Seehund (Phoca vitulina)

Durch Wasserverschmutzung, Überfischung und Krankheiten wie Seehundstaupe sind die Populationen dieser Tiere im Wattenmeer immer wieder gefährdet. Durch großen Aufwand beim Schutz dieser Tiere wurde es jedoch erreicht, die Populationen in der Nordsee in ihrer Größe stabil zu halten.  

Seehund (Quelle: Cele 4 CC BY-SA 3.0)
Seehund (Quelle: Cele 4 CC BY-SA 3.0)

Kennzeichen

  • Körperform ist optimal an den Wasserlebensraum angepasst: torpedoförmiger Körperbau, die Gliedmaßen sind zu Flossen umgewandelt, Schwimmhäute zwischen Finger und Zehen
  • Keine Ohrmuscheln – sondern kleine seitliche Löcher am Kopf, Nasen- und Ohrenöffnungen werden beim Tauchen verschlossen
  • Dicke, isolierende Fettschicht unter der Haut
  • Die Körperlänge beträgt ca. 1,20 bis 1,80 m
  • Gewicht: Männchen 80 – 100 kg, Weibchen 60 – 80 kg
  • Fell: kurz, grau-silbrig, sandfarben bis graubraun mit dunklen Flecken

Verbreitung und Lebensraum

  • Der Seehund ist auf der Nordhalbkugel, im Atlantik und Pazifik, beheimatet.
  • Einen Großteil seines Lebens verbringt er im Wasser, zur Geburt, zum Säugen der Jungtiere, für den Fellwechsel sowie zum Ausruhen und Sonnen sucht er Sandbänke auf
  • Er bevorzugt eisfreies Küstengebiet mit trockenfallenden Sandbänken, auf denen er vor Feinden relativ sicher ist. Mancherorts bewohnt der Seehund auch geschützte Felsküsten
  • Der Seehund ist v.a. an der Nordseeküste verbreitet, die Bestände in der Ostsee sind wesentlich geringer

Vergleich zu anderen Robben

Kegelrobbe Seehunde in Seehundstation Mönchsrobbe
Die Kegelrobbe Die Seehunde Die Mönchsrobbe
Sie können zwischen 130 cm und 180 cm groß und 150 kg bis 220 kg erreichen. Besonders zu unterscheiden durch ihren spitzen Kopf Sie können zwischen 140cm und 180 cm groß und bis zu 100 kg  schwer werden. Besonders zu erkennen durch ihren rundlichen Kopf Sie werden bis zu 220 cm groß und Weibchen werden bis zu 270 kg, Männchen allerdings nur bis zu 170 kg schwer. Sie zählt zu den seltensten Säugetieren Europas

Stellung im zoologischen System

  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)  Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)  Familie: Hundsrobben (Phocidae)  Gattung: Echte Hundsrobben (Phoca)

Nahrung

  • Der Seehund ist ein Meeresraubtier und jagt Fische, Muscheln und Krabben, die Hauptbeute in der Nordsee ist v.a. die Flunder
  • Jungtiere fressen vermehrt Krebse und Garnelen
  • Ausgewachsener Tiere fressen im Jahresdurchschnitt täglich 3 bis 5 kg Nahrung
  • Im Sommer fressen sie weniger, im Herbst dafür mehr, um sich eine Fettreserve für den Winter anzulegen, dabei folgen sie den Fischen in tiefere Meeresgewässer

Sinnesleistungen und Lautäußerungen

  • Seehunde besitzen spezielle Barthaare, die sogenannten Vibrissen, welche das Finden und die Überprüfung der Nahrung erleichtern
  • Die Pupillen der großen, empfindlichen Augen erweitern sich unter Wasser stark, da es bereits im wenigen Metern Tiefe sehr dunkel ist
  • Die Augen sind zum Schutz mit einer dünnen Membran überzogen
  • Da die Augen an die Brechkraft des Wassers angepasst sind, sind die Tiere an Land kurzsichtig und reagieren nur auf Bewegungen. Zudem sind Seehunde farbenblind, sie besitzen vor allem die “Grünzapfen” für langwelliges Licht
  • Der Geruchssinn ist nur schwach ausgebildet und dient vor allem dem Auffinden der eigenen Jungen
  • Am wichtigsten unter Wasser ist ihr empfindliches Gehör (Seehunde können bis zu zehnmal besser hören als der Mensch), selbst erblindete Tiere können sich sicher mit Hilfe der Vibrissen unter Wasser bewegen
  • Beide Geschlechter fauchen bei Bedrohungen
  • Jungtiere “heulen” und halten damit Kontakt zur Mutter bzw. rufen nach dieser.

Fortpflanzung und Lebenserwartung

  • Die Geschlechtsreife tritt bei weiblichen Tieren mit etwa 3-4 Jahren, bei den männlichen Tieren mit etwa 5 Jahren ein
  • Die Paarungszeit findet im Hochsommer kurz nach der Säugezeit statt
  • Die Paarung selbst findet im Wasser statt
  • Das befruchtete Ei entwickelt sich nicht sofort, je nach Befruchtungszeitpunkt tritt eine Keimruhe von bis zu drei Monaten ein, die bewirkt, dass die Jungtiere jedes Jahr zur gleichen Zeit im Juni/Juli geboren werden
  • Nach 11 Monaten Tragezeit, davon 3 Monate Keimruhe, kommen die Jungen an geschützten Klippen oder Sandbänken zur Welt
  • Meist wird nur ein Junges geboren, welches bei der Geburt ca. 7 bis 10 kg wiegt und 80 bis 90 cm lang ist, selten zwei Jungtiere
  • Jungtiere können bereits wenige Stunden nach der Geburt schwimmen
  • Das Junge wird 3-5 Wochen bei jedem Niedrigwasser auf den Sandbänken oder Klippen zwei- bis dreimal vom Muttertier gesäugt
  • Durch die sehr nahrhafte Milch verdoppelt das Jungtier sein Körpergewicht bereits im ersten Monat
  • Seehunde erreichen in Freiheit ein Alter von ca. 30-40 Jahren

Lebensweise und Verhalten

  • Einzelgänger, nur an Land leben sie zum Schutz in größeren Gruppen
  • Sie sind jedoch keine Kontakttiere, d.h. sie meiden den direkten Körperkontakt zu anderen Seehunden
  • Zum Ausruhen suchen sie Sandbänke auf, ihr Leben spielt sich aber hauptsächlich im Wasser ab
  • Sie sind sehr gute Schwimmer, können bis zu 480 m tief und 30 Minuten lang tauchen
  • Zeitweilig ruhen die Tiere sogar unter Wasser und kommen nur zum Luftholen an die Oberfläche
  • Frisch geborene Junge folgen ihrer Mutter recht schnell ins Wasser. Sie schwimmen vor dieser her, sind sie erschöpft, nimmt das Muttertier sie auf den Rücken

Gefahren für den Seehund

  • Seehunde Beutegreifer größerer Fische befinden sich am Ende der Nahrungskette, daher sammeln sich bei ihnen Schadstoffe (Schwermetalle, Insektizide, Nitrate, Phosphate etc.) besonders stark an. Dies kann auch zu einer Schwächung des Immunsystems führen
  • Die Situation verbessert sich, da die Zuflüsse aus den Binnengewässern in den letzten 20 Jahren zusehends weniger schadstoffbelastet sind
  • In den letzten Jahren sind immer wieder epidemische Seehundstaupe-Erkrankungen aufgetreten und haben die Bestände dezimiert, die sich danach aber wieder aufbauen
  • Ein Problem für die Seehunde des Wattenmeers sind auch Wattwanderer, die scheinbar verlassene Jungtiere berühren. Die Muttertiere lassen die Jungen oft für lange Zeit allein; kehren sie zurück und riecht das Junge nach Mensch, akzeptiert die Mutter es oftmals nicht mehr
  • Ein Jungtier, das seine Mutter dauerhaft verloren hat, wird als “Heuler” bezeichnet
  • Die betroffenen jungen Seehunde werden in Deutschland in Aufzuchtstationen untergebracht, aus denen sie nach der Aufzucht wieder in die Freiheit entlassen werden

 

Der Seehund in Bundesjagdgesetz

  • Der Seehund ist als Wildart im BJagdG aufgelistet.

 

Quellen

  • Niethammer, J.; Krapp, F. (1992): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger Teil II: Robben- Pinnipedia. Aula Verlag Wiesbaden.