Waldschnepfe (Scolopax rusticola)

Auch: Berg-, Busch-, Dorn-, Holz-, Steinschnepfe, Schneppe, Schnibbe, Blaufuß, Eulen- und Spitzkopf, Vogel mit dem langen Gesicht

Waldschnepfen gelten als eher untypische Watvögel, leben sie doch eher nicht in offenen Landschaften sondern am liebsten in etwas „unaufgeräumten“ Wäldern. Beim Ansitz hört der Jäger gern den Balzruf des Schnepfenmännchens - ein tiefes „quorr“, meist dreimal hintereinander, beendet von einem hohen „puitz“ - kündet es doch vom beginnenden Frühjahr.           

Waldschnepfe (Quelle: Ronald Slabke)
Waldschnepfe (Quelle: Ronald Slabke)

Kennzeichen

  • Körperlänge: ca. 35 cm, der Schnabel (Stecher) ist länger als der Kopf; kräftige Beine (Ständer).
  • Der Vorderkopf ist gelbgrau mit schwarzen Querbändern.
  • Gefieder mit guter Tarnfärbung: rostrot, braun, grau und gelb gesprenkelt
  • Die Beinfarbe ist altersabhängig: hellrosa bei jungen bis dunkelgrau bei alten Vögeln
  • Kein Geschlechtsdimorphismus.

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

  • In ganz Europa verbreitet (außer Iberische Halbinsel und Nord-Skandinavien), häufig
  • Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Jahresvogel
  • Überwintert z.T. im Mittelmeerraum
  • Ordnung der Möwenartigen und Watvögel (Charadriiformes), Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae)

Lebensraum

  • Bevorzugt feuchte Auen-, Laub- und Mischwälder mit Lichtungen und Schneisen
  • sehr scheuer Einzelgänger, drückt sich tagsüber gut getarnt in die Streuschicht des Waldbodens

Nahrung

  • Zu 80 Prozent Regenwürmer, die mit dem langen Schnabel erbeutet werden; kleine Weichtiere, wie Insekten und deren Larven, Spinnen, im Herbst und Winter auch Beeren, Samen und andere Pflanzenteile.
  • vorwiegend in der Morgen- und Abenddämmerung auf Nahrungssuche.

Sinnesleistungen und Lautäußerungen

  • Der Schnabel ist sehr empfindlich: große Tast-, Geruchs- und Geschmacksfähigkeit und kann im Boden am unteren Ende aufgeklappt werden
  • Augen liegen weit oben am Kopf (Überblick beim Stochern)
  • Während des Balzflugs (Schnepfenstrich) lockt das Weibchen mit Rufen, das Männchen antwortet mit murrenden Tönen. Begegnen sich zwei Männchen, so kann der Suchlaut in aggressive Schreie übergehen; ansonsten kaum Lautäußerungen.

Fortpflanzung

  • Zwei Jahresbruten: Ende März bis Ende Juni
  • In der Abenddämmerung vollzieht das Männchen seine charakteristischen Balzflüge mit oft schnellem, doppeltem Flügelschlag, während das Weibchen seine Anwesenheit durch Hüpfer auf der Stelle anzeigt, die von hastigem Auffliegen unterbrochen werden.
  • Bodenbrüter: Das Nest besteht aus einer mit Laub ausgelegten Bodenmulde.
  • meist vier Eier pro Gelege (kurz-oval, hellbraun bis rahmgelb und dunkel gefleckt).
  • Brutdauer: 20 bis 22 Tage.
  • Das Männchen kümmert sich weder um das Gelege noch um die Aufzucht.
  • Die Jungtiere sind Nestflüchter und mit ca. 20 Tagen flugfähig
  • Bei Gefahr klemmt sich der Muttervogel die Jungen zwischen Bauch und Beine und fliegt mit ihnen davon; Etappen bis 100 Metern sind so möglich.
  • Sterblichkeit der Jungen in den ersten drei Wochen: 20-30 Prozent

Gefahren für die Waldschnepfe

  • Zerstörung des Lebensraums durch Entwässerung von Auenlandschaften
  • Hohe Sterblichkeit im 1. Lebensjahr (bis zu 70 % der Tiere)

Extra

  • Die Waldschnepfe bietet mit den Malerfedern und dem Schnepfenbart besondere Trophäen

Die Waldschnepfe im Bundesjagdgesetz

  • Jagdzeit: 16. Oktober - 15. Januar

 

Quellen

  • Cramp, S. et al. (1985): Handbook of the Birds of Europe, the Middle East and North Africa. Vol. III Waders to Gulls. Oxford University Press.
  • Svensson, L.; Mullarney, K.; Zetterström, D. (2011): Der Kosmos Vogelführer. 2.Auflage, Franck-Kosmos Verlag, Stuttgart