Mit Schülern an die Wurzel der Jagd

Der Landesjagdverband Brandenburg e.V. unterstützt im Rahmen des Projekts „Gemeinsam Jagd erleben“ eine Initiative von Archäologen und Pädagogen in der Niederlausitz.

 (Quelle: Wentworth/DJV)
(Quelle: Wentworth/DJV)

Wie können wir insbesondere junge Menschen für das Weidwerk als eigenständiges Kulturgut begeistern und ihnen die herausragende Stellung der Jagd in der Entwicklung der Menschheit vermitteln? Auf diese Fragen fanden Archäologen und Pädagogen vom Archäotechnischen Zentrum Welzow/Niederlausitz (ATZ) eine ungewöhnliche Antwort: Sie führen Schülerinnen und Schüler zu den Wurzeln der Jagd.

Dr. Hans Joachim Behnke, Leiter des ATZ, und seine Mitstreiter haben für Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 11 und 13 Jahren ein abenteuerreiches Ferienangebot entwickelt. Ziel ist es, den Heranwachsenden die Jagd praxisnah im Kontext der Menschheitsgeschichte zu vermitteln.

Mit diesem Ansatz, so Behnke, sollte es uns gelingen, Schüler auf den Pfad der Menschheitsgeschichte zu führen und die Jagd als typisches Aufgabenfeld aller Epochen seit der Steinzeit darzustellen. Während der Woche im „Lernort Wald und Feld“ wird auch das Weidwerk nicht zu kurz kommen. „Wir wollen Fährten lesen, in der Dämmerung Wild beobachten, Jagdwaffen und Fallen aus 10.000 Jahren ansehen, Speere werfen, Feuer machen sowie in der Natur campieren. Alles soll ein großes Abenteuer werden. Natürlich wollen wir dabei auch erleben, wie gut gegartes Wildbret damals schon schmeckte.“, erklärt der Experimentalarchäologe.

„Nachdem wir von dieser Initiative erfuhren und die Menschen, die dahinter stehen, kennengelernt hatten, war schnell klar, dass wir hier mit unseren Kontakten und unserer Öffentlichkeitsarbeit unterstützen werden. Von diesem Angebot sollten möglichst viele Eltern erfahren, denn Projekte wie diese sind dazu geeignet, der Naturentfremdung entgegenzuwirken und das Interesse am Weidwerk zu wecken.“, bekräftigt Dr. Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V.     

Angebot und Kosten

Das Ferienabenteuer mit sechs Übernachtungen im Hotel mit Vollverpflegung und Rundumbetreuung in Feld und Wald durch Pädagogen, Archäologen, Forstfachleute und Jäger kostet 369,00 € pro Kind. Mitreisende Eltern zahlen 300,00 €. Zur Absprache aller Modalitäten veranstaltet das Archäotechnische Zentrum einen Elternabend.

Termine

Das Ferienprogramm findet ab der Teilnahme von 15 Schülern pro Woche statt.

Woche 1:  26.07. bis 01.08.2015
Woche 2: 02.08. bis 08.08.2015


Anmeldungen bis 15. Mai an:

Dr. Hans Joachim Behnke
Leiter des Archäotechnischen Zentrums Welzow
Fabrikstraße 2
03119 Welzow
Behnke@atz-welzow.de
035751 28225
0177 7610868
www.atz-welzow.de

Küch/LJVB

 

„Wildbeobachtung mit oder ohne Jagd“ Mit Schülern an die Wurzel der Jagd

Interview mit Dr. Hans Joachim Behnke, Leiter des Archäotechnischen Zentrums Welzow (Niederlausitz)

In den Sommerferien können Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 13 Jahren jeweils eine Woche lang steinzeitliche Jagderlebnisse teilen. Was gab den Ausschlag für diese Aktion?

Hans Joachim Behnke: Über die Jagd wird in der Gesellschaft sehr kontrovers und mitunter realitätsfern diskutiert. Als ich vor Wochen in „Wir Jäger“ Nr. 1/2015 den Beitrag „Reden, reden, reden, zeigen und erklären“ las, sah ich mich in meinen Planungen für eine Ferienwoche „Lernort Wald und Feld“ bestärkt. Als Archäologe und Leiter einer außerschulischen Bildungseinrichtung wie auch als Jäger berührt es mich, wenn Kinder in meiner Umgebung unreflektiert Fleisch essen. Fleisch von Tieren, von denen vielleicht nur jedes 500ste oder 1000ste in der freien Natur aufwuchs und dann erlegt wurde. Die übergroße Zahl von Tieren wird heute jedoch unter meines Erachtens problematischen Bedingungen „produziert“ und an unserem Bewusstsein vorbei „fremd getötet“. Doch die Gewinnung fleischlicher Nahrung ist das ureigene Geschäft menschlicher Existenz. Dabei hatten und haben wir keine Wahl. Wohl aber bei den Bedingungen, unter denen die Tiere leben. Und hierfür, denke ich, hat die Jagd brauchbare Ansätze beizusteuern. Allerdings muss man sich mit dem Thema befassen, und das wollen wir innerhalb dieser Ferienwoche tun.

Sie sprechen bei der Ferienwoche sogar vom Jagen wie in der Steinzeit. Warum diese weite Reise in die Vergangenheit?

Hans Joachim Behnke: Als Archäologe, der die Geschichte der Menschheit erforscht, kann ich schlüssig zeigen, dass die Jagd mit Werkzeugen so ziemlich das erste war, was der Mensch neben der Nutzung des Feuers unternahm. Anders konnte der aufrecht gehende, die Welt erforschende und beeinflussende Homo erectus seine Existenz und seine biologische Entwicklung nicht sichern. Die Menschheit hat nie vegan gelebt, wenngleich der Einzelne dies eine Zeitlang kann. Zudem muss man weit zurückgehen, um den Wandel zu begreifen, den die Jagd durchmachte. Zunächst diente sie der Nahrungsbeschaffung. Archäologen fanden mehr als 200.000 Jahre alte Holzspeere zusammen mit Knochen von Wildpferden. Die Fakten lagen auf der Hand: Jagdwerkzeuge und Beuteteile. Man hat gute Gründe für die Annahme, dass Männer und Frauen gemeinschaftlich jagten. Bei jüngeren Funden, etwa aus der Zeit vor gut 8.000 Jahren, blieben zunehmend Hinweise auf die Jagd aus. Die Erklärung ist einfach: Mit dem einsetzenden Ackerbau und der Zucht von Haustieren musste nicht mehr primär zur Versorgung der Familie gejagt werden. Hausrind und Brot füllten nun den Speiseplan. Aber: Pfeil und Bogen scheinen nun die Jagdwaffen gewesen zu sein, um den Schutz der Felder und der im Wald weidenden Herden sicherzustellen. Ich sehe es so: Solange wir Menschen Getreidefelder anlegen und Haustierzucht betreiben, werden wir auch die Schutzjagd ausüben müssen. 

Womit werden sich die Mädchen und Jungen in dieser steinzeitlichen Abenteuerwoche beschäftigen?

Hans-Joachim Behnke: Spuren lesen, Tierverhalten beobachten, die Tarnung und Heimlichkeit des Jägers erproben und Jagdpläne schmieden, das gehört zu den Fähigkeiten, die der Jäger damals noch besser beherrschen musste als heute. Dabei setzen wird auf einen engen Kontakt zur Natur. Wir wollen eine Initialzündung geben, dass sich junge Leute zu aktiven Naturschützern und Jägern entwickeln. Zu den Fertigkeiten, die die Schüler unter anderem erlernen, gehört das Feuermachen, das Herstellen steinzeitlicher Messer und Feuersteinpfeilspitzen, der Backtellerbau und das Zubereiten prähistorischer Plinsen und anderer Mahlzeiten. Da Jagd und Naturschutz zusammengehören, werden wir den Umgang mit Bäumen und Baumkulturen pflegen, leichte Holzarbeiten ausführen, aber auch Vogelhäuser bauen und uns in Feld und Wald bewegen.

Wie werden die Schülerinnen und Schüler die eigentliche Jagd erleben?

Hans Joachim Behnke: In diesem Punkt sind wir sehr flexibel. Wir werden mit den Eltern und Schülern gemeinsam entscheiden, wie stark die Erlebnisse sein sollen. Danach werden sich die Teilnahme und die Distanz bei morgendlichen Ansitzen mit erfahrenen Jägern richten. Sicherheit, Erlebnisbereitschaft und Erlebnisfähigkeit sind die Kriterien für jagdliches Erleben. Wildbeobachtung mit oder ohne Jagd, das sind Einzelfallentscheidungen. In erster Linie geht es um die Beschäftigung mit den Kindern. Übrigens können Eltern oder Großeltern die Schülerinnen und Schüler begleiten und ebenfalls am Geschehen teilhaben.

Interview (gekürzt): V. Küch