Wildschwein, Hirsch und Reh erobern Europa

Experten nennen komplexe Ursachen für Schalenwild-Zunahme

Schalenwild (hier: Rothirsche) fühlt sich in Deutschland wohl. (Quelle: Rolfes/DJV)
Schalenwild (hier: Rothirsche) fühlt sich in Deutschland wohl. (Quelle: Rolfes/DJV)

Rehe, Hirsche und Wildschweine – kurz: Schalenwild – fühlen sich nicht nur in Deutschland wohl, zeigt ein Blick auf internationale Jagdstatistiken. Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Zahl des erlegten Schalenwilds in Zentraleuropa verdreifacht. Die Ursachen sind komplex, mehr Nahrung und Deckung sind allerdings die Hauptgründe. Darauf macht der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) aufmerksam und verweist auf aktuelle Veröffentlichungen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Eberswalde. Die Situation stellt eine Herausforderung für alle Länder dar und macht eine enge Zusammenarbeit von Eigentümern, Landnutzern und Jägern notwendig, um Wildschäden und Seuchenzüge zu verhindern. Grundlegende Voraussetzung ist eine flächendeckende Bejagung, so der DJV.

Besonders erfolgreich ist laut DJV das Wildschwein. Der Kulturfolger konnte seinen Lebensraum in Zentraleuropa innerhalb von vier Jahrzehnten verdreifachen – nicht zuletzt durch die geänderte Anbauweise in der Landwirtschaft und die inzwischen dauerhaft mögliche Besiedlung von landwirtschaftlichen Flächen und Ortschaften. Selbst in Schweden, Norwegen und Dänemark kommt das Wildschwein inzwischen vor. Ohne die Jagd könnte es in Deutschland seinen Bestand inzwischen pro Jahr mehr als verdreifachen. Ähnliches gilt auch für andere europäische Länder. Das schlägt sich in der Jagdstatistik nieder: In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der erlegten Schwarzkittel europaweit verzehnfacht. Die steigenden Abschusszahlen haben ihren Ursprung in der starken Ausbreitung des Wildschweins.

Die Gründe für steigende Bestände – und folglich höhere Abschusszahlen – von Wildschwein, Hirsch und Reh sind vielfältig, bestätigt das vTI. Mehr Nahrung und Deckung sind die Hauptfaktoren, allen voran durch den großflächigen Anbau bitterstofffreier, energiereicher Nahrung wie Raps oder Mais. Hinzu kommt ein ungewollter steigender Eintrag des Düngers Stickstoff durch die Luft, der das Pflanzenwachstum ankurbelt. Eine Folge: sich häufende Mastjahre, also Jahre, in denen Eichen und Buchen im Wald große Mengen Samen produzieren. Zudem fehlen in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich kalte Winter fast gänzlich, was die natürliche Sterblichkeit stark herabsetzt.

Steigende Wildbestände und höhere Abschusszahlen in Europa: Der DJV hat dazu ein Interview mit Dr. Frank Tottewitz vom Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Eberswalde geführt. Nachzulesen hier.