"Wenn nichts passiert, ist es für Elefanten und Nashörner zu spät"

In einem ITV-Interview positioniert sich Prinz William, Herzog von Cambridge, klar zur nachhaltigen Jagd im Ausland. Mit seiner Organisation „Royal Foundation“ verfolgt er schwerpunktmäßig die Rettung der Elefanten und Nashörner und setzt sich gegen Wilderei ein.

Prinz William im ITV-News-Interview (Quelle: Screenshot/DJV)
Prinz William im ITV-News-Interview (Quelle: Screenshot/DJV)

In einem Exklusiv-Interview mit ITV News Mitte März 2016 fand Prinz William, Herzog von Cambridge, dramatische Worte zur Wilderei in Afrika: Wenn die Welt in den nächsten fünf bis zehn Jahren nichts Entscheidendes erreiche, dann sei es für Elefanten und Nashörner zu spät. Erstmals äußerte sich Prinz William auch zum Jagdtourismus in Afrika: „Es gibt einen Platz für die kommerzielle Jagd in Afrika, genauso wie in anderen Teilen der Welt.“ Dies sei zwar nicht jedermanns Sache. Aber wenn die Einnahmen „regulierter und ordentlich kontrollierter“ Jagd zurück in den Schutz des Wildes flössen, dann sei dies ein Argument pro Jagd. Wenn jemand bereit sei, dafür Geld auszugeben und dieses werde entsprechend verwendet, dann sei die Jagd ein gerechtfertigtes Instrument zum Schutz bedrohter Tierarten. Außer ihm gebe es weltweit viele bedeutende Naturschützer, die genau so dächten.  Allerdings gelte es, eine feine Balance einzuhalten. Die Jagd müsse geregelt sein. Prinz William setzt sich seit Jahren gegen die Wilderei in Afrika ein. Seine „Royal Foundation“, zu deren Trägern auch seine Frau, die Herzogin von Cambridge, und Prinz Harry gehören, verfolgt die Rettung der Elefanten und Nashörner als einen ihrer Schwerpunkte.

Nachhaltige Jagd ist Naturschutz

Der Deutsche Jagdverband begrüßt diese Klarstellung ebenso wie der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC). Die beiden Jagdverbände sind damit nicht allein: Bereits vor über 15 Jahren hat die internationale Naturschutzorganisation IUCN nachhaltige Jagd als eine Form des Naturschutzes anerkannt (1). In einem Schreiben an alle 96 deutschen EU-Parlamentarier hat DJV-Präsident Hartwig Fischer bereits Anfang März deutlich gemacht, dass die Abschaffung der Auslandsjagd zerstörerische Auswirkungen auf die Artenvielfalt “ hätte. Anlass für das Schreiben ist ein 6-Punkte-Papier gegen die Auslandsjagd, das derzeit im EU-Parlament zur Unterschrift ausliegt. Darin heißt es unter anderem „Das Artensterben ist vor allem auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen. Die Trophäenjagd trägt dazu bei, dass Arten mit Symbolcharakter aussterben. Die Behauptungen, dass Einnahmen aus der Trophäenjagd dem Artenerhalt und ortsansässigen Gemeinschaften nutzen würden, wurden von Wissenschaftlern widerlegt.“  

DJV protestiert gegen Anti-Jagd-Kampagne im EU-Parlament

Der Dachverband der deutschen Jäger protestierte auf Schärfste gegen diese unhaltbaren Behauptungen und verwies in seinem Schreiben auf zahlreiche Studien, die positive Auswirkungen der bezahlten Auslandsjagd belegen, darunter die Arbeit von P.A. Lindsey (University of Zimbabwe, Harare), P.A. Roulet (Université d’Orléans) und S.S. Romanach (Savé Valley Conservancy, Zimbabwe) aus dem Jahr 2006 (4). In Afrika südlich der Sahara wird kommerzielle Trophäenjagd auf mindestens 1.394.000 Quadratkilometer ausgeübt. Diese Fläche ist somit dem Wildschutz gewidmet und übersteigt die Größe der jagdfreien Wildschutzflächen in Ländern, in denen gejagt werden darf um 22 Prozent. Die Bruttoeinnahmen durch die kommerzielle Jagd in den 23 afrikanischen Jagdländern südlich der Sahara werden konservativ mit 201 Millionen US-Dollar jährlich geschätzt. Finanziert werden davon unter anderem Wildhüter, die Wilderei verhindern.

Jagdverbot führt zu Artenverlust

In dem Schreiben an die EU-Parlamentarier verwies DJV-Präsident Fischer auf das Negativbeispiel Kenia: Dort wurde bereits 1977 die Jagd auf Druck ausländischer Nichtregierungsorganisationen von der Regierung untersagt. Die Folgen für die Megafauna: Wildbestände sind um insgesamt 90 Prozent zurückgegangen, 107 Wildarten stehen vor dem Aussterben. Betrug die Elefantenpopulation in Kenia Ende der 1970er Jahre noch geschätzte 275.000 Tiere (2), wurde sie von der kenianischen Regierung für 2010 mit 35.000 (3) angegeben. Zeitgleich hat die Wilderei massiv zugenommen, allein zwischen 2007 und 2010 um den Faktor sieben.

Im Jahr 2014 hat die Regierung von Botswana die Jagd verboten. Triebfeder waren hier ebenfalls internationale Nichtregierungsorganisationen. In der Folge sind die Populationen von Löwe, Leopard und vor allem Elefant massiv gewachsen. Seit Erlass des Jagdverbots hat die einheimische Bevölkerung etwa 400 Löwen vergiftet, weil die Risse von Nutztieren Überhand nehmen. Die Stämme üben inzwischen massiven Druck auf die Regierung aus und fordern die Wiedereinführung der legalen Jagd und damit des Prinzips des „wise use“.

Zum Video: http://www.msn.com/en-ae/video/news/william-trophy-hunting-justified-in-some-circumstances/vp-BBqv9Pj

Quellen:

[1] https://cmsdata.iucn.org/downloads/iucn_ssc_guiding_principles_on_trophy_hunting_german.pdf

[2] http://www.ifaw.org/sites/default/files/Elephants%20on%20the%20high%20street%20an%20investigation%20into%20ivory%20trade%20in%20the%20UK%20-%202004.pdf

[3] http://www.kws.go.ke/download/file/fid/1402

[4] http://www.africanwildlifeconservationfund.org/wp-content/uploads/2011/09/Economic-and-conservation-significance.pdf