Kolkrabe (Corvus corax)

Auch: Joch-, Kohl-,Stein-, Edel-, Aasrabe; Galgenvogel, großer Rabe, Rapp, Wotansvogel, edler Rank

Der Kolkrabe als wissenschaftliches Mysterium: Außergewöhnliche Flugfähigkeiten, ein komplexes Sozialleben und neue Erkenntnisse über die „Sprache“ der Vögel lassen darauf schließen, dass Primaten nicht die einzigen hochintelligenten Tiere sind. Nach fast vollkommener Ausrottung in Europa ist der schwarze Geselle durch Jagdgesetz und Artenschutz wieder im Freiflug unterwegs.

Kolkrabe (Quelle: Rolfes/djv)
Kolkrabe (Quelle: Rolfes/djv)

Kennzeichen

  • fast bussardgroßer Vogel mit circa 65 Zentimeter Länge und etwa 1,3 Kilogramm Gewicht: damit sind sie die größten Vertreter sowohl der Sing- wie auch der Rabenvögel
  • Beide Geschlechter tiefschwarz, nach Lichteinfall metallisch blau-schwarz glänzend.
  • Sehr kräftiger Schnabel mit arttypisch  zottigen Kehlfedern, die vor allem bei Lautäußerungen zur Geltung kommen.

Unterschiede zu anderen Rabenvögeln

Nebelkrähe (Corvus corone cornix) Dohle (Corvus monedula)
Die Aas- oder Rabenkrähe Die Nebelkrähe Die Dohle
Größer als Taube Komplett schwarz  Schwarz-braune Augen, nur Jungvögel blaugraue Augen Größe wie Rabenkrähe;  Kopf, Vorderhals, Flügel und Schwanz sind schwarz; Hinterhals, Rücken, Brust und Bauch grau Jungvögel wie Altvögel deutlich kleiner als Raben- oder Nebelkrähe; Hinterkopf grau gefärbt, Auge mit heller Iris; sind oft paarweise oder in Trupps unterwegs

 

Verbreitung und Stellung im zoologischen System

Ordnung:  Sperlingsvögel (Passeriformes)  Unterordnung:  Singvögel (Passeri)  Familie:  Rabenvögel (Corvidae)  Gattung:  Raben und Krähen (Corvus)  Art:  Kolkrabe

  • Ursprünglich in weiten Bereichen Nordamerikas und Eurasiens beheimatet.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts im westlichen Mitteleuropa vollständig ausgerottet.
  • In Deutschland überlebten nur Restvorkommen im Alpenraum und in Schleswig-Holstein.
  • Mittlerweile kommt der Kolkrabe in zahlreichen Bundesländern wieder als Brutvogel vor.

Lebensraum

  • Braucht z.T. sehr große Streif- und Brutgebiete mit bis zu 5000 Hektar.
  • Lebensraumwahl hängt vom Nahrungsangebot ab.
  • Zu Brutzeiten sind Waldrandlagen optimal wegen Nahrungsversorgung der Jungen.
  • Lediglich reine Waldgebiete und menschliche Siedlungen meidet er.

Nahrung

  • Allesfresser; je nach saisonalem Angebot Würmer, Schnecken, Kleinsäuger bis zum Junghasen, Insekten, Jungvögel und Eier, Aas
  • Nahrungsaufnahme wird erlernt
  • In Naturlandschaften sehr auf Aas spezialisiert, auch als „Geier des Nordens“ bezeichnet.

Sinnesleistung und Lautäußerung

  • ausgezeichnete kognitive Fähigkeiten, durch Beobachtung lernen die Tiere wie sie am Günstigsten an Nahrung kommen (Werkzeugeinsatz)
  • Nachweis für Kommunikation mit Gesten unter Einsatz des Schnabels weisen auf hohe Intelligenz hin.
  • Kann gezähmt werden; imitiert Stimmen und Geräusche
  • Weit tragende Rufe, meist tief und metallisch.
  • Schnarrend “krroap, krroap”(früher als „Grab, Grab!“ interpretiert), saatkrähenartig “Krrahk” und bei der Balz hohl “klong”.
  • Individueller „Wortschatz“

Fortpflanzung

  • Während der Balz im Januar/Februar kann man Kolkraben paarweise bei akrobatischen Flugspielen beobachten.
  • Nestbau auf Felsvorsprüngen oder hohen Bäumen wie Buchen; oft in Waldrandlage um in der Offenlandschaft ausreichend Nahrung zu finden; Nest wird oft mehrere Jahre genutzt.
  • Brutdauer ca. drei Wochen (20 bis 21 Tage) von Februar bis Juni
  • Die 4 bis 6 Eier werden überwiegend vom Weibchen bebrütet. Nach dem Schlüpfen werden die Jungvögel im Nest von beiden Eltern mit Nahrung versorgt.
  • bleiben mit Partner lebenslang zusammen
  • werden erst mit drei Jahren geschlechtsreif

 

Lebensweise und Lebenserwartung

  • Standvogel (sprich an einem Ort verbleibend), der sich nach dem Nisten in der weiteren Umgebung des Nestes aufhält.
  • Jungvögel ziehen in lockeren Nichtbrüterschwärmen von bis zu mehreren hundert Tieren umher; gerne an Mülldeponien
  • Jungtiere verbleiben in der Regel einige Jahre in diesen Nichtbrüterverbänden, welche als “Brutreserve” fungieren: sobald ein Territorium frei wird oder ein Partner eines Paares stirbt, werden aus ihr neue Brutvögel rekrutiert
  • Höchstalter in der Natur bis zu 20 Lebensjahren

Gefahren

  • Kolkraben sind streng geschützt. Die Bestände erholen sich zusehends; immer noch in Ausbreitungsprozess.
  • Den Rabenvögeln wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts vehement nachgestellt. Neben Tellereisen kamen Gifte wie Strychnin und Glucochloral zum Einsatz, so dass der Kolkrabe durch massive Verfolgung in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet wurde.
  • Gefahr über Nahrungsaufnahme (Gift)
  • in Brutzeit sehr störungsempfindlich

Der Kolkrabe im Jagdgesetz

  • Ist im BJG § 2 aufgeführt, hat jedoch im ganzen Bundesgebiet ganzjährige Schonzeit.



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