
Wildpflanzen liefern Biogas, wenn Mais vertrocknet
Die anhaltende Trockenheit und Hitze des Sommers 2026 haben die Landwirtschaft erheblich belastet. Das betrifft auch den Mais, der in diesen Wochen geerntet wird. Die Erträge werden dabei je nach Region und sommerlichen Niederschlägen extrem unterschiedlich ausfallen. Das zeigt erneut, wie empfindlich Mais auf Wetterextreme reagiert und wie riskant seine Dominanz in der Bioenergieproduktion ist. Die Deutsche Wildtier Stiftung, der Deutsche Jagdverband (DJV) und die VEOLIA Stiftung haben mit dem Projekt Bunte Biomasse eine wirtschaftliche und ökologische Alternative zum Mais erfolgreich in die Praxis gebracht: Biogas aus mehrjährigen Wildpflanzenkulturen. Der jetzt vorliegende Abschlussbericht des Projekts zeigt: Wildpflanzenkulturen können hohe Biomasseerträge liefern und kommen außerdem besser mit Wetterextremen zurecht als einjährige Biomassepflanzen. Gleichzeitig schützt Bunte Biomasse den Boden vor Erosion, fördert den Humusaufbau und reduziert die Nährstoffauswaschung.
Bunte Biomasse: Vielfalt statt Monokultur
Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Hektar Mais angebaut, davon etwa eine Million Hektar für Biogas. Mais ist zwar eine sehr wirtschaftliche Biomassepflanze, doch seine Monokulturen sind extrem artenarm und verschärfen den Verlust biologischer Vielfalt. Von 2019 bis 2024 haben die Deutsche Wildtier Stiftung, der DJV und die VEOLIA Stiftung deshalb das Projekt Bunte Biomasse umgesetzt. Deutschlandweit wurden 550 Hektar mehrjährige Wildpflanzenmischungen angelegt. Die Ergebnisse sind eindeutig: hohe Erträge, starke ökologische Wirkung und große Akzeptanz bei Landwirten. Das Projekt Bunte Biomasse zeigt auch: Artenschutz hat das Potenzial, eine dritte Einkommenssäule für die Landwirtschaft zu werden – gleichrangig neben Lebensmittel- und Energieproduktion.
Maisdeckel beibehalten und Wildpflanzen in der GAP 2028 verankern
Ein herausragender Erfolg des Projekts Bunte Biomasse ist die Übernahme des Anbaus mehrjähriger Wildpflanzenkulturen in die Agrarumweltmaßnahmen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Für die kommende Förderperiode der EU-Agrarpolitik ist die Weiterführung dieser Förderung jedoch nicht gesichert. Eine bundesweite Verankerung in der ersten Säule würde die Maßnahme dauerhaft sichern und allen Betrieben verlässlich zugänglich machen. Um Anreize zum Anbau von ökologisch wertvollen Biomassesubstraten zu setzen, fordern die Projektpartner außerdem, einen Maisdeckel in relevanter Höhe im Mix der Biogassubstrate auch in der Zukunft beizubehalten.
Dr. Andreas Kinser, Deutsche Wildtier Stiftung: „Bioenergie ist eine wichtige Säule der Energiewende. Die Produktion von Pflanzenbiomasse ist mit Bunter Biomasse sogar eine Chance für den Artenschutz in der Agrarlandschaft."
Dr. Carsten Scholz, Vizepräsident Deutscher Jagdverband: „Klimaschutz und Artenschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Biogas aus Wildpflanzen zeigt, dass beides zusammengeht.“
Sylke Freudenthal, Veolia Stiftung: „Die Ergebnisse zeigen klar, dass mehrjährige Wildpflanzenkulturen ökologisch und wirtschaftlich überzeugen. Umso wichtiger ist es, dass diese erfolgreiche Maßnahme nicht von einzelnen Landesprogrammen abhängig bleibt, sondern bundesweit verlässlich verankert wird“.
