Waschbär in Brandenburg weiter schwer auf dem Vormarsch

Immer mehr Waschbären werde in Deutschland erlegt. Das deutet auf eine weitere Ausbreitung und eine Erhöhung der Bestände. Der DJV spricht sich für eine Ausweitung der Fallenjagd aus.

Waschbären haben eine Baumhöhle in Beschlag genommen (Quelle: Mross/DJV)
Waschbären haben eine Baumhöhle in Beschlag genommen (Quelle: Mross/DJV)

Die Waschbär-Population ist in Brandenburg nach allem Anschein zuletzt wieder deutlich gewachsen. Darauf weisen neue Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) hin. Demnach stieg die Zahl der getöteten Waschbären im Jagdjahr 2014/2015 (1. April bis 31. März) in der Mark um 11,6 Prozent auf 24 090 Tiere. Fachleute leiten von der Zahl der toten Tiere die Entwicklung des Gesamtbestands ab.

«Es ist nicht möglich, den Waschbären aus Deutschland wieder zu entfernen. Der hat sich etabliert und wird sich auch weiter ausbreiten», sagte der Vize-Geschäftsführer des DJV, Torsten Reinwald. «Aber, und das ist das Entscheidende: Mit der Jagd kann man regional und ganz besonders in Schutzgebieten - beispielsweise für den Uhu, die Großtrappe oder die Sumpfschildkröte - die Zahl der Waschbären effektiv reduzieren. Und damit auch den Druck auf gefährdete Arten.» Der DJV sprach sich für eine Ausweitung der Fallenjagd aus.

Bundesweit stieg die Zahl der Tiere, die geschossen, überfahren oder tot gefunden wurden, sogar um gut 20 Prozent auf über 116 000. «Die EU zählt den Waschbären zu den 100 schlimmsten invasiven Arten», sagte Reinwald vor der Messe «Jagd & Hund» (10.-14.2.) in Dortmund.

Die grau-weißen Kleinbären mit der markanten schwarzen Gesichtsmaske gibt es seit rund 80 Jahren in Deutschlands Wildbahn. Hier bedroht der Waschbär laut DJV mehrere seltene Tierarten, darunter die in Brandenburg noch beheimatete Sumpfschildkröte. «Die Waschbären versuchen die Schildkröten zu fressen», sagte Reinwald. «Sie beißen den Sumpfschildkröten die Schwänze und Gliedmaßen ab. Und gleichzeitig buddeln sie auch die Gelege aus und fressen die jungen Schildkröten.» Bei Studien wiesen 50 Prozent der ausgewachsenen Sumpfschildkröten charakteristische Bissverletzungen auf.

Auch der Uhu werde vom Waschbär bedrängt, wenn auch auf andere Weise. «Der Uhu braucht zum Brüten Felswände, Felsspalten, Felsvorsprünge. Beispielsweise alte verlassene Steinbrüche, das ist sein Brutgebiet.

So viele ungestörte Felswände gibt es einfach nicht. Deswegen ist der Uhu eine seltene und geschützte Art. Der Waschbär ist ein unglaublich guter Kletterer und kommt natürlich auch solche Steilwände locker hoch.» Er sei von Natur aus aber relativ bequem. «Der nimmt die Uhu-Horste einfach in Beschlag und sagt: «Hier wohne ich und nicht Du.» Er schmeißt den Uhu einfach raus.» Deutschlands größte Eule werde so aus seinen angestammten Brutgebieten verdrängt.

«Um diese Tiere effektiv zu bejagen, brauchen wir die Fallenjagd», sagte Reinwald. «Das ist ganz entscheidend, weil diese Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind. Es geht nur mit Lebendfallen.» Allerdings werden die gefangenen Tiere danach getötet. «Woanders aussetzen würde das Problem einfach nur verlagern. Das wäre sinnlos.» Es sei wichtig, offen über das Problem zu sprechen. «Wir fordern da mehr Ehrlichkeit, auch von den Naturschutzverbänden.»

- Die 100 gefährlichsten invasiven Arten: http://dpaq.de/GZ1tZ

- Waschbären und Sumpfschildkröten: http://dpaq.de/hm3Nw

- Eingeschleppte Arten: http://dpaq.de/I1X41