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Was muss ich beim Reviergang beachten?

Mit einem sprichwörtlichen Sack Flöhe in den Wald zu gehen, erfordert gute Vorbereitung. Der Erste Hilfe Kurs liegt vielleicht schon etwas zurück und sollte noch mal ins Gedächtnis gerufen werden. Vermutliche Gefahren wie Zecken, der Eichenprozessionsspinner oder giftige Pflanzen sind bei richtiger Behandlung weit weniger bedenklich. Und mit den fünf Waldgeboten lässt sich die zappelige Bande im Zaum halten.

Das Erste-Hilfe-Set gehört bei jedem Reviergang in den Rucksack (Quelle: DJV)
Das Erste-Hilfe-Set gehört bei jedem Reviergang in den Rucksack (Quelle: DJV)

Hier gibt es Hinweise, worauf man sich für einen Reviergang mit Kindern vorbereiten sollte.

Erste Hilfe

Wer Gruppen in die Natur führt, sollte auch auf Unfälle vorbereitet sein. Selbst bei größter Vorsicht lassen sich Verletzungen nicht immer vermeiden. Ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack und Grundkenntnisse in Erster Hilfe sind unerlässlich beim Gruppenausflug in die Natur. Darüber hinaus leistet ein Handy im Notfall wertvolle Dienste. Lehrer sollten in ihrer Klasse nachfragen, ob Allergiker dabei sind (z. B. Heuschnupfen, Insektenstich), um entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Das gehört ins Erste-Hilfe-Set:

  • Desinfektionsmittel, Pflaster, Schere, Pinzette und sterile Tupfer zur Versorgung von Schürfwunden.
  • Elastische Wickel und Heparin-Salbe zur Versorgung von Verstauchungen, Zerrungen und Prellungen.
  • Antiallergische Salbe zur Linderung der Schwellung bei Insektenstichen.
  • Blutstillende Gaze zum Tamponieren der Nase bei starkem Nasenbluten.

Außerdem kann es z. B. beim Arbeiten mit Tierpräparaten oder vor Reviergängen ratsam sein, die Gruppenmitglieder nach allergischen oder asthmatischen Erkrankungen zu fragen.

Gefahren im Wald - Nur keine Panik

Sicher gibt es auch im Wald Gefahren, z. B. durch Zecken oder den kleinen Fuchsbandwurm, aber wenn man ein paar allgemeine Grundsätze beachtet, ist der Wald sicher ein viel ungefährlicherer Ort als die Großstadt. Wer gut informiert ist, kann sich also gefahrlos aufmachen zum Gang durchs Revier.

Zecken

Zecken sind ungefähr stecknadelkopfgroße, schwarze Spinnentiere, das heißt, sie besitzen acht Beine, abgesehen von Zecken-Larven, die nur sechs besitzen. Sie halten sich meist in Bodennähe, bis maximal 80 Zentimeter über dem Boden im Gras und niedrigen Büschen auf. Das Fallenlassen von Bäumen ist ein Ammenmärchen. Zecken lassen sich am liebsten von vorbeiwandernden Tieren, aber leider auch Menschen, abstreifen, dann krabbeln sie solange herum, bis sie Hautkontakt haben und mit dem Blutsaugen beginnen können.
Das Problem bei Zeckenstichen ist, dass durch sie Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose übertragen werden können.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Möglichst langärmelige Hosen und Pullis tragen, Strümpfe über die Hosenbeine ziehen und geschlossenes Schuhwerk tragen.
  • Auf heller Kleidung sieht man Zecken besser.
  • Insektenabweisende Mittel bieten einen gewissen Schutz, ruhig auch auf die Hosen auftragen.
  • Nach dem Abenteuer Wald die Haut nach Zecken absuchen (Kopf und Hautfalten nicht vergessen), Kleidung gut ausschütteln.

Schüler und Eltern sollten über die Möglichkeit einer FSME-Impfung informiert werden. Gegen die Lyme-Borreliose ist noch keine Impfung möglich. Der Erreger (das Bakterium borellia burgdorferi) wird jedoch erst circa 24 Stunden nach Saugbeginn übertragen. Durch regelmäßige Körperkontrolle und sachgerechte Entfernung möglicher Zecken kann eine Infektion also vermieden werden.

Richtige Behandlung von Zeckenstichen:

Es gibt viele “Geheimtipps” zur Entfernung von Zecken. Die meisten schaden jedoch mehr als sie nutzen. Keinesfalls sollte die Zecke mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden, denn so können durch die Stressreaktion des Tieres erst recht Krankheitserreger in den Blutkreislauf des Menschen gelangen. Die Zecke sollte mit einer speziellen Zange oder einer Pinzette nahe an der Stichstelle am Kopf gefasst und langsam gerade nach hinten herausgezogen werden.

Bei Veränderungen des Allgemeinzustandes (z. B. grippeähnliche Anzeichen) oder Auffälligkeiten an der Stichstelle (Rötung, Entzündung etc.), muss ein Arzt aufgesucht werden. Mit Blutuntersuchungen lassen sich FSME-Viren oder Borrelien nachweisen.

Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart. Anfang Mai schlüpfen die für den Menschen unter Umständen gefährlichen Raupen. Sie werden bis zu fünf Zentimeter lang. Man erkennt sie an der dunklen Rückenlinie. Hier liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langhaarigen Warzen.

Etwa ab dem dritten Entwicklungsstadium bilden die Raupen Brennhaare mit Widerhaken aus, die ein Nesselgift enthalten, das sie vor Fressfeinden schützt. Diese Haare brechen sehr leicht ab und können bei Wind weit verbreitet werden. Das Gift der Haare kann bei Kontakt mit der Haut und den Schleimhäuten des Menschen allergische Reaktionen – eine sogenannte Raupendermatitis – auslösen. Merkmale sind Flecken und Quaddeln auf der Haut. Eine Reizung der Schleimhäute der Atemwege kann Husten, Bronchitis oder Asthma verursachen. Reizungen der Augen können in Form von Rötungen, Juckreiz und einer Bindehautentzündung auftreten. Selten kommt es bei Kontakt mit den Haaren auch zu einer Kreislaufreaktion.

Nach einer explosionsartigen Vermehrung des Schmetterlings, der vorher vor allem in Süddeutschland vorkam, tritt er mittlerweile in allen Bundesländern auf. Wie der Name schon beschreibt, besiedelt der Schmetterling eichenreiche Wälder und allein stehende Bäume, wie sie häufig im Stadtgebiet an Straßenrändern oder in Parks stehen. Die Raupen leben gesellig und gehen in Gruppen mit 20 bis 30 Individuen auf Nahrungssuche – daher der Name „Prozessionsspinner“. Dabei bilden sie Bänder von bis zu zehn Metern Länge. Ältere Raupen ziehen sich tagsüber in Nester – sogenannte Gespinste – zurück, die bis zu einen Meter lang werden können. Diese Nester bestehen bis zu mehrere Jahre und enthalten immer noch die giftigen Brennhaare.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Warnhinweise der Behörden in befallenen Gebieten beachten und diese Bereiche nicht betreten
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • empfindliche Hautbereiche wie Nacken, Hals und Unterarme durch weite Kleidung schützen
  • nach Kontakt sofort Kleidung wechseln und Duschbad mit Haarreinigung
  • nach Kontakt Augen mit klarem Wasser spülen

Kleiner Fuchsbandwurm

Der drei bis fünf Millimeter lange Fuchsbandwurm lebt im Darm seines Endwirtes, in der Regel ein Fuchs (möglich sind aber auch Hund oder Katze). Zwischenwirte sind Nagetiere, vor allem Mäuse, die im Fuchskot enthaltende Bandwurmeier aufnehmen. Auch der Mensch (als Fehlwirt) kann befallen werden, wenn er mit Bandwurmeiern verschmutzte Nahrung aufnimmt oder in Kontakt mit kontaminierten Fellen der Endwirte kommt. In Deutschland wird der Kleine Fuchsbandwurm mit Ausnahme Sachsens in allen Bundesländern nachgewiesen, wobei die Befallrate der Füchse von Südwest nach Nordost deutlich abnimmt.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Beeren und Waldfrüchte nicht ungewaschen verzehren. Mit absoluter Sicherheit verhindert man eine Infektion aber nur dann, wenn die Nahrungsmittel auf 60 Prozent erhitzt worden sind, denn dann sterben die Bandwurmeier ab.
  • Kot und Überreste von Tieren, insbesondere von Füchsen nicht berühren.
  • Vor dem Essen Hände waschen. Vor allem nach Arbeiten im Freiland.
  • Hunde und Katzen, die im Freiland Mäuse fangen, regelmäßig entwurmen.

Tiere, die an Tollwut erkrankt sind

Früher war die Tollwut eine häufige Krankheit mit meist tödlichem Verlauf. Laut WHO-Bericht spielt sie mittlerweile in Deutschland kaum mehr eine Rolle, da die meisten Gebiete dank langjähriger Impfaktionen tollwutfrei sind.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Impfköder nicht berühren, da sie abgeschwächte Tollwutviren enthalten.
  • Keine scheinbar zahmen oder kranke Wildtiere oder Kadaver anfassen.
  • Bei Bissen oder Kontakt mit verdächtigen Tieren einen Arzt aufsuchen.

KreuzotterSchlangen und Spinnen

Glück hat, wer bei einem Waldspaziergang überhaupt eine Schlange sieht, denn sie sind in Deutschland sehr selten. Tatsächlich von einer Schlange gebissen zu werden, hat vermutlich die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns. Giftig sind ohnehin nur Kreuzotter und Aspisviper. Beide Arten stehen auf der Roten Liste. Sollte es tatsächlich zum Biss kommen: sicherheitshalber einen Arzt rufen, die Biss-Stelle auswaschen und unterhalb fest bandagieren (nicht aussaugen, abbinden oder ausschneiden!).

Spinnenbisse sind eher selten. Neben der Kreuzspinne, deren Gift eine leichte Wirkung gegenüber Kleinkindern hat, kann auch die Dornfingerspinne zubeißen. Sie ist aus dem Mittelmeerraum bis ins Hamburger Umland vorgedrungen und eine der wenigen Spinnen, die aktiv angreifen. Ihr Biss kann ein Anschwellen der Bissstellen bis hin zu lokalen Verfärbungen hervorrufen. Empfindliche Personen reagieren mit Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden auf das Gift von Dornfingern.

 

Stechende Insekten

Insektenstiche sind zwar meist unangenehm, aber relativ harmlos. Eine Ausnahme stellen hier Allergiker dar: Sie sollten gerade im Hoch- und Spätsommer entsprechende Notfallmedikamente mit sich führen.

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Achtung beim Verzehr von süßen Speisen und Getränke (verschließbare Trinkflasche)
  • Vorsicht beim Obst- und Blumenpflücken
  • Mülleimer meiden
  • Auffällige Gerüche wie Parfüm meiden
  • Bekannte Nester weiträumig umgehen
  • Bei fliegenden Insekten Ruhe bewahren: nicht danach schlagen! Insekten, die sich zufällig auf einen Menschen setzen, vorsichtig abstreifen.

Giftige Pflanzen

Roter FingerhutUm giftige Pflanzen erkennen zu können, empfiehlt sich ein Bestimmungsbuch. Unbekannte Pflanzen und ihre Früchte sollten selbstverständlich nicht gegessen werden. Beim Blumenpflücken

sollte die Kinder auf den Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude) hingewiesen werden. Der Zellsaft dieser nicht heimischen, 3-4 Meter hohen Pflanze wirkt phototoxisch. Gelangt der Zellsaft auf die Haut, reagiert diese unter Sonnenlichteinwirkung mit Schwellungen und Verbrennungen.

FliegenpilzWas ist im Fall einer Vergiftung zu tun?

  • Das Wichtigste: Ruhe bewahren und sofort ärztlichen Rat einholen!
  • Lassen Sie die betroffene Person Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken und Mengen trinken (keine Milch!).
  • Versuchen Sie nicht, die betroffene Person zum Erbrechen zu bringen (kein Salzwasser!).
  • Bei Hautkontakt mit giftigen Pflanzenteilen am besten die betroffenen Hautpartien mit Wasser abspülen.

Tipps für den Rundgang mit einer Schulklasse

  • Kreuzottern, Kreuzspinnen und Zecken gehören für Kinder oft zu den Tabutieren, die als sehr gefährlich eingeschätzt werden. Zum Glück gibt es aber kein einziges heimisches Tier, das für Menschen akut gefährlich ist, außer vielleicht Bienen und Wespen für Bienengiftallergiker.
  • Auch die Angst vor Giftpilzen ist verbreitet. Aus diesem Grund werden häufig Pilze zertreten. Zeigt man den Kindern die Fraßspuren an einem Pilz, entdecken Sie vielleicht selbst, dass diese wertvolle Nahrung für viele Waldtiere darstellen.
  • Holzpolter sind für Kinder immer eine verlockende Klettergelegenheit. Das reine Kletterverbot ist schwer zu akzeptieren. Viele Kinder meinen, Holz sei leicht und sie könnten so einen Stamm locker tragen. Daher ist der Versuch, einen einzeln liegenden Stamm mit ein paar starken Jungs und Mädchen hochzuheben, meist sehr einprägsam: Ein Baumstamm kann so viel wiegen wie ein Auto: “Was passiert, wenn euch ein Auto überrollt?”

Die 5 Waldgebote

Allgemeine Spielregeln für die Schulklasse in der Natur helfen, eine positive Einstellung zur Natur zu erreichen. Für das Verhalten in Wald, Feld und Flur haben sich folgende Waldgebote als hilfreich erwiesen, die einprägsam und leicht einzuhalten sind:

1. Keinen Müll hinterlassen
Was man mitbringt, muss wieder mitgenommen werden. Weggeworfene (Plastik-) Verpackungen werden manchmal von Tieren gefressen, die daran eingehen können.

2. Kein Lärm im Wald
Lärm ist Stress für Menschen, besonders aber für Tiere. Denn sie erschrecken sich vor plötzlichem Gebrüll im Wald und ergreifen in Panik die Flucht. Unterhaltung ist selbstverständlich möglich.

3. Kein Feuer im Wald
Feuer ist wegen der Waldbrandgefahr sehr gefährlich. Im trockenen Sommer genügt oft schon eine weggeworfene Glasflasche oder -scherbe, um ein Feuer zu entfachen.

4. Keine Tiere jagen, quälen, fangen, füttern und streicheln.
Tiere, die gehetzt werden, verbrauchen mehr Energie und müssen daher mehr fressen. Das kann vor allem im futterarmen Winter zu einer brenzligen Situation führen. Streicheln ist auch wegen möglicher Übertragung von Krankheiten gefährlich.

5. Keine Pflanze absichtlich zerstören
Jedes Lebewesen hat seine Aufgabe in der Natur, zum Beispiel brauchen wir jedes grüne Blatt zur Sauerstoffproduktion. Pflanzen sind Nahrung und Schutz für die Tiere.