(Quelle: Kauer/DJV)

Im Herbst führt vor allem Liebe zu Verkehrsunfällen

16. Oktober 2026 (DJV) Berlin

Es ist Paarungszeit: Aktuell kracht es auf Straßen besonders häufig mit Wildschwein und Damhirsch. Mehr als 100.000 Daten aus dem Tierfund-Kataster zeigen jetzt, wann das Risiko am höchsten ist. Im Jahresverlauf ist eine andere Art trauriger Spitzenreiter der Todesliste.

Mit Rehen kommt es besonders häufig zu Wildunfällen.
Mit Rehen kommt es besonders häufig zu Wildunfällen. (Quelle: Kapuhs/DJV)

Nasse Straßen, frühe Dunkelheit – und Hormone: Im Herbst steigt das Risiko für Wildunfälle mit Wildschwein und Damhirsch drastisch an. Beide Arten haben jetzt Paarungszeit. Besonders oft kracht es von Oktober bis Dezember. Grundlage ist die Auswertung von über 100.000 Datensätzen aus 10 Jahren, gesammelt im Tierfund-Kataster. Um Zusammenstöße zu vermeiden, ruft der Deutsche Jagdverband (DJV) zu vorausschauender Fahrweise auf, besonders in der Dämmerung sowie in und entlang von Wäldern.

Wildschwein und Damhirsch im Herbst besonders aktiv

Unfälle mit Wildschweinen und Damhirschen werden überwiegend von Oktober bis Dezember gemeldet, besonders oft in den Morgenstunden. Grund dafür ist die Biologie der Arten: Es ist Paarungszeit und die Tiere legen auf der Suche nach Partnern weite Strecken zurück. Zudem suchen sie intensiv nach Futter für den Winterspeck und nach einem geeigneten Winterquartier. Über das gesamte Jahr gesehen ist das Reh mit 51 Prozent aller Meldungen im Tierfund-Kataster das häufigste Unfallopfer. Auf Platz 2 folgen Hase und Kaninchen mit 11 Prozent, auf Platz 3 der Fuchs mit 6 Prozent. Das Wildschwein liegt auf Platz 5.

Tempo drosseln rettet Leben

Der DJV ruft Autofahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit auf: Vorausschauendes Fahren und weniger Tempo verhindern Zusammenstöße. Taucht ein Tier in 60 Meter Entfernung auf, kommt ein Auto bei Tempo 80 noch rechtzeitig zum Stehen. Wer hingegen mit Tempo 100 unterwegs ist, kracht mit über 60 Stundenkilometern in das Tier auf der Straße. Wie gefährlich das ist, zeigt ein Blick auf die Aufprallgewichte: Schon bei Tempo 60 wirkt die Kollision mit einem Wildschwein als würde sich ein 3,5 Tonnen schweres Nashorn unsanft auf die Motorhaube setzen. Der Damhirsch entspricht dann einem Nilpferd.

 

Rehwild führt die Jahresunfallstatistik an. (Quelle: DJV)
Rehwild führt die Jahresunfallstatistik an. (Quelle: DJV)
Dam- und Schwarzwild sind im Herbst besonders gefährdet. (Quelle: DJV)
Dam- und Schwarzwild sind im Herbst besonders gefährdet. (Quelle: DJV)
Bei Tempo 60 wird der Hirsch zum Elefanten. (Quelle: DJV)
Bei Tempo 60 wird der Hirsch zum Elefanten. (Quelle: DJV)
Schon 20 km/h weniger verkürzen den Bremsweg erheblich. (Quelle: DJV)
Schon 20 km/h weniger verkürzen den Bremsweg erheblich. (Quelle: DJV)

Nutzer erfassen mit dem Tierfund-Kataster Wildunfälle erstmals bundesweit systematisch. Die gesammelten Daten können helfen, Unfallschwerpunkte zu identifizieren und zu entschärfen. Über die zugehörige App lassen sich Daten unterwegs schnell eingeben. Sie ist kostenlos und für iPhone oder Android erhältlich. Alle Funde gibt es in interaktiven Karten und Diagrammen auf der Internetseite. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben das Tierfund-Kataster 2011 ins Leben gerufen. Ende 2016 hat der DJV das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet.

  • Vorsicht in der Dämmerung: Geschwindigkeit reduzieren entlang unübersichtlicher Wald- und Feldränder.
  • Besonders gefährlich: Neue Straßen durch Waldgebiete und entlang von Waldrändern, da Tiere gewohnte Wege nutzen.
  • Tier am Straßenrand in Sicht: abblenden, hupen, bremsen.
  • Wenn's eng wird: scharf bremsen und nicht ausweichen. Ein Tier kommt selten allein: Am Straßenrand mit Nachzüglern rechnen.
  • Mit Tempo 80 statt 100 durch den Wald: Bremsweg verkürzt sich bereits um 25 Meter – das kann Leben retten.
  • Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage anschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen und Polizei rufen.
  • Achtung, Gefahr: Tote Tiere nur mit Handschuhen anfassen, Abstand halten zu lebenden Tieren.
  • Wild nicht mitnehmen: Das ist Wilderei und strafbar.
  • Geflüchtetes Tier unbedingt melden: So kann der Jäger mit speziell ausgebildeten Hunden das verletze Tier leichter finden.
  • Für die Versicherung: Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen.