Wildtierkrankheiten und Seuchen | Deutscher Jagdverband

Wildtierkrankheiten und Seuchen

Wildtierkrankheiten und Parasiten sind nicht nur mit Blick auf die Verwertung des Wildbrets von Bedeutung, sondern ihr Auftreten birgt auch Gefahren für JägerInnen und Jagdhunde im unmittelbaren Umgang bei der Jagdausübung wie beispielsweise beim Aufbrechen oder bei der Baujagd.

Wildtierkrankheiten und Parasiten zählen zu den natürlichen Mortalitätsfaktoren, die dezimierend auf Wildtierbestände einwirken, aber auch zu einer Regulation des natürlichen Gleichgewichts zwischen Wildtierdichte und Lebensraumkapazität beitragen können. Mit Blick auf den Artenschutz können Wildtierkrankheiten und Parasiten ein Problem darstellen. Ein seuchenhafter Befall kann für eine Reliktpopulation bestandsgefährdend sein.

Von Seuchen spricht man, wenn der Krankheitserreger bzw. Parasit sich rasch in einem Tierbestand ausbreitet, bei zeitlicher und örtlicher Häufung von einer Epidemie. Krankheiten und Parasiten, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind, bezeichnet man als Zoonosen.

Erreger bedingte Erkrankungen werden durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht, die über die Körperoberfläche, das Atemsystem, den Urogenitaltrakt oder das Verdauungssystem in den Wildkörper eindringen und sich dort vermehren und die normalen physiologischen Vorgänge stören. Entscheidend für den Ausbruch einer Erkrankung sind das Immunsystem und die körperliche Verfassung (z.B. Ernährungszustand, Trächtigkeit) des betroffenen Individuums, sowie Umwelteinflüsse (z.B. klimatische Faktoren, sozialer Stress). Eine Übertragung von Erregern kann indirekt beispielsweise über gemeinsam genutzte Nahrungsquellen und Kotplätze erfolgen, oder durch direkten Körperkontakt. Die Ausbreitung einer erregerbedingten Krankheit erfolgt umso rascher je sozialer die betroffene Wildtierart lebt (Paarbindung, Rottenverband) und je größer ihre Populationsdichte im betreffenden Lebensraum ist. Die Zeit zwischen Erregeraufnahme bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome wird als Inkubationszeit bezeichnet und unterscheidet sich in ihrer Dauer je nach Erregerart und Infektionsweg. Wird die Krankheit ausgeheilt so erlangt das Individuum eine Immunität gegenüber des spezifischen Erregers, die z.T. auch lebenslang bestehen kann. Eine Immunität (Vorhandensein erregerspezifischer Antikörper) wird auch durch die Impfung erreicht. So können durch die orale Aufnahme von Impfködern Wildtierbestände immunisiert werden, wie dies beispielsweise bei der Bekämpfung der Tollwut in Europa geschehen ist.    

Parasiten sind Lebewesen, die auf der Körperoberfläche (Ektoparasiten) oder im Körper (Endoparasiten) eines Wirtsorganismus leben. Der Parasit kann durch Wanderbewegungen, Stoffwechselprodukte und den Entzug von Nährstoffen den Wirtsorganismus schädigen. Das Ausmaß der Funktionsstörungen beim Wirtsorganismus ist abhängig von dessen physiologischer Konstitution, dem befallenen Organ(en) und der Höhe der Befallsrate durch den Parasiten. Die Ansteckung eines Wirtsorganismus mit einem Parasiten kann direkt z.B. durch die Nahrungsaufnahme erfolgen, indem Eier oder Zwischenstadien (Larven) aufgenommen werden. Infektiöse Larvenstadien können auch durch den Verzehr eines Zwischenwirts übertragen werden. Es gibt Parasitenzyklen ohne Zwischenwirt oder mit einem bzw. mehreren Zwischenwirten. Parasiten können aber auch von einem Tier auf das andere direkt übertragen werden z.B. über Hautkontakt oder im Mutterleib. Weiterhin kann eine Übertragung von Parasiten auch über blutsaugende Insekten und Zecken geschehen.