (1951): Ascaris procyonis n.sp. jelita szopa (Procyon lotor L.) Ascaris procyonis n.sp. provenant de l‘ intestine de Procyon lotor L. Annales Musei Zoologici Polonici Tom XIV Nr.15 Warzawa 1 VI. 199-203.
  • Winter M. (2005): Zur Ökologie des Waschbären (Procyon lotor, L. 1758) in Sachsen-Anhalt. Halle/Saale, Univ., Institut für Zoologie, Dipl.Arb.